Freilich alles Einzelfälle.

In Österreich hat der FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer ein Saubermann-Image – zumindest im Vergleich zu vielen seiner Parteikollegen, die wegen Verhetzung, Wiederbetätigung und dergleichen verurteilt wurden. Laut Medienberichten wollte Hofer dieses Image nun auch nach Deutschland tragen und gab unter anderem der Bild-Zeitung am 12. Juli ein Interview.

Die Bild-Redakteure konfrontierten Hofer dabei jedoch mit einem Foto aus dem Jahre 1987, das Hofers Büroleiter im Parlament, René Schimanek, bei einer Neonazi-Demo in Wien zeigt. Schimanek (im Bild 4. v. r.), dessen Bruder Hans Jörg (im Bild 2. v. r.) wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung in der Volkstreuen außerparlamentarischen Opposition (VAPO) und als Führer der “Kameradschaft Langenlois” zu 15 Jahren (vom OGH reduziert auf acht Jahre) Haft verurteilt wurde, marschiert dabei in Springerstiefeln und mit Schlagstock bewaffnet hinter VAPO-Gründer Gottfried Küssel (im Bild 1. v. r.) her, der als Schlüsselfigur der österreichischen Neonazi-Szene gilt. Letzter sitzt gerade zum wiederholten Male wegen NS-Wiederbetätigung für sieben Jahre und neun Monate im Gefängnis. Küssel spielt auch in der so genannten “Paintball-Affäre” eine Rolle, im Zuge derer Fotos von FPÖ-Chef H.C. Strache aufgetaucht sind, die ihn mit einschlägig bekannten Neonazis bei von Küssel organisierten “Wehrsportübungen” zeigen.

Quelle: http://images.derstandard.at/2016/07/19/schimanekArtikelbild.jpg
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Wie es der Zufall wollte, war es ausgerechnet René Schimanek, der Hofer bei seinem Besuch in der Bild-Redaktion begleitete. Hofers Reaktion: Schimanek sei nie angeklagt oder verurteilt worden (Anm.: wie beruhigend, dann ist ja alles in Ordnung) und man könne ihm daher “keinen Strick drehen”.

Mag sein, dass das alles lange her und Schimanek mittlerweile geläutert ist. Dieser und dutzende andere “Einzelfälle” zeigen jedoch in erschreckendem Maße auf, in welch tiefbrauner ideologischen Jauche zahlreiche der heutigen FPÖ-Politiker und Funktionäre sozialisiert wurden.

Es ist anzunehmen, dass bei einer Wahl Hofers bzw. einem Sieg der FPÖ bei den kommenden Nationalratswahlen auch Schimanek – und mit ihm viele andere mit ähnlicher Biografie – in prominente Positionen im Staat gehievt werden. Für die österreichische Demokratie und für das internationale Ansehen das Landes eine Katastrophe.

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