Weltfremder Ehrenbürger.

Italien ist nicht Italien.Mein Brixner Mitbürger, moralische Instanz der laizistischen Republik Italien, hat ein gravierendes Imageproblem — weil er an die Ermordung von Millionen Juden, Nomaden und anderen »Anderen« nicht dieselben, strengen moralischen Maßstäbe anlegt, wie an Verhütung, Abtreibung oder, aktuell, den Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen bei einer apallischen Komapatientin.

Ich habe enorme moralische Schwierigkeiten damit, sein Mitbürger zu sein und bitte die Gemeinde, die Ehrenbürgerschaft auszusetzen. Es wäre angebracht, ihm auch als Stadtverwaltung klarzumachen, dass man mit Holocaustleugnern nichts am Hut haben möchte.

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23 replies on “Weltfremder Ehrenbürger.”

Italien ist eine laizistische Republik? ;-)
Der Vatikan hat diesen Staat in der Hand – man schaue sich nur den Fall der Komapatientin an, was die Kirche sagt zählt hier immer noch.

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Die Piusbrüder sind der offiziellen Amtskirche willkommen, die lateinamerikanischen Befreiungstheologen bleiben weiterhin geächtet.

Auch eine laizistische Republik kann eine moralische Instanz haben also ist es kein Oxymoron weil es kein Gegensatz ist :-) Aber schluss mit der Klugscheisserei…

Was ich sagen wollte: Ich verstehe nicht warum einige so erstaunt über diesen Fall sind, es ist doch klar, dass Italien, auch wenn seit Mitte der 80er Jahre offiziell keine Staatsreligion mehr existiert, immer noch von sehr konservativklerikalen Kräften stark beeinflusst wird und sich die Regierung nicht traut sich gegen die Kirche zu stellen. Mich hat dieser Fall überhaupt nicht verwundert… Es war doch immer klar, dass der Vatikan eine doppelmoralische Instanz ist.

Wenn ich aber schreibe, die moralische Instanz einer laizistischen Republik sei der Papst, dann ist das ein Oxymoron.

Du kannst dich gerne künstlich über den Einfluss des Papstes auf Italien mit-echauffieren, doch ich möchte in diesem Zusammenhang an die klerikalen Positionen der Südtiroler Rechten, einschließlich deiner Partei, sowie der Schützen in der Kippenberger-Affäre erinnern.

Da quando il Papa è stato qui, sul Seminario Teologico di Brixen sventola la bandiera giallo-bianca. Vorrà  dire qualcosa?

A Michael dico che il rischio di uno Stato Sudtirolese completamente governato secondo i dettami di Madre Chiesa è un incubo al quale lui e i suoi sodali lavorano alacremente. Almeno, in Italia, c’è ancora qualcuno in grado di accorgersi dello sfacelo nel quale siamo immersi (si veda il fondo di E. Scalfari, sulla Repubblica di oggi). In Sudtirolo le voci critiche verrebbero falciate via senza neppure la remissione dei peccati.

Le destre tedesche, e immagino anche gran parte della SVP, nella loro ansia di di innalzare quanti più muri possibili tra il Sudtirolo e l’Italia, fanno eccezione per quanto riguarda la soggezione al Vaticano. Evidentemente non gliene importa nulla di quello che sta accadendo in Austria e Germania, dove ci sono state molte reazioni indignate, anche da parte dei cattolici, per la revoca della scomunica al vescovo negazionista Williamson. In questi ultimi tempi i vecchi argomenti contro l’Italia, un pò fuori moda, sono stati in parte sostituiti da una gran parlare della Bananenrepublik, di quanto sia inefficiente, mal governata, casinista, priva di una cultura della legalità  ecc. Strano però che nel concetto di Bananenrepublik non entri anche questa vergognosa incapacità  dello Stato italiano ad opporsi ai diktat vaticani. Forse perché si spera in un Freistaat Suedtirol ugualmente clericalizzato?

Non entro nel caso Englaro, volutamente. Mi si stringe lo stomaco al pensiero dell’enorme dolore che ha dovuto sopportare la sua famiglia, all’osceno schiamazzo che hanno messo su i cosiddetti difensori della Vita, mentre per le ultime esternazioni in merito del governo proprio non ci sono parole, veramente, si chiude la bocca oltre che lo stomaco. Come nel caso di Piergiorgio Welby, se ricordate.

Als sich der Vatikan kürzlich von der italienischen Gesetzgebung lossagte, wurde gejubelt. Wie sich zeigt, war das aber vielmehr eine Wende, als eine Abnabelung: Nicht der Vatikan übernimmt fortan die italienischen Gesetze, sondern umgekehrt.

Über Italien möchte ich mich jetzt gar nicht auslassen, doch ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Südtiroler Gesellschaft gegen antiliberale und klerikale Einflussnahme verschließen würde. Sogar die Kirche hier hat gut funktionierende Antikörper, die ein Überhandnehmen des Fundamentalismus verhindern. Denken wir an unseren ausgleichenden, leider zu früh verstorbenen Bischof. Denken wir an die starken demokratisierenden Einflüsse der Zivilgesellschaft, auch wenn sie nicht immer sehr erfolgreich sind. Ein Name mit Symbolkraft: Robert Hochgruber.

Südtirol hat im Vergleich zum italienischen Schnitt sehr viel höhere Scheidungsraten und einen drastisch höheren Verbrauch von Verhütungsmitteln. Das und ähnliche Indikatoren zeigen, dass es hier trotz des vorhandenen Bigottismus und fundamentalistischer Tendenzen eine sehr kritische, laizistische und “selbstbestimmte” Bevölkerung gibt, die sich direkte Eingriffe von der Kirche nicht gefallen lassen würde. Auch die Kommentare hier zeigen, dass es so ist.

