[Es hat] einen grundlegenden Wertewandel in der Gesellschaft gegeben, von einer Orientierung an Pflichten und Verantwortung für die Gemeinschaft hin zu einer radikalen Individualisierung, in der es vor allem um Selbstverwirklichung geht. Politik wird folglich mit den Augen von Konsumenten betrachtet und bewertet: Was bietet sie mir, wer nützt meinen Interessen am meisten, welche „Marke“ passt am besten zu mir? Da die Aufgabe der Politik jedoch darin besteht, allen im Sinn des Gemeinwohls bestimmte Opfer abzuverlangen, […], ist die Enttäuschung unausweichlich. [Die] herrschende Politik muss […] wieder Ziele für die Gesamtgesellschaft im Land und weltweit formulieren und realistische Wege aufzeigen, wie diese zu erreichen sind. Dafür wird es notwendig sein, weniger auf gut organisierte Interessensgruppen zu hören und keine Versprechen zu geben, die nach den Wahlen nicht einlösbar sind. Und die Wählerinnen und Wähler müssen genau hinhorchen und abwägen, wem sie wirklich glauben und ihr Vertrauen schenken.
Hermann Atz 2023 in einem Essay für das Magazin “Kompass”
Der Politikwissenschaftler und Mitbegründer des Sozial- und Marktforschungsinstituts Apollis, Hermann Atz (73), ist am vergangenen Samstagnachmittag bei einem Kletterunfall in den Dolomiten ums Leben gekommen. Atz war eine Stimme der Sachlichkeit im häufig von Polemik dominierten Politbetrieb. Er war eine Stimme der Besonnenheit in einer marktschreierischen Welt. Durch seine Forschungen und Erhebungen hat er wesentlich dazu beigetragen, dass es in Südtirol in vielen Bereichen belastbares Datenmaterial gibt. Auch
hat immer wieder auf Zahlen und Studien von Hermann Atz zurückgegriffen. Südtirol verliert mit ihm einen hervorragenden Wissenschaftler und einen kritisch-neutralen Kommentator. R.I.P.

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