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Zimmerhofers Sport-Gesinnungspolizei.

Gerade erst durften wir »dank« Doppelpassdebatte erfahren, wie sehr auf staatlicher Ebene Spitzensportlerinnen noch als »nationales Eigentum« betrachtet werden. Während ‘argentinische’ Fußballer und ‘kanadische’ Eishockeyspielerinnen mit doppelter Staatsbürgerschaft wie selbstverständlich in italienischen Nationalteams spielen, will CONI-Chef Giovanni Malagò nicht zulassen, dass Südtirolerinnen für Österreich antreten. (Hallo Lisa Agerer!)

In Sachen Dummheit und Rückwärtsgewandtheit will Bernhard Zimmerhofer (STF) der nationalen Vereinnahmung wohl um nichts nachstehen — und fordert das Land nun zu gesinnungspolizeilichen Maßnahmen auf. Wer unter Südtirols Spitzensportlerinnen »landesschädigendes« Verhalten an den Tag lege, solle vom Land nicht weiter finanziell unterstützt werden. Verständlich, wenn der Landtagsabgeordnete damit etwa eine ausdrückliche, pauschale Beleidigung Südtirols und/oder seiner Einwohnerinnen verstünde. Zimmerhofer meint jedoch, dass Spitzensportlerinnen, die das Südtirol-Logo am Sportanzug tragen, in Interviews nicht sagen dürfen, dass sie sich als Italienerinnen fühlen oder dass ihr Herz »grün-weiß-rot« schlage.

Das ist nicht nur dumm und kontraproduktiv, sondern vor allem nicht mit einer demokratischen Grundhaltung vereinbar. Athletinnen brauchen mehr Freiheit, nicht noch mehr politische Vereinnahmung.

Siehe auch:

Außendarstellung Democrazia Politik Sport Wirtschaft+Finanzen | Doppia Cittadinanza | | | Südtirol/o | STF | Deutsch

7 replies on “Zimmerhofers Sport-Gesinnungspolizei.”

Auslöser für Zimmerhofers blöde Stellungnahme war unter anderem Dorothea Wierers folgende Aussage:

La mia passione è tutta italiana, sin dal cuore tricolore che ho messo sul fucile. Non vorrei essere mai rigida come una tedesca. Molti pensano che noi altoatesini non ci sentiamo italiani. Macché. E poi io adesso vivo a Predazzo, mi sono trasferita nel paese di mio marito.

Wieder einmal ein Beispiel das Chauvinismus und Chauvinismus mit umgekehrten Vorzeichen nicht kompatibel sind und Chauvinismus daher einfach nur blöd ist.

1. Wierer betont immer, dass sie leidenschaftliche und stolze Italienerin sei. Ich frage mich, wie man auf etwas stolz sein kann, zu dem man nichts beigetragen hat. Oder wie es George Carlin zu sagen pflegte: “I could never understand ethnic or national pride. Because to me pride should be reserved for something you achieve or attain on your own, not something that happens by accident of birth. Being Irish isn’t a skill, it’s a fuckin’ genetic accident. You wouldn’t say “I’m proud to be 5’11”. I’m proud to have a predisposition for colon cancer.” So why the fuck would you be proud to be Irish, or proud to be Italian, or American or anything?”
2. Ein typisches Zeichen von Nationalismus ist, dass man sich über andere erhebt und ihnen pauschal negative Eigenschaften zuschreibt. Und genau das macht Wierer in ihrem Statement. Chauvinismus in Reinkultur.
3. Vereinnahmt sie – wie dies auch die Rechten tun – (Stichwort Heimatbund-Plakat “Südtirol dankt”) die Südtiroler und dichtet ihnen pauschal jene Identität an, für die sie sich entschieden hat – für welche sie sich aber auch als Chauvinistin kritisieren lassen muss.

Wierer ist in der Tat kaum besser, als Zimmerhofer (was nicht wirklich ein Trost ist). Zimmerhofer wiederum kritisiert die einzige wirklich inakzeptable Aussage von Wierer (dass sie nicht so »starr« wie eine Deutsche sein will) nicht.

Dem Fass schlagen dann wiederum jene den Boden aus, die sich gegen Zimmerhofer mit Wierer solidarisieren und auch noch der Meinung sind, besonders weltoffen zu sein. Dabei haben sie sich nur für einen der beiden Chauvinismen entschieden.

Nun die Aussage von Fr. Wierer zeigt nur etwas über ihren Charakter. Sie kann nur hoffen, dass deutsche Journalisten von dieser Aussage nicht “Wind” bekommen, sonst werden diese wohl nicht mehr so wohlwollend über sie berichten, wie es nach meinen Kenntnissen bis dato der Fall war. Dümmer gehts nicht, aber das sind halt die verkrampften Versuche einiger junger STiroler (mit dem Alter legt sich das bei den Meisten) italienischer als die Italiener zu sein. Typisch Deutsch könnte man sagen, immer besser sein zu wollen als die Anderen. Da hat sie sich wohl ein Eigentor geschossen mit dem “rigida come una tedesca”, sie ist wohl noch strenger mit sich selbst. Das gibt einen minus Punkt für die möchtegern Italienerin. Mein Tip helfen könnte ihr beim Italienerin sein ihren Namen in Vierera zu ändern, Tollomei würde es freuen;-)
Was die Vereinnahmung betrifft, ist es wohl so, dass Sportler von einem Staat bzw. von dessen Steuergelder finanziert werden und sich deshalb nicht frei äussern können dürfen sollen. Sie sind einem Verband verpflichtet und repräsentieren nicht nur sich selbst. Ich als Angestellter einer Firma kann mich auch nicht unseren Kunden offenbaren, obwohl ich vielleicht ein Konkurrenzprodukt besser fände. Ich bin Teil dieser Firma und habe mich loyal zu verhalten, wenn ich das nicht kann, habe ich da nichts verloren. Es ist eben immer eine gegenseitige Abhängigkeit und weil ein Sportler für sich alleine nichts schafft, wird er immer seinem Staat und seinen Sponsoren verpflichtet sein. Sportler sind in einer exponierten Lage, vertreten ein Land und deren Region und sollten sich deshalb benehmen können. Diese dumme Aussage trägt leider zur Charakterisierung aller STiroler bei, auch wenn sie sich als Italienerin gibt. So Unrecht hat also Zimmerhofer nicht, man könnte das aber auch etwas geschickter angehen als er es tat. Leider passen beide in den ST Volkscharakter so unterschiedlicher Ansicht sie auch sind.

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