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Weg mit den Hymnen!
Quotation 298

Der Einmarsch der Nationen, Nationalhymnen bei Siegerehrungen und andere National-Insignien haben bei einem Fest, das Personen und nicht Länder zusammenführt, nichts verloren.

Univ.-Prof. Dr. Volker Schürmann von der Deutschen Sporthochschule Köln erklärt in der FAZ, warum er nicht sehr viel von der nationalistischen Inszenierung der Olympischen Spiele hält.

Siehe auch:

Nationalismus Sport Symbolik | Zitać | | FAZ | | | Deutsch

25 replies on “Weg mit den Hymnen!
Quotation 298

beim Fussball wäre eine weltweite Championsleague der nächste Schritt….?
Der freie Markt ist dann natürlich frei von Korruption und Doping ;).

Ein schöner Gedanke, Harald. Olympia wurde in der Hochzeit der Nationalismen wiederbelebt und tut sich schwer das zu leugnen. Aber auch beim Schifahren denken wir, wir die Sportmoderatoren, in nationalen Kategorien. Ob aus Bad Kleinkirchheim oder aus Matrei ist uns egal, es bleibt ein Österreicher. Ein Oberndorfer ein Piefke. Wenn wir nicht einmal das hinbekommen, was wollen wir Olympia ändern? Ganz zu schweigen, dass es bei Fußball WMs und EMs noch wesentlich nationalistischer zugeht, seit dem deutschen Sommermärchen europaweit noch ungenierter. Bleibt der schöne Gedanke…

ich bin mit snowboarden, skaten und surfen aufgewachsen. und da funktionierts bzw. im fall von snowboarden hat’s funktioniert, da die “nationale ski-lobby” viel kaputtgemacht hat.

Was soll dieses verallgemeinernde “wir”? Für mich gibt es bei Olympischen Spielen nur Einzelsportler, und wenn einer aus Nord- oder Osttirol kommt, ist er mir natürlich näher als jemand aus Mailand oder Turin. Auch das bayerische Garmisch oder das kärntnerische Bad Kleinkirchheim ist mir da noch viel näher. Im Grunde ist sich aber jeder Sportler bei solchen Ereignissen selbst der Nächste, denn er streicht die horrenden Siegesprämien ein. Da “wir” daran nicht beteiligt werden, hält sich meine Begeisterung in engen Grenzen.

@horrende prämien
bei olympischen spielen gibt es von seiten des veranstalters keinen cent. prämien für goldmedaillen werden gegebenenfalls nur nach dem gutdünken nationaler verbände, der sporthilfe oder ähnlichen organisationen ausbezahlt. diese reichten z.b. vor vier jahren in london von 250 euro (die ein goldmedaillengewinner aus südkorea bekommt) über 15.000 euro (die in deutschland bezahlt wurden – horrend also auch noch nicht wirklich) und 20.000 euro (die ein us-athlet bekommt) und den tatsächlich horrenden 700.000 in armenien. wobei die chance, dass armenier zuhauf gold holen, nicht wirklich groß ist.

Die Aussage, dass eine Veranstaltung wie die Olympischen Spiele Personen und nicht Nationen zusammenführt, ist eine Hypothese und kein Sachverhalt. Ob diese Hypothese wirklich zutrifft, hängt entscheidend mit der Identität der Teilnehmer zusammen. Sehen sich die Teilnehmer als Vertreter ihrer Herkunftsländer oder ist nationale Zugehörigkeit ein mehr oder weniger irrelevantes Attribut (wie Haarfarbe, Körpergröße etc.). Nationalgefühl und Identifikation mit Heimatstaat sind sicher unterschiedlich ausgeprägt, es gibt aber auch in westlichen Industrieländern Schichten für die der Nationalstaat doch eine erhebliche Bedeutung hat (Brexit docet).

Meine Gegenthese lautet, dass der Reiz von Olympischen Spiele in erheblichem Ausmaß durch Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Nationen gebildet wird und durch Hymnen etc. zum Ausdruck gebracht wird. Ob die Bedeutung des Nationalstaats wirklich im Abnehmen begriffen ist, können wir in Europa gerade am (noch) lebenden Patienten beobachten. Bei der deutschen Wiedervereinigung waren die Bürger im Westen bereit, aus Solidarität mit den Deutschen im Osten beträchtliche finanzielle Transferleistungen zu erbringen. Diese Notwendigkeit wird in nächster Zeit auch in Griechenland der Fall sein, um die Euro Zone aufrecht zu erhalten. Die Art der Problemlösung (entweder ein Nachlass von Schulden bzw. weitere Hilfsmittel durch die BRD oder ein griechischer Austritt aus der Währungsunion) ist Evidenz für die Bildung einer stärkeren europäischen Identität oder die anhaltende Dominanz der nationalen Identitäten.

Die Aussage, dass eine Veranstaltung wie die Olympischen Spiele Personen und nicht Nationen zusammenführt, ist eine Hypothese und kein Sachverhalt.

im zitierten artikel beruft sich schürmann diesbezüglich ja ausdrücklich auf die charta des ioc.

Meine Gegenthese lautet, dass der Reiz von Olympischen Spiele in erheblichem Ausmaß durch Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Nationen gebildet wird und durch Hymnen etc. zum Ausdruck gebracht wird.

das sehe ich auch so. es würde natürlich auch einer umdeutung unseres sportverständnisses bedürfen, welches das individuum und die leistung ins zentrum rückt. die olympischen spiele könnten aber auch so ein umdenken in gang setzen. die x-games schaffen das ganz gut, finde ich. dort gibt’s keine hymnen. und in den offiziellen ergebnislisten wird nicht einmal das herkunftsland des athleten genannt.

