+++ Krisenmanagement.

+++ Aktueller Nachtrag: Grüne Nummer für Angehörige/Zugunglück im Vinschgau: 800 751 751 +++

Ich hoffe es wird mir nicht als Pietätslosigkeit ausgelegt, dass ich das Krisenmanagement im Zusammenhang mit dem heutigen Zugunglück schon kritisiere, während die Bergungsarbeiten noch im Gange sind. Nach Gesprächen mit Bekannten möchte ich hiermit vielmehr dazu beitragen, dass sich vielleicht noch etwas ändert und rasch nachgebessert wird.

Ich habe eigentlich wenig Zweifel, dass das Krisenmanagement vor Ort durch Feuerwehren und Rettungskräfte professionell abläuft. Was (nicht nur) mich bestürzt, ist die Informationspolitik — nicht sosehr für die zu Recht informationsdurstige Bevölkerung, sondern v.a. für Verwandte und Bekannte möglicher Opfer.

Im Bürgernetz war — außer eine telegraphische Pressemitteilung — bis 12.00 Uhr Mittag kein Hinweis auf das Unglück zu lesen. Mittlerweile hat das Landespresseamt reagiert, eine Infonummer für Angehörige wird aber noch immer nicht angeboten.

Die Seiten von SAD und Vinschger Bahn sehen noch immer so aus, als wäre gar nichts passiert — also ebenfalls keine Infos für besorgte Angehörige.

Gleichzeitig erweisen sich auch die Südtiroler Medien nicht fähig, eine so wichtige Krise zu managen und ihrem Informationsauftrag nachzukommen. Südtirol Online war bis nach Mittag hoffnungslos überlastet und über Stunden nicht zugänglich. Bei Südtirol News war bis kurz vor Mittag die Nachricht vom Unfall gar nicht eingetroffen. Beim Alto Adige ist in ein und demselben Artikel gleichzeitig von keinen Toten und acht Toten die Rede.

Den Angehörigen der Opfer gilt mein Mitgefühl.

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14 replies on “+++ Krisenmanagement.”

Ich habe die Meldungen ab 11.00 Uhr verfolgt, leider konnte man sich nur auf Spiegel Online und La Repubblica informieren. Jetzt (13.45 Uhr) gibt es weder bei der SAD noch beim Land eine Informationsnummer für Angehörige. Sicherlich ist dieser Moment nicht der richtige Zeitpunkt für Kritik, vielmehr sollten diese Zeilen als Ratschlag für alle Verantwortlichen dienen. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen.

ist auch erst seit kurzem online, im Mittagsmagazin des Senders Bozen haben sie sie durchgegeben. Zudem gibts widersprüchliche Meldungen zwischen 11 und 9 Toten. Südtirol Online ist völlig in die Knie gegangen.

Und richtig: sowas gehört auf die Frontpage und zwar nicht nur auf dem Bürgernetz.

Südtirol online war schon immer ein sehr träger Internetauftritt. Die Hoffnung dass sich das nach dem Relaunch bessern würde, war vergeblich.

Doch das ärgerlichste daran ist, dass stol.it nicht fähig ist einen stärkeren Zulauf zu händeln, wie es bei solchen Ereignissen dringend notwendig wäre.

Doch solange man in Sachen Performanz nicht nachgebessert wird, ist bei ähnlichen Situationen ein Zusammenbruch vorprogrammiert.

Wie angenommen hat die Bergung vor Ort angeblich wie am Schnürchen funktioniert, wofür ich allen Beteiligten danke und gratuliere. Es ist gut zu wissen, dass man im Notfall in guten Händen ist.

Dass den Angehörigen erst über 4.5 Stunden nach dem Unglück eine Hotline und brauchbare Informationen angeboten wurden, bleibt m. E. ein Makel dieses Tages. Ich bin mir sicher, dass auch das beim nächsten Mal besser funktioniert — wenngleich es hoffentlich so bald kein »nächstes Mal« gibt.

Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer und den Verletzten.

