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150 Jahre Einheit: Ein Einwand.

Mir persönlich gingen die Andreas-Hofer-Feierlichkeiten im 2009er-Jahr ja einigermaßen am Arsch vorbei. Wie auch die anstehenden Festivitäten zur “Einheit Italiens” (Stichworte: China, Reissack und umgefallen). Dennoch habe ich angesichts der Polemiken der vergangenen Tage in Folge der durnwalderschen Aussagen etwas Interessantes festgestellt: Ist es nicht erstaunlich, dass ein “non festeggiamo” seitens eines Vertreters einer ungefragt und unfreiwillig zu diesem Staat gehörenden Volksgruppe einen Skandal darstellt, während Mitbürger italienischer Muttersprache, die an den Hofer-Feierlichkeiten teilnehmen wollten (wobei Hofer schon überhaupt nichts mit Italien zu tun hatte, denn der wurde 51 Jahre VOR der jetzt gefeierten Einheit von Franzosen und Luxemburgern erschossen), oftmals in die Nähe von Vaterlandsverrätern und extremistischen Ewiggestrigen gerückt wurden, obwohl deren Vorfahren genauso Tiroler waren wie unsere und an der Seite Hofers gegen Bayern und Franzosen gekämpft hatten?!?!?

Siehe auch: 1/

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46 replies on “150 Jahre Einheit: Ein Einwand.”

ist es nicht erstaunlich, dass ein ”non festeggiamo” seitens eines Vertreters einer ungefragt und unfreiwillig zu diesem Staat gehörenden Volksgruppe einen Skandal darstellt,

Genauso so ist es, eine Umdrehung der Verhältnisse. Die italienische Öffentlichkeit ist beleidigt, weil wir unsere Gefühle ausdrücken. Wenn jemand Grund hat beleidigt zu sein, dann wir. Von den ItalienerInnen verlangt ja auch niemand, dass sie den französischen oder rumänischen Nationalfeiertag feiern.

wobei auch durnwalder in sich typisch widersprüchlich bleibt: er sagt, einer der gründe nicht hinzugehen sei, dass italien südtirol weder 1918 noch 1945 die selbstbestimmeung zugestanden hat.

heute ist es die SVP selbst, die die selbstbestimmung verbietet/verhindert/negiert. so pervers kann nur ein svpler argumentieren

2009 waren diejenigen die Provokateure, die feierten. Sie wurden von den Grünen zur Mäßigung aufgefordert. 2011 sind diejenigen, die nicht feiern, die Provokateure. Sie werden von den Grünen zur Mäßigung aufgefordert. Niemand musste sich 2009 rechtfertigen, wenn er nicht mitmachen wollte. Nationalstaat ist Zwang.

Wer ist diese “italienische Öffentlichkeit” und wer ist “Wir” ?
Ist das nicht letztendes so etwas wie gefühlte Wirklichkeit ?

Und sollten wir wirklich versuchen aus diesem Gefühl Schlüsse für unser handeln zieh’n ?

@ m.gruber

wer sind “wir” und was ist “unser handeln”?

Ist das nicht letztendes so etwas wie gefühlte Wirklichkeit?

Sollten wir wirklich versuchen aus diesem Gefühl Schlüsse für unser Handeln zu ziehen?

@ otto

das so genannte “sitz-fass”-spiel wird von vielen politikern meisterhaft beherrscht. man denke nur an g.w. bushs terrorparanoia gepaart mit aufmunternden appellen an den optimismus seiner landsleute.

