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Gedanken zum Rechtsruck in Südtirol.

Eine kritische Antwort auf “Wo bitte ist da die Mitte?”

Leserbeitrag von Matteo und Matthias

Die besonders hitzige Debatte über links und rechts und die darauffolgende Einordnung der Südtiroler Parteien in das politische Spektrum hat auch uns (in Österreich lebende zweisprachige, linke Südtiroler) zur Diskussion angeregt und veranlasst ein wenig “kritischen Senf” dazuzugeben. Ohne jemanden Hetzkampagnen vorzuwerfen und keinerlei Anspruch auf objektive Auffassungen versuchen wir dies durch eine kritische Würdigung des Artikels “Wo bitte ist da die Mitte?”. Da wir einige Einordnungen und daraus folgende Schlüsse des Autors nicht zur Gänze teilen und diese nach unserer Auffassung einer Präzisierung bedürfen, möchten wir zwei Punkte erläutern.

  1. Das frame das mit der Bestimmung der Begriffe von rechts und links am Anfang des Artikels gesetzt wird ist simplifizierend und nicht genug erklärend. Rechts und links sind unserer Meinung nach, nicht nur “Schubladen” ohne die wir nicht auskommen können, sondern historisch gewachsene Positionen die eine bestimmte Sicht der Gesellschaft diskursiv vermitteln.
  2. Die “objektive Auffassung” nach der die Einordnung der Parteipositionen erfolgt, berücksichtigt nur die räumliche Position der Parteien im politischen Spektrum. Salienz der Positionen, also ihre Wichtigkeit, und vor allem der vermittelte politische Diskurs werden hingegen vernachlässigt.
  • Zu 1) Die Kategorien Links und Rechts entstanden während der französischen Revolution und wurden in der Phase des Direktoriums 1795-99 bereits für tot und überholt erklärt. Obwohl sie immer wieder als schwammig dargestellt werden sind sie eindeutig Bezeichnungen für zwei konventionelle Mentalitäten, zwei verschiedene Arten den sozialen Konflikt auszulegen. Bewegungen die sich weder rechts noch links bezeichnen haben sich immer wieder als rechts oder links positionieren müssen (meistens als rechts). Um rechte und linke Bewegungen zu unterscheiden, paraphrasieren wir eine Definition des italienischen Schriftstellerkollektiv WU MING:
    “Linke”, ob sozialdemokratisch, kommunistisch oder anarchistisch, gehen von einer gespaltenen Gesellschaft aus, da im Inneren entgegengesetzte Kräfte wirken. Es gibt Arme und Reiche, Ausbeuter und Ausgebeutete, Männer und Frauen. Obwohl weit voneinander entfernt, basieren alle linken Strömungen auf der Auffassung einer von Grund auf gespaltenen Gesellschaft, dessen Bruchlinien tief und vor allem endogener Natur sind.
    “Rechte” hingegen sind der Auffassung, dass die Nation geeint und harmonisch sein sollte, bzw. einmal so war. Ist das nicht mehr der Fall, so wird die Schuld externen Kräften, Eindringlingen oder Feinden zugeschrieben die sich (bei uns) eingeschlichen und (mit uns) vermischt haben. Damit die Gemeinschaft wieder vereint sein kann sollen diese nun isoliert oder ausgestoßen werden. Alle “rechten” Ansichten starten von dieser Prämisse, welche in Diskursen anfänglich heterogen erscheinender Bewegungen gefunden werden kann, sei es bei Breivik, der Tea Party, der Lega Nord oder Casapound. Um zu verstehen ob eine Bewegung rechts oder links ist, muss man nur sehen woher ihre Feinde stammen. Für rechte Bewegungen kommen Feinde oder zumindest ihre Ideen immer von “außen”.
    Die Vermittlung dieser zwei Kategorien erfolgt in der politischen Kommunikation auf besondere Art. Alle Wörter und Sätze die verwendet werden, geben die ideologische Perspektive der Person die sie gebrauchen wieder. Jedes Wort trägt eine bestimmte Weltanschauung mit sich und schildert die Realität dementsprechend. Betrachtet man die Verwendung der Bezeichnungen “centrodestra” und “centrosinistra” in der italienischen Politik, kann man sehen dass das Wort “centro” den rechten erlaubt hat problemlos faschistische Mitglieder und Haltungen miteinzubeziehen ohne dass diese als Radikal verstanden wurden. Für die Linke hatte es hingegen die Folge ihre Suche nach Stimmen in Richtung eines hypothetischen Zentrums zu verlagern.
    Aus dieser Begriffsbestimmung geht hervor, dass wir die Ansichten bezüglich Relativierung des Radikalismus der italienischen rechten Parteien von Seite der Medien teilen. Dennoch erscheint uns, dass der Autor in seiner Kritik der italienischen Medien (und Dolomiten), dasselbe framing reproduziert, indem er die STF als mainstream-rechts Partei darstellen möchte und gleichzeitig (zu Recht) alle italienischen Rechtsparteien als grundlegend faschistisch bezeichnet und sie sogar radikaler als die Freiheitlichen erscheinen lässt.
  • Zu 2) Die STF kann als ethnische single-issue Partei definiert werden, d.h. sie vertritt nicht nur einen (aüßerst radikalen) “konservativen Heimatbegriff”, sondern gerade dieser determiniert ihre zentrale Forderung nach Selbstbestimmung und stellt somit quasi ausschließlich die einzige Quelle an Stimmen dar. Parteien dieser Art tendieren aufgrund der zentralen Relevanz eines Programmpunkts dazu andere Dimensionen des Parteienwettbewerbs sehr schwach zu akzentuieren und diese bewusst diffus zu halten, um die Wählerschaft nicht zu spalten. Zudem werden nicht-ethnische Bereiche “ethnisiert” und in exklusive (nationalistische) Identitätsschemata verpackt.
    Die STF wirbt mit ihren “progressiven” Positionen (z.B. Gleichstellung homosexueller Partnerschaften) in der Öffentlichkeit sehr subtil und eine vertiefte Diskussion über diese Punkte kommt unseres Erachtens eher selten zum Vorschein. Sobald sie zum Vorschein kommen werden sie meist mit der Tiroler Identität in Verbindung gebracht (vgl: Centaurus Umfrage 2008). Um weitere Punkte erst zu finden muss sich der Autor auf die europäische Ebene begeben. Eine Koalition mit (nicht nur) linken Parteien im Rahmen der EFA und das Bekenntnis zur Bilbao-Deklaration verhindert die STF allerdings nicht die “Bevorzugung von Arbeitskräften aus Nord- und Ost-Tirol, dem restlichen Österreich, Deutschland und anderen Ländern, mit deren Bevölkerung es keine Integrationsschwierigkeiten gibt” auf lokaler Ebene zu fordern. Obwohl Raum für Interpretationen frei gelassen wird, erscheint die vermittelte Botschaft klar und deutlich. Zum Vergleich: auch der PDL der faschistische Parteimitglieder in seinen Reihen hat ist in der Europäischen Volkspartei vertreten und muss offenbar die Devise “EPP will fight against all kinds of discrimination against immigrants” (EPP 2012) mittragen. Auf nationalstaatlicher Ebene zeigt beispielsweise die Implementierung des Bossi-Fini Gesetzes allerdings genau das Gegenteil.

