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Prämie trotz Sprachverhunzung.

Schon seit mehreren Jahren laufen in Südtirols Trenitalia-Regionalzügen automatische Durchsagen, die jeder Beschreibung spotten. Obwohl auch ranghohe Mitarbeiter des Landesmobilitätsressorts regelmäßig diese Verbindungen nutzen und somit Zeugen des Missstands sind, hat sich daran nie etwas geändert. Eine Kostprobe:

 

 


Transkription: »Guten Abend, willkommen a en Bord des Zuges 10950. Der Zug hält in Waidbruck, Klausen, Brixen u en de erreicht Franzensfeste um 21 Uhr 13 Uhr. Trenitalia wünscht Ihnen eine angenehme Fahrt.«

Doch seit einiger Zeit handelt es sich bei den Zügen technisch nicht mehr um reine Trenitalia-Regios. Es ist jetzt das Land Südtirol, welches die Staatsbahnen mit der Durchführung der Fahrten beauftragt und somit eigentlich die Auflagen und Bedingungen diktieren könnte. Offensichtlich besteht aber gar kein Interessen, durch straffe Verträge für diesbezügliche Verbesserungen zu sorgen. Im Gegenteil: Trenitalia werden vom Land sogar jährlich hohe Effizienzprämien aus Südtiroler Steuergeldern ausbezahlt — unter anderem dafür, dass wir uns Tag für Tag diese Sprachverarschung anhören dürfen. Wo außer hier wäre es vorstellbar, dass eine offizielle Amtssprache derart systematisch verhunzt wird?

Siehe auch:

Mobilität Plurilinguismo Sprachpfusch | | | | | | Deutsch

18 replies on “Prämie trotz Sprachverhunzung.”

Du hast Recht was die sprachliche Qualität der Durchsagen anbelangt, dass so etwas nicht mehr Aufsehen bereitet, hängt mit der unterdurchschnittlichen Gesamtqualität des Betreibers zusammen. Tränitalia ist das vielleicht schlechteste Bahnunternehmens Europas, in meiner mehr als zehnjährigen Erfahrung als Pendler auf der Strecke Pustertal-Bozen hat man sich an noch viel schlimmere Sachen gewöhnt, allen voran der Schmutz und das teilweise unprofessionelle Personal. Leider ist bei der SAD auch nicht alles zum Besten gestellt (zu kalte Züge, unbequeme Sitze, schlechte Informationspolitik bei Störungen), immerhin ist aber ein gewisser Qualitätssprung erkennbar. Bevor bei uns wirklich ein europäischer Standard erreicht wird, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Dann würden auch derartige Durchsagen nicht mehr akzeptiert werden.

Bei Trenitalia kämpft man gegen Windmühlen. Das Problem ist aber doch, dass selbst das Land weiterhin auf diesen Betrieb und dessen Substandard setzt. Das Mobilitätsressort hätte nämlich sehr wohl die Möglichkeit, mittels einer gut gemachten internationalen Ausschreibung für höhere Qualität zu sorgen, mit oder (meiner Auffassung nach besser) ohne Trenitalia. Es wäre vielleicht Aufgabe der Opposition im Landtag, darüber zu wachen, dass unsere Steuergelder nicht Unternehmen in den Rachen geschoben werden, die uns im Grunde nur veräppeln — wofür die Qualität der Durchsagen ja nur ein emblematisches Beispiel ist.

Ein Pendleralltag wird besonders dann zum Abenteuertrip, wenn völlig unerwartete Wetterereignisse eintreten, wie diese Woche:
a) Montag 22.11.2011. Zug 10961 von Innichen kommend, Brixen ab 8.30, Klausen ab 8.38 entfällt aufgrund eines Materialschadens (Durchsage in Klausen nur auf Italienisch und völlig unverständlich). Ursache vielleicht die wenigen cm Neuschnee, die es morgens gab?
b) Donnerstag, 25.11.2011. Derselbe Zug wird aus dem Pustertal mit 30 Minuten Verspätung gemeldet, wobei die Verspätung sukzessive nach oben korrigiert wird. Mögliche Absage zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausgeschlossen. Ursache vielleicht die arktischen Temperturen im Pustertal, immerhin in Toblach -7,5°C

Ob die von mir vermuteten Wetterereignisse die tatsächliche Ursache waren ist nicht bestätigt. Erfahrungsgemäß häufen sich bei ähnlichen Wettersituationen die Verspätungen und Zug-Streichungen. 3 cm Neuschnee und Temperaturen von -7°C sind für eine alpine Region Ende November natürlich ein völlig unerwartetes Wetterereignis. Trenitalia ist aus dem Schneider und das Land Südtirol kann weiterhin auf diesen Betrieb bauen. Schweizer Verhältnisse….wir warten und warten und warten.

