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Südtirol ist nicht Schottland.

Philipp Achammer, Parteisekretär der SVP, teilt uns im Tagblatt der Südtiroler heute mit, dass Südtirol nicht Schottland sei. Für Unwissende fehlt noch die Ausführung, dass in Schottland Whisk(e)y produziert wird, in Südtirol Wein. Während in Schottland Nessie ihr Unwesen treibt bringen in Südtirol die Schlernhexen so manche Vollmondnacht zum Gruseln.

Die Situation in Schottland ist also zugegeben eine völlig andere. Sollte London, entgegen den Behauptungen Achammers, einer etwaigen Unabhängigkeit Schottlands doch zustimmen, wovon ich überzeugt bin, was dann liebe SVP?
Ach und noch ein Unterschied zwischen Schottland und Südtirol. Schottland brachte unter anderem europäische Geistesgrößen wie einen David Hume, Adam Smith oder James Watt hervor. Aber vielleicht ist es ungerecht, ein 5 Millionen Volk diesbezüglich mit einem 0,5 Millionen Volk zu messen. Im Sinne des großen Aufklärers Hume würde ich unserer Regierungspartei doch einmal empfehlen einen 360° Blick auf bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen zuzulassen und sich nicht jeder Diskussion zu verweigern.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

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27 replies on “Südtirol ist nicht Schottland.”

Via Facebook teilt Achammer mit, seine Behauptung, London würde Schottland nicht in die Unabhängigkeit entlassen, sei auf die Aussage des britischen Premierministers David Cameron zurückzuführen, er werde »mit jeder Faser [seines] Körpers dafür eintreten, das Vereinte Königreich zusammenzuhalten«. Da ich nicht davon ausgehe, dass Herr Achammer blöd ist, vermute ich, dass er den Südtirolern ein A für ein O vormachen will. Die britische Zentralregierung hat nämlich schon mehrmals betont, die Abstimmung zulassen und das Ergebnis respektieren zu wollen. Cameron wird lediglich dafür kämpfen, dass sich möglichst viele Schotten demokratisch für einen Verbleib bei Großbritannien aussprechen — das ist gerade für einen konservativen [!] Premierminister nicht nur konsequent, sondern (wie ich bereits anderswo geschrieben hatte) Ausdruck höchsten demokratischen Fairplays.

Achammer begibt sich mit seinen Aussagen also unter das Niveau eines Konservativen, der einer nationalen Zentralregierung vorsitzt.

Der SVP-Sekretär macht einen weiteren kapitalen Fehler, wenn er behauptet, im Unterschied zu den Schotten hätte sich Südtirol für die Autonomie entschieden, und man könne nicht »doppelgleisig« fahren. Lassen wir mal dahingestellt, wie demokratisch sich die Südtiroler für die Autonomie entschieden haben. Die schottische Unabhängigkeitspartei SNP fährt jedoch sehr wohl »doppelgleisig« und scheint damit kein politisch-moralisches Problem zu haben. Der schottische Premierminister will zunächst neue Kompetenzen aus London in’s Land holen und erst dann das Unabhängigkeitsreferendum einberufen.

ich versteh gar nichts mehr. kann man systeme, länder und situationen nun vergleichen, oder nicht?
svp-vertreter (auch achammer, wenn ich mich richtig entsinne) werden doch nie müde zu betonen, dass die südtirol-autonomie ein vorzeigemodell sei, das auch erfolgreich exportiert werden könnte. südtirol könnte also ein vorbild für tibet und dessen zukünftigen weg sein. doch hoppla. warum kann man denn südtirol und tibet vergleichen und südtirol und schottland nicht?

zusammengefasst: wenn südtirol das vorbild ist, kann man systeme und situationen vergleichen – egal, wie weit entfernt sie auch voneinander sind.
geht jedoch jemand, was autonomie angeht, einen schritt weiter als südtirol, kann man das natürlich nicht mehr vergleichen, auch wenn sich die historischen gegebenheiten durchaus ähneln.

ich möchte hier keinesfalls die autonomie madig reden. sie war für die damalige zeit (60er-70er Jahre) ein erfolgreiches und gutes modell. der autonomie hat südtirol viel zu verdanken und in abgewandelter angepasster form kann diese autonoie auch durchaus ein modellfall für andere minderheiten aUf der welt sein, die in ihrer entwicklung zu mehr selbstständigkeit noch nicht weit vorangekommen sind.

gleichzeitig heißt das aber nicht, dass man nicht über die autonomie hinaus denken kann (ja sogar muss) oder zumindest ergebnisoffen diskutieren kann (stichworte: zündler, krieg, experimente …), ohne gleich als spinner abgetan zu werden.

it’s democracy, stupid!