also zu der unità !
Als es in der fraktionssprechersitzung in BZ aufgeworfen wurde, hatte ich in etwa diese innere regung “e che ce frega????”. Gigi sagte damals, die stadt wolle nix machen, da wir zum zeitpunkt der einigung ja nicht italien gewesen sein. Leuchtete mir ein und wollte schon ad acta legen.
Da aber kam mein widerspruchsgeist zum vorschein und ich dachte nach darüber, wie es abgehen würde: Die unità -feiern würden einzig vom heer und vom regierungskommisariat organisiert und wer von den italienern heimatgefühle in richtung italien haben würde (und das ist für mich einfach nichts schlechtes, so wie ich an + für sich nichts gegen südtirol-heimat-gefühle oder sogar österreich-heimat-gefühle habe,wiewohl ich selber nur meinem wunderbaren haus, dem elsenhof, heimatgefühle entgegenbringe), der müsste also sich wieder einmal mit heer und regierungskommissär identifizieren.
GEfiel mir überhaupt nicht, diese vorstellung. ICh hab damals schon in der sitzung vorgeschlagen, dass wir uns des themas bemächtigen und eine kritische reflexion über nationalstaaten und über deren folgen anleiern sollten. Wenn e s nur so gekommen wäre!
Inzwischen ist durnwalder über alle drübergetrampelt, laut röhrend, dass wir ja eine österreichische minderheit seien (ich bin alles, nur das nicht! und eigentlich alle meiner freunde ebensowenig). Und die italienischen parteien rudern gegen.
Es ist das alte prinzip (in der psychologie hat es sogar einen namen, aber er ist mir entfallen): wenn jemand einem etwas weg nehmen will, dann wird es doppelt kostbar. Einfatales prinzip.
Meine aufforderung an den LH heute war dementsprechend eine bitte um feingefühl und sensibilität, Weniger den italienerInnen gegenüber, sondern all jenen, die nicht so eindeutig ihre inneren anteile aufgespalten haben in das EINE oder das ANDERE, wie in unsrem lande üblich.
Vielleicht möchte der oder die andere von euch mich wenigstens diesmal zu verstehen versuchen. Ich spreche nämlich nicht für mich, sondern für viele andere, die heut freudig reagieren auf meinen sorgenvollen brief an den LH.
brigitte

Sehr geehrte Frau Foppa,

wenn Sie mir gestatten so würde ich Ihnen gerne eine Frage stellen. Sie schreiben sie seien alles, nur keine Angehörige der österreichischen Minderheit.
Dann wundert es doch sehr dass Sie genauso wie wir deutschsprachigen Südtiroler alle einen bairisch-österreichischen Dialekt sprechen, warum wohl…
Wer soll so einen Dialekt sprechen wenn nicht ein Österreicher oder zumindest ein Angehöriger der österreichischen Minderheit (wenn man noch bedenkt dass wir historisch immer zu Österreich gehörten)? Allerdings haben Sie dahingehend recht dass sich jeder Mensch als das Fühlen soll was er will. Trotzdem glaub ich sind wir was wir sind, alles kann man sich halt nicht aussuchen:

http://it.wikipedia.org/wiki/Austriaci

P.S.: In der Psychologie gibt es den Begriff der Manipulation, und besonders von den 70er Jahren aufwärts (nach Annahme des Paketes) hat der ital. Staat alles versucht, um Österreich für die Südtiroler sehr unattraktiv (heute sagt man uncool) zu machen. Man schickte Leute in die Dörfer raus und meinte mit einfachen Methoden der Manipulation, zu denen das Schlechtreden von allem was mit Österreich zu tun hat dazugehörte, könnte man eine über 1000jährige Tiroler Geschichte aus den Köpfen der Menschen verbannen. Aber wie heißt es so schön: Hochmut kommt vor dem Fall. Denn heute ist Italien selbst “uncool” und steht international so schlecht wie noch nie da. Österreich und Südtirol hingegen können sich sehen lassen, und das ist mehr als gerechtfertigt und ich glaube das kann uns auch jeder ehrliche Mensch gönnen.

@ brigitte
versuchen tun wir das ja schon wollen, aber es ist halt so verdammt schwierig dich zu verstehen. ich sprech jetzt mal einfach pauschal für die hier versammelten, die deinen positionen, zumindest was “ethnische fragen” betrifft (in umweltfragen, einem dieser tage fast in vergessenheit geratenen kernthema der grünen, sind wir ja doch hoffentlich d’accord :-)), wenig bis nichts abgewinnen können.

ich diagnostiziere dir eine selektive wahrnehmung, gegen die du dich ausgesprochen behandlungsresistent erweist. seit jahren schon möchte ich ein buch mit dem titel “die intoleranz der toleranten oder der uniformierte individualismus” schreiben. ich glaub, morgen fang ich an.

es ist ganz einfach @brigitte foppa:

in GANZ EUROPA werden nazifaschistische Symbole jeglicher couleur etc von den Grünen ganz klar und unmissverständlich ABGELEHNT . Punkt.