Freitag, 26.11.2010: Zug 20453, Brenner ab 11.38, Bozen an 12.59, gecancelt. Materialschaden. Ursache unbekannt. Am Bahnsteig von Klausen liegt ca 1 cm Neuschnee. Vielleicht hat es am Brenner sogar etwas mehr geschneit. Von Extremwettersituationen biblischen Ausmaßes kann nicht gesprochen werden. In den Alpen sind einige cm Neuschnee Ende November durchaus als normal zu bezeichnen, aber für Trenitalia möglicherweise eine zu hohe Anforderung. Schweizer Verhältnisse sehen anders aus.

Das sind in einer Woche mehr Zugausfälle, als ich in fünf Jahren (davon eines als Tagespendler) in der Schweiz erlebt habe. Ob sich jemand darüber Gedanken macht, was derartige Infrastruktur-, Verkehrs- und Dienstleistungsprobleme für den Standort Südtirol bedeuten?

Der “Standort Südtirol” ist der beste in ganz Italien, wie vor kurzem zu erfahren war. Man darf sich eben nur nicht mit der Schweiz oder anderen entwickelten Ländern vergleichen, dann steht man auch immer gut da. :D

Chistoph Franceschini schreibt bei Salto, dass Trenitalia nach der Elektrifizierung der Vinschger Bahnstrecke auch dort den Dienst übernehmen könnte — ob vollständig oder teilweise, bleibt offen. Ich bin zwar beileibe kein Fan der SAD, aber mehr Trenitalia ist wohl auch keine Lösung. Dem Artikel zufolge wurde aber nur mit SAD und TI verhandelt, eine öffentliche Ausschreibung gab es nicht.

Interessant finde ich unter anderem diesen Satz:

Die Lösung mit Trenitalia ist auch deshalb günstiger, weil das Land in diesem Fall zwei Zuggarnituren weniger ankaufen muss, als mit der SAD.

Kann es sein, dass dies damit zusammenhängt, dass Trenitalia wegen seines schlechten Diensts (!) vom Land »gezwungen« wurde, eigene Flirts anzukaufen? Um nicht zu sagen, dass das Land Trenitalia die Züge quasi geschenkt hat?

Grundsätzlich können nach der Elektrifizierung sowohl sad als auch trenitalia auf der Vinschger Bahn fahren. Hinsichtlich Dienstqualität gibt es kaum einen Unterschied. Wieso trenitalia zwei Züge weniger braucht, lässt sich nur mit besseren Umläufen erklären. Gatterer hat den Bogen schon lange überspannt.

Ja, die SAD gehört zweifellos in die Schranken gewiesen. Aber ist es nicht so, dass das Land Trenitalia zwei Flirtgarnituren grundlos quasi geschenkt hat — und das Unternehmen jetzt diese als Vorteil gegenüber anderen Mitbewerbern ausspielen kann?

Vielleicht ist es ja so dass der ein oder andere Provinzpolitiker das Konzept “Privatisierung” nicht ganz verstanden hat?

und das Unternehmen jetzt diese als Vorteil gegenüber anderen Mitbewerbern ausspielen kann

Zusammen übrigens mit dem »Vorteil«, dass TI und der Schienennetzbetreiber RFI demselben Unternehmen angehören und somit (in)direkt Druck ausüben könnten (»Schienennetzausbau oder -modernisierung nur wenn auch wir ein Stück vom Kuchen abbekommen«)… eine einmalige Interessensüberschneidung.

Gatterer hat Salto diese Stellungnahme zukommen lassen:

Mit Bezug auf die heutigen Artikel in der Tageszeitung Dolomiten und im Online-Portal Salto nehme ich wie folgt Stellung:
Über eine exklusive Bedienung der Strecke Mals – Bozen ist SAD mit der Landesverwaltung nun seit fast einem Jahr in Verhandlung. Dabei haben wir in dieser Frage weniger materielle Interesse vertreten, sondern mehr emotional-historische. SAD hat nämlich seit Inbetriebnahme der neuen Bahn im Vinschgau dieses Gebiet immer exclusiv bedient. Insofern besteht eine enge Bindung mit dem Territorium, den Fahrgästen und den bisherig guten Leistungen, die dort erbracht wurden. SAD beschäftigt zudem lokale Mitarbeiter und schafft damit Arbeitsplätze für die Südtiroler Bevölkerung – jeder Leistungszuwachs bei SAD bedeutet daher auch einen Zuwachs für die heimische Beschäftigung. Auch haben wir in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass es aus ethnisch-politischer Sicht nicht verständlich ist, dass Regierungsvertreter der Südtiroler Volkspartei die italienischen Staatsbahnen in ein Tiroler Territorium erneut einbinden, wo sie vorher nicht vertreten waren. Dies vor allem auch deshalb, da SAD im Eisenbahnbereich neben den Zweisprachigkeitsvorgaben auch freiwillig den ethnischen Proporz berücksichtigt, was Trenitalia nicht macht. Der öffentlichen Nahverkehr ist zudem keine gewöhnliche Dienstleistung, welche Politik einfach zukauft, sondern sie gehört zur Kernindustrie eines Landes. Nahverkehr ist nämlich präsent in allen Tälern und Ortschaften unseres Landes, wird von zahlreichen Menschen tagtäglich genutzt und stiftet somit Identität und Verwurzelung mit dem Territorium. Eine Politik, wie sie derzeit betrieben wird, wäre unter LH Magnago oder LH Durnwalder nie denkbar gewesen und ist in autonomiepolitischer Hinsicht als klarer Rückschritt zu werten.
In den gesamten Verhandlungen haben wir zudem darauf verwiesen, dass die Gesellschaft SAD den Steuersitz in Südtirol hat – Trenitalia eben nicht. Mit dem Abschluss des Dienstleistungsvertrages mit Trentialia hat Landeshauptmann Kompatscher und Landesrat Mussner gemeinsam mit dem Amt für Mobilität auf etwa 11,5 Millionen Euro Mwstr-Anteil zugunsten des Landes Südtirol verzichtet.

