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Fanlein mit Fähnlein.

Auch ich habe am 30. Jänner Südtirol heute gesehen, und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe mich ebenfalls darüber geärgert, dass Uttenheimer Schülerinnen für die Rodelmeisterschaften in Nordtirol mit italienischen Flaggen ausgestattet werden — und das auch noch im österreichischen Fernsehen übertragen wird. Unsere Sportlerinnen müssen für Italien an den Start gehen, ob sie es wünschen oder nicht, und werden dann bisweilen von dummen Journalistinnen auf ihre nationale Gesinnung geprüft. Doch gerade die Fans haben die Möglichkeit, Südtiroler Athletinnen mit Südtiroler Flaggen zu begleiten — wie es uns Basken und Katalanen, Schotten und Nordiren vormachen. Friedlicher kann man es sich kaum vorstellen.

Trotzdem habe ich in der hitzigen Diskussion, die das »völkische Milieu« um dieses Ereignis entfacht hat, bisher eine wichtige Feststellung vermisst: Kinder, die noch keine gefestigte politische Meinung haben, dürfen nicht für politische Zwecke missbraucht werden. Weder von ihren Lehrerinnen, die ihnen farbige Wimpel in die Hand drücken und sie somit — das ist in Südtirol vorprogrammiert — mitten in die Kontroverse stürzen; noch von Politikerinnen, die jetzt lautstark fordern, dem Nachwuchs besser Tiroler Fahnen mitzugeben. Jedes Regime, das was auf sich hält, vereinnahmt die Jugend für seine niederen politischen Zwecke. Ein demokratischer Rechtsstaat sollte sich davor hüten. Immer.

Siehe auch: 1/ 2/

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19 replies on “Fanlein mit Fähnlein.”

Il problema qui è strutturale. Lo sport cioè è anche essenzialemente uno strumento di legittimazione politica (un formidabile strumento, direi). La cosa quindi, dal punto di vista filosofico, non cambierebbe neppure spingendo per la realizzazione di una rappresentativa di sportivi locali (che potrebbe senz’altro essere favorita).

Selbst wenn es eine Südtiroler Mannschaft gäbe, die ich auch stark favorisiere, fände ich es absurd, Kindern eine Flagge in die Hand zu drücken. Auch wenn klar ist, dass eine ähnliche Aktion in einem diesbezüglich entspannteren Umfeld, etwa in Rom oder Paris, in einem anderen Licht erscheinen könnte.

…und wenn man dem Kind eine “Pace”-Fahne in die Hand drückt, entspringt das auch einem politischen Grund. Das essentielle ist: die Politik hat nichts in der Schule zu suchen! Politische Selbstbestimmung statt Schul-Dirigismus! Egal von welchem politischen coleur die Rede ist!

Die Stellungnahme von Peter Fill und Patrick Staudacher in der gestrigen »Repubblica« kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen: Auf Klotz’ Bitte an deutsche und österreichische Medien, unsere Sportler als »Südtiroler« zu bezeichnen, kontern sie mit der Behauptung, sie fühlten sich als Italiener. Dabei hat ja niemand gefordert, die Südtiroler Sportler einer anderen Nation zugehörig zu bezeichnen, also etwa Österreich, sondern lediglich als das, was sie sind. Wer sich dagegen wehrt hat wohl den Verstand verloren. Das sollte eine Benennung sein, mit der sich alle Südtiroler Sportler – egal welcher Gesinnung, egal welcher Muttersprache – identifizieren können. Alles andere ist Realitätsverweigerung.

Was ich aber natürlich verstehen kann, ist dass Südtiroler Sportler das ewige Gezerre leid sind.

Guarda, penso che la cosa possa essere interpretata così. Fill e Staudacher sono due atleti che della politica se ne infischiano. Per loro, il richiamo della Klotz è apparso come un tentativo di sovrapporre alle loro imprese agonistiche un significato che per loro è eccessivo. Per questo, come reazione, hanno ribadito polemicamente la loro appartenenza all’Italia, che è un’appartenenza in primo luogo sportiva (qui entrano in gioco probabilmente elementi di lealtà  che si radicano in vissuti privati e, ripeto, prettamente sportivi).

Mag schon sein, so ist auch mein letzter Satz zu interpretieren.

Doch:

1. Ist »Südtiroler« eigentlich die neutralste Bezeichnung für einen Südtiroler Sportler, die weder in die eine noch in die andere Richtung »zerrt«.

2. Klingt die Aussage der beiden Athleten für mich als würde sich Benni Raich wehren, als Tiroler bezeichnet zu werden, oder Tomba als »Bolognese«.