Der Unterschied zwischen gebildeten Menschen und nicht gebildeten Menschen ist, dass erstere sich einer Analyse enthalten wenn sie sich des Risikos bewusst sind nicht über alle Informationen zu verfügen oder diese erfolgreich zu verarbeiten.
Glaubst Du denn die Angehörigen werden über die Medien informiert oder müssen irgendwo anrufen?! Das wäre pietätlos. In den 4,5 Stunden von denen Du redest wurden die meisten Angehörigen bereits informiert, hatten die Verstorbenen identifiziert und wurden seelisch versorgt.
In solchen Situationen haben die Informationsgeilen wie Du zu warten bis die weit bedeutenderen Interessen der direkt Betroffenen gewahrt sind.
Gut, dass Du als Polemiker nicht über das verfügst was sich nur bei genügender Bildung und Erfahrung in sozialen Nutzen wandelt: Verantwortung.

Habe gerade das Morgenmagazin mit Helmuth Moroder gehört. Großer Respekt vor diesem Menschen, der mit großen persönlichem Einsatz und Professionalität die Vinschger Bahn mit aufgebaut hat.
Im Gegensatz dazu war die Diskussion gestern Abend mit Eberhard Daum im Rai Sender Bozen wieder mal ein journalistischer Tiefpunkt. Daum, der sich am liebsten selber reden hört, hat wieder mal seine Inkompetenz und Unfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

@Herry
Das ist eine übliche Vorgangsweise. Bei solchen Unglücken sind in der Regel sehr viele Menschen besorgt, auch wenn sie nicht direkt betroffen sind. Glaubst du, jemand, der nicht weiß, ob sein Kind/Bekannter auf dem Zug war, wartet, bis am Abend die Opferliste verlesen wird? Hier geht es nicht um Pietätlosigkeit, sondern um Informationsmanagement. Niemand von uns ergeilt sich an einer solchen Situation, sondern ist in Gedanken bei den Opfern und Angehörigen.

Herry was hat die Veröffentlichung einer Telefonnummer für Angehörige mit Informationsgeilheit zu tun? Auf der Homepage des Alto Adige steht, dass die Carabinieri gestern Hunderte von Anrufen von besorgten Verwandten, Arbeitskollegen usw. bekommen haben. Spricht das nicht für eine eigene Infonummer?
Bis am späten Nachmittag war außerdem unklar wieviele Tote und Verletzte es gegeben hat…

Auch meine Gedanken sind bei den Toten und Verletzten!

@succus: Habe auch die Diskussion im Fernsehen gesehen. Daum hatte die Hypothese gebracht, es könnte ein Wasserleitung durch Baggerarbeiten geschädigt worden sein… Durnwalder hat dies falsch verstanden und ihn daraufhin ungerechtfertigt angegriffen: niemand hätte willkürlich Wasser hoch getragen um eine Mure auszulösen… So hat das Daum aber nie gesagt. Durni sollte sich auch entschuldigen.

Der Landeshauptmann war gestern wieder einmal nur peinlich. Auch wie er stolz erzählt hat, dass er einer Journalistin mit einer Anzeige gedroht hat, weil sie ihn gefragt hat ob das Unglück vorhersehbar war. Das beweist seine ganze Selbstherrlichkeit und Unfähigkeit, ganz normale kritische Fragen zu akzeptieren. Als Daum die Hypothese genannt hat, dass das Rohr von einem Bagger der Forstbehörde beschädigt worden ist, ist der Landeshauptmann ausgerastet. Es ist zum Schämen wie er den Herrn Daum zusammengestaucht hat und wie dieser vor dem Obersten zurückgezuckt ist und alles zurückgenommen hat: Kusch kusch kusch.

Laut heute-Nachrichten (ZDF) gibt es beim Zugunglück in Hordorf (mit zehn Toten) vermutlich schwere Versäumnisse des Schienennetzbetreibers »DB Netz«. Das Transportunternehmen Veolia habe schon mehrmals auf bessere Sicherheitstechnik gedrängt, 2008 sei ein ähnlicher Unfall nur knapp verhindert worden.

Nach dem Unfall im Vinschgau hatte die jetzige Busenfreundin von LH Durnwalder, Michaela Biancofiore, gefordert, man müsse dem Land die Zuständigkeiten im Bahnverkehr entziehen, denn es sei offensichtlich außerstande, die nötige Sicherheit zu gewährleisten.

Und nun? Soll Italien auch das deutsche Schienennetz übernehmen?

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