Da wird nicht naiv herumdiskutiert, obs irgendeiner “Geschichtsbewältigung” guttut , da wird klar Stellung bezogen; Oder können Sie mir ein so einzigartiges Beispiel – wie Ihres- im Rest Europa´s geben, wo sich die Grünen für den Erhalt solcher Relikte je eingesetzt haben ?
Damit Sie dann 2012 neben dem Benussi und dem Donato Blumen am Denkmal niederlegen können?

Eigentlich sollten die europ. Grünen Sie sofort aus der gemeinsamen Bewegung ausschliessen !

Die Grünen sind zur Anlassargumentation übergegangen: Keine Prinzipien mehr, außer das je nach dem Prinzip. Zwei Beispiele:

1. Um den italienischen Patriotismus zu rechtfertigen, wird plötzlich sogar der Österreich-Patriotismus gutgeheißen, der 2009 verteufelt wurde. Ich dachte, die Grünen sind gegen jeglichen Nationalismus?

2. Um die Beibehaltung der fasch. Monumente zu rechtfertigen entdecken die Grünen sogar das verpönte miar san miar. Südtirol ist anders als alles andere, deshalb wollen die Grünen hier die Denkmäler nicht schleifen (Hans Heiss sinngemäß).

@Foppa

laut röhrend, dass wir ja eine österreichische minderheit seien (ich bin alles, nur das nicht! und eigentlich alle meiner freunde ebensowenig).

Immerhin wissen Sie ja eindeutig was Sie und ihre Freunde nicht sind – das ist für uns schon mal sehr aufschlussreich.

ICh hab damals schon in der sitzung vorgeschlagen, dass wir uns des themas bemächtigen und eine kritische reflexion über nationalstaaten und über deren folgen anleiern sollten.

Vielleicht wäre es nach den Initiativen der Grünen im Bereich der faschistischen Denkmäler und im Bereich “flächendeckende Etablierung” der faschistischen Orts- und Flurnamen, gar nicht mal schlecht, wenn ihre Partei zum Thema italienische Einheit mal nichts sagte.

Gerade der konsequente Ausbau der Südtirol-Autonomie zur Vollautonomie und Unabhängigkeit im Sinne eines dezidiert mehrsprachigen Südtirols (BBD Projekt) ist ein Rahmen den Nationalstaat zu marginalisieren und unser Land sein mehrsprachiges Potential erst richtig ausspielen zu lassen. Die ersten zaghaften Diskussionen in diese Richtung haben Sie vor noch nicht allzu langer Zeit parteiintern erfolgreich erstickt. Nun wollen Sie gerade im Zuge, der uns aufgezwungenen italienischen Einigungsfeiern, eine öffentliche Diskussion zum Thema Nationalstaat anregen, wo sie nicht mal parteiintern in der Lage sind aus der eingeschlagenen Einseitigkeit auszubrechen.

Meine aufforderung an den LH heute war dementsprechend eine bitte um feingefühl und sensibilität,

Sie sprechen viel von Feingefühl. Dass Sie mit Ihrer zum Teil einseitigen und unreflektierten Politik die Gefühle einer Vielzahl von SüdtirolerInnen verletzen, scheint Ihnen völlig entgangen zu sein. Im Vergleich dazu ist unser LH, den ich im ökologischen Sinne auch als Dampfwalze empfinde, höchst feinfühlig und sensibel.

Inzwischen ist durnwalder über alle drübergetrampelt, laut röhrend, dass wir ja eine österreichische minderheit seien (ich bin alles, nur das nicht!

