Sabes: Wenig schmeichelhafter Einblick.

Im italienischen Tagblatt der Athesia ist gestern ein langer Brief von Orietta Dalpiaz erschienen, die erst kürzlich als Primarin der Brixner Urologie gekündigt hatte, um an die Grazer Uniklinik zurückzukehren. Die Stelle beim Südtiroler Gesundheitsbetrieb (Sabes) hatte die Boznerin erst im Jänner angetreten.

In dem Brief räumt die Ärztin nicht nur mit der Behauptung auf, sie sei aus familiären Gründen in die Steiermark zurückgekehrt, sondern benennt eine Reihe von Gründen, die ihr die Weiterarbeit in Brixen verunmöglicht hätten. Salopp gesagt: Da fällt einem die Kinnlade runter, wie angeblich* mit Mitarbeiter- und Patientinnen umgegangen wird, wie Reorganisationen vereitelt und die Einführung neuer Eingriffstechniken verhindert werden.

Dass — in einer männerdominierten Abteilung wie der Urologie — auch das Geschlecht eine Rolle gespielt haben mag, will ich zumindest nicht ausschließen.

Wenn auch nur ein Zehntel dessen stimmen sollte, was Frau Dalpiaz schreibt, ist das ein absoluter Skandal.

In der Bewertung gilt es meiner Meinung nach zwei Ebenen zu unterscheiden:

  1. Betriebsintern: Mobbing**, Verweigerung von Teamarbeit, salopper Umgang mit dem Patientenwohl sind keinesfalls hinnehmbar. Daher sollte das geschilderte Verhalten Anlass zu größter Sorge geben. Als öffentliche Gesundheitsinstitution sollte Sabes offen und entschieden an die Problematik herangehen und sich auch seiner Vorbildfunktion bewusst sein.
  2. Gesellschaftlich: Das Land investiert bedeutende Summen, um qualifiziertes Personal nach Südtirol zu locken — was selten genug gelingt. Auf Kosten der Versorgungsqualität wurde die Zweisprachigkeitspflicht gelockert, um noch größere Engpässe zu vermeiden. All das ist den Bürgerinnen nicht vermittelbar, wenn fachlich bestens ausgebildetes, mit Land und Leuten vertrautes, zweisprachiges Personal*** aus Egoismus, Überheblichkeit und Kurzsichtigkeit aktiv vertrieben wird.

Siehe auch:

*) Dalpiaz schreibt, das Geschilderte sei gut dokumentiert
**) die Autorin benutzt diesen Ausdruck zwar nicht, doch ich kann es nur so einordnen
***) das trotz geringerer Entlohnung bereit ist, hier zu arbeiten

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