Von der Tarantel gestochen.

Ich weiß nicht, wer letztendlich für die »Schülerzeitung« verantwortlich zeichnet, die am vergangenen Dienstag, den 6. Mai mit der Neuen Südtiroler Tageszeitung (TAZ) erschienen ist. Jedenfalls finde ich es erschreckend verantwortungslos, dass man darin einen Neonazi unwidersprochen und verharmlosend erklären lässt, warum man z.B. gegen Ausländer Gewalt anwenden müsse:

“Bin ein überzeugter Nazi”

Laut deutschem Verfassungsschutz gibt es in Bayern 5.550 Mitglieder rechtsextremistischer Organisationen. Auch in Südtirol findet man einige Anhänger dieser Szene. Wir haben einen Betroffenen [sic!], Xaver Y. (Name von der Redaktion geändert), zu seiner Einstellung befragt. //////

Tarantel: Was führte dich zu deiner Einstellung?
X.Y.: Ich hatte viele Freunde und Bekannte, die ebenfalls bei solchen Gruppen dabei waren. Anfangs fand ich das alles überhaupt nicht gut, doch dann erklärten sie mir, wie und warum sie gegen Ausländer sind, und ich begann ihre Einstellung zu übernehmen. Bis heute bin ich ein begeisterter Nazi!

Wie verhältst du dich, wenn ein Ausländer in deiner Nähe ist?
Falls er etwas gegen mich sagt, gebe ich ihm richtig eine “aufs Maul”. Wenn er sich ruhig verhält, gebe ich ihm zu verstehen, dass mich seine Anwesenheit stört.

Ist es unbedingt nötig [sic!], Gewalt gegen Ausländer anzuwenden, oder könnte man einen Streit vielleicht auch mit Worten klären?
Meine Erfahrungen zeigen, dass Gewalt unbedingt nötig ist. Meistens schlagen ja auch die Ausländer als Erste zu! Sollten wir uns das vielleicht einfach gefallen lassen?

Welche Unterschiede gibt es zwischen Skinheads und Nazis?
Skinhead bedeutet “kahler Kopf”, ein Skinhead hat weniger mit Hitler zu tun. Nazis hingegen stehen voll und ganz zu Hitler.

Inwiefern spielt Musik für euch eine große Rolle?
Musik spielt bei uns eine sehr große Rolle! Standardbands sind zum Beispiel Boehse Onkelz, Nordfront, Vermächtnis u.a. Die Bands singen über Ausländer und vor allem über Politik.

Was genau passiert, wenn man aus so einer rechtsradikalen Gruppe austritt?
Meist wird man von den anderen gehasst. Falls man den Fehler begeht, etwas gegen diese Gruppe zu sagen, folgt eine Schlägerei.

Wie steht deine Familie zu deiner Einstellung?
Meine Familie mischt sich da nicht groß ein. Meine Eltern sagen, ich solle das machen, was ich für richtig halte.

Denken in deiner Familie einige genauso oder ähnlich wie du?
Ja, mein Vater und mein Bruder denken ähnlich.

Alles in allem eine gelungene Werbung für einen »ganz normalen« Jugendclub — direkt auf den Schülerseiten (!?) der Tageszeitung.

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2 Pingbacks/Trackbacks

  • Dolomiticus

    Und sowas in der Zeitung des Moral predigenden Tribus

    zum Glück habe ich mein Abo nicht verlängert.

  • “Meine Familie mischt sich da nicht groß ein. Meine Eltern sagen, ich solle das machen, was ich für richtig halte.”
    Das wundert mich nicht…

    Erschreckend, Traurig, Ärgerlich… die sind nur drei Gefühle beim Lesen dieser Interview. Die anderen kann ich nicht ausdrucken aber die tun verdammt weh…

  • …. und wenn ich denke was meine Mutter in Abruzzen durchgemacht hat wegen Nazis, und was mein Vater hier in Südtirol durchgemacht wegen Faschisten… 🙁
    Sie haben von der Vergangenheit gelernt. Und sie haben mir viel beigebracht! Es wäre so schön wenn wir aufhören würden zu “hassen” – egal wen -.

  • be brave

    Ein absoluter Tiefpunkt unserer voyeuristischen Gesellschaft. Dass die Tageszeitung so etwas nötig hat (jungen Nazis auch noch eine Stimme zu geben [sic]!) um die Auflagen zu erhöhen, ist sehr traurig.

  • dauergast

    Der Voyeurismus ist hier wohl nur nebensächlich. Erschreckend ist dagegen, dass man den Jugendlichen unkritisch einen Nazi vor die Nase stellt, der da seine Gewaltideologie bewerben darf. Na bravo, Tribus.