Provokante Frage in die Runde: wenn Südtirol wie behauptet wird so ein Erfolgsmodell ist, warum wird es dann nirgends von anderen Autonomien in Europa nachgehamt?

Achammer hat insofern Angst vor Veränderungen, alsdass er dann nicht mehr zu den Mächtigen gehören könnte, sollte die Unabhängigkeitsbewegung in Südtirol an Fahrt gewinnen.
Also wird der status quo verteitigt , beschönigt und diskussionlos mit der Macht der Zentralregierung -indirekt – gedroht.
Eigentlich war der SVP- Sinn und Zweck der Einsetzung Achammers in seine jetzige Position die Zugewinnung von Jungwählern;
Die mittlerweile vernetzte Jugend sieht sich aber durch solche Äusserungen arg bevormundet , denn sie will Veränderungen und hat nicht unbedingt Achammers Zukunftsängste; Die Jugend -und nicht nur die- durchschaut dieses Machtspiel mit den Ängsten und das kommt je länger je weniger gut an!

Per orientare la politica sudtirolese verso l’autodeterminazione, il giovane Achammer dovrebbe anche cominciare a dire che la Svp non è più un partito etnico ecc. ecc. ecc. Povero Achammer, quante cose che si pretendono da lui.

Was ich bei Achammer auch bewunder ist, wie schnell er seinen “rebellischen” Geist von 100 auf 0 zurückgefahren hat, das bekommen sonst nur ein Bugatti Veyron in umgekehrter Form zustande…

Die Aussagen Achammers und der SVP spiegeln doch nur die heillose Orientierungslosigkeit und Perspektivlosigkeit der Partei wider. Eine Partei, welche die Selbstbestimmung als eines ihrer Ziele in den Statuten führt und in der Realität alles dagegen unternimmt. Das erinnert mich an China wo Kommunismus und Sozialismus auf Banner und Fahnen geschrieben wird und Steinzeit-Kapitalismus herrscht. Absurdistan.
Nicht vergessen werden darf dabei die Rolle der grauen Eminenzen, der Familie E., Herausgeber der D., welche wahrscheinlich auch die Fakten kennen aber bei einer Änderung des Status Quo zuviele Privilegien und Geld verlieren.
Dabei wissen viele in der SVP dass es an der Zeit wäre einen eigenen Weg zu gehen, ich erinnere hier nur an die Äusserungen von Zeller. Nur die Einsicht will nicht kommen und niemand traut sich den Weg zu beschreiten. Beinahe hat man den Eindruck, ein jeder und besonders der LH wünscht sich dieser “Kelch möge an ihm vorbeigehen”.

Ich glaube deshalb vor den Wahlen 2013 ändert sich gar nichts an dieser Haltung. Erst wenn der Platz des LH geräumt und die SVP abgewatscht wird und zum ersten Mal wirklich die Mehrheit verliert, erst dann wird es Änderungen geben.

@Flo
das ist altbewährte Taktik. In der JG musst du lärmen, damit man dich mit einem Posten still stellt, auf welchem du dich dann aber nur halten kannst, wenn du dich anpasst.

Achammer è un venduto.
Da gibt es nichts zu bewundern oder zu beneiden. Wenn dann ist er zu bemitleiden.

La situazione in Scozia può essere utile ad un confronto con la nostra, ma di differenza ce ne sono. Prendo a caso le prime che mi vengono in mente: Roma non è Londra e probabilmente non ci lascerebbe fare così docilmente (questo potrebbe anche essere una mossa a suo sfavore, però). La Scozia sa precisamente dove andare, noi non ancora. In Scozia non credo che i risvolti etnici dell’operazione abbiano tanto peso quanto da noi. In Scozia probabilmente esiste una certa democrazia a livello locale, da noi proprio per le questioni dei rapporti tra gruppi la democrazia viene percepita come accessorio e questa logica finisce per attribuire a partiti e personaggi politici un peso che altrimenti non avrebbero mai.
Trovo perciò utile un confronto per farsi un’idea delle anomalie del nostro sistema e delle cose che andrebbero cambiate, sia in vista dell’autodeterminazione, sia perchè desiderabili di per sé.