Sorry, habe mir den gelinkten Artikel nicht näher angesehen und somit die Referenz zur Charta nicht wahrgenommen. Prinzipiell würde ich aber behaupten besteht hier eine falsche Dichotomie: Gerade durch den Nationenvergleich wird eine Zusammenführung von Personen ermöglicht. Indem sich Menschen auf der Basis ihres nationalen/kulturellen Hintergrunds begegnen kann durch den sportlichen Wettkampf eine Annäherung stattfinden und so gemeinsame Werte gefunden und betont werden. Eine solche Dynamik gäbe es bei Verzicht auf nationale Symbole nicht (da hier die Unterschiede der Herkunft ignoriert würden). Ein Paradebeispiel dafür ist sicher der Wettkampf und die Interaktion zwischen Jesse Lewis und Luz Long:

http://www.welt.de/geschichte/article115747063/Umarmen-Sie-nie-wieder-einen-Neger.html

Wären beide einfach als “Individual-Sportler” ohne Betonung ihrer Herkunft aktiv gewesen und nur ihre sportliche Leistung von Interesse, dann würde so eine Geschichte sehr viel an Resonanz verlieren.

du meinst jesse owens, oder?
wobei das angesichts hitler-deutschlands und der tatsache, dass owens dunkelhäutig war, schon eine unvergleichliche situation war.

dass diese dynamiken aber auch ohne nationalen hintergrund entstehen können, zeigen wohl ali gegen frazier oder prost gegen senna oder mcenroe gegen borg.

Sorry die zweite, meinte natürlich Jesse Owens. Natürlich enstehen auch in anderen Sportarten historische Rivalitäten und Zweikämpfe. Die politische Dimension wird aber in besonderer Weise durch die explizite Berücksichtigung des nationalen Hintergrunds hervorgebracht. Die Auseinandersetzung zwischen Vertretern aus verschiedenen nationalen Herkunftsorten ermöglicht so auch eine Begegnung, die es in anderen Sportarten wie Formel 1 etc. in dieser Form nicht gibt.

Ein weiteres Beispiel aus einer Mannschaftssportart wäre hier das “Miracle on Ice” im Eishockey in den olympischen Winterspielen 1981. Der Sieg der amerikanischen Amateure über die sowjetischen Profis hatte damals eine Bedeutung, die weit über den Sport hinaus ging. Auch Personen in den USA, die ansonsten nichts vom Eishockey mitkriegten, waren damals von diesem Ereignis betroffen. Diesen Effekt können nur die Olympischen Spiele als Wettkampf zwischen Nationen entfachen.

Man kann letzteren Punkt gut finden oder als negativ einstufen. Aber von der Hand zu weisen ist er kaum.

Man kann letzteren Punkt gut finden oder als negativ einstufen. Aber von der Hand zu weisen ist er kaum.

Ich denke nicht, dass Prof. Schürmann diese Realität leugnet. Sonst könnte er ja nicht ihr Vorhandensein kritisieren.

[…] ich hatte mir natürlich schon vorgestellt, dass [Alex Schwazer] nach seinem Triumph in Rom als stolzer Olympiasieger, als Gold- oder Silberjunge, [aus Brasilien] nach Italien zurückkommt, dem Land, für das er startet, als stolzer Azzurro, und dem er nach all den bösen Zeiten, die er durchgemacht hat, viel Ruhm und Ehre gebracht hätte.

Arnold Tribus in seinem gestrigen TAZ-Leitartikel unter dem Titel »Alex go!«

Lieber Harald,
ich wünsche mir nicht nur “weg mit den Hymnen”, sondern auch: “nie wieder Krieg”, und “alle Menschen werden Brüder.
Schafft endlich die Armut und den Hunger ab, ihr verdammten Idioten!
Und: Demokratie auch für die Ureinwohner im hintersten südamerikanischen Dschungel!
Diese Menschen wissen zwar nicht was Demokratie sein soll, aber dafür wissen wir es umso besser …
Und bitte bei der Gelegenheit diese armen Menschen auch gleich mit der Gender-Ideologie beglücken, damit auch dort der Alltagsrassismus keine Chance mehr hat und die Frauen nicht länger diskriminiert werden.

Ihr linken Träumer von der BBD seid bekannt dafür, nicht nur Hymnen, sondern auch gleich alle Nationalstaaten abschaffen zu wollen. Aber was ist jetzt ein Nationalstaat, und was nicht?
Dürfen die Belgier, die Holländer, Österreicher, Slowenen, Weißrussen und Iren hoffen, von der BBD verschont zu bleiben?

Lieber Harald,
ich würde Dir sofort zustimmen, wenn Dein Traum von Olympischen Spielen ohne Nationalhymnen auch nur eine winzig kleine Chance hätte, wenigstens angehört zu werden!
Bis vielleicht auch dieser Traum einmal Wirklichkeit wird, hören wir uns beide
»The Yellow Rose of Texas« https://www.youtube.com/watch?v=LArGlfEVYqM
oder: https://www.youtube.com/watch?v=H3XhxQMWLoQ
auf youtube an … und die neue Hymne von einem Teil der Australier auch …

Für unsere lieben Bayern schlage ich folgendes Liedchen vor:

dieses Liedchen könnte gleichzeitig auch von uns Tirolern verwendet werden, denn schließlich sind auch wir Tiroler Bajuwaren … Aber das “Grüß Gott” müssten wir etwas abändern in “Grüß Göttin und Gott” …
Ob die vielen neuen Bürger_innen und Bürger aus muslimischen Ländern mit dieser Hymne einverstanden sind, wäre noch abzuklären … Grüß Allah und Allahrin klingt allerdings nicht besonders gut …

LG

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