Da haben wir ja schon das Problem, sehr vielen in diesem Land fehlt das “Vaterland”, das Zugehörigkeitsgefühl zu einem Grösseren wie es ein Staat nunmal ist; oder anders gesagt, da man zwei auswählen kann, können sich viele nicht entscheiden.
Unsere Gesellschaft ist immer noch total in Nationendenken eingebunden, und wenn man keiner Nation richtig “von Herzen” angehört, fühlt man sich irgenwie verlassen.
Auch mir geht es so, wie Frau Foppa, auch ich bin alles nur “das” nicht, aber was bin ich dann? Kein Italiener, kein Österreicher, und Europäer sein ersetzt diese Suche nach “meiner” Nation nicht wirklich.
Aber brauchen wir, Frau Foppa und ich, ein grösseres Gebilde, eine Nation, einen Staat, einen Freistaat, um uns zu Hause zu fühlen, um irgendwo dazu zugehören?
Um uns als Volk, vielleicht auch als Freistaat-Volk, als Südtiroler-sudtirolesi in unserer Haut wohl zu fühlen, müssen wir weg vom geliebten, alten “Vaterland” Österreich, und vom ungeliebten, neuen “Vaterland” Italien, einerseits;
und weg von “Italia” als einziger Schutzwall für das “italienische in diesem Land, das es, liebe Steffl, seit Jahrhunderten gibt, andererseits;
wir müssten weg vom Alleinanspruch der SVP alles Deutsche im bösen Italien zu verteidigen, einerseits;
und weg von der Angsttreiberei der italienischen Rechten gegen alles Deutsche, andererseits;
Wir müssten weg von Proporz und Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung, einerseits;
und weg von der Einstellung “siamo in Italia, qui si parla italiano”, andererseits:
wir müssten uns neu definieren als Volk, nicht als Italiener, Ladiner und Deutsche, sondern als Südtiroler-sudtirolesi, aber haben wir den Mut dazu?

ich bin geneigt zu sagen, da ist der brigitte ein kleines “foppala” passiert :-)

@ jonny
gut gebrüllt, löwe!!!

@hunter
danke für den “löwen”, ich wollte aber gar nicht brüllen, wollte nur Frau Foppa vielleicht einen “neuen” Weg für die grüne Politik aufzeigen.

@ hunter:
ich frage nicht wer wir sind sondern wer WIR ist. Mich stört einfach die Art und Weise in der diese Begriffe in der Diskussion verwendet werden.

Es gibt weder eine “italienische Öffentlichkeit” noch gibt es ein WIR, dem man Meinungen pauschalisierend zuordnen kann.

Bezug nehme ich dabei auf niwos ersten Beitrag.

@foppa

und das ist für mich einfach nichts schlechtes, so wie ich an + für sich nichts gegen südtirol-heimat-gefühle oder sogar österreich-heimat-gefühle habe,wiewohl ich selber nur meinem wunderbaren haus, dem elsenhof, heimatgefühle entgegenbringe

Dieser Satz hat es in sich, denn er zeigt mir, wie selektiv die Wahrnehmung auf Seiten der Grünen ist. Zuerst wird in allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten der Nationalstaat gestützt, gleichzeitig aber kaum einmal ein positives Statement zu unserem Land abgegeben (oder zumindest im gleichen Satz revidiert). Ich bin mir sicher, dass ein Grossteil der verbliebenen Restgrünen nicht im Traum daran denkt zuzugeben, dass in letzter Zeit ziemlich viel falsch gelaufen ist. Ich empfehle Ihnen dringend, einen Analyse ihrer Presseaussendungen und Stellungnahmen durchzuführen, dabei werden Sie entdecken, wie einseitig pro Nationalistisch ihre Äusserungen waren.
Jedenfalls haben Sie in meinem “grünen” Bekanntenkreis so viel Verärgerung und Ablehnung provoziert, wobei es leicht vermeidbar gewesen wäre, würden Sie mal mehr iden Menschen zuhören und nicht immer nur reflexartig uns deutschsprachigen Südtirolern alles Böse zu unterstellen. Wer glauben Sie, wählt die Grünen das nächste Mal?

Inzwischen ist [jemand] über alle drübergetrampelt, laut röhrend.