@ fabivS
das mit den vergleichen in politik und gesellschaft ist so eine sache. wenn man vergleich mit absolut gleichwertig gleichsetzt kann man nichts vergleichen, denn jede situation, jedes system hat seine eigene geschichte, seine eigene charakteristik.

ich erinnere mich noch, wie vor kurzen behauptet wurde: man kann hitler und mussolini nicht vergleichen.

eigentlich hilft uns das sprichwort “äpfel mit birnen vergleichen” ganz gut. hitler und mussolini sind beides äpfel. einer ist jedoch säuerlicher als der andere. das gibt’s. dennoch bleiben beides äpfel.

ähnlich verhält es sich mit schottland. ein vergleich ist durchaus legitim. auch wenn nicht alles 100prozentig gleich geartet ist – das liegt in der natur der äpfel, dass es mehrere sorten gibt.

achammer muss mir mal erklären, warum südtirol ein apfel und schottland eine birne ist.

@hunter
das mit den Vergleichen in der Politik verhält sich so:
passt es einem ins Konzept, darf man vergleichen.
wenn nicht, dann ist der Vergleich unzulässig.
simple, isn’t it? :)

A qualcuno non viene MAI in mente che la Scozia è una società  coesa? Dove anche gli immigrati dal Commonwealth si sentono scozzesi, non importa quale sia il colore della pelle o la religione, dove tutti parlano inglese e non si sognano certo di tornare al gaelico, anche se questa lingua resta un fattore identitario. Dove sognare l’indipendenza, oppure l’autonomia spinta oppure riconoscersi nel Regno Unito non sono cristallizzazioni “etniche” ma variabili “politiche”. Quindi, invece di recitare sempre lo stesso mantra su come è cattiva la SVP perché non prende esempio da questi aurei modelli di autodeterminazione, forse sarebbe meglio domandarsi come rendere PIU’ coesa la società  sudtirolese ed eventualmente POI porsi il problema dell’esempio europeo da seguire.

achammer muss mir mal erklären, warum südtirol ein apfel und schottland eine birne ist.

Secondo me ci arrivi anche da solo. Sforzandoti un minimo.

Tuscan, non a nessuno viene MAI in mente perché il fatto che qui vivano più gruppi linguistici (con pari diritti) è considerato ancora una roba un po’ strana.

A qualcuno non viene MAI in mente […]

Beh, siamo qui a dimostrare che a qualcuno è venuto in mente. E, ultimamente, anche i partiti indipendentisti se ne stanno rendendo conto (meglio tardi che mai) — anche se (per ora?) non hanno trasformato questa «consapevolezza» in azione politica.

Nonostante ciò, quello che si può e si deve imputare alla SVP è di non aver riconosciuto di dover lavorare affinché la coesione sociale migliori, a prescindere dal suo impegno o meno per l’indipendenza. Quando si rifiuta di discutere apertamente su opzioni diverse da quella attuale, implicitamente, si rifiuta anche di pensare a un modello diverso da quello etnocentrico. Perché, come giustamente affermi, la ragione principale perché l’indipendenza — nelle condizioni attuali — non sarebbe auspicabile, è la mancanza di coesione sociale.

das mit den Vergleichen in der Politik verhält sich so:
passt es einem ins Konzept, darf man vergleichen.
wenn nicht, dann ist der Vergleich unzulässig.

Das scheint wirklich die Maxime vieler Unabhängigkeitsgegner sein.

Die SVP schlägt Südtirol (wie hunter beschrieben hat) als Modell für andere Minderheiten- oder Krisenregionen vor. Die Grünen sehen ihre Schwesterpartei in Deutschland als nachzuahmendes Vorbild. In beiden Fällen scheren sie sich kaum um die z.T. völlig unterschiedlichen Rahmenbedingungen.

Beide Parteien verwehren sich jedoch dagegen, dass Südtirol sich Regionen zum Vorbild nimmt, die ein höheres Maß an Eigenregierung anstreben (oder bereits haben), weil das dann plötzlich nicht mehr vergleichbar ist.

pérvasion, ganz genau so ist es – nur soll es der “Normalbürger”, der noch einen Hausverstand hat, nicht merken.

@tuscan

Quindi, invece di recitare sempre lo stesso mantra su come è cattiva la SVP perché non prende esempio da questi aurei modelli di autodeterminazione, forse sarebbe meglio domandarsi come rendere PIU’ coesa la società  sudtirolese ed eventualmente POI porsi il problema dell’esempio europeo da seguire.