  • Dolomiticus

    “Der Voyeurismus ist hier wohl nur nebensächlich. Erschreckend ist dagegen, dass man den Jugendlichen unkritisch einen Nazi vor die Nase stellt, der da seine Gewaltideologie bewerben darf. Na bravo, Tribus.”

    stimme dir zu, der Tiefpunkt ist nicht die “voyeuristiche” Gesellschaft, sondern das offene Zurschautragen von Nazi-Ideologie (offenbar gibt es keine Hemmschwelle) und das völlig unkritische Verhalten der Tageszeitung.

  • Hans Goebbel

    Die angsprochene Gruppe “Vermächtnis” wird ja vom SSB (Südtiroler Schützenbund) empfohlen.
    http://www.schuetzen.com/html/katalog/showquestion.asp?fldAuto=80

    Das abgebildete CD-Cover sagt ja schon einiges, gewisse Ähnlichkeiten mit verfassungsrechtich bedenklichen Symbolen sind ja sicher kein Zufall.

    Ich würde dem SSB raten, derartige Empfehlungen vom Netz zu nehmen. Ansonsten wird die gute Linie, welche die aktuelle Führung des SSB eingenommen hat, nicht glaubwürdig sein.

  • Dolomiticus

    ja, es nennt sich “vaterländische Poesie”, ist aber sehr weit rechts angesiedelt.

    du sprichst vom Cover, hast du die Inhalte gelesen?

    die Schützen sind sehr stolz darauf, aber was soll man sich anderes erwarten.

  • Hans, ich kenne »Vermächtnis« nicht und will mich deshalb nicht dazu äußern. Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass wir irgendwo eine Grenze ziehen müssen, um den Nazis nicht die allgemeine Deutungshoheit zu überlassen. So leiden etwa Marken wie Lonsdale unter dem Code-Look von Neonazis, weil sie die Buchstabenkombination Lo-NSDA-le mögen. Die Böhsen Onkelz haben sich vom Rechtsradikalismus distanziert, sind in der Szene aber nach wie vor begehrt. Nicht jeder Böhse-Onkelz-Fan ist aber ein Neonazi.

    Was die Schützen betrifft, so muss man ihnen tatsächlich zugute halten, dass sie sich zuletzt zwar für eine rechte – aber gegen eine rechtsradikale – Linie entschieden haben. Ich hatte die Gefahr hier thematisiert.

  • Mitleser

    Habe das Buch gelesen. Die distanzieren sich doch ganz klar vom Nationalsozialismus. Wie kann sich denn ein Nazi damit identifizieren? Für mich unverständlich.

    Schon dieses Lied von Vermächtnis sagt alles:

    http://www.youtube.com/watch?v=W9_iQhMNuzo

    Und der Text auf der letzten Seite des Vermächtnisbuches bringts eigentlich auch auf den Punkt:

    http://www.vermaechtnis.at/download.php?ff832e9b6933d3ede4272f5f90ec9538

  • In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Seite Netz-gegen-Nazis verweisen, die »Die Zeit« in Zusammenarbeit mit antifaschistischen Organisationen und einschlägigen Experten ins Internet gestellt hat. Die zahlreichen Informationen und Verhaltensratschläge sind ein wichtiges Instrumentarium gegen Rechtsradikalismus.

    Unter anderem wird auch erklärt, wie sich Nazis bewusst »harmloser« oder sogar linker Symbolik (bis hin zu Che Guevara) bedienen, um Gegner, Außenstehende und Justiz gezielt zu verwirren.

  • Dolomiticus

    wer wären denn die Ahnen, die das Land besiedelt haben ? Die Räter ?
    Als die Ahnen, die hier gemeint sind, ins Land kamen, war dieses bereits besiedelt.

    Und Lebensraum – eine etwas eigenartige Terminologie.

