Categories
BBD

Prost, Mahlzeit!

Edelweiss-Bier.Denen, die es »schon immer gewusst« haben, wird es eine willkommene Bestätigung sein: Wie unter anderem Südtirol Online berichtet, gründet die Volkspartei in Rom eine parlamentarische Autonomiegruppe, in der auch Totò Cuffaro sitzen wird. Der ehemalige Präsident der Region Sizilien wurde kürzlich wegen Verstrickungen mit der Mafia verurteilt.

Es handelt sich also um einen Pakt mit der morschesten politisch-kriminellen Tradition Italiens, um einen faulen Kompromiss, den ich hier aufs Allerschärfste verurteilen möchte.

Stehen die Parteiinteressen der SVP über dem rechtsstaatlichen Grundprinzip der Legalität? Wissen »unsere« Senatoren überhaupt, wieviel Leid und Ungerechtigkeit die Mafia über Süditalien gebracht hat, und welche Symbolkraft dieser bedauerliche Schritt hat? Mit ihrem fahrlässigen Verhalten haben die SVP-Senatoren auch den letzten Funken Anstand verloren. Außerdem fügen sie dem Ansehen unseres Landes großen Schaden zu.

Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

13 replies on “Prost, Mahlzeit!”

Fahrlässiges Verhalten der SVP Senatoren…
Ich als Vinschger schäme mich dafür, dass Pinzger als Vertreter Südtirols, des Vinschgaus nach Rom geschickt wurde. Ich bin überzeugt, dass nicht ein einziges Wort von seinen letzten Stellungnahmen von ihm stammt, sondern von seinen Beratern. Gab es denn wirklich niemand besseren in der Vinschger/Burggräfler SVP, oder zumindest jemand mit Charisma oder Ausstrahlung?

Deshalb frage ich mich, welch andere fragwürdige/unfähige Personen da noch so in Rom rumsitzen – und stelle somit die ganze sog. “italienische Rechtsstaatlichkeit” mit deren Basis in Frage.

Musst du nur auf die Bänke der Regierung schauen, da fängt’s ja schon an… *schauder*

eigentlich stimmt das auch…
wenn man bedenkt dass jemand wie calderoli einen hohen posten bekommt braucht man gar keine weiteren fragen zu stellen, höchstens: wann kommt borghezio zum zuge? und dann wäre die nächste frage: wo errichtet man das erste kz?

@wiesion
Wie kann man vom Volk gewählte Abgeordnete in Frage stellen,niemand behauptet, dass alle unfragwürdig und fähig sind, aber sie sind vom Volk gewählt! und Basta!! Wie kann man die Rechtstaatlichkeit in Frage stellen, wegen einiger Abgeordneten, die einigen Leuten nicht ins Bild passen? Was wissen wir denn hier im schönen Land Südtirol, was die Sizilianer über unsere Abgeordneten sagen? Was wissen wir her in unserem schönen heiligen Land, wie man mit Mafia leben muss? Ich wage kein Urteil, ob ich besser wäre als oben genannte Herrn, wenn es um viel Geld oder, noch schlimmer, um mein Leben geht!

1. sehe ich italien keineswegs als rechtsstaat an
– kein schutz vor staatlicher [dessen organe] willkür, bzw wurden derartig hohe hürden gelegt dass man lieber die willkür erträgt als sie zu bekämpfen, da das bekämpfen langwierig, kostenintensiv und lebensqualitätsvermindernd ist
– man spuckt auf das verhältnismässigkeitsprinzip (ein wesentlicher bestandteil eines jeden rechtsstaates), in beiden extremen.
– so gut wie gar nicht existente rekursmöglichkeiten bei öffentlichen “investitionen” und “öffentliche entscheidungen”, und wenn doch existent, nicht realisierbar wegen zu hoher wählerhürden, termine etc. etc.
– kurz: italien gibt sich nach aussen hin sehr gerne rechtsstaatlich, hat aber alles so ausgelegt dass es gerade mal mit den mindestvoraussetzungen, und diese auch noch geschwindelt, REIN THEORETISCH ein rechtsstaat ist, aber PRAKTISCH jederzeit die volle macht über das volk hat – und nicht das volk über dem staat. ich bin absolut kein eu-freund, aber im falle italien kann man von echtem glück reden dass mindestens die noch ein klein wenig rom auf die finger schauen – sonst würde es nicht mehr lange bis zum nächsten duce dauern.

2. finden in italien traditionsgemäss keine überzeugungswahlen statt, sondern die wahlen des “waswenigerschlimmist”, immer auf den grossteil gesehen.

3. habe ich über “unsere” abgeordneten sicher nichts schöneres zu behaupten als zb ein sizilianer

4. leben wir in “unserem schönen land” schon mit der mafia, sie hat aber ein anderes gesicht und zum glück nicht ganz die selben methoden

5. sage ich nicht, dass ich in bezug auf viel geld besser wäre als die – ich würde mich um sowas einfach niemals “bewerben”

6. lebt man in italien – und südtirol – nicht schlecht – jedoch sollte man einen fiat nicht für einen lamborghini halten. schaut euch die sachen ein wenig realistischer und skeptischer an.