Genau so – als trampelnden Elefanten – empfinde ich die Grünen, wenn ich gewisse ihrer Forderungen lese:
– Erhaltung aller tolomeischen Fiktivnamen
– Erhaltung aller faschistischen Denkmäler
– Entfernung des Laurinbrunnens (den die Faschisten 1934 entfernten und die Neofaschisten vor etwa 10 Jahren entfernen wollten)
– der Landeshauptmann soll den pompösen 150-Jahr-Feiern der Einheit Italiens nicht fernbleiben

Wundert ihr Euch etwa über die Italienlastigkeit und die latente Südtirol-Feindlichkeit bestimmter pol. Parteien? Lest selbst nach wie z.B. bestimmte Historiker und Angehörige der Grünen Partei an diesem Staat Italien hängen:

Bolzano: Il presidente della Provincia-Regione rifiuta di ricordare l’anniversario dei 150 anni

Alles gut und recht, jeder kann und soll sich sogar fühlen wie er will. Es fällt jedoch auf, dass es unter den Grünen viele zu geben scheint, die sehr am Stiefelstaat hängen und deshalb wohl nicht ganz objektiv beurteilen können, was für uns in Südtirol gut ist und was nicht.

Mir sollte mal jemand erklären, weshalb wir die angebliche Einheit eines Staates feiern sollen, der uns gegen unseren Willen annekiert hat, sich nie für den Faschismus und alles was während des gloriosen “Ventennio” passiert ist bei uns entschuldigt hat, für Mord und Folter verantwortlich ist und uns Jahrzehnte lang gegängelt und Rechte vorenthalten hat und weiter vorenthält usw. usw.?

Von den Grünen erwarte ich mir hierzu sicherlich keine Antwort. Eine grüne Partei deren Positionen zu faschistischen Denkmälern und andere Fragen fast deckungsgleich mit jenen der ital. Rechten sind ist ohnehin unwählbar. Und Umweltschutz schreibt sich heute jede Partei auf die Fahne. Somit sind sie überflüssig und die nächsten Wahlen werden ein böses Erwachen für die Grünen bereit halten.

Non capisco tanto accanimento nei confronti dei Verdi. Come se il cestino degli oppositori all’SVP che possono piacere ad alcuni commentatori che sto leggendo non fosse già  abbastanza pieno. Votate loro e siate felici, no?

Das ist nicht so einfach gadilu. Wie viele andere hier bin ich meinem Selbstverständnis nach ein (öko-)sozialer Wähler. Aber es wurde bereits von anderen beschrieben, warum die Grünen auch für mich unwählbar geworden sind. Ich würde aber auch keine andere derzeit “verfügbare” Partei wählen!

@gadilu
das sind die enttäuschten verliebten!! denen tut es besonders weh, wenn die grünen so verquere positionen einnehmen! ich kann das verstehen…

Update: Carlo Azeglio Ciampi, italienischer Staatspräsident a. D., spricht sich dafür aus, dass sich Staatspräsident Napolitano und die Regierung einschalten, um Südtirol (»im Dialog«) zum Feiern zu bewegen. Abgesehen davon, dass mich Feiern unter Zwang an Nordkorea erinnern, kann sich jeder vorstellen, wie erfolgreich sowas ist… jeder, der schon einmal wider Willen auf ein Fest gehen musste (und sich eigentlich lieber krank gestellt hätte).

Ich habe schon die schlauen Leitartikel der Pallavers, Palermos, Baraldis, Fattors, Valentes (und Foppas) vor Augen, die erschienen wären, hätte man die Italiener zu den Hofer-Feierlichkeiten gezwungen oder auch nur gedrängt.

Es wird mir hier 100%ig niemand glauben, dass auch ich Grün gewählt habe. Aber tatsächlich habe ich damals, zu Zeiten von Alexander Langer, ihnen bei jeder Gelegenheit meine Stimme gegeben.
Damals war ich jung, naiv und gutgläubig. Lange Zeit hab ich auch der SVP meine Stimme gegeben, da sie ja für Kontinuität und Autonomie usw. steht und angeblich das “Beste für unser Land” ist. Allerdings wurde ich über die Jahre immer kritischer und spätestens seit den letzten Wahlen und besonders durch das Referendum wurden mir die Augen geöffnet! Zu Gänze glücklich bin ich zwar mit keiner Partei im Lande, aber eins kann ich mittlerweile mit Bestimmtheit sagen: Grün oder SVP werde ich in diesem Leben nicht mehr wählen, eher geb ich weiß ab oder bleibe zuhause. Was, wie wir seit dem Referendum wissen, auch eine demokratische Entscheidung ist. Besonders die letzten Ereignisse bestätigen mich in dieser Haltung.