  • jonny68

    Meiner Meinung nach muss man diesem jungen Mann erst mal erklären, was und wie ein Nazi war. Ich glaube, unsere sogenannten “Nazis” sind eine Gruppe von gewaltbereiten Rassisten, die gerne mit Symbolen spielen, um “anders” zu sein, als normale Schlägerbanden. Das soll nicht bedeuten, dass es weniger schlimm ist, ich will damit nur sagen, dass der Begriff “Nazi” einfach überstrapaziert wird. Würde dieser Junge z.B. sagen, er macht das alles, weil ihm ohne seine Gruppe langweilig ist(sogenannter Gruppenzwang), er hasst Ausländer, weil sie ihm die Arbeit nehmen(siehe unsere “Sieger bei der letzten Wahl), würde dann in diesem Forum überhaupt darüber diskutiert?? Ich weiss es nicht, aber ich weiss, wenn er sich “Nazi” nennt, dann wird darüber diskutiert. Und das so ein Interwiew auf keinen Fall in eine Schulzeitung gehört, da sind wir uns doch alle einig, hoffe ich

  • be brave

    Heutzutage wird einfach alles gezeigt, sei es im Fernsehen, Internet, Zeitungen und anderen Medien. Detailgetreu werden perverse Machenschaften von Kinderschändern, Mördern und anderen kranken Personen zur Schau gestellt, dass es zwingend Nachahmer mit ähnlichem Gedankengut im Hinterkopf geben muss.
    Wenn jetzt zum Beispiel einem Nazi in einer Zeitung kritiklos ein Sprachrohr verschafft wird, ist das sicher ein sehr schlechtes Beispiel für andere Jugendliche und eventuelle Nachahmer, aber überhaupt für die Gesellschaft.
    Das gründet alles ein wenig in dem heute weit verbreiteten Voyeurismus der Medien.
    Ich jedenfalls will nicht alles wissen was andere Leute sexuell machen oder was Nazis so denken, ganz bestimmt nicht. Die Tageszeitung hat schon einige Male diese natürliche Grenze überschritten, ich finde es mehr als geschmacklos.

  • Allucinante. Oltre ad amare i fascisti nostrani (vedi: copiosi articoli su Donatone Seppi e speciale odierno dedicato al libro di Minniti), la Tageszeitung dà  spazio persino a interviste pro-nazi. Atteggiamento riprovevole. Complimenti Tribus!

  • wiesion [ch]

    es ist traurig dass ein derartiger artikel so à  la “aus dem normalen alltäglichen leben” daherkommt – vielleicht hatte der autor andere absichten, hoffentlich nicht genau diese. aber wenn die gesellschaft nicht stark genug ist, einen derartigen artikel zu verkraften, ist sie gescheitert.

    ps:
    – lonsdale ist schon “nicht mehr richtig in” sondern coNSDAPle (http://www.consdaple.de/shop/catalog/images/consdaple.gif)
    – die onkelz werden von den meisten nazis gehasst wegen ihres “hochverrats” – aber mittlerweile hören sie sogar linke
    – vermächtnis ist sicherlich nicht eine naziband, aber ganz so harmlos sind sie auch wieder nicht – und auch nicht so ganz über die geschichte tirols aufgeklärt (wie schon dolomiticus sagt)
    – die ganze szene ist total widersprüchlich und beruht auf blanker propaganda und keiner tiefgründigen überzeugung; man nennt “treue zum vaterland” seine maximen, kauft aber englische springerstiefel sowie bomberjacken, fuchtelt mit der italienischen forzanuova und anderen fascios rum und fahrt vespa (in südtirol)… somit lassen sich nur leute dafür begeistern die sich von tollen bildchen von adlern oder leuten aus den 30er jahren und komischen kreuzen beeindrucken lassen; zum kahlkopf: waren die nazis damals alle kahlgeschoren und trug jeder die gleiche “uniform” ??? die ganze szene ist an und für sich total lächerlich da sie sich regelrecht selber zangsmässig blosstellen;
    – was ich unter keinen umständen verharmlosen will und scharf verurteile ist ihre teils exzessive gewaltanwendung an ausländern und andersgesinnten

    (weiss ein paar insider-informationen, da ich bekannte in der szene hatte, mich mittlerweile aber total von ihnen distanziert habe…)

  • Die in der NSTZ veröffentlichten Schülerzeitungen sorgen – wie ich sehe – immer wieder mal für Aufregung. Zuerst der Artikel über das “Erste Mal”, hier jetzt das Nazi-Interview.

    Grundsätzlich sehe ich ein Interview mit einem Anhänger der Neonazi-Szene als gute Gelegenheit, um das Menschenverachtende hinter dieser Ideologie aufzuzeigen und etwas über die Hintergründe zu erfahren.

    Leider weist der Fragende kein großes journalistisches Geschick auf, sodass es nicht gelingt, die Ideologie so darzustellen, wie sie wirklich ist. Man kann zu recht behaupten, dass es sich um eine Verharmlosung handelt, da keine weiteren Erklärungen angeführt werden.

