Vor einigen Wochen wurde am Bozner »Hadrianplatz« ein neues Studentenheim eröffnet, wobei bereits die Platzbezeichnung einen eigenen Eintrag wert wäre.
Das Studentenheim soll dazu beitragen, die Südtiroler Landeshauptstadt als internationale Studentenstadt zu etablieren und ihr ein neues, modernes Gesicht zu verleihen.
Dabei herrscht jedoch an der Außenfassade und auf der Homepage eine Kombination aus englischer Einsprachigkeit (Student Residence) und italienischer Einnamigkeit (Bolzano). Obwohl auch die Universität ständig mit Dreisprachigkeit und Weltoffenheit wirbt, begrüßt man die Studentinnen und Studenten am Haupteingang des Heimes ausschließlich mit der italienischen Ortsbezeichnung. Fast so, als solle der Bau nicht nur äußerlich an die 1930er Jahre erinnern.
Ausschnitt Homepage Student Residence Bolzano
Mit der Mehrsprachigkeit nimmt man es also doch nicht so ernst und setzt stattdessen auf Einnamigkeit sowie auf stumpfen — wenn vermutlich auch unbewussten — Nationalismus.
Es mag zwar nur wie ein kleines Detail erscheinen, für ein Minderheitengebiet, das sich gerne als weltoffen und mehrsprachig präsentiert und sogar ein Minderheitenmuseum erhalten soll, stellt der ständige Rückfall auf einsprachig italienische Bezeichnungen — und somit auf die Mehrheitssprache des Staates — aber ein Problem dar. Es hält der Südtiroler Gesellschaft zugleich einen Spiegel vor und rüttelt an ihrem Selbstbild, denn es zeigt, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.




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