@ dauergast

Quando è venuto il Papa, l’estate scorsa, io scrissi un articolo per il Corriere dell’Alto Adige. Un articolo non certo aggressivo nei confronti del Santo Padre, ma solo “critico” (citavo, fra l’altro, il libro di Morselli, Roma senza Papa). Be’ non ci fu verso di pubblicarlo, l’articolo. Fu giudicato inopportuno. Non penso che mi sarebbe andata diversamente se avessi tentato di pubblicare quel pezzo da un’altra parte. E a Bressanone, come dicevo, sventola ancora la bandiera bianco-gialla…

http://segnavia.wordpress.com/2008/07/28/bressanone-con-il-papa/

Hmm, gerade in Suedtirol haben wir einerseits traditionalistische Parteien die sich christlich geben bzw.den Glauben in ihre Grundsaetze aufgenommen haben…gerade in Suedtirol, und DAS ist schlimm, ist es fast zur Mode geworden, “christlich” zu sein, “christiliche Werte” zu vertreten, zum Schein quasi, weil das “gut ankommt”, dabei sind es genau die Politiker, die dann diese Werte ganz und gar nicht beachten, man bedenke nur Miss Speck und ihre ehemalige Partei, das ist heuchlerisch!!!Aber gerade in Suedtirol wuerde ein “Uebrgriff von Seiten der Kirche” gut Fuss fassen, genau deswegen!!

es ist der blanke wahnsinn, man kann gar nicht soviel fressen wie man kotzen möchte… vaticanæ, berlvsconi et camerati…

wie wunderbar, da kommen ja direkt schon nachkriegsgefühle auf, damals hat der vatikan dem faschismus das leben gerettet und jetzt kann man sich mal ausgiebigst durch intensive ar***leckereien und machtbeteiligung dafür bedanken.

es glaubt doch hoffentlich niemand, dass einer von diesen menschenverächtern, egal ob sie da im parlament oder in vatikanstadt ihre spielchen treiben, sich auch nur eine sekunde lang um das wohlergehen dieser frau oder dessen familie interessiert hätte – wie könnte man bloss so naiv sein?

und ja, südtirol ist extrem bigott und teilweise bizarr, es gibt tatsächlich leute die glauben an gespenster und flüche… aber das ist in italien nicht anders, stichwort malocchio…

Dem Schreiber dieses Beitrages (“Weltfremder Ehrenbürger”)fehlt offenbar die Vornehmheit, die der katholischen Frömmigkeit eigen ist. Dieser niveaulose Angriff gegen den Heiligen Vater ist an Frechheit kaum zu überbieten.

Hier die Position des Pontifex Maximus:

Link.

PV, ich habe den Papst nicht einen Holocaustleugner genannt. Aber mir behagt es nicht, wenn meine Gemeinde (also irgendwie auch ich) jemanden zum Ehrenbürger ernennt, der sich nicht deutlich von solchen abgrenzt. Du hast jedoch Recht: Die Vornehmheit, mit der der Vatikan sich über die Privatsphäre anderer hermacht, und jene, mit der er Andersgläubigen vor den Kopf stößt, fehlen mir vollkommen.

Zum Abschluss eine Frage: Was heißt denn Pontifex auf Deutsch?

PV, entschuldigen sie, aber ist das wirklich ihr ernst? die frömmigkeit die den katholiken zu eigen ist?

wenn sie nicht den link mitgeschickt hätten hätt ich das eh als satire aufgenommen und mit ihnen mitgelacht…

pérvasion, wenn der grossteil brixens nun mal erzkatholiken sind wird es sogar seine berechtigung haben…

in meinen augen allerdings ein armutszeugnis dass man sich auch noch heutzutage mit derart dubiosen machtgestalten schmücken muss – es ist bei weitem nicht alles gold was glänzt. der vatikan ist wohl die älteste und am längsten bestehende geburtsstätte für weltbeherrschungsansprüche und totalitäre ideologien (mal ganz abgesehen von den internen intrigen und machtspielen), basierend auf absoluter rhetorik und wortbrachialität die ottonormal von und zu leichtgläubig nicht zu durchschauen oder gar als solche zu erkennen vermag. gott oder allah oder wie ihr ihn nennen wollt braucht keine institution und als letztes den vatikan und seine schergen, das sollte jedem gläubigen bewusst sein.

der vatikan existiert gleich wie viele andere institutionen nur noch zum blossen selbstzweck und ist nur ein weiterer parasit der menschheit, den es gilt loszuwerden – oder vollends an ihm zu degenerieren. soviel zu meiner vornehmlichen frömmigkeit.

Ich kenne ehrlich gesagt keine irdischere, materialistischere und gottlosere Stadt als Brixen. Bigotterie ist zwar im Spiel, aber auch nicht mehr als anderswo im Land. Insgesamt angenehm, wie sich das Nest vom maßgeblichen Einfluss des Klerus befreit hat, wobei die oberflächliche Hier- und Jetztbezogenheit (Protz, Schein, Status über alles) schon manchmal nervt. Auch die Ehrenbürgerschaft für Herrn Ratzinger würde ich als Werbegag einstufen und nicht als Ausdruck von Religiosität.

Direkt aus dem Zug, wo ich in unmittelbarer Nähe des neuen Bischofs sitze. Der zunächst den Verzicht des umstrittenen Linzer Weihbischofs begrüßt. Und dann, Zeitung lesend, von einer Sicherheitspsychose spricht – alles sei Recht, um die Ausländer schlechtzumachen. Ich kenne Herrn Golser nicht, doch mein erster Eindruck ist positiv.

Zu den jüngsten Übergriffen auf Roma und Rumänen in Rom sage ich: Wehret den Anfängen. Doch hier werden die Anfänge geradezu unterstützt und angefeuert.

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