    Natürlich hängt auch viel vom Standpunkt des Lesers/der Leserin ab. Ich beispielsweise habe das Ganze als lächerliche Offenbarung eines pubertierenden Halbstarken angesehen, das inhaltlich nicht ernst zu nehmen ist, wohl aber in einem sozialen Kontext, da es sich um ein gesellschaftliches Problem mit tragischer Dimension handelt.

  • Hans Goebbel

    Die NS TZ ist das Südtiroler Medium, welches allen Raum gibt. Anders als alle anderen Medien, die sehr selektiv sind (je nach Ausrichtung eben in einem bestimmten Sinne). Die NSTZ verlangt also vom Leser sehr viel, da sie ihm “ungefiltert” das bietet, was in Südtirols Öffentlichkeit vorgeht bzw. von den verschiedenen Akteuren von sich gegeben wird.

    Man könnte auch sagen, die NSTZ betrachtet Journalismus einfach als Übertragung von Meinungen, Positionen und Informationen, ohne diese durch eine ideologische oder moralistische Filterung zu sortieren.

    Um nochmal zur Gruppe “Vermächtnis” zu kommen, die ich ehrlich nicht kenne – das Coverbild, angezeigt auf der Schützenseite:

    http://www.schuetzen.com/html/katalogimages/vermaechtnis2.jpg

    Und hier der original Nazi Adler:

    http://www.jagdgeschwader4.de/gro%DFer-Adler-Nr4.jpg

    Symbole haben bekanntlich auch eine Bedeutung, und wer mit dem NS-Regime nix zu tun haben will und einfach nur heimatbewusst ist, wird derartige Ähnlichkeiten tunlichst vermeiden…

  • info

    @ Goebbel

    Vorausgeschickt: Ich verabscheue den Nationalsozialismus wahrscheinlich genauso wie sie. Bösartige Unterstellungen bringen überhaupt nichts. Der Vermächtnisadler sieht dem Tiroler Schützenadler, den es schon 100 Jahre vor dem Naziadler gab, ähnlich:

    http://www.schuetzen.com/html/katalogimages/schuetzenzeitung.jpg

    Darf man kein Besteck mehr benützen, weil im Nazireich damit gegessen wurde? Sollen wir keine Kleider tragen, weil die Nazis Kleider trugen? Besteck und Kleider wurden bekanntlich auch vor den Nazis getragen.
    Sie ändern doch auch nicht ihren Nachnamen, bloß weil dieser mit den Nazis in Verbindung gebracht werden “könnte”. Wie ihr Name mit dem Kriegsverbrecher nichts am Hut hat, hat der Vermächtnisadler mit einem Naziadler nichts zu tun.
    Wenn sie die Gruppe wie von ihnen behauptet, nicht kennen, lesen sie die Inhalte des Buches einfach durch, bevor sie voreilig über einen Tiroler Alder lästern, der als Vorbild einen Schützenadler aus dem 19. Jahrhundert hat. Oben wurden die Links zu einem Lied und dem Buch ja schon gesetzt. Klicken sie einfach drauf.

  • wiesion [ch]

    naja es bestehen gewisse ähnlichkeiten aber ebensoviele unterschiede.

    einen adler mit geöffneten flügeln hat die us-army ebenfalls – und andere wappen in den us of a sowieso. das liktorenbündel mit axt kommt im wappen des kantons st. gallen ebenfalls vor…

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c5/US-O6_insignia.svg
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f4/St.Gallen-coat_of_arms.svg

  • Hans Goebbel

    Es geht ja nicht um den Adler als solchen, der oft als Symbol verwendet wurde. Es geht mir mehr um die Darstellung mit dem Ring darunter, der in dieser Formation schon sehr an die NS-Symbolik erinnert, wenn auch der Vogel selbst bei näherem Hinsehen ein anderer ist.

  • Ich muss gestehen, dass mich die Paralleldiskussion über “Vermächtnis” nur sehr bedingt interessiert, obschon ich definitiv glaube, dass sich die Schützen viel deutlicher von braunem Gedankengut distanzieren könnten und sollten.

    Über die Stellungnahme von Andreas Fink von Antifa Meran freue ich mich ganz besonders. Ich möchte ihm an dieser Stelle für sein Engagement danken, das für die gesamte Südtiroler Gesellschaft von Bedeutung ist. Im Zusammenhang mit den von den Meraner Nazis ausgesprochenen Drohungen gilt ihm auch meine volle Solidarität.

