Alles roger, Roger?

Habe soeben folgende Beschwerde an den Chef der italienischen Bahn in Südtirol, Herrn Roger Hopfinger [Mail], an Mobilitätslandesrat Thomas Widmann [Mail] sowie zur Kenntnisnahme an Promobil der Verbraucherzentrale geschickt. Danke auch an Markus Lobis, der mir die nötigen Informationen (Kontaktadressen) zur Verfügung gestellt hat.

Sehr geehrter Herr Roger Hopfinger,
sehr geehrter Herr LR Thomas Widmann,

ich möchte Ihnen hier anhand eines konkreten Beispiels meine großartige Erfahrung mit der Südtiroler Bahn schildern, jene Bahn, für die der Landesrat schon mehrmals den Vergleich mit den Schweizerischen Bundesbahnen gewagt hat.

 

Strecke: Bozen Süd/Messe – Brixen Bhf.
Datum: Dienstag, 29. Jänner 2008, gegen 19.15

Bhf. Bozen Süd/Messe: Die elektronische Auskunft ist – wie an allen Bahnhöfen – zu einem erheblichen Teil einsprachig. Dazu kommt, dass die Abfahrtszeit mehrerer Züge nicht mit jener auf den neuesten Fahrplänen und selbst nicht mit den Durchsagen vor Ort (!) übereinstimmt, welche übrigens ebenfalls nicht voll zweisprachig erfolgen. Mals wird etwa auch in der deutschen Durchsage Malles Venosta genannt.

Zweisprachigkeit ist in Südtirol nun seit Jahrzehnten ein Thema. Für ein traditionsreiches öffentliches Unternehmen sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, zum einen die Gesetze einzuhalten, und zum anderen für einen guten Kundendienst zu sorgen. Doch selbst dies scheint bei der Bahn in Südtirol noch immer nicht zu klappen.

Weitere Beispiele dafür habe ich unter folgenden Links zusammengefasst und veröffentlicht:

http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=719
http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=679
http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=689
http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=631

Immerhin kann ich pünktlich um 19.19 Uhr in einen nicht gerade einladenden Zug von Trenitalia steigen. Die letzte Durchsage im Zug vor Erreichen des Bozner Hauptbahnhofs („Endbahnhof… danke…) gibt es nur auf Italienisch. Vor Ort wird der Zug, der mich nach Brixen bringen soll, mit 20 Minuten Verspätung angekündigt. Tatsächlich sind es genau 30 (zehn Minuten Verspätung auf die Verspätung!), die bis Brixen nicht ansatzweise wettgemacht werden können, sondern noch knapp auf 31 Minuten anwachsen. Die diesbezügliche Durchsage kommt kurz vor Brixen abermals nur auf Italienisch – wie übrigens sämtliche Durchsagen in den Zügen seit Kurzem wieder nur auf Italienisch durchgeführt werden.

Ich habe sechs Jahre in der Schweiz gelebt, davon rund 2 Jahre als Pendler im Kanton Tessin. Ich kann Ihnen versichern, dass ein Vergleich der heutigen Verhältnisse in Südtirol mit jenen in der Eidgenossenschaft absolut unhaltbar ist.

Dem Landesrat möchte ich daher bescheidenst etwas mehr Bescheidenheit empfehlen, denn es reicht nicht, wenn man eine katastrophale Situation merklich verbessert und auf dem Papier eine Vertaktung schafft, die entfernt an jene in der Schweiz erinnert. Zu einem guten ÖPNV gehören saubere, moderne, komfortable Züge, einladende Bahnhöfe, die Einhaltung von Fahrplänen, funktionierende Vertaktungen und Anschlüsse, ein wirklich vorbildlich mehrsprachiger Dienst, prompte Informationen bei Fahrplanänderungen u.v.m.

Auf eine Stellungnahme Ihrerseits freue ich mich selbstverständlich.

Mit freundlichen Grüßen

Vollständiger Name, Brennerbasisdemokratie

Engagement Mobilität Sprachpfusch Verbraucherinnen | | | | Ticino | SVP |

7 replies on “Alles roger, Roger?”

Rekord! Herr Hopfinger hat mir unverzüglich (14 Minuten nach Versand der Mail) wie folgt geantwortet:

Sehr geehrter Herr Constantini,

ich kann bestätigen, dass wir neulich Probleme bei den Ansagen in einigen Zügen haben. Es geht hier um eine technische Angelegenheit und wir sind dabei diese zu verifizieren, da es nur auf einigen Rollmaterialien vorkommt.
Was die Bahnhöfe angeht werden wir selbstverständlich den Infrastrukturbetreiber informieren.
Ich kann Ihnen auch bestätigen, dass wir rund um die Uhr, den bestmöglichen Dienst zu sichern versuchen. Ich hoffe, dass Sie weiterhin unsere Dienste in Anspruch nehmen werden und verbleibe mit freundlichen Grüssen.