Heute hat die neue Südtiroler Tageszeitung die Südtiroler Landesminister gefragt, was sie von ihren neuen römischen Kollegen halten. Große Freude haben sie dabei gerade über Giulio Tremonti geäußert, jenem Tremonti, der die Staatsverschuldung in die Höhe treibt und gerne mal zum Mittel des Straferlasses (»condono«) greift.

Siehe auch: Los von Visco?

@wiesion
2. finden in italien traditionsgemäss keine überzeugungswahlen statt, sondern die wahlen des ”waswenigerschlimmist”, immer auf den grossteil gesehen.

Ok, aber wieso ist das so? Trägt das Volk eine Mitschuld? Wenn ja, soll man die Demokratie abschaffen, weil das Volk zu dumm ist, in einer Demokratie zu leben und das “Richtige” zu wählen? Ich bin davon überzeugt, dass jedes Volk die Regierung hat, die es verdient.

5. sage ich nicht, dass ich in bezug auf viel geld besser wäre als die – ich würde mich um sowas einfach niemals ”bewerben

Da haben wir schon das nächste Problem, wer soll denn die Situation verbessern, wenn Menschen, die es vielleicht besser machen würden, es nicht mal mehr versuchen?

Ich wage zu behaupten, dass mind. 50% der Abgeordneten im römischen Parlament keinen blassen Schimmer hatten, was sie erwartet, falls sie gewählt werden, und jetzt sitzen da viele, viele Menschen, die einfach nicht wissen, was Politik ist. Aber, warum wurden sie gewählt? Ist das Volk zu dumm, um die “richtigen” Entscheidungen zu treffen?

@pérvasion
Tremonti wird wieder das machen was er am besten kann, Geld ausgeben, um die Klientel zufrieden zustellen. Hätte doch mal ein Politiker den Mut, zu sagen, was Sache ist: der italienische Staat steht kurz vor der Pleite, und wenn wir nicht wollen, dass es uns ergeht, wie den Argentiniern, dann müssen wir sparen sparen sparen, angefangen bei der Politik, über den öffentliche Dienst, bis hin zu uns normalen Arbeitnehmern.
Aber das hört ja keiner gern, oder

“Hätte doch mal ein Politiker den Mut, zu sagen, was Sache ist: der italienische Staat steht kurz vor der Pleite, und wenn wir nicht wollen, dass es uns ergeht, wie den Argentiniern, dann müssen wir sparen sparen sparen, angefangen bei der Politik, über den öffentliche Dienst, bis hin zu uns normalen Arbeitnehmern.
Aber das hört ja keiner gern, oder”

Ich gebe dir hundertprozentig recht jonny. Prodi wurde für seinen mehr als nötigen Sparkurs abgewählt, er war wohl zu “geradlinieg” für die ital. Politik. Er wollte aus Italien wieder ein normales europ. Land machen das seine Schulden verringert und Wettbewerbsfähig ist. Gewonnen hat die Wahl der Populist Berlusca, der mit Steuersenkungen beim Normalvolk gepunktet hat, das nicht versteht, dass es ohne Sparen mit so einem Staat nur abwärts geht und die Osteuropäer schon auf der Überholspur sind.
Nur dein “wir müssen sparen” fand ich nicht so gut, denn eigentlich sollte man als Land Südtirol die Selbstbestimmung anstreben, um endlich nicht mehr mitmachen zu müssen bei diesem Staat.
Damit hoffe ich auch, dass die direkte Demokratie irgendwann Einzug in dieses Land hält.
Denn Südtirol ist definitiv in keinster Weise mit Italien zu vergleichen, außer im Politikstil seit einer Weile.
Und ich muss ehrlich sagen, mir ist es schnurz wohin die Reise geht, von mir aus auch zu Finnland, hauptsache erstmal weg von diesem Staat.
Ob Freistaat, Österreich ist für mich zweitrangig (vom Gefühl her wäre ich eher für letzteres, aber wenn die Mehrheit das andere bevorzugen würde, dann halte ich mich an die Mehrheit).

P.S.: Schauen wie lange diese Regierung hält, beim ersten großen Streitthema ohne Lösung wird die Lega wieder abspringen und den Staat komplett von Innen her aufreiben.