3. Ist Klotz nicht – wie damals mit Plankensteiner – auf die Freiheit der Sportler eingegangen, sich als das zu fühlen was sie wollen. Sie hat ihrer persönlichen (sicherlich politischen) Meinung als Fernsehzuschauerin freien Lauf gelassen.

Fill/Staudacher fühlen sich als Italiener; dies bedeutet m.E.:
1. Die übliche Klotzthematik interessiert sie keineswegs, bzw.
2. Sie ausschließlich als Südtiroler zu bezeichnen ist vielleicht für sie eine Einschränkung ihrer Identität
3. V.a. aber eine Einengung ihrer sportlichen Leistungen und Erfolge
4. Ganz egal, wie man sie bezeichnet, sie fühlen sich als Italiener.
(5.Dies sagen sie möglicherweise: Weil sie als Carabinieri so quasi verpflichtet sind, um die triste Plankensteinerdebatte zu vermeiden oder einfach so, weil sie es sagen wollen)

Interessant, die HP des Herrn Staudacher. Eine rot-weißer Streifen, der in einen grün-weiß-roten übergeht. Ich sehe mittlerweile auch auf vielen Hütten (z.B. auf der Seiser Alm) diese Kombination. In den Augen der meisten SüdtirolerInnen schließt das eine das andere nicht (mehr) aus.

Aus einer Phase des diffusen “Antiitalianismus” scheint vor allem das ländliche Südtirol quasi ohne Übergang in eine Phase des diffusen Proitalianismus katapultiert worden zu sein. Für mich ist es schon bemerkenswert, wenn Kinder aus Uttenheim und aus dem hintersten Sarntal mit Trikolore-Fahnen und Italia-Rufen heimische Sportler anfeuern. Wahrscheinlich wird die Notwendigkeit einer zumindest temporären kollektiven Identität in diesen Momenten doch deutlich.

Dass junge former south tyroleans mittlerweile geradezu Aversionen gegen Österreich hegen, hat wohl jeder schon erlebt. Als in der Klasse meines Sohnes vor einem Monat die EU-Länder durchgenommen wurden, fand sich außer Jakob niemand, der ein Plakat über jenes “Sch…land” anfertigen wollte. Ach, wenn die former south tyroleans doch aller Gleichstellungen in Ö verlustig gingen!!!

Und du glaubst, diese Sportler sind frei, so zu entscheiden wie sie möchten? Ich denke da an mögliches Mobbing der Verbände und Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb der Mannschaften. Trotzdem hast du im Grunde recht.

Andererseits sollte es auch eine Wahlmöglichkeit für angehende und werdende Sportler geben – und schließlich geht das Ganze auch noch die Bevölkerung was an, denn schließlich starten die Südtiroler für ein Land, was mitunter zu abstrusen Fahnenschwenkereien führt. Eine sympathische Alternative wäre, dass die Athleten ihre Leistungen ohne Flaggen erbringen, doch das ist derzeit leider nicht vorstellbar.

mi associo a étranger.

Und wenn Südtirol die eigene Bezeichnung oder Fahne fordert, ist man dann bereit, den Ladinern auch das gleiche zu gewähren? Oder ist es die übliche Einbahn?

Kostner, Moelgg etc. mit der ladinische Flagge?

Meinerseits sicherlich, ja. Obwohl ich es persönlich schade fände, gerade dann, wenn man eine mehrsprachige Mannschaft wie in der Schweiz gründen würde – das hieße: Weg von den Nationalismen.

es gilt ganz generell: eine mehrsprachige Gesellschaft benötigt mehrsprachige Symbole nach außen. Ist derzeit aber bei Südtirol nicht der Fall und ich sehe auch keine Bereitschaft dazu, es sei denn bei einigen Bloggern.

@ à‰tranger
“Ci sarebbe anche una soluzione più radicale: abolire lo sport.”

Du sprichst mir aus dem Herz (auch wenn du es nicht Ernst gemeint hast). Ich bin von all dem Sport dermaßen genervt…jeder soll das Recht haben Sport zu treiben, aber was soll das mit dieser Zwangsbeglückung? Andauernd fallen Sendungen, des Sports wegen aus. Ich hege schon einen derartigen Hass gegen diese Über(treibungen)tragungen, vor allem die Österreicher werden dabei zu unverbesserlichen Nationalisten so dass einem die Galle hochkommt!
Habt Spaß an eurem Sport, aber bitte verschont mich damit!

LG Michi

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