    Zum Inhalt seiner Stellungnahme: Schon richtig, einem gebildeten und informierten – in seinen Ansichten gefestigten – Leser offenbart sich in dem Interview die ganze Ignoranz eines Halbstarken. Kann man aber in einer Schülerzeitung, noch dazu in einem Land, wo rechtsextremistisches Gedankengut [sic!] in manchen Gebieten wieder Fuß zu fassen scheint, davon ausgehen, dass der durchschnittliche Leser über das nötige Instrumentarium verfügt, den Inhalt des Interviews einzuordnen? Meine Antwort wäre ein klares, eindeutiges Nein.

  • Michi

    Ich glaube aber, dass es auch auf die Schule und die Schuler selbst ankommt, am Gymnasium wo dieser Artikel vielleicht im Unterricht analysiert wird, sähe ich kein Problem. Jedoch an einer Berufsschule an der besagter Artikel unter den Bänken zirkuliert…naja mehr brauch ich dazu wohl nicht zu sagen!
    Schreibe erst heute, weil ich gestern nicht in der Lage gewesen wäre etwas Sinnvolles darüber aufs Blatt zu bringen…wusste nicht ob lachen oder weinen, ob des genannten Artikels!

  • Dolomiticus

    – die Ähnlichkeit der Symbole ist eindeutig
    – Vermächtnis frönt einer Blut-und-Boden-Ideologie, das ist auch eindeutig (nicht NS-Ideologie, aber Blut-und-Boden).
    – Die Logik von dem, was alles in der NS-Herrschaft verwendet wurde ist abwegig: es geht nicht um Essbesteck oder Kleider, sondern um Symbole der Macht und der Zerstörungsmacht/wut. Da fehlt offenbar das Problembewusstsein, und zwar vollständig.- Mit der gleichen Logik kann man aber auch die Liktorenbündel verwenden, denn die gab es ja schon im alten Rom, ganz nach dem Motto: “Soll man darauf verzichten, nur weil sie die Faschisten auch verwendet haben ? ”

    Die Schützen haben größte Schwierigkeiten, die Grenze zwischen Patriotismus und Rechtsextremismus zu erkennen, da fehlt eben auch das Problembewußtsein. Wie sonst kann es sein, dass man Rechtsextreme für die Weiterbildung holt ? Im Schützenforum konnte ehemals Th. Maran ungehemmt und unbeanstandet Nazi-Parolen von sich geben, ja sogar eine neue Bücherverbrennung fordern und die Liste der undeutschen Schriftsteller anbringen (es war genau die Liste von 1933) – trotz der Kritik ließ der Schützenbund alles stehen. Auch nach dem Maran-Skandal blieben noch viele Nazi-Postings von Maran und anderen online. Aber als à‰tranger zivilisierte, geistreiche Postings auf Italienisch hinterlegte, wurde rasch gelöscht.

  • be brave

    Eines möchte ich hier in diesem Forum auch mal feststellen. In Südtirol scheint es allgemein vermehrt Tendenzen zu geben, alles in einen Topf zu werfen.
    Da werden oft ALLE Einwanderer beschumpfen (obwohl es schwarze Schafe gibt wie Kriminelle, aber sicher nicht extrem viele), da werden ALLE heimatliebenden Menschen als rechtsradikal eingestuft (auch solche die sich davon explizit distanzieren. dabei gilt bis auf Gegenbeweis kein Schuldzuspruch, z.b. Vermächtnis. wo kommen wir sonst hin?) und ALLE antinazistischen oder antifaschistischen als Linksextreme.
    Es gibt Zwischentöne, das darf man nie vergessen, genauso wie man ebensowenig das Phänomen Nationalsozialismus kleinreden darf.
    Wenn wir jetzt anfangen ein Denunziantentum, wie es übrigens im Nationalsozialismus üblich war, zu entwickeln, nähern wir uns jedenfalls in einem Bereich dieser abscheulichen Ideologie, und das wollen wir doch nicht.
    Also nochmal klar ausgedrückt: wo es sicher ist dass jemand nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet mit aller Härte und ohne Kompromisse dagegen vorgehen.
    Wenn es normale Heimatliebe zu Südtirol bzw. Tirol ist nicht diskreditieren, wo kämen wir da hin.
    Sonst wäre auf einmal jeder erwachsene Mensch der mit Kindern arbeitet ein Pädophiler und jeder bei den Grünen Angagierter ein Stalinist, in so einer falsch anklagenden Gesellschaft fühle ich mich jedenfalls nicht wohl, das führt zu sozialer Einengung und genau zu diesen extremen Phänomenen wie Nationalsozialismus.

