Ende einer Ära.

Die gestrige Ordensverleihung an die beiden Staatspräsidenten Fischer und Napolitano setzt den symbolischen Schlussstrich unter eine Epoche. Die durchaus positive Zeit der Autonomie ist auch konzeptionell an ihr Ende gelangt.

Das Ende dieser Ära, die mit dem Abgang des langjährigen Landeshauptmanns koinzidiert, ist jedoch nicht das Ende der Geschichte. Mehr denn je wünschen immer mehr Südtirolerinnen einen neuen Qualitätssprung, den Übergang vom Nebeneinander zum Miteinander und vom eingeschränkten Gestaltungsspielraum zur vollen Verantwortung für die Geschicke unseres Landes. Dafür benötigen wir einen neuen Rahmen, innerhalb dessen alle Südtirolerinnen — nicht als Deutsche, Italiener- und Ladinerinnen, nicht als In- und Ausländerinnen, nicht als Mehrheit und Minderheit, nicht als Gewinner- und Verliererinnen — zu gleichberechtigten Bürgerinnen werden.

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3 replies on “Ende einer Ära.”

Sonst neben den Ehrungen und Anerkennung auch viel Heuchelei. Napolitano etwa: »Die Autonomie ist unantastbar«, während sie im Laufe der letzten Monate so ungeniert ausgehöhlt wurde, wie nie zuvor. Und Merans Bürgermeister Januth hüpft am Festtag der Autonomie in eine Trikolore gewickelt hin und her; hatten Südtirols Politiker nicht lang dafür gekämpft, von dieser Pflicht entbunden zu werden?

… genau so – und nur so – wird SÜDTIROL eine ZUKUNFT haben!
Möge es Dir Pérvasion auch wirklich gelingen, die Bürgerinnen und Bürger dieses, unseres Landes mit dieser Idee “zu DURCHDRINGEN”!
– Südtirol wird in Italien immer und jederzeit als Spielball betrachtet, – nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung Italiens,
– “Nationales Interesse” wird jederzeit geltend gemacht und der Autonomie übergeordnet!
Das bisherige Parteiengefüge hat sich ebenfalls überlebt, – die vermeintlich “allein-bestimmende SVP” auf der einen Seite, die “zentralistisch-gelenkten Rom-Parteien” auf der anderen Seite bieten keine Zukunftsperspektive!

Der italienische Staatspräsident hat in seiner Meraner Rede darauf hingewiesen, dass der Minderheitenschutz in (Artikel 6) der Verfassung enthalten sei. Was er jedoch nicht gesagt hat, ist, dass dies ein »toter Buchstabe« geblieben ist. Überall dort, wo es keinen internationalen Druck gegeben hat (alle Minderheiten außer Deutsche/Ladiner in Südtirol, Slowenen in Friaul bzw. Julisch Venetien und Frankoprovenzalen in Aoste), sind die Minderheiten faktisch »ungeschützt«*.
Das geht so weit, dass etwa (1.) die Sarden einen schlechteren Schutz genießen, als ihre korsischen Brüder im offen zentralistischen und minderheitenfeindlichen Frankreich, und dass (2.) der Vizepräsident der italienischen Sprachgesellschaft offen und ungestraft behaupten darf, die sardische und ladinische Sprache seien italienische Dialekte. Dass Italien die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen (wie Frankreich) nie ratifiziert hat, scheint da nur konsequent.

*) in Aoste ist die Assimilierung trotzdem bereits Realität

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