Ohne der STF ihre progressiven Ansichten abzusprechen, bezweifeln wir dass die Partei durch diese Punkte viele Stimmen gewonnen hat. Wenn der Stimmenzuwachs nicht mit der Selbstbestimmungsrhetorik erklärt werden kann, dann nur mit ihrer Kritik am System der Autonomie und der Südtiroler (und Italienischen) korrupten Politikerkaste. Punkte und Rhetorik die üblicherweise in der Programmatik von (rechts)populistischen Parteien zu finden sind.

So diffus und zwiespältig die Ansichten der STF in ihren programmatischen Punkten erscheinen und in den Diskussionen auch dargestellt werden, so eindeutig fällt nach unserer Analyse die Einordnung der STF (ohne die Freiheitlichen zu vergessen) in den äußerst rechten Rand des politischen Spektrums, wo sie sich mit ihren italienischen counterparts wiederfinden. Ihre Affinität zur FPÖ, stammt nicht aus einer “falschen Freundschaft”, sondern aus einer geteilten ideologischen Grundeinstellung. Wir verbleiben mit Furio Jesi:

È razzismo ogni dottrina secondo la quale gli uomini di un gruppo nascono portatori di una data cultura e soggetti a un dato destino.

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21 replies on “Gedanken zum Rechtsruck in Südtirol.”

Nette Analyse, nur leider weniger hilfreich für diese Diskussion, denn ich frag auch nicht einen Veganer, was er eigentlich so von Fleisch aus Massentierhaltung hält…

Danke für die interessanten Rückmeldungen, die ich grundsätzlich nachvollziehen und auch teilen kann.

Hier ein paar Präzisierungen meinerseits:

Unsere Blog-Artikel sind meist keine wissenschaftlichen Aufsätze, sondern bisweilen auch etwas überspitzt formulierte Kommentare zum politischen Alltagsgeschehen. Als solche sollten sie auch wahrgenommen werden. Wenngleich wir uns um eine präzise Recherche im Rahmen unserer Möglichkeiten und eine korrekte Verwendung von Begrifflichkeiten bemühen, sind gewisse Vereinfachungen (sowohl im Duktus als auch inhaltlich) von Nöten, um Lesbarkeit und eine erträgliche Länge zu gewährleisten. Eine der Hauptaufgaben von BBD ist es, “Gewissenheiten” zu hinterfragen und eine breite Diskussion darüber anzuregen, welche sich nicht auf politikwissenschaftliche Zirkel beschränkt.

Anlass und Zeck des Artikels war es nicht, die Betitelung als “destra tedesca” zu kritisieren, sondern – wie der Titel des Aufsatzes nahe legt – den Euphemismus “centrodestra” aufzuzeigen.

Ich habe nicht alle italienischen Rechtsparteien als “radikaler als die Freiheitlichen” eingestuft, sondern Unitalia und La Destra hervorgehoben und die Südtiroler Freiheitlichen auf eine Stufe mit der FPÖ gehoben.

Ich habe auch beobachtet, dass die Freiheitliche Xenophobie mittlerweile subtiler als jene der Lega daherkommt. Ich möchte die Position der Freiheitlichen nicht relativieren und habe diese auch schon angeprangert (http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=14390), aber Sprache und Aktionen der Lega sind meines Erachtens noch mehr dazu angetan, Hemmschwellen zu verschieben. Plakatslogans wie “Via gli Zingari da casa nostra” und ein festliches Schinken- und Speckessen vor dem Sitz eines islamischen Vereins sind in ihrer Explizität unerreicht in unseren Breiten.

Zuletzt war es mir ein Anliegen, die Gleichsetzung von STF mit den Freiheitlichen zu hinterfragen. Daher habe ich ersteren mehr Platz gewidmet, um aufzuzeigen, dass es sich bei dieser Bewegung – wie ich meine – um einen Sonderfall handelt. Ich habe die STF nicht als mainstream-rechts Partei dargestellt, sondern deren schwierige Zuordenbarkeit unterstrichen. Und dabei habe ich einen Fehler gemacht und den Aspekt der “single-issue” nicht vorangestellt. Dies hätte meine Aussage wohl in einem klareren Licht erscheinen lassen.

Ehrlich gesagt, ist mir überhaupt nicht klar, was diese(r) Linke(n) eigentlich am Artikel Harald Knoflachs auszusetzen haben (wobei ich sonst eigentlich fast nie mit ihm zur Gänze einer Meinung bin).

Das Fazit ist halt wieder mal sinngemäß: Die STF steht doch ganz, ganz weit rechts …

Und Harald Knoflach scheint die “Kritik” generell ohne nennenswerten Widerspruch hinzunehmen.

Liebe/r Rosanna/R.Camp/Flor Camp,

ich bitte dich/euch, u.a. im Einklang mit der Netiquette, dich/euch für einen Nicknamen und eine gültige Emailadresse zu entscheiden und sie mir via Email (mod@brennerbasisdemokratie.eu) mitzuteilen. Ich werde sie dann in allen Kommentaren ersetzen. Bis dahin werde ich deine/eure Kommentare zurückbehalten.

Liebe Moderation,

ich weiß nicht, was du mit gültiger E-Mail-Adresse meinst oder beabsichtigst. Meine Adresse gilt. Diese wird ja auch nicht veröffentlicht.
Ich schreibe nun nur mehr als R. Camp, es gab, glaub ich, zwei mal ein Versehen wegen der Voreinstellung im Eingabefeld.

Also, warum diese Aufforderung? Falls du mich vergraulen willst, dann halt eben die Mails zurück. Passen eh nicht in das Weltbild der Protagonisten von bbd. Dann adieu, wenn das so ist …

Ich will niemanden vergraulen. Aber du hast zunächst mehrmals deinen Namen geändert, anschließend mit dem gleichen Namen noch unterschiedliche Emailadressen benutzt. Da die Avatars (Icons) aufgrund der Emailadresse generiert werden, ist das noch zusätzlich verwirrend (Farbe ändert, Name ändert…).

Ich habe also versucht, dich via Email zu erreichen, doch meine Mitteilung an die eine Adresse kam wieder zurück, die an die andere blieb unbeantwortet.

Also nochmal: Bitte teil mir via Mail mit, welchen Nicknamen und welche Emailadresse du benützen willst. Danke.

Ohne der STF ihre progressiven Ansichten abzusprechen, bezweifeln wir dass die Partei durch diese Punkte viele Stimmen gewonnen hat.

Geht es hier um das Parteiprogramm oder um die Gründe warum eine Partei von den Wählern gewählt wurde?

Zum Vergleich: auch der PDL der faschistische Parteimitglieder in seinen Reihen hat ist in der Europäischen Volkspartei vertreten und muss offenbar die Devise ”EPP will fight against all kinds of discrimination against immigrants” (EPP 2012) mittragen.

Dieser Vergleich hinkt. Meines Wissens gab es in der EVP im Zuge der Aufnahme des PDL sehr wohl Bauchschmerzen, aber die Aufnahme erfolgte wohl zu einer Zeit, als eine signifikant kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Berlusconi noch nicht stattfand oder aus Gründen der “europäischen Staatsräson” ausgeblendet wurde. Mit anderen Worten, während sich die EFA relativ leicht täte die STF raus zu werfen, hat sich oder täte sich eine EVP aus ganz anderen Gründen wesentlich schwerer einen PDL nicht aufzunehmen oder wieder auszuschließen.

So diffus und zwiespältig die Ansichten der STF in ihren programmatischen Punkten erscheinen und in den Diskussionen auch dargestellt werden, so eindeutig fällt nach unserer Analyse die Einordnung der STF (ohne die Freiheitlichen zu vergessen) in den äußerst rechten Rand des politischen Spektrums

Ich kann einen großen Teil des obigen Artikels mittragen, aber mit Verlaub, wo bitte ist hier die Analyse, die eine Einordnung der STF als Partei eindeutig am äußerst rechten Rand des politischen Spektrums erlaubt?

Quizfrage: Sind die im Folgenden wiedergegebenen Zitate und Meinungen von der wahrscheinlich allen Leserinnen und Lesern bekannten Person rechts oder links ?

Gesuchte Person ist gegen Pornografie und für die Abschaffung der Prostitution.
Zitate: “Das Kopftuch ist die Flagge der Islamisten”, “Unreflektierte Fremdenliebe ist keine Lösung”.

Manche werden jetzt sagen: Hmmh…gegen Pornografie und Prostitution…wahrscheinlich christlich-konservativ/reaktionär…gegen das Kopftuch und “unreflektierte Fremdenliebe”, also zumindest latent xenophob und offen islamophob —ergo:Die gesuchte Person ist eindeutig rechts oder wenigstens rechtskonservativ.

Lösung:die gesuchte Person ist die bekannte Femministin Alice Schwarzer. Die Zitate finden sich auf der Online-Ausgabe der Berliner TAZ vom 05.03.2002 mit dem Titel “Alice im Morgenland”.
Daß Schwarzer rechts wäre oder gar rechtsextrem wird wohl niemand ernsthaft behaupten wollen. Solche Beispiele könnte man natürlich auch umgekehrt machen.

Mein Fazit: Harald hat mit seinem Artikel gegen das Schubladendenken voll ins Schwarze getroffen. Natürlich gibt es politikwissenschaftliche/historische Definitionen von rechts und links, aber wer und welche Meinungen wohin gehören ist in unserer pluralistischen, postideologischen Welt nicht mehr so einfach.

Der Titel des Artikels ist angesichts des Erfolges des PD und der Grünen bei gleichzeitigem Desaster für die ital, Rechtsparteien mit einem Fragezeichen zu versehen.
Ebenso, wie die versuchte Einordnung der STF in das rechte Eck. Zudem habe ich den Eindruck – man möge mich korrigieren, falls ich falsch liege-, daß hier versucht wird, die Welt in ein Gut-Böse Schema einzuteilen.

Wir sind uns alle einig, daß Rassismus und jeglicher Extremismus abzulehnen ist und als Anhänger von BBD möchte ich die Grundpositionen im Manifest keineswegs in Frage stellen, ansonsten denke ich aber, daß in einer pluralistischen Demokratie und Diskussion alle Überzeugungen von Mitte-links bis Mitte-rechts Platz finden sollten.

@ flo: wir sind keine Veganer und essen gerne Fleisch, wir schreiben hier auf einem ”ökosozialdemokratischen” Blog

@ camp: es ist auch eine kritische Würdigung des Artikels und ein Perspektivenwechsel was die Einordnung von Links-Rechts betrifft, nach höflicher Art, nicht wie viele andere Kommentare auf diesem Blog

@ Harald: Danke für deine Antwort, wir schätzen deine Artikel hier sehr

Wir sind keine Wissenschaftler, sondern Studenten die in ihrer Freizeit gerne ”neue literarische Ansätze” durchstöbern. Wenn wir (zu) spezifische Analyseschemata benützen, so nur darum genau solche subtile und technisch versierte Xenophobiediskurse aufzuspühren.

Was uns stört ist, dass bei italienischen Parteien die faschistische Symbolik und Mitglieder in sich aufnehmen sofort kritisiert wird ohne genauer zu analysieren. Eine genaue Analyse findet hingegen bei der STF statt, die als Sonderfall bezeichnet wird und der ”Antifaschismus” sich in Grenzen hält, weil eher unwichtige Punkte sehr stark betont werden. Blicken wir auf STF-Diskurse so wird uns zB. eine heile Welt in der Habsburgermonarchie mit ”Vielfalt, Mehrsprachigkeit und Völkerverständigung” (Barbara Klotz 30.10.2013) vorgespielt und die Südtiroler Realität als einfältig und einsprachig dargestellt. Laut uns eindeutig rechts-revisionistische (austrofaschistische) Diskurse, wie es bei italienisch Rechts auch der Fall ist. Rechte sollen vor allem nach ihren Diskursen analysiert werden und nicht nur mit wem sie sich ins Boot gesetzt haben.

@niwo: Der ehemalige PDL ist die zweitgrößte Partei innerhalb der EPP nach der deutschen CSU und man hätte ihm nicht nicht ausschließen können. Es ging um Realpolitik (also politische Stimmen). Die STF ist nicht im europäischen Parlament vertreten und dort politisch nicht wirklich relevant. Würde sie dort vertreten sein müsste sie ihre Diskurse wahrscheinlich anpassen. Wir wollten damit nur veranschaulichen, dass Parteien vieles sagen können: Fini bezeichnete bereits in Fiuggi 1994 Antonio Gramsci als Vater der Nation, dennoch wurde Alleanza Nazionale damals immer wieder (von deutschen Südtiroler Rechten) als Faschistische Partei bezeichnet.

@ Manni: wir betonen nochmal dass wir nicht nach einer politologischen Einordnung von links und rechts gedacht haben, sondern politisch-literarische Ansätze benutzt haben.
Dass Alice Schwarzer rechts ist würden wir nicht sagen, aber dass diese Aüßerungen rassistisch und diskriminatorisch sein können, das kann keine(r) bezweifeln. Alice Schwarzer kann/könnte als linke verstanden werden. Links wählen, linke FreundInnen haben und sogar eine linke Geschichte haben bedeutet nicht immer viel. Wenn sie rassistische aussagen trifft, dann muss man es sagen! (Außerdem wird sie von vielen FeministInnen in Österreich mindestens als suspekt angesehen). Wir würden deine Beispiele als rechten Diskurs der von links kommt bezeichnen, dennoch bleibt es ein rechter Diskurs.
Wir wollten nicht ein Gut-Böße Schema erstellen, unser Ziel war ”squarciare il velo” und die saloppen Formulierungen von rechten Parteien als rechte Diskurse zu enthüllen.
Und bitte nicht vergessen: Sarrazin und Mussolini waren auch ein Sozialdemokrat bzw. ein Sozialist aber gleichzeitig auch Rassisten und Klassisten.

Mit der von mir zitierten Aussagen kritisiert Frau Schwarzer vor allem den Islam. Nun kann man diese Aussagen teilen oder nicht, aber sie gleich alls rassistisch und diskriminatorisch -also rechts-zu beurteilen ist meines Erachtens nicht richtig. Zum einen, weil Moslems genauso wie Christen keine Rasse sind und zweitens weil sich jede Religion in einer demokratischen Gesellschaft der Kritik stellen muß. Und das sage ich wohlgemerkt nicht als neutraler Beobachter, sondern als Christ.

“wir betonen nochmal dass wir nicht nach einer politologischen Einordnung von links und rechts gedacht haben, sondern politisch-literarische Ansätze benutzt haben.” Okey, einverstanden.

Ich habe auch nie behautet, dass ihr Veganer wärt. Mir ging es vor allem um den Vergleich an sich, oder habt ihr meinen bildhaften Ausdruck wirklich wörtlich genommen?
Wenn ja, erklär ichs euch natürlich gerne! Ihr beginnt den Artikel mit diesen Worten:[…]”in das politische Spektrum hat auch uns (in Österreich lebende zweisprachige, linke Südtiroler) zur Diskussion angeregt”[…].
Und endet mit diesen: […]”so eindeutig fällt nach unserer Analyse die Einordnung der STF (ohne die Freiheitlichen zu vergessen) in den äußerst rechten Rand des politischen Spektrums,”[…]
Es sollte jetzt also klar sein, auf was mein Vergleich hinauslaufen sollte. Wenn es aber trotzdem noch Bedenken gibt, einfach noch einmal nachfragen, ich würde sie gerne aus dem Weg räumen.

Eine genaue Analyse findet hingegen bei der STF statt, die als Sonderfall bezeichnet wird und der ”Antifaschismus” sich in Grenzen hält, weil eher unwichtige Punkte sehr stark betont werden. Blicken wir auf STF-Diskurse so wird uns zB. eine heile Welt in der Habsburgermonarchie mit ”Vielfalt, Mehrsprachigkeit und Völkerverständigung” (Barbara Klotz 30.10.2013) vorgespielt und die Südtiroler Realität als einfältig und einsprachig dargestellt. Laut uns eindeutig rechts-revisionistische (austrofaschistische) Diskurse, wie es bei italienisch Rechts auch der Fall ist. Rechte sollen vor allem nach ihren Diskursen analysiert werden und nicht nur mit wem sie sich ins Boot gesetzt haben.

Mann oh Mann, ich hatte für einen dämlichen Leserbrief von Mellauner gerade mal 1.200 Zeichen, um seine kruden Behauptungen zu widerlegen.
Er meinte unter anderem, Österreich werde sich nicht ein mit “Mischvolk” durchtränktes Lände einverleiben wollen.
Ich hätte ihm auch antworten können, dass unter Österreich jeder seine Sprache leben konnte, so konnten z.B. die Welschtiroler Abgeordneten im Parlament zu Wien italienisch sprechen. Ein erheiternder Gedanke im römischen Parlament, nicht wahr?
Meine Aussage: “Das “Mischvolk” gab es schon lange vorher, im Vielvölkerstaat der Habsburgmonarchie gab es Vielfalt, Mehrsprachigkeit und Völkerverständigung. Seit der Annexion Südtirols gilt Einfalt, amtliche Einsprachigkeit und faschistische Namensgebung. Statt des europäischen Geistes kolonialistisches Gehabe!”
Ich erkenne nicht, was darin rechts-revisionistisch oder austrofaschistisch Sic! ist. Ich verniedliche nichts an der Habsburgmonarchie, aber die ernüchternde Erkenntnis, dass mit Italien unsere Kultur, Sprache und Identität nicht erhalten werden kann, ist nun einmal niederschmetternd. Minderheitenschutz auf dem Papier…..
Alle geteilten Völker und Völker ohne Staat, gemeinhin als Minderheiten benannt, wünschen sich eine bessere und freie Zukunft. Kein vernünftiger Mensch wird ein Volk (wie die Katalanen, Schotten usw.) als rückwertsgewandt beschimpfen, nur bei uns scheint es chic zu sein.
Die Bewegung STF ist führendes Mitglied (in allen Gremien) der EFA, und es fällt kein Schatten auf sie, wie denn auch? Die EU- Parlamentarier der EFA (sitzen mit den Grünen in der Fraktion) verachten im Gegenteil die Grünen Südtirols ob ihrer ambivalenten Haltung zu faschistischen Ortsnamen und Monumenten!
Das Schubladendenken wird immer schwieriger und abstruser, und die jungen Leute täten gut daran, alle Fakten zu erfassen und zu werten.

Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann.

— Mark Twain

@Matteo und Matthias

Die STF ist nicht im europäischen Parlament vertreten und dort politisch nicht wirklich relevant. Würde sie dort vertreten sein müsste sie ihre Diskurse wahrscheinlich anpassen.

Wir reden von der Mitgliedschaft in der EFA, nicht von der Vertretung im europäischen Parlament. Dort sind übrigens Parteien vertreten, die wirklich ganz schön über die Stränge hauen. Zurück zur EFA. Im Mai 2013 organisierte die STF in Meran einen EFA Kongress. Wäre dies möglich, wenn die STF in signifikanten Punkten abseits der EFA Grundsätze handeln würde?
Wie du/ihr richtig feststellt handelte es sich bei der PDL Aufnahme in die EVP um einen “realpolitischen” Akt. Im Umkehrschluss wäre ein Rausschmiss der STF aus der EFA, vorausgesetzt es gäbe Elemente die einen solchen rechtfertigen würden, vom technischen Standpunkt eine unproblematische Aktion. Da es keinen Rausschmiss gibt, gehe ich mal davon aus, dass für die EFA keine Elemente existieren, die einen solchen rechtfertigen würden.

@ flo: wir verstehen dich. Mit ”ökosozialdemokratischen” Blog wollten wir sagen, dass dieser Blog und die Menschen die in dessen Namen schreiben sich von Anfang an politisch positionieren und hoffentlich auch dazu stehen. Wir teilen hier sehr viele Ansichten und fühlen uns hier auch zugehörig, anderes teilen wir auch nicht. Das heißt nicht, dass wir die vertretenen Ansichten nicht ernst nehmen und deshalb auch mitdiskutieren. Wir wissen natürlich, dass ein Veganer nicht viel vom Fleischessen hält. Seine Meinungen akzeptieren wir und wenn er sachlich und analytisch seinen Standpunkt vertritt, der mit Sicherheit nie pro-Massentierhaltung sein wird, dann passt das für uns. Eher sehen wir dabei eine Bereicherung.
Wir bezeichnen uns als linke, entwerfen bzw. entnehmen ein Analyseschema das auf Feindbildkonstruktionen basiert, zeigen damit eine alternative Perspektive auf und orden dementsprechend die STF in den rechten Rand, erklären auch unsere Gründe dafür. Auch Kommentator Manni sagt von vornherein er sei Christ und diskutiert über Religion.

@ Manni: genau weil unsere politische Welt so unüberschaubar geworden ist (mit dem Begriff postideologisch würden wir eher aufpassen) müssen alternative Analyseschemata entworfen werden die erlauben rechte Diskurse herauszufiltern.

Zum Titel: in Südtirol gibt es ethnisch-gespaltene Wahlarenen, d.h. anders als im Baskenland, Schottland oder Katalonien, gibt es sehr wenig deutsche die italienische Parteien wählen und umgekehrt (die Anzahl an Italiener die der SVP 2008 die Mehrheit an Mandate sicherte ist klein, auch die Italiener die angeblich STF gewählt haben sollen). Der PD hat nicht gewonnen oder wo siehst du einen großen Erfolg? Die italienische Rechte ist gespalten, der Erfolg der Grünen (als einzig interethnische Partei) stammt aus aus beiden Seiten und der Allianz mit SEL (die Bürgerbewegung gibts auch nicht mehr). Die deutschen Wähler haben sich leider eher für den rechten Rand entschieden.

@niwo: Umgekehrt gesehen könnte die EFA auch die ”wir befürworten nur deutsche
Arbeitskräfte” Forderung einer auf europäischen Ebene irrelevanten Partei wie die STF einfach ignorieren. Auf was wir hinauswollen ist, dass diese Forderung mit der erleichterten Einbürgerung von Migranten und einem Wahlrecht für Migranten (wie Knoflach schreibt) nicht gerade kompatibel ist, bzw. einer Spezifizierung bedarf. Wir fragen uns auch warum diese Dinge nicht z.B. im Wahl- oder Grundsatzprogramm drinnenstehen und somit für den Parteienwettbewerb genutzt werden. Sie könnten vielleicht bei ihrer Wählerschaft nicht gut ankommen.

Hallo Matteo, hallo Matthias,

ich glaube, eine teilweise ähnliche Biographie zu haben, wie Ihr beide, habe in Österreich ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert, mit VSStÖ und GRAS sypmathisiert und demonstriert, bin nach meinem Abschluss zurückgekommen und habe zusammen mit zwei italienisch-sprachigen, sehr guten Freunden, die nicht aus Südtirol stammen (Kommunisten, auch Geisteswissenschaftler), ein Unternehmen gegründet.

Was mich allerdings von Euch unterscheidet: Ich bin aktiv in der STF tätig.

Ich wiederhole mich nur ungern, aber dort habe ich bis heute keine Aussagen vernommen, die ich mir vom “äußersten rechten Rand” erwarten würde. Viel eher Dinge, die wir damals (vor 10 Jahren) beim Cuba-Filmabend auf der Bude den Che haben sagen hören.

Nach dem Studium der Geschichte war es mir einfach nicht mehr möglich, mich mit den weltweiten Ungerechtigkeiten abzufinden, die darauf fußen, dass ein Volk über das andere herrscht, ein Umstand, der sich übrigens seit Marx und Engels leider nicht verbessert, sondern eher noch verschlechtert hat…

Das hindert mich nicht daran, mit meinen Nachbarn – egal welches Herkunft – in Harmonie zusammenzuleben. (Dies ist keine theoretische Aussage!)

Was hat mir mein friedliches Engagement eingebracht?
Bespitzelung, Telephonüberwachung, Beamte in zivil mit Kameras bei familiären Anlässen,…

Ich will keinesfalls altklug klingen, aber während des Studiums glaubte ich auch manchmal, ziemlich genau zu erkennen, wie die Dinge in der Welt laufen, wo gut und böse sich befinden, war schnell im Verteilen von Etiketten und hatte jedesmal die passende Theorie dafür aus der UB ausgegraben.

Doch man erkennt mit der Zeit immer wieder, dass vieles nur eine Frage des eigenen Standpunktes ist:

Schaut man nämlich von ganz links, beginnt der äußerste rechte Rand vieleicht schon einen Schritt über der Mitte…

Was hat mir mein friedliches Engagement eingebracht?
Bespitzelung, Telephonüberwachung, Beamte in zivil mit Kameras bei familiären Anlässen,…

Der Umstand, dass man als aktives Mitglied (wenn nicht schon als Mitglied) der STF auf eine Art “Blacklist” gerät, wird von mir schon länger vermutet.
Die paar Digos-Beamte in Zivil bei der jährlichen Brennerkundgebung sind sicher nur die Spitze des Eisberges…

@MaTTeo und MaTThias:
Schöne Worte, schöner Text, aber wo bitte ist die Kritik, wo ist der versuchte “Perspektivenwechsel”? Der Artikel ist für eine Kritik herzlich unkonkret und schwammig. Ihr verheddert euch z.T. in eurer eigenen intellektuellen Dunstwolke.

Nur ein Beispiel:

Punkt 1 ist eine Abfolge von Tautologien:

Welche “Schublade” ist denn kein “Frame”?
Welcher “Frame”, welche “Schublade” ist nicht “simplifizierend”?
Welche “Schublade” ist nicht “historisch gewachsen”?

Mein in Südtirol verbliebener Bruder (Partner einer bekannten Spedition) ist aktives Mitglied der STF, des Kirchenraten (oder irgend so was ähnliches) und eines Sängervereines. Jedes Mal wenn ich mit ihm über Südtirol diskutiere bzw. über Politik allgemein, dann habe ich das Gefühl, der gehört eher irgendeiner linken Splittergruppe an als der STF. Seine Frau ist eine nach Österreich eingewanderte ehemalige DDR-Bürgerin mit FDJ- Vergangenheit. Seine Kinder werden katholisch erzogen, während seine Frau Atheistin geblieben ist.
Im Gegensatz zu vielen Linken die ich kenne, habe ich von meinem Bruder niemals (!) rassistisches oder antidemokratisches Gedankengut vernehmen können. Niemals!
Nur sein Äußeres (er trägt meistens Tracht), seine Zugehörigkeit zu den Schützen und seine Heimatliebe lässt aber keinen Zweifel aufkommen, dass er ein böser “Rechter” ist …
Mein Bruder ist- so wie auch ich- auch gegen Homo-Ehen und Adoptierrecht für homosexuelle Paare.
Er ist der Meinung, dass ausschließlich eine funktionierende Ehe zwischen Mann und Frau Sicherheit und optimale Voraussetzungen für Kinder bieten kann. Nichts gegen Homosexuelle Paare! Auch sie sollen genauso ihre Bedürfnisse ausleben können wie alle anderen Menschen auch, aber Hände weg vor der traditionellen Ehe!
Wenn ich jetzt noch behaupte, dass der beste Freund meines bösen “rechten” Bruders ein zugewandeter Pakistani und Moslem ist, klingt das schon unglaubwürdig- ist aber dennoch Tatsache! Und wenn ich jetzt auch noch behaupte, dass der Pakistani ausschließlich meinem Bruder es zu verdanken hat, dass er in Wörgl (Nordtirol) einen guten Job gefunden hat, dann ist die gutmenschliche Gedanken- und Fantasiewelt der Linken wohl endgültig aus den Fugen geraten.

Alles Gute, und freut euch keine Studenten der Politikwissenschaft zu sein!

Was jetzt an alledem »links« sein soll, ist mir unklar. Dass die Frau deines Bruders bei der FDJ war, wie Angela Merkel? Dass er gegen die Homoehe ist? Oder dass er mit einem Pakistani befreundet ist?

Chauvinismus ist ihm so unbekannt wie die Rückseite des Mondes. Dafür legt er größten Wert auf Treue, Toleranz, Fleiß, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft.
ER ist nicht nur überzeugter, sondern auch praktizierender Demokrat und schleppt keinerlei rassistisches Gedankegut mit sich herum. EIGENTLICH EIN LINKER WIE ER IM LINKEN BILDERBUCH STEHT … Aber leider:
Wenn er zu den Wahlen geht (und natürlich die STF wählt) dann nur im besten Trachtenanzug, ebenso Sonntags zur heiligen Messe. Und wenn der Schützenhauptmann ruft, ist er einer der ersten der ihn hört…
Ich fürchte, mein Bruder wird wohl oder übel damit leben müssen, ein rechter Recke zu sein
… Ja, ihr lieben Linken, Meinungsfreiheit und Toleranz habt ihr nicht erfunden, obwohl ihr glaubt, ein Copyright darauf zu besitzen.
Aber stopp: Treue und Heimatliebe, ist das nicht schon uneinnehmbar besetzt? Wenn doch nicht, dann ist er zumindest hoffnungslos altmodisch und unmodern. Ein ewig Gestriger halt …

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