Wäre der Vertrag mit SAD abgeschlossen worden, hätte die Verwaltung demnach keinen Euro mehr ausgegeben und ohne jedes weitere Zutun Geldmittel im Rahmen der Mwstr-Rückführung eingenommen, die jetzt verloren sind. Diese Finanzmittel hätten beispielsweise für die Geburtenabteilung im Krankenhaus Sterzing verwendet werden können, wodurch auch für die Wipptaler Bevölkerung ein wichtiger Dienst hätte aufrecht bleiben können. Auch für mich als SVP-Ortsobmann ist es unverständlich, wenn die SVP-Politik in den verschiedensten Bereichen unseres Landes gute Projekte mit dem Verweis auf mangelnde Geldmittel abweist und andererseits Fehler dieser Art verübt; – ich wiederhole – öffentliche Mittel wären hier nämlich für unser Land nur einzusammeln gewesen.
Mit der Elektrifizierung der Vinschgauer Bahn wird der Knoten Meran durchgebunden, was bedeutet, dass die Züge zwischen Mals und Bozen ohne Umstieg in Meran verkehren. Der Vorschlag des Landes ist nun die Linien zwischen Mals – Meran – Bozen Innsbruck durchzubinden. In betriebswirtschaftlicher Hinsicht ist dieser Ausrichtung auch lukrativ, da SAD auf der Brennerachse die Zugkilometer in einer höheren Geschwindigkeit erbringen kann als im Vinschgau oder Pustertal, wodurch die Fixkosten pro Leistungseinheit absinken; insofern ist diese Planvorlage für die SAD kein materieller Schaden. Salto berichtet, dass SAD gemäß Berechnungen des Amtes 22 Millionen Euro Gewinn erwirtschaften würde… es entzieht sich meiner Kenntnis, wie diese Gewinnprognose errechnet wurde – von unserer Seite kann diese jedenfalls nicht bestätigt werden. Ich merke vielmehr an, dass SAD im Rahmen des neuen Dienstleistungsvertrages den selben Preis pro Km zugesprochen bekommt wie Trenitalia. Insofern besteht Kostengleichheit zwischen beiden Unternehmen. Wenn das Amt nachweist, dass SAD den Dienst nun günstiger erbringen könnte, dann hätte die Verwaltung – im Sinne einer maximalen Einsparung von öffentlichen Steuergeldern – den gesamten Zugverkehr im Vorfeld an SAD übertragen müssen und nicht etwa einen Teil an Trenitalia.
Die Berichterstattung in der Dolomiten und im Salto ist einseitig und unausgewogen. Die Artikel werden verfasst, ohne bei SAD eine Stellungnahme zur Faktenlage einzuholen. Dies ist vermutlich auf eine persönliche Animosität zurückzuführen, was ich in journalistischer Hinsicht als sehr unprofessionell erachte und deshalb nur belächeln kann.

DDr. Ingemar Gatterer, MBA

Ganz ehrlich… eine perfekte Zweisprachigkeit habe ich bei der SAD noch nie bemerkt. A bissl besser als TI zu sein ist doch keine Leistung.

Wie ist das mit den Steuereinnahmen zu bewerten?

Der öffentlichen Nahverkehr ist zudem keine gewöhnliche Dienstleistung, welche Politik einfach zukauft, sondern sie gehört zur Kernindustrie eines Landes.

Gatterer

Sehr geehrter Herr Gatterer!
Volle Zustimmung Ihrer Einschätzung der Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs. Und gerade deshalb gehört dieser neben der Post und Zugang zu Telefon-und Kommunikationsnetzen als öffentliches Gut in ein neues Autonomiestatut in den Händen der Europaregion und einem regionalem Verkehrsverbund. Die freiwillige Anwendung des Proporzes könnte dann zur Pflicht werden.

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