Die Fortschreibung des derzeitigen Systems, das in erster Linie von der SVP propagiert wird, ist ja auf einer ethnischen Gesellschaft aufgebaut. Die SVP und einige andere systemerhaltende Faktoren sind größtenteils dafür verantwortlich, dass es zu keiner Diskussion über Alternativen zum derzeitigen Weg kommt. Diese notwendige breit angelegte Diskussion würde sich sehr schnell größtenteils um das Thema gesellschaftlichen Zusammenhalt drehen. Aber genau diese Diskussionen werden derzeit in Südtirol von den systemerhaltenden Kräften verhindert und torpediert.

Allora. Non mi pare che la discussione – per come si sta sviluppando – proponga spunti realmente nuovi. Segno evidente che alcune cose sono ancora poco chiare. Vediamole.

1. Qualcuno può darmi un buon motivo per considerare una eventuale svolta autodeterministica della Svp qualcosa di più (e di meglio) che un tentativo di suicidio? È stato osservato molte volte. La ragione dell’esistenza di un partito (di raccolta e a base etnica) come la Svp sta tutta dentro la particolare condizione istituzionale di un Sudtirolo “autonomo” all’interno dell’Italia. L’indipendenza toglierebbe la necessità  di questa reductio ad unum, implicherebbe un maggiore pluralismo, e dunque – ovvietà  – viene osteggiata per evidenti motivi conservativi. Dunque: rimproverare alla Svp di non spingere su quel tasto è come rimproverare a un partito d’ispirazione cattolica di non predicare un maggiore laicismo della società .

2. Se è chiaro che non può venire da quel lato, da quali altri settori della società  potrebbe venire una spinta all’indipendenza in tono con gli auspici di BBD? Anche questo è stato notato più volte: a “destra” della Svp ci sono movimenti e formazioni che non possono essere certamente accreditate in senso post-etnico (alcune affermazioni in tal senso dei Freiheitlichen sono le rondini che non fanno certo primavera). A “sinistra” abbiamo i Verdi che non sono interessati a porre questioni sull’obsolescenza dell’autonomia. In campo italiano prevale un atteggiamento al massimo tiepidamente autonomista (Pd), oppure freddamente autonomista (Pdl). Di altri soggetti politici non mette conto parlare.

3. Esiste forse alla base della società  sudtirolese (svincolata dalla rappresentanza politica) una forte richiesta d’indipendenza in chiave post-etnica? No, questa base attualmente non c’è. E se questa base non c’è (sto ovviamente parlando di una massa critica in grado di esercitare una qualche pressione) è chiaro che a) i partiti esistenti non possono raccogliere questi eventuali stimoli e non hanno l’interesse ad enfatizzarli e b) nessuno ha ancora avuto l’idea di “fondare” un partito che possa tradurre in voti le opinioni che si leggono qui sul blog.

Qualcuno può darmi un buon motivo per considerare una eventuale svolta autodeterministica della Svp qualcosa di più (e di meglio) che un tentativo di suicidio? È stato osservato molte volte. La ragione dell’esistenza di un partito (di raccolta e a base etnica) come la Svp sta tutta dentro la particolare condizione istituzionale di un Sudtirolo ”autonomo” all’interno dell’Italia.

Strano, quando dico che l’indipendenza renderebbe obsoleta la SVP c’è chi me lo contesta. Sono contento di sapere che la vedi allo stesso modo mio.

Dunque: rimproverare alla Svp di non spingere su quel tasto è come rimproverare a un partito d’ispirazione cattolica di non predicare un maggiore laicismo della società .

So che altri lo hanno fatto, ma io non ho rimproverato alla SVP di non impegnarsi per l’indipendenza. Quel che le rimprovero è a) di non avere alcuna proposta alternativa su come l’autonomia debba cambiare in seguito all’immigrazione e b) di non impegnarsi sufficientemente per una maggiore coesione sociale.

Se è chiaro che non può venire da quel lato, da quali altri settori della società  potrebbe venire una spinta all’indipendenza in tono con gli auspici di BBD?

A mio avviso la spinta può venire solo dalla società  civile. BBD sta facendo un umile (e forse vano) lavoro di sensibilizzazione.