  • be brave

    Eine Frage interessehalber an pérvasion: ich bin nicht bei den Schützen, fand aber die Stellungnahme bei einer großen Feier der Schützen vom Landeskommandanten sehr gut, die da hieß: wer Hitler verehrt, ist kein Tiroler.
    Das war doch mal eine klare Ansage gegen rechtsextremes Gedankengut innerhalb der Schützen und eine Abgrenzung.
    Wo bzw. in welcher Form sollten sie sich deiner Meinung nach noch abgrenzen?

  • Dolomiticus

    “Wenn wir jetzt anfangen ein Denunziantentum, wie es übrigens im Nationalsozialismus üblich war, zu entwickeln, nähern wir uns jedenfalls in einem Bereich dieser abscheulichen Ideologie, und das wollen wir doch nicht.”

    wo siehst du Denunzianentum wie im Nationalsozialismus ? Ob du es so meinst oder nicht, tut nichts zur Sache: was du geschrieben hast, ist eine Verharmlosung des NS-Terror und seiner barbarischen Methoden!

    “Sonst wäre auf einmal jeder erwachsene Mensch der mit Kindern arbeitet ein Pädophiler und jeder bei den Grünen Angagierter ein Stalinist”

    also, erklärst du mir mal, was Grüne mit Stalinismus zu tun haben ? Du bist vollkommen ideologisch verblendet, wenn Du solche Vergleiche bringst.

  • wer Hitler verehrt, ist kein Tiroler.

    Che stronzata. Quando Hiltler era la potere non pochi tirolesi sventolavano bandiere naziste. L’essere “tirolese” non preserva certo dal compiere o pensare stupidaggini. I “tirolesi” non sono “esseri particolari”, immuni da comportamenti che altri non possono commettere. Al pari di qualsiasi altro popolo, anche i “tirolesi” non sono nulla di speciale.

  • wiesion [ch]

    @ pérvasion

    kannst du mir bitte sagen welche drohung ausgesprochen wurde? hab im netz nichts gefunden und bin nicht ganz am laufenden was in südtirol so passiert…

    du hast ja einige zeit in der schweiz gewohnt, kam dir nie vor dass es dort rechte tendenzen gab/gibt (nicht nur in letzter zeit, sondern schon seit den 70ern), insbesondere was die “südosteuropäer” betrifft?
    ich muss ehrlich sagen, wenn man hier jeden tag die zeitung liest, ist das gar nicht verwunderlich…

  • be brave

    @àˆrik
    das stimmt schon was du schreibst, ich will damit nur sagen dass ich es gut finde dass sich der schützenbund bemüht, solche ideologien nicht zuzulassen, wenn dir das nicht passt, ok.

  • be brave

    äh à‰tranger wollt ich sagen ;), da kommt ja ganz durcheinand bei dem Geschreibe

  • Natürlich kann man immer alles zerpflücken, doch ich anerkenne schon, dass sich die Schützen Gedanken machen, und dass der gute Wille vorhanden ist. Bei den letzten internen Wahlen hat sich die moderate Linie des Paul Bacher durchgesetzt, Peter Piock wurde abgestraft. Auch das ist positiv.

    Was ich jedoch vermisse, sind klare Worte zu konkreten Fällen; bis jetzt beschränken sich die Schützen vor allem auf grundsätzliche Bekenntnisse, und das reicht in meinen Augen noch nicht.

    An einem gegen Rechtsextremismus engagierten Schützenbund sollte aber jedem gelegen sein.

  • Drei Worte zum Südtiroler Schützenbund, der hier häufig genannt wurde:

    1. Grundsätzlich ist überhaupt nichts gegen die Ziele der Schützen einzuwenden. Der Einsatz für Tradition und Brauchtum gehört in einer Gesellschaft ebenso dazu wie jener für Fortschritt und Erneuerung. Teilweise stimme ich mit ihren Zielsetzungen auch überein.

    2. Die Haltung der SSB-Führung zum Thema Rechtsextremismus ist korrekt, hat sie (und insbesondere Major Paul Bacher) sich mehrfach von allen Extremen und expizit vom Nationalsozialismus distanziert.

    3. Und jetzt kommen wir zum eigentlichen Problem: Im SSB finden sich leider nicht nur gemäßigte Kräfte wieder, sondern eben auch radikale bis extremistische, die natürlich nicht an die Öffentlichkeit gehen. Eine führenden Person im SSB, mit der ich Gelegenheit hatte zu sprechen, erklärte selbst, dass man eben im SSB zur Zeit ein Problem mit diesen radikalen Kräften habe, unter anderem auch deshalb, weil die einzelnen Kompanien sehr viel Autonomie besitzen. Die Führung wisse oft gar nicht, was draußen bei den einzelnen Treffen so vor sich gehe. Die Ausrichtung der Kompanien hängt daher stark mit der der Kompanieführung zusammen. Es gibt daher Kompanien, die sich eindeutig gegen Nazis aussprechen, andere wiederum haben keine großen Berührungsängste.