Roger Hopfinger

Lieber Pé,
ich konstatiere Fortschritte: auf meine Beschwerdemails hat Herr Hopfinger noch nie geantwortet. Ich vermute, dass der Verweis auf die fehlende Zweisprachigkeit diesbezüglich doch sehr motivierend gewirkt hat, ist das Land Südtirol doch einer der besten Finanziers von TI und RFI.
Wie Du weißt, verfolge ich passiv ein Forum von Eisenbahnern, das dem Eisenbahnverkehr in Südtirol gewidmet ist. Unser Schienennetz, vor allem zwischen Franzensfeste und Bozen/Abzweigung Meran, scheint doch sehr stark belastet zu sein; die technischen und organisatorischen Möglichkeiten, Züge etwa im Parallelbetrieb in die selbe Richtung zu führen, sind doch noch begrenzt. Der Güterverkehr auf der Brennereisenbahnstrecke hat enorm zugenommen, auch dank der privaten Anbieter, die Linie stößt derzeit auf Kapazitätsprobleme, insbesondere in den Stoßzeiten. Eine Vertaktung hinzubekommen, ist äußerst schwer: innerhalb weniger Minuten belastet z.B. die Durchfahrt dreier Züge den Abschnitt Bozen – Abzweigung Meran; zudem ist der Bozner Steuerungsapparat hoffnungslos veraltet. (Ein Neuankauf geht in die Hunderttausende!!!).
Es ist letztlich eine Frage von Ressourcen und Organisation: nicht umsonst wird der ÖPNV zwischen der Lombardei und dem Ticino von „Tilo“, einer gemischten Gesellschaft, durchgeführt. Italien investiert – leider – einen Bruchteil der Ressourcen der Schweiz in die Eisenbahn; die Organisation der italienischen Eisenbahnen (zwei Lokführer auf fast allen Zügen!!!) und die diversen Vorschriften sind mittelalterlich.
Aus meiner Sicht haben sich die ital. Eisenbahnen in den letzten Jahren dennoch sehr verbessert; in Zukunft wird es weitere Verbesserungen geben.
Die Trentiner haben parallel zur Hauptstrecke eine eigene Bahnlinie: zwischen Trento und Mezzocorona.

Ich erlaube mir, den Beitrag von Thomas Benedikter zu posten, der viele unserer Eisenbahnprobleme lösen könnte…

http://www.suedtirolernachrichten.it/view_news_html?news_id=20060802184422

Welcome Thomas!

Lieber Werner, der Vorschlag von T. Benedikter ist zwar nicht neu (er wurde auch bei uns schon angedacht), offenbart aber trotz Ironie einige tatsächliche Vorteile dieser Option. Der einzige nicht hinnehmbare Nachteil wäre m.E. der damit verbundene Austritt aus der EU samt Wiedererrichtung von Grenzen. Dies, obschon jetzt auch die Eidgenossenschaft Teil des Schengenraumes ist und bisweilen überzeugter über die Grenzen hinweg handelt, als Südtirol.

Was die Bahn betrifft, so glaub(t)e ich – auch aus dem von dir genannten Forum heraus – verstanden zu haben, dass Nordtirol über eine vergleichbare Infrastruktur verfügt, dort aber durch eine straffe Organisation die ebenfalls engen Fahrpläne sehr wohl zur Einhaltung gebracht werden.

ich als vinschger wäre sowieso dafür dass wir zur schweiz gehören sollten und habe das auch jahre vor meiner abwanderung in meinem freundeskreis propagiert. direkte demokratie, weniger vettern- und freunderlwirtschaft, wirtschaftlichen sowie sozialen fortschritt, schutz vor den eu-steuervögten und dem preistreiber nr.1 der „gemeinschaftswährung“ teuro. der euro war und ist für die bevölkerung schlichtweg eine katastrophe. wie auch sonst sind wieder mal die schon reichen noch reicher geworden, die kluft also dank dieser lauwarmen hirnwixerei nochmals vergrössert worden.
in meinen augen hat die eu nach wie vor sich ein beispiel an der schweiz zu nehmen und ganz sicher nicht umgekehrt.

zu den schweizerischen bundesbahnen:

» 75% der Züge verkehren innerhalb 0–1 Minute Verspätung.
» 95% der Züge verkehren innerhalb 0–4 Minuten Verspätung.

Die SBB erfüllt diese Vorgaben. [Link]

Heute ist noch die Antwort aus Widmanns Mobilitätsressort eingetroffen, mit einer Mischung aus Schuldabweisung und Eingeschnapptheit – wohl wegen Majestätsbeleidigung. Kritik als etwas Konstruktives zu verstehen, sind unsere Regierenden offensichtlich nicht gewohnt, denn… »wir sind ja die Besten!«.

Sehr geehrter Herr Constantini,

Ich kann Ihren Ärger und Frust verstehen, wenn sie bei Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel solche Strapazen auf sich nehmen müssen.
Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass sie (sic!) selber genau wissen, wo die Kompetenzen angesiedelt sind und dass einzig und allein Trenitalia und RFI dafür verantwortlich zeichnen, wenn die Züge aus Bozen zu spät abfahren oder die Durchsagen nicht gemacht werden.
Seit die Mobilität in unserem Verantwortungsbereich liegt