Copy-Paste-Journalismus.

Es liegt keinesfalls in der Intention des Schreibers, anlässlich des Todes einer der bedeutendsten Südtiroler Persönlichkeiten, eine billige Polemik über Plagiate vom Zaun zu brechen. Vielmehr möchte ich auf ein grundlegendes Problem des Journalismus – insbesondere des Online-Journalismus – hinweisen.

Nach dem gestrigen Tod Franz Thalers hat tageszeitung.it als Meldung einfach den gesamten Wikipedia-Artikel zum Südtiroler Widerstandskämpfer ohne Quellenangabe online gestellt. stol.it hat hingegen einige Abschnitte – ebenfalls ohne Quellenangabe – wortwörtlich aus Wikipedia übernommen.

Abgesehen davon, dass es illegal ist, fremdes geistiges Eigentum (auch solches, das als “freier Inhalt” gilt) ohne Quellenangabe, noch dazu für kommerzielle Zwecke, wie es ein Online-Nachrichtenportal ist, zu übernehmen, offenbart die Vorgehensweise der Online-Journalisten ein tieferliegendes Problem.

Im Kampf um die schnelle Meldung und angesichts prekärer finanzieller Ausstattung vieler Online-Redaktionen, werden journalistische Grundregeln über Bord geworfen. Gewissenhafte Recherche, journalistische Ethik und geistige Eigenleistung? Fehlanzeige! Es liegt die Vermutung nahe, dass auch viele andere Inhalte – zumindest in Online-Medien – auf ähnlich Weise zustande kommen: schnell zusammenkopiert aus irgendwelchen, unüberprüften Quellen.

Zudem finde ich, dass sich Franz Thaler mehr verdient hätte, als ein bequemes und illegales “Copy-paste” aus einer freien Online-Enzyklopädie. Mit Journalismus hat das nicht mehr viel zu tun.

Wer sich selbst ein Bild zum “Online-Journalismus” über Franz Thalers Tod machen möchte, findet im Anschluss die entsprechenden Auszüge.

Franz Thaler ist tot: Der Überlebende des KZ Dachau ist am Donnerstag im Alter von 90 Jahren gestorben.

Franz Thaler ist tot!

Der Autor, Federkielsticker und Überlebende des KZ Dachau und des KZ Hersbruck ist am Donnerstag im Altersheim verstorben..

Franz Thaler wurde 1925 in der Gemeinde Sarntal in Südtirol geboren.

Als sich sein Vater im Jahre 1939 gegen die Abwanderung ins Deutsche Reich entschied, folgte für die Familie eine Zeit der Schikanen und der Ausgrenzungen: So wurde Franz Thaler vom Schulunterricht ausgeschlossen. 1944 erhielt er trotz seiner italienischen Staatsbürgerschaft den Stellungsbefehl für die deutsche Wehrmacht.

Zwar versteckte er sich vorerst vor den Nationalsozialisten, stellte sich jedoch letztendlich, als der Familie die Sippenhaft angedroht wurde. Franz Thaler wurde von einem Kriegsgericht zu zehn Jahren Konzentrationslager verurteilt.

Im Dezember 1944 kam er im Konzentrationslager Dachau an und wurde noch im selben Monat nach Hersbruck (ein Außenlager des KZ Flossenbürg) verlegt, wo er fortan im Bautrupp arbeiten musste. Am 29. April 1945 wurde das KZ von amerikanischen Truppen befreit; Franz Thaler wurde in einem französischen Gefangenenlager inhaftiert.

Als er im August 1945 zurück in die Heimat kam, begann Franz Thaler seine Erinnerungen aufzuschreiben, die 1989 erstmals in Buchform erschienen. Thaler arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Federkielsticker im Sarntal.

Thalers 1989 erstmals veröffentlichte Memoiren Unvergessen trugen in Südtirol maßgeblich zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit bei.

2010 wurde er von der Stadt Bozen gemeinsam mit dem NS-Gegner und -Opfer Josef Mayr-Nusser zum Ehrenbürger ernannt.

Der Trauergottesdienst für Franz Thaler findet am Samstag, 31. Oktober, um 14.30 Uhr in der Pfarrkirche von Reinswald statt.

— tageszeitung.it

Der KZ-Überlebende aus dem Sarntal Franz Thaler ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 90 Jahren. Seine Erinnerungen hielt er im Buch “Unvergessen” fest

Thaler wurde 1925 in Reinswald/Sarntal geboren. Als sich sein Vater 1939 gegen die Abwanderung ins Deutsche Reich entschied, folgte für die Familie eine Zeit der Schikanen und Ausgrenzungen: So wurde Franz Thaler vom Schulunterricht ausgeschlossen.

1944 erhielt er trotz italienischer Staatsbürgerschaft den Stellungsbefehl für die deutsche Wehrmacht. Zuerst versteckte er sich vor den Nationalsozialisten, stellte sich jedoch letztendlich, als man seinen Vater bedrohte.

Von einem Kriegsgericht wurde er zu zehn Jahren Konzentrationslager verurteilt. Sein Leidensweg führte ihn durch mehrere Gefängnisse ins Konzentrationslager Dachau. Im August 1945 kam er, zwanzigjährig, seelisch und körperlich gebrochen, nach Hause und begann, seine Erinnerungen aufzuschreiben.

Diese erschienen 1988 als Sonderdruck der Kulturzeitschrift “Sturzflüge”, 1999 erstmals in Buchform unter dem Titel “Unvergessen”. Es wurde zu einem Schlüsseltext der Südtiroler Zeitgeschichte, ins Italienische und Englische übersetzt.

Das Buch liegt – überarbeitet und ergänzt – in der fünften Auflage vor. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als Federkielsticker im Sarntal. 2010 wurde Thaler gemeinsam mit NS-Gegner und -Opfer Josef Mayr Nusser zum Ehrenbürger der Stadt Bozen ernannt.

Der Trauergottesdienst für Franz Thaler findet am Samstag in der Pfarrkirche von Reinswald statt. Beginn: 14.30 Uhr.

— stol.it

Fett bzw. schwarz [Hervorhebungen von mir] sind die Bereiche, die wortwörtlich aus Wikipedia übernommen wurden.

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Seite “Franz Thaler”. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. Oktober 2015, 21:48 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Franz_Thaler&oldid=147515541 (Abgerufen: 30. Oktober 2015, 08:48 UTC)

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