    Der Kopf weiß so oft nicht, was der Schwanz tut. Und da helfen die Bekenntnisse der Landesführung halt auch nicht aus.

  • Wers glaubt wird Seelig

    Ehrlich gesagt halte ich den Artikel der NSTZ als ”face”!.

    Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass so genannte Neonazis tatsächlich Böse Onkelnz hören.
    Es reichen ein paar klicks im Internet bei linken Seiten die schnell Aufklären. Keine der im Artikel genannten Bands werden laut Antifa von Rechtsradikalen gehört.

    Aus meiner Sicht probiert die Tageszeitung mit dem Artikel eigentlich nur Bands und Projekte (Vermächtnis) mit Ideologien in Verbindung zu bringen mit denen sie nichts zu haben.
    Dass deren Strategie zumindest bei ihren Zielpublikum aufzugehen scheint beweisen die oberen Beiträge.

    Lasst Euch von denen nicht veräppeln!
    Würden die Antworten wirklich von einem Neonazi stammen bestünde für die NSTZ jetzt die Gefahr aufgrund des Mancino Gesetzes angezeigt zu werden. (Verbreitung von Rassenhass…..).

  • wiesion [ch]

    ich bin zwar kein grosser schützenfan und kenn die südtirolweite lage nicht, aber im vinschgau hat man schon mehr als einen bekennenden nazi aus dem schützenbund geworfen – deshalb könnte ich nicht bestätitgen dass sie faktisch nichts gegen rechtsextremismus unternehmen. von einigen weiteren kann man es zwar vermuten, aber das sind vermutungen und keine beweise.

  • be brave

    @dolomiticus

    hör auf mit den unterstellungen, ich sags nochmal. ich glaube der rest hat meinen beitrag schon verstanden.

  • @ Wers glaubt wird Seelig:

    • http://www.netz-gegen-nazis.com/inhalt/boehse-onkelz

    • nichts weist auf eine Verschwörung der Tageszeitung hin;

    • wegen eines Interviews macht man sich nicht der Verbreitung von Rassenhass schuldig;

  • wiesion [ch]

    wie ich bereits gesagt hatte, die “eingefleischten” nazis verachten die onkelz, da sie sich schon des öfteren vom rechtsextremismus distanziert haben, auf verschiedenen arten und weisen. nichtsdestotrotz bleiben sie gemässigt rechts, auch wenn sie gerne von einigen überschwänglichen als “geläuterte rechte die ins linke lager gewechselt haben” dargestellt werden.

    zu dessen beliebtheit: das prinzip ist immer dasselbe, jede art von werbung ist gute werbung; gleich wie bei berlusconi & fi, durnwalder & svp, blocher & svp: umso mehr medieninteresse – umso mehr anziehung – diese generieren, desto mehr werden sie und der kontext in dessen sie gesehen werden die “alltägliche realität”.

  • @ wiesion:

    Was die direkten und indirekten Drohungen an die Antifa betrifft, kann dir vermutlich Andreas Fink mehr erzählen. Ich könnte mich nur einmal mehr auf die Tageszeitung berufen, die von der Aufdeckung solcher Drohungen im Zusammenhang mit der Polizeioperation “Odessa” berichtet hatte.

    Was die Schweiz betrifft, so hatte ich eigentlich stets den Eindruck, dass Ausländer dort extrem gut integriert sind und ein im internationalen Vergleich hohes Maß an Wohlstand erreicht haben. Was mir aus Südtirol bis dahin völlig unbekannt war, ist, dass man Ausländer als gleichwertige Menschen betrachtet und nicht zunächst als Marokkaner, Brasilianer, Tschechen oder Türken. Vorurteile sind viel spärlicher gesät als hierzulande, die Ausländer sind nicht Stammtischthema, was man sicherlich auch einem sehr rigorosen Umgang der Behörden – der jedoch nicht diskriminiert zwischen In- und Ausländern! – zu Verdanken hat. Das sind meine subjektiven Eindrücke aus meiner Zeit im Tessin. Keine Fakten und schon gar nicht ausdehnbar auf die gesamte Eidgenossenschaft, denn bekanntlich gibt es in jeder Hinsicht große kantonale Unterschiede. Außerdem muss man sagen, dass die Schweiz selbst in der Zuwanderungs- und Asylpolitik sicherlich Rosinenpickerei betreibt.