“In einer Stellungnahme des Quirinals, dem Sitz des Staatspräsidenten, heißt es, der Staatspräsident habe im Schreiben hervorgehoben, dass Durnwalder nicht im Namen einer “vorgeblichen österreichischen Minderheit” sprechen könne.
Durnwalder vergesse, “dass er auch die italienische und die ladinische Sprachgruppe” vertrete und vor allem, “dass auch die deutschsprachigen Südtiroler Italiener sind und dass sich die große Mehrheit der deutschsprachigen Südtiroler auch so fühlt”, heißt es in dem Brief.”

Vor allem beider letzten Aussage musste ich fast laut losprusten und hätte fast den Kaffee dabei verschüttet.
Man sieht leider wieder, wie wenig die italienische Öffentlichkeit über Südtirol weiß; ziemlich traurig das Ganze…

Novant’anni di sopraffazione culturale e imposizione identitaria possono bastare. I centralisti hanno avuto tempo di imparare la lezione, ma evidentemente non è servito a nulla. Certo i verdi non diranno mai che il presidente della repubblica (dei miei stivali) manca di sensibilità .

A proposito di sudtirolesi di lingua tedesca: http://www.stol.it/Artikel/Politik-im-Ueberblick/Lokal/Umfrage-95-Prozent-der-Suedtiroler-wollen-keine-Italiener-sein/%28language%29/ger-DE

Credo che vadano presto smontate le due retoriche contrapposte che stanno riprendendo vigore: è da irresponsabili parlare di “novant’anni di sopraffazione culturale e imposizione identitaria”, così come è stupido parlare di “privilegi che devono finire”. Mi appello a pérvasion e ai lettori di BBD (il principale laboratorio di idee per un Sudtirolo postetnico). C’è bisogno di ragionevolezza.

La ragionevolezza è sempre auspicabile, ma se significa riconoscere sempre solo le ragioni degli uni (nazionalisti) e i torti degli altri (autonomisti, indipendentisti), allora non sta bene. Nell’anno hoferiano nessuno è stato costretto ad assumere un’identità  diversa dalla sua, ciononostante sono piovute critiche. Nell’anniversario della repubblichetta bunga-bunga si vuole imporre una identità  nazionale a chi non ce l’ha e non l’ha mai voluta, e le critiche non piovono sugli impositori, ma su chi giustamente rifiuta di farsi “nazionalizzare”. La ragionevolezza che voglio è quella della libertà  “postetnica”, dei non-nazionalismi, delle non-imposizioni e delle decisioni democratiche.

Ich glaube man kann dem Staatspräsidenten Giorgio Napolitano versichern, dass wir Südtiroler GEGEN unseren Willen bei Italien sind, wir hatten noch nie die Gelegenheit uns dazu zu äußern. Österreich hat seine Minderheiten z.B. darüber abstimmen lassen, siehe Kärntner Slowenen. Warum Italien nicht? Im Jahre 2011 in Europa der EU ist es mehr als erstaunlich, dass ein Staat es nötig hat (Italien), ein ganzes Land, das nie zu ihm gehören wollte und es immer noch nicht will, einfach nicht loszulassen. Darüber sollte man eine ruhige und friedliche Debatte zwischen Europäern führen. Fakt ist, dass es nicht richtig ist, dass Südtirol immer noch zu Italien gehört. Die Lombardei oder Venetien gehören ja auch nicht mehr zu Österreich oder? Warum nicht eine europäische Lösung wie z.B. in Andorra?

Die gesamte europäische Öffentlichkeit und im Besonderen die deutschsprachigen Länder werden in dieser Sache auf der Seite unseres LH sein. Wenn man sich dauernd für die Wahrheit rechtfertigen muss, so wie der LH in diesem Interview, sagt das einiges über die Geisteshaltung der ital. Öffentlichkeit aus. Zu so einem Staat wollten wir nie gehören und werden wir auch nicht in 1000 Jahren gehören wollen.
Wundern tut mich nur folgendes. Wo bleibt der Aufschrei der Kräfte, die sonst schnell den Mund aufmachen wenn es darum geht Südtirol zu kritisieren? Wenn ich mir heute die extremen Kommentare, (in öffentlichen Foren) vor allem von ital. Touristen, gegen Südtirol anschaue, schaudert es mir. Man ruft öffentlich zu Boykotten auf, “Kauft nicht bei Südtirolern”, “Macht keinen Urlaub mehr in Südtirol” usw. So was ähnliches hatten wir doch alles schonmal. Wo bleibt der Aufschrei der demokratischen Kräfte und der zahlreichen Historiker, wenn eine Minderheit in einem fremden Staat dazu bedrängt wird, zu solchen für uns geschmacklosen Einheitsfeiern zu erscheinen…