Anche questo è stato notato più volte: a ”destra” della Svp ci sono movimenti e formazioni che non possono essere certamente accreditate in senso post-etnico (alcune affermazioni in tal senso dei Freiheitlichen sono le rondini che non fanno certo primavera). A ”sinistra” abbiamo i Verdi che non sono interessati a porre questioni sull’obsolescenza dell’autonomia. In campo italiano prevale un atteggiamento al massimo tiepidamente autonomista (Pd), oppure freddamente autonomista (Pdl). Di altri soggetti politici non mette conto parlare.

Giusto.

Esiste forse alla base della società  sudtirolese (svincolata dalla rappresentanza politica) una forte richiesta d’indipendenza in chiave post-etnica? No, questa base attualmente non c’è. E se questa base non c’è (sto ovviamente parlando di una massa critica in grado di esercitare una qualche pressione) è chiaro che a) i partiti esistenti non possono raccogliere questi eventuali stimoli e non hanno l’interesse ad enfatizzarli e b) nessuno ha ancora avuto l’idea di ”fondare” un partito che possa tradurre in voti le opinioni che si leggono qui sul blog.

Giusto, la massa critica non c’è. Almeno ancora.

Aggiungo: Comunque la SVP non è nata come partito autonomista e non è geneticamente anti-indipendentista. Il suo anti-indipendentismo, almeno quello pregiudiziale che sostiene attualmente, è puro opportunismo. Opportunismo comprensibile, forse anche legittimo fino a un certo punto, ma pur sempre opportunismo — perché, come hai ben descritto, la prima preoccupazione sembra sempre quella del mantenimento delle posizioni di rendita.

Niwo hat mich auf folgenden Beitrag in der »Süddeutschen Zeitung« aufmerksam gemacht:

König Alex und sein neues Reich

Viele Volksgruppen in Europa fordern Unabhängigkeit — die Schotten erhalten sie

Von Christian Zaschke

Die EU plagen enorm viele aktuelle Sorgen. Gleichwohl könnten bald ein paar neue Länder zur Gemeinschaft stoßen — und damit auch neue Probleme schaffen. Eine Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik hat mögliche neue Mitglieder der Union ausgemacht: Die Katalanen in Spanien, aber auch die Flandern und Wallonen in Belgien könnten nach Unabhängigkeit streben, Schottland könnte sich aus dem Vereinigten Königreich verabschieden und eigenständig werden.
Diese letzte Variante gilt als die wahrscheinlichste. Im Jahr 1603 hatte der schottische König James VI. als James I. auch den Thron von England übernommen. 1707 wurden die Parlamente zusammengelegt, seitdem bilden die Länder eine staatliche Einheit. Es dauerte bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts, bis die Unabhängigkeit Schottlands wieder ein ernstzunehmendes Thema wurde. Es war der Chef der Scottish National Party (SNP), Alex Salmond, der unermüdlich von der Unabhängigkeit sprach und dafür anfangs belächelt wurde. 1997 hat die damalige Regierung unter Tony Blair dann jedoch den Prozess der “devolution” eingeleitet — was heißt, dass legislative Gewalt in die Region verlagert wird. Bereits 1999 war das schottische Parlament funktionsfähig. Gleiches galt für die Nationalversammlung von Wales und die Nordirische Versammlung.
Zwar sah Blair voraus, dass diese tiefgreifenden Reformen das Land verändern würden, aber vermutlich hatte er nicht geahnt, dass sie womöglich zur Abspaltung Schottlands führen könnten. Der in den neunziger Jahren belächelte Alex Salmond ist mittlerweile First Minister von Schottland. 2007 übernahm er die Spitze einer Minderheitsregierung, im Frühjahr 2011 errang die SNP die absolute Mehrheit. Die Partei hat sich die Unabhängigkeit auf die Fahnen geschrieben, und Salmond hat angekündigt, eine Volksabstimmung über das Thema abhalten zu wollen, vermutlich im Jahr 2015. Sollten die Schotten die Unabhängigkeit wählen, ergäben sich recht komplexe Fragen bezüglich der Beziehung der beiden neuen Staaten — von Schottland einerseits und dem Verbund von England, Wales und Nordirland andererseits — zueinander und zur EU. In einer Studie für das britische Parlament werden dazu drei Möglichkeiten diskutiert. Erstens: Schottland wied als neuer Staat angesehen, während der Rest der vormaligen Union rechtlich als Fortführung des vereinigten Königsreichs gilt. Schottland müsste sich in diesem Fall bei der EU um die Mitgliedschaft bewerben, ebenso bei allen anderen internationalen Organisationen. Zweitens: Beide Staaten gelten als Nachfolger des Vereinigten Königsreichs, was hieße, dass beide automatisch Mitglied in allen Organisationen würden, in die das Vereinigte Königreich eingebunden war. Drittens: Beide Staaten werden als neu angesehen und müssen sich bei allen internationalen Organisationen um Aufnahme bewerben. Es gibt kein festgelegtes Verfahren für solche Fälle; im Zweifel würde der Internationale Gerichtshof entscheiden. Und: Für die Katalanen und die Flandern und Wallonen könnte das Vorgehen der Schotten beispielhaften Charakter haben.

