Dammbruch in der EU?

Algirdas Butkevicius.

Nach dem Erfolg der Via Catalana, dem katalanischen Weg in die Unabhängigkeit, bei dem Katalonien vor wenigen Tagen eine 400 Kilometer lange, friedliche Menschenkette von Norden nach Süden durchzog, gibt es erste Risse im EU-weiten Damm: In einem Fernsehinterview mit der katalanischen Nachrichtenagentur ACN sprach sich der litauische Premierminister, Algirdas Butkevicius, für die Selbstbestimmung aus — ein Recht, das allen Ländern zustehe. Er zeigte sich erfreut, dass sich die Katalanen von den Balten hätten inspirieren lassen, die nach dem Fall der Berliner Mauer eine 600 Kilometer lange Menschenkette durch Estland, Litauen und Lettland gezogen hatten, um die Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu fordern. Die UNESCO hatte die Kundgebung später zum immateriellen Erbe der Menschheit erklärt.

Litauen hat derzeit den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft inne. Die spanische Regierung lud nach Veröffentlichung des Interviews die litauische Botschafterin zu sich und bat ihn um Erklärungen über die Äußerungen Butkevicius’.

Siehe auch:

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14 replies on “Dammbruch in der EU?”

Wäre in Südtirol jemand auf die Idee gekommen, eine Menschenkette nach Vorbild der baltischen Republiken zu machen, hätte das Totschlagargument geheißen: »Südtirol ist nicht das Baltikum und Italien ist nicht die Sowjetunion.« Keiner wäre hingegangen und es hätte natürlich auch keine internationalen Reaktionen gegeben.

Wäre vllt. sogar eine Überlegung wert, grad ums den Stänkerern einmal zu zeigen. Und wenn nur 50 kämen, wärs zumindest einmal ein Anfang. Und sonst zumindest einmal ein Blog-Treffen, wo man gleichzeitig das Bier mit Christoph einnehmen könnte ;)

Die Südtiroler gehen — wie die Schotten, aber anders als die Katalanen — nicht so massiv auf die Straße. Das ist schade, aber keineswegs schlimm.

Gadilu gehört zu jenen Personen, die vom Pawlow’schen Reflex konditioniert sind, jeden Vergleich mit einer anderen Realität dadurch totschlagen zu wollen, dass man auf die Unterschiede hinweist: Südtirol ist nicht Kosovo, Südtirol ist nicht Litauen, Südtirol ist nicht Schottland und Südtirol ist nicht Katalonien. Das stimmt zwar, sollte uns aber nicht davon abhalten, Gutes nachzuahmen und womöglich Synergien zu nutzen. Die Via Catalana hat stattgefunden und war ein Erfolg, obwohl Katalonien nicht mit dem Baltikum zu vergleichen ist. Wenn es irgendwann zu einer Regionalisierung Europas kommen wird, wird das geschehen, obwohl jede Region anders ist als die andere. Und wir können genauso dazu beitragen, wie Schotten und Katalanen — wenn wir es nur wollen.

Ma tu guarda. Uno dice che x non è y e spunta il cane di Pavlov. Poi mi si dice che i sudtirolesi non vanno per strada (al contrario degli altri) e tutto va bene. Boh. Chi avrà  ragione? lol

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