Italien duldet im 21. Jahrhundert keine abweichenden Identitäten und Sensibilitäten, es fürchtet sogar eine Europaregion. Wer dachte, man könnte sich mit diesem Staat abfinden und eine echte “Autonomie” entwickeln wird wieder einmal wachgerüttelt.

”Kauft nicht bei Südtirolern”

So etwas ähnliches gab es schon mal, auch damals gegen eine Minderheit in einem Land. Und auch damals waren es Faschisten die mit solchen Aufrufen gehetzt haben.

@Steffl
nicht Touristen sondern ital. Politiker haben öffentlich dazu aufgerufen.

“Friedliches Zusammenleben” ist für diese Ewiggestrigen nur die zynische Umschreibung für: alles bleibt genau so wie es seit Mussolini war und die Deutschen und Ladiner haben sich gefälligst damit abzufinden.

“nicht Touristen sondern ital. Politiker haben öffentlich dazu aufgerufen.”

@anonym
Umso gravierender wenn das auch Poltiker sagen. Man meinte und hoffte diese unsäglichen Zeiten, u.a. der Boykott-Aufrufe gegen eine Volksgruppe, seien seit dem Nationalsozialismus vorbei. Nicht so in Italien.
Jedenfalls bin ich froh, dass in dieser Debatte nun einiges herauskommt was viele nicht glauben wollten. Die italienische Öffentlichkeit und einige Vertreter der Grünen in Südtirol haben sich selbst demaskiert.
Feststellbar ist dies auch, wenn man sich die Kommentare unter Artikeln, die sich mit diesem Thema befassen (“Corriere della Sera”, “Repubblica”) anschaut. Man liest in diesem Zusammenhang häufig, dass wir Südtiroler und unser LH doch nach Österreich auswandern sollten, wenn es uns bei Italien nicht gefällt und wir uns nicht als Italiener fühlen. Nun wissen wir zumindest woran wir sind und was man in weiten Teilen der ital. Öffentlichkeit von uns Südtirolern hält.

Am 12. Februar 2011 um 08:38 Uhr

Entweder Italiener werden oder auswandern. War die Option nicht zu Ende?

@Finn:

Der Tag der Wahrheit rückt näher !

Rai Sender Bozen – gestern: Seppi ruft gegen Südtirol zum nationalen Tourismusboykott auf und fordert auch den Boykott von südtiroler Produkten. Dafür will er eine nationale Kampagne organisieren.
Wie wahr, die Stunde der Wahrheit rückt näher: auch für unsere liebe Volkspartei.

Sì, gli italiani di Bolzano hanno da insegnarci cos’è apertura, loro che non si sono mai aperti oltre Don Bosco-Oltrisarco. L’apertura che predicano il giornalaccio e i suoi sgherri è un’apertura solo verso sud, del Sudtirolo “chiuso” verso la Nazione (con la N maiuscola, secondo loro). Ma ignoriamoli, valà .

@laios
ich denke auch die Stunde der Wahrheit rückt immer näher. Vielleicht hat der LH gehofft er könne bis 2013 noch so wie bisher dahinregieren und alle offenen Fragen vor sich herschieben wie die Jahrzehnte davor. Aber wieder einmal bewahrheiten sich alte Sprichwörter: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und nun bricht sich das Bahn was jahrzehntelang nicht angegangen und aufgearbeitet wurde. Es ist doch immer dasselbe. Einen Fluss kann man aufstauen, aber aufhalten kann man ihn nicht.