Dazu einige kurze Bemerkungen:

– Obwohl Katalonien, Flandern und Wallonien offensichtlich nicht Schottland sind, geht der Autor davon aus, dass das Vorgehen der Schotten auch für sie beispielhaften Charakter haben könnte.

– Dass Alex Salmond noch in den neunziger Jahren belächelt wurde und heute davor steht, Schottland — so es die Mehrheit seiner Bewohner wünschen — in die Unabhängigkeit zu führen, sagt einiges über die »Geht-nicht-gibt’s-nicht-Theoretiker« aus.

– Schottland war nicht 100, sondern 400 Jahre Teil des Vereinigten Königsreichs, und wurde nicht mal annektiert, sondern war das annektierende Land. Trotzdem glauben die Schotten nicht, dass diese Union in Stein gemeißelt ist.

– Der Autor erkennt offensichtlich nicht nur keinen Widerspruch zwischen “devolution” und Unabhängigkeit, sondern sogar einen Zusammenhang. Bei uns heißt es immer, beides gleichzeitig könne man nicht verfolgen.

– Katalanische Verfassungsrechtler sind der Auffassung, dass Staaten, die aus einer »inneren Erweiterung« entstehen (Abspaltung von einem Mitgliedsstaat) laut EU-Recht automatisch ebenfalls EU-Mitglieder werden.

Südtirol ist nicht Schottland? Schottland ist nicht Katalonien? Spanien teilt diese Auffassung offensichtlich nicht: Das Land hat jetzt offiziell — und ohne großes demokratisches Fairplay — beim Vereinigten Königsreich dagegen protestiert, dass Schottland in einer Abstimmung über seine Zukunft befinden darf.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/151305

Ebenfalls interessant: Der entspannte Umgang der Briten mit der Angelegenheit bewirkt auch eine Mäßigung in der internationalen Berichterstattung — die sonst meist unreflektiert dem Status Quo das Wort geredet und Unabhängigkeitsbestrebungen als Hirngespinste abgestempelt hat.

– Schottland war nicht 100, sondern 400 Jahre Teil des Vereinigten Königsreichs, und wurde nicht mal annektiert, sondern war das annektierende Land. Trotzdem glauben die Schotten nicht, dass diese Union in Stein gemeißelt ist.

Das mit dem annektierenden Land kann man so pauschal nicht behaupten. Man darf nicht einfach den Hintergrund rund um Longshanks, Jacobites usw. ausblenden. Das wäre etwas blauäugig.

Ich selbst kenne die Situation in Schottland aus eigener Erfahrung sehr gut. Ich weiß auch aus erster Hand, dass Salmond mit seiner Yes or No Taktik nicht wirklich angekommen ist. Nach wie vor sind ca. 2/3 seiner Landsleute nicht überzeugt den Weg zur Selbstständigkeit zu gehen. Salmond hat zwar wahrscheinlich noch bis 2014 Zeit das Ruder rumzureissen, denke aber nicht, dass ihm dies gelingen wird.
Es wird schlussendlich vielmehr darauf hinauslaufen noch mehr Kompetenzen nach Schottland zu holen.
Von der Zielsetzung der beiden Vorhaben in Südtirol / Schottland her könnte man einen Vergleich wagen, aber Hintergrund und Anspruchsrecht sind sehr unterschiedlich. Da muss ich vehement drauf bestehen: Südtirol ist nicht Schottland.

Jedes Volk hat das Recht auf Selbstbestimmung.
Das Problem liegt wohl eher darin, dass sich die SVP Bonzen unter gegebenen Voraussetzungen sehr gut die für sie selbst günstigsten Bedingungen aushandeln können – das könnte sich natürlich irgendwann unter anderen Umständen auch ändern: nur keine Risiken in diese Richtung, oder?

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