    Wenn man sich allerdings die Weltwoche ansieht und so manche Kampagne der SVP, muss man zum Schluss kommen, dass in der Schweiz z. T. salon- und gesellschaftsfähig ist, was in anderen Ländern schon als Hetze bezeichnet würde. So gesehen kann ich mir gut vorstellen, dass zutrifft, was du schreibst.

  • wiesion [ch]

    was ich von der ostschweiz sagen kann ist, dass sich ein ziemlich offener rassismus unter der bevölkerung breit gemacht hat, aber interessanterweise sogar unter ausländern selbst… dieser richtet sich ausschliesslich gegen albaner und nicht gegen jegliche ausländer… habe schon italiener, österreicher, kroaten und slowenen sowie deutsche und schweizer über sie fluchen hören, in unterschiedlich krasser weise.

    und mit zeitung lesen meine ich beide extremen, auf der einen seite die svp mit ihrer hetze und auf der anderen seite: alle paar wochen gibts einen artikel wegen einer schiesserei / messerstecherei unter albanern oder eine massenvergewaltigung wobei der hauptanteil der täter albaner sind. vor 2 wochen gabs in einer 17’000 einwohner kleinstadt auf offener strasse eine schiesserei mit 2 toten (50jähriger albaner und dessen sohn), die angreifer waren 4 albaner, laut behörden steht ein albanerfamilienkrieg bevor. also angesichts ihres wohnbevölkerungsanteils ist die kriminialitätsrate leider faktisch erschreckend hoch… 60% aller gefängnisinsassen in der schweiz kommen alleien aus dem balkan (‘Facts’ vom 10.06.2004)

    und die weltwoche ist je nachdem eine sehr kritische zeitung und kann man fast als einzige zeitung auch lesen, allerdings um ausländerfragen ist sie zu schwer vorbelastet, mit der halben svp im vorstand und redaktion 😉
    und auf der anderen seite gibts nur ringier und tamedia, welche man auch gut und gerne als axel springer der schweiz bezeichnen kann… und die meisten lokalen blätter arbeiten nur das auf, was vor einiger zeit in den grossen zeitungen drin war.

    die rosinenpickerei hat erst mit der übersättigung der arbeitsmarktes seit den 90ern begonnen, in den 70er und 80er jahren hat man alles reingelassen was arbeiten konnte. das war auch ein grosser fehler denn man hat sich verschiedene mafias in das land geholt indem man keine kontrollen durchgeführt hat und in den ausländern auch schweizer gesehen hat. so haben sie jetzt die n’drangheta, die cosa nostra und auch die albanermafia drin. schutzgeld usw treiben sie hier nicht ein, sind aber für den heroin- und kokainhandel hauptverantwortlich.

    ich weiss nicht genau inwieweit schengen das alte system, nachdem ich noch eingewandert bin, abgelöst/verändert hat, welches besagt, dass je nach berufssparte und nachfrage dessen aufenthaltskontingente bereitgestellt werden. in meiner berufssparte besteht auch heute noch eine riesige nachfrage, alleine bei schweizer banken werden über 1’200 edv-fachkräfte gesucht, deshalb wird man mit einem edv-beruf keine probleme haben hier eine aufenthalts- bzw niederlassungsbewilligung zu bekommen. prinzipiell fehlen der schweiz in einigen sparten extrem viele arbeitnehmer, wie zb lehrer, kranken- und altenbetreuer und andere soziale berufe. jeder will hier bankdirektor werden, habe ich manchmal das gefühl 🙂

  • franz

    In einem Land, wo der Faschismus lebt (z.B. Siegesdenkmal, Credere, combattere obbedire am Finanztempel, und in den Köpfen) braucht man sich über Nazi-Tümelei und -verherrlichung nicht zu wundern. Beides gehört restlos getilgt.

  • Chiwawa

    Dieser Film über einen Südtiroler Altnazi zeigt, dass man nicht unbedingt moralisieren und widersprechen muss, um die Armseligkeit seiner Ideologie zu offenbaren:

    http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,549603,00.html

    Das darf jedoch nicht unüberlegt geschehen, und schon gar nicht ohne Vorbereitung an potenzielle Sympathisanten oder Schüler adressiert werden.
    Das Interview aus der Tageszeitung ist viel zu unprofessionell, die Idiotie des Interviewten offenbart sich erst einem Vorwissenden und dieser menschenverachtenden Ideologie feindselig Gesinnten. Thumb down, Herr Tribus.

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