Ich bin über den Boykott-Aufruf nicht mal so unglücklich, schliesslich träfe es die Mehrheit dort wo es wirklich weh tut: beim Geldbeutel!
Und es zeigt auch dem unentschlossenen grossen Teil der Bevölkerung wie schnell sich für sie der Wind in diesem Staate drehen kann und scharf ins Gesicht bläst. Wohl dem der dann zum eigenen Schutze einen österreichischen Pass sein Eigen nennt! Ich wäre jedenfalls beruhigter.

Dann könnte man auch nicht mehr argumentieren es geht uns ja so gut und was wollt ihr denn, habt ihr denn keine anderen Probleme u.s.w.
Es gibt dann zwei Möglichkeiten, einen Kniefall und Unterwerfung oder die Einsicht endlich den Weg in eine gemeinsame Zukunft ohne diesen Staat zu beschreiten. Wobei ich mit gemeinsam jene Italiener im Lande mit einschliesse, die nicht wie diese unverbesserlichen, unbelehrbaren, Nationalistien Mussolini-Abbilder für ihre Identität benötigen.
In der Konfrontation zeigt sich eben das wahre Gesicht des Gegenüber, solange eitel Sonnenschein herrscht ist man allzuoft geblendet.

Bei der gestrigen Diskussionsrunde im Rai Sender Bozen meinte Bozens Bürgermeister Spagnolli, alle Südtiroler gemeinsam hätten sich gefreut, dass wir (vermutlich Innerhofer und Fill) die »Strizis« bei der Ski-WM geschlagen haben. Falls es jemand nicht weiß, ist »Strizis« eine beleidigende Bezeichnung für »Österreicher«. Und mal abgesehen davon, dass ich mich nicht darüber gefreut habe — also nicht darüber, dass »wir« die Österreicher geschlagen haben — und dass diese Ausdrucks- und Denkweise wieder ein Anfall von Nationalismus ist, frage ich mich, wo in diesem Fall der »Respekt« bleibt, den die Italiener von uns einfordern (und das, obwohl Durnwalder keinen Italiener als »Walschen«, »Terrone« oder irgendwas beleidigt hat). Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, scheint mir unbestreitbar.

“Bei der gestrigen Diskussionsrunde im Rai Sender Bozen meinte Bozens Bürgermeister Spagnolli, alle Südtiroler gemeinsam hätten sich gefreut, dass wir (vermutlich Innerhofer und Fill) die »Strizis« bei der Ski-WM geschlagen haben.”

Diese Aussage hat mich auch einigermaßen gestört. Niemand hatte daran etwas auszusetzen. Spagnolli hat mit einem unglücklichen Witz eine wohl für ihn brisante Frage umschifft. Wenn ich mich richtig erinnere wurde ihm die Frage gestellt was er denn nun mit den faschistischen Denkmälern in Bozen machen würde. Darauf wollte Spagnolli eigentlich überhaupt nicht antworten. Für mich ein Indiz, dass die Hetzkampagne des Alto Adige wieder sehr wirksam Früchte zeigt. Kein Politiker des italienischen Mitte/Links Spektrums traut sich hier noch eine Position einzunehmen die der Blattlinie widerspricht.
Die Agenda wird von Rechtsaußen und dem Tagblatt AA diktiert.
Irgendwann ist Spagnolli, dann zu dieser geschmacklosen “Strizi” Sache gekommen.
Österreicher Bashing war in Südtirol ja mal recht aktuell. Wie hieß es noch vor 20 Jahren von Südtiroler Studenten in Innsbruck, die dort gerne den Latin-Lover spielten: “Über Italien lacht die Sonne, über Österreich die ganze Welt”. Darüber werden die Österreicher nun wohl sagen: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Das eigene Land zu lieben, das der anderen aber zu achten scheint diesen Menschen eben ein völlig fremdes Konzept zu sein. Umgekehrt aber sind sie extremst sensibel wenn jemand auch nur einen Hauch von Kritik übt oder wie der LH mal an einer Feier nicht teilnehmt und somit seinen Respekt, der als heliger Pflicht erachtet wird, vermissen lässt.
Jeden Tag neue Details die sehr tief blicken lassen……

@pérvasion
der heutige Kommentar von Arnold Tribus bringt es auf den Punkt und wäre meines Erachtens wert hier zitiert zu werden.

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