F100: Wer ist eine Bürgerin, ein Bürger?

Das Forum der 100 (F100) wird auf der Webseite des Südtirolkonvents ganz offiziell als »Bürgergremium« bezeichnet.

Das Forum der 100 berät den Konvent der 33 während der gesamten Arbeitsphase. Es fungiert als Bindeglied zwischen der Südtiroler Bevölkerung und dem Konvent der 33. Besondere Aufgabe des Forums der 100 ist es, unterschiedliche Interessenslagen in die Diskussion einzubringen und mit dem Konvent der 33 einen Meinungsaustausch zu den zentralen Fragen der Reformdiskussion zu pflegen. Dabei wird das Forum der 100 besonders die Ergebnisse der offenen Veranstaltungen (Open Spaces) und die Anregungen der Bürger auf der Online-Plattform der Webseite (www.konvent.bz.it [sic] berücksichtigen.

— Webauftritt des Südtirolkonvents

Nun wurden am letzten Freitag die Mitglieder des F100 in einem fälschlicherweise als »Losungsverfahren« (statt »Losverfahren« oder »Auslosungsverfahren«) bezeichneten Vorgang ermittelt. Unter 1.829 KandidatInnen wurde eine zufällige Auswahl getroffen, die die Südtiroler Bevölkerung hinsichtlich der Altersstruktur, der offiziellen Sprachgruppen und des Geschlechts möglichst genau widerspiegelt.

Wer aber ist eine Bürgerin, ein Bürger? Der Begriff ist freilich äußerst dehnbar. Auch der Landeshauptmann, die Gesundheitslandesrätin und der Polizeipräsident sind BürgerInnen. Das Forum der 100 sollte aber wohl die sogenannte Zivilgesellschaft — ein nicht minder dehnbarer Begriff — repräsentieren, denn im Konvent der 33 wird der organisierten und aktiven Politik, den Rechtsexperten und den Verbänden bereits reichlich Platz eingeräumt.

Aufgrund eines erheblichen Fehlers des Landtagspräsidiums wurden nun vorab zahlreiche ausgeloste Namen bekannt — noch bevor die Personen ihre »Ernennung« annehmen oder ablehnen konnten.

(Bemerkung am Rande: Wieviel Häme hätte wohl die STF über sich ergehen lassen müssen, wäre ihr sowas im Rahmen ihrer Selbstbestimmungsumfrage passiert? Mal abgesehen von allfälligen rechtlichen Konsequenzen.)

Unter den aufgrund des peinlichen Fehlers bereits am letzten Samstag von der Tageszeitung Dolomiten veröffentlichten Namen befinden sich auch Christoph Perathoner, mächtiger Bezirksobmann der SVP in Bozen, sowie Theresia Gasperi Gozzi, ihres Zeichens amtierende Bürgermeisterin von Margreid. Zumindest bei diesen beiden hätte ich eigentlich keinen Zweifel, dass sie im sogenannten »Bürgerforum« nichts zu suchen haben. Bleibt daher zu hoffen, dass sie Einsicht zeigen und dieses »Amt« nicht annehmen.

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