Wir schweifen vom Thema ab. Im Moment sind wir bei Italien, und wenn der Staat Italien zahlungsunfähig wird, dann wird es auch uns treffen im schönen Südtirol, und da hilft auch das Hoffen auf Selbstbestimmung nichts, denn dann sind wir einfach pleite und bei Italien. Natürlich ist es für bestimmte Menschen ein schöner Traum, Freistaat Südtirol, aber so lange wir bei diesem von vielen ungeliebten Staat sind, müssen wir das Beste daraus machen(klingt irgendwie nach SVP, scheisse)

@jonny
ja das volk trägt eine mitschuld, eine wesentliche sogar. als allererstes erwarten sie von politikern übermenschen zu sein, dann erwarten sie noch wunder von denen dass sie allen alles rechtmachen sollen. die ganze einstellung zur politik in italien ist verkehrt, so sagen schon teilweise eltern zu ihren kindern “wenn du ausgesorgt haben willst, geh in die politik” oder die gebehtsmühlenartige aussage dass eh alle die gleichen korrupten “zuchttiere” sind usw usf. dass man als politiker die rahmenbedingungen für die gesellschaft zum besseren verändern könnte, wird schon gar nicht mehr erwähnt. will auch nicht behaupten dass die situation diesbezüglich in südtirol besser wäre.

glaube gerne dass 50% der abgeordneten keinen schimmer hatte. kein meister fällt vom himmel. vielleicht ist, so wie du fragst, das volk zu dumm.

es ist total lächerlich die regierung prodi’s als spar-regierung zu titulieren, das einzige was sie gemacht hat, war über 80 neue steuern einzuführen und hat so massiv mehr geld eingenommen. der iwf hat die regierung prodi für den besseren staatshaushalt gelobt, hat aber allerdings gleichzeitig gesagt dass dies einseitig von höheren einnahmen rührt und keineswegs von einem “sparkurs”. von sparen kann unter gar keinen umständen die rede sein, alleine schon die aufgeblasene regierung, postenschacher deluxe (24 minister und über 70 unterstaatssekretäre usw usf) für die ganzen kleinen koalitionsparteien.

andererseits, möchte eine regierung wirklich mal sparen, ist das ein ding der unmöglichkeit mit den italienern, man kann die bevölkerung schon alleine wegen strassenbauarbeiten auf die strasse bringen um gegen die arbeiten zu protestieren und die baustelle lahmzulegen (schon so im wunderbaren florenz erlebt ;) ). stellt euch denn mal das szenario einer entlassungswelle im öffentlichen sektor vor… und tut mir leid, in meinen augen sind ca. 50% der öffentlichen stellen als reine abm eingerichtet worden und sind für gar nix gut, ausser steuergelder rauszuwerfen und die arbeitslosenstatistiken kurz-mittelfristig zu verbessern.

@wiesion

Ich kann dir nur vollkommen recht geben, aber was kann man dann tun?
Auswandern oder den Freistaat Südtirol fordern? Vielleicht kann das italienische Volk erst durch eine Katastrophe “alla Argentina” lernen, dass es an der Zeit ist zu sparen. Glaube zwar nicht, dass es jemals soweit kommt, aber vielleicht würde es vielen Menschen in diesem Staat nicht schaden, mal wirklich ganz unten zu sein. Dadurch lernt man das ” sich aufrappeln”, und auch das würde dem italienischen Volk gut zu Gesicht stehen.

@jonny

ich denke revolutionen anzetteln bringt dir, mir und sonst jemand nichts, ausser dass man aller wahrscheinlichkeit nach in das gegenteil verfällt, aber man strebt ja irgendwo ein mittendrin der dinge an. in meinen augen ist es am besten, in seinem direkten umfeld zu wirken, d.h. wenn jemand wieder mit der tirade wegen den korrupten politiker loslegen will, sollte man dagegenhalten und kritisch nach fakten fragen und ob es angebracht ist, alle in einen topf zu werfen und niemandem die gelegenheit zu geben sich zu beweisen; oder nachfragen ob sich durch diese tiraden jemals irgendetwas gebessert hat oder was man sich von diesen erhofft…
und natürlich darauf hoffen, dass diese es einem gleich tun, wiederum in ihrem umfeld. mehr würde ich niemals tun.
zudem bin ich bereits ausgewandert ;-)

ich für meinen teil bleibe aber dabei, das was in letzter zeit in italien seitens der politik geleistet wurde, ist mehr als nur pure geldverbrennung gewesen. persönliche freiheiten zählen mittlerweile nichts mehr und die aufgabe des staates im dienste des (aller) bürgers zu stehen wurde mit chronisch-krankhaftem populismus für laute minderheiten ausgetauscht, die verfassung wird dank einem ehrlichgesagt riesigem interpretationsspielraum mit füssen getreten. in diesem sinne kann man sich einen freistaat südtirol wünschen und dass man es besser machen würde. jetzt aber ist südtirol in italien und leidet auch darunter… es mag sehr naiv klingen, aber ich hoffe dass die pro-schweiz-haltung bossi’s sich auch in dessen künftigen reformationen wiederspiegeln wird; obwohl die lega nicht gerade für liberalismus bekannt ist und viele leute daran zweifeln dass bossi seit seinem schlaganfall überhaupt noch in der lage ist zu denken geschweige denn zu politisieren.

Leave a Reply to pérvasion Cancel reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *