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VorBILDlich.

Bild TitelDie deutsche Bild-Zeitung ist gewiss nicht für ihre Samthandschuhe bekannt. Sie ist mit großen Abstand das meistgerügte Medium Deutschlands. Ihre Kampagnen sind berüchtigt, bisweilen untergriffig und nicht selten meinungsBILDend. In den vergangenen Monaten sorgte das auflagenstarke Boulevardblatt mit ihrer „Pleite-Griechen“-Kampagne für Aufsehen und kassierte diesbezüglich auch einige Abmahnungen durch den deutschen Presserat.

Der derzeitige Flüchtlingsnotstand in Europa entlockt dem Axel-Springer-Flaggschiff jedoch ganz andere, ungewohnte Töne. Keine Rede von „Schmarotzern“ oder „Asyltouristen“. Die BILD hat sich entscheiden, eine Deeskalationskampagne (Wir helfen) zu fahren. Sie nutzt ihre Macht, um für Besonnenheit und Menschlichkeit zu werben, um eine Atmosphäre zu schaffen, in der bedachte Entscheidungen gefällt werden können.

Bild Infografik
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23 replies on “VorBILDlich.”

Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die Bild das Problem miterschaffen hat, das sie jetzt (vorbildlich) lösen möchte:

Jap.

Die BILD hat sich entscheiden, eine Deeskalationskampagne (Wir helfen) zu fahren.

Warum wohl? Sicherlich, aus freien Stücken und weil die BILD ein Herz hat ;) BILD tut in erster Linie das, was Auflage bringt.

Sie nutzt ihre Macht, um für Besonnenheit und Menschlichkeit zu werben, um eine Atmosphäre zu schaffen, in der bedachte Entscheidungen gefällt werden können.

OMG! Stell dir nur mal vor die BILD würde den umgekehrten Weg einschlagen, und in dieser Situation eine Schiene PRO-Heidenau fahren, dann hätte sie früher oder später ein Problem mit dem Verfassungsschutz und nicht mit dem Presserat.

An der BILD lass ich kein gutes Haar und dafür gibt es gute Gründe.
Beispiel „Pleitegriechen“ das ist eine Hetz-Kampagne, die von BILD seit 2010 gefahren wird:
http://www.bildblog.de/tag/pleite-griechen/

Mir gruselts.

An der BILD lass ich kein gutes Haar und dafür gibt es gute Gründe.
Beispiel “Pleitegriechen” das ist eine Hetz-Kampagne, die von BILD seit 2010 gefahren wird:

Andere Hetzkampagnen, zudem direkt vor unserer Haustüre scheinen dich weniger zu gruseln. Stichwort: Hetzkampagne Wanderschilder im AA. Wohl kaum ein anderes Blatt versucht die Stimmung in Südtirol derart regelmäßig und systematisch zu vergiften und zu manipulieren, wie diese Postille. Daran scheinen sich deine analytischen Energien weniger zu reiben. Allerdings bist du in guter Gesellschaft, wie die klugen Köpfe, die einem Blatt, das casapound Akteure als centrodestra bezeichnet, noch durch Interviews und Beiträge aufwerten.
Übrigens, dies bitte nicht mit einer Verteidigung der Bild Zeitung verwechseln. Ich sehe dieses Blatt auch mehr als problematisch.

An der BILD lass ich kein gutes Haar …

Mir gruselts.

Einfach das Käseblatt nicht kaufen, das reicht schon.

die BILD ist – wie ich auch schreibe – gewiss kein „harmloses“ medium. und man kann ihr viel vorwerfen – wenngleich ich bild.de mit genuss lese. ich meine sogar, dass man als sozialwissenschaftlicher interessierter mensch die bild lesen MUSS, denn nur so kann man manche phänomene in deutschland richtig einordnen und verstehen.

was sie mit griechenland gemacht haben, war hetze. ganz klar. es wurden diffamierende begriffe geschaffen („pleite-griechen“, „gierige griechen“ usw.) und personen (die griechische regierung) mit manipulativen mitteln in ein schlechtes licht gerückt.
vorsichtig mit dem begriff „hetze“ wäre ich allerdings bei der zitierten „ausländerberichterstattung“ auf bildblog.de. das ist nach meinem dafürhalten keine hetze sondern fällt in den bereich des „sagbaren“. die bild zitiert politiker, die sich kritisch über ausländerkriminalität äußern. sie bemüht statistiken (die sie vielleicht nicht ganz präzise und folgerichtig interpretiert) – aber das soll vorkommen und wird zur umgekehrten argumentation genauso gemacht. ein satz wie „wir haben zu viele junge kriminelle ausländer“ ist ein klassischer Fall von „das wird man wohl noch sagen dürfen“. ja, das darf man sagen. und eine zeitung darf das auch zitieren. hetze ist das jedenfalls für mich nicht. und auch nicht unbedingt ein statement, das brandstiftet.

nein. ich mein das ernst. wie willst du verstehen, wie die gesellschaft funktioniert, wenn du nicht kennst und nicht weißt, was die mehrheit konsumiert. das wäre so, wie wenn du in südtirol nie den alto adige liest und dann zu erklären versuchst, wie „die italiener“ in südtirol ticken. das kann nicht funktionieren.

ein satz wie “wir haben zu viele junge kriminelle ausländer” ist ein klassischer Fall von “das wird man wohl noch sagen dürfen”. ja, das darf man sagen.

Oh, ein Pöderversteher ;)
http://www.tageszeitung.it/2015/09/01/politisch-ueberkorrekte/

Ich bin zwar kein Nazi, aber …, in Zusammenhang mit
das wird man ja wohl noch sagen dürfen …, in Zusammenhang mit Denkverboten.

All diese Wörter/Phrasen haben eines gemein: sie bescheinigen dem Sprecher, dass dieser nicht weiß, dass freie Meinungsäußerung stehts mit einer Verantwortung über das Geäußerte einhergeht.

Ich nehm‘ dein Beispiel, auch wenn’s nicht gerade das Beste/Einleuchtenste ist: „wir haben zu viele junge kriminelle ausländer“. Wo liegt hier nun die Verantwortung des Sprechers?

Die Verantwortung liegt in der möglichen Interpretation dieser Aussage: die Bereitschaft gesetzeswidrig zu handeln würde also mit der ethnischen Herkunft einhergehen? Das ist nicht nur rasisstisch, sondern entbehrt jeder Grundlage.

Zudem stellt sich die frage wer ist WIR? Wer definiert ab wann es ZU VIELE sind? Wer definiert jung? Und warum sind gerade die jungen das Problem?

Allein diese wichtigen Fragen nehmen die Behauptung „wir haben zu viele junge kriminelle ausländer“ außeinander. Und enttarnen das Gesagte als große Dummheit.

Und genau das ist der Grund warum dann immer die Floskel kommt „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“.

„das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ ist eine Schutzkonstruktion für ganz dumme, unbegründete, substanzlose Aussagen z.B.: kriminalität = ethnie + alter.

Natürlich darf man das sagen. Es bleibt nur eine Dummheit und es liegt dann in meiner Verantwortung, wenn Leute mir raten, ich solle doch bitte die Fresse halten.

Anders:
Ich darf auch im vollbesetzten Bus laut Furzen. Nur liegt es dann in meiner Verantwortung, wenn mich die Leute blöd anstarren oder anmachen und sagen ich solle das bitte bleiben lassen. Ein Furzverbot im Bus gibt’s nicht, wohl aber eine Verantwortung des Furzenden.

das wäre so, wie wenn du in südtirol nie den alto adige liest und dann zu erklären versuchst, wie “die italiener” in südtirol ticken.

Auch wenn der Text an pervasion gerichtet ist: wenn ich wissen will, wie „die Italiener“ ticken lese ich nicht die AltoAdige, sondern rede mit „den italienern“ in meiner WG, bei meiner Arbeit/Studium, in meinem Freundeskreis. Die AA ist da laut meiner Erfahrung ein denkbar schlechter Forschungsgegenstand und bietet mir lediglich manchmal Stichworte um ein Gespräch mit Italienischsprachigen zu beginnen. Ebenso, lese ich nicht die Dolomiten, oder die BILD um „die Deutschen“ zu verstehen.

@ m. gruber

1. ich hab ja auch nicht gesagt, dass ich derselben meinung bin. ich glaube allerdings, dass wir solche aussagen tolerieren müssen und ich sie nicht als hetze abtun würde, denn das würde „echte hetze“ verharmlosen.
2. delinquenz und alter stehen sehr wohl in einem statistischen zusammenhang. auch das geschlecht spielt eine rolle. so wie das soziale umfeld.
3. ich könnte den satz „wir haben zu viele kriminelle junge ausländer“ auch so interpretieren, dass die integrationspolitik gescheitert ist.
4. wäre dann auch der satz „wir haben zu viele ausländische schulabbrecher“ hetze? oder einfach nur die benennung eines sozialen aspektes zu dem aufholbedarf besteht?
5. die tatsache, dass junge ausländer (vor allem aus nordafrika und asien) bei kleinkriminalität und bestimmten gewaltdelikten überrepräsentiert sind, heißt nicht, dass es einen „ethnischen“ kausalzusammenhang gibt, sondern dass eben durch ein zusammenspiel von faktoren (alter, männlich, sozialisation …) die delinquenz höher ist. natürlich kann man das diplomatischer ausdrücken indem man differenziert, so wie ich das gemacht habe. aber das problem bleibt. es ist genau das gleiche, wie wenn ich sage „wir haben zu viele männliche kriminelle“. ist das dann auch hetze? und darf ich das auch nicht sagen?

@ m. gruber

logisch muss man auch mit den menschen sprechen. aber das sind zwei ebenen. persönliche gespräche führe ich mit verhältnismäßig wenigen menschen. wenn ich aber weiß, auf basis welcher informationen sich tausende eine meinung bilden, hilft das schon auch. viele phänomene in südtirol lassen sich durch die lektüre der dolomiten leichter erklären.

@hunter
Als sozialwissenschaftlich interessierter Mensch muss ich weder die Bild noch den AA oder die Dolo lesen, um zu verstehen, wie deren Konsumenten (oder gar „die Italiener“, „die Deutschen“) ticken. Aber ich kann es – zusätzlich zu anderer Lektüre und Analyse! – tun. Alles andere wäre zumindest arg verkürzend…
Was die Hetze betrifft: diese ergibt sich nicht aus einzelnen Schlagzeilen oder Zitaten, sie ergibt sich aus einer Gesamtsicht und Kontextualisierung, welche die zeitliche Häufung von Nachrichten, deren Platzierung im Blatt, das Hervorheben von einzelnen Aspekten usw. in die Beurteilung miteinbezieht, das weißt du viel besser als ich.
Und last but not least: ich glaub dir gern, dass du bild.de mit Genuss liest. Ich lass, wenn ich zur Frisörin gehe, auch gern die Fachartikel, die ich zur Gewissensberuhigung mitnehme, in der Tasche und widme mich mit Freuden der Lektüre von aufliegenden Junkblättern. Aber sozialwissenschaftliche Schlüsse ziehe ich daraus nicht ;-)

ein laxer umgang mit zahlenmaterial um stimmung zu machen ist typisch für die bildzeitung. sie schrecken dabei nicht einmal vor bewussten manipulationen zurück (siehe zahlreiche anzeigen vor dem presserat).
dabei bräuchten sie das in diesem fall gar nicht zu tun, denn nach schätzungen von 2008 (!) halten sich in deutschland zwischen 200.000 und 450.000 menschen illegal auf. diese zahl dürfte sich mit der flüchtlingskrise von 2015 (bis dato) massiv erhöht haben, da aufgrund des chaoses von geordneten einreise- und registrierungsverfahren nicht die rede sein konnte und niemand weiß, wie viele menschen ins land gekommen sind.
menschen ohne regulären aufenthaltstitel sind ein riesiges problem, da sie vom legalen wohnungs- und arbeitsmarkt ausgeschlossen sind und somit nur illegale alternativen (opfer von miethaien, schwarzarbeit, kriminalität) haben. ich verwette meinen hut, dass deutschland von mehr als 30.000 menschen, die 2015 ins land gekommen sind, nicht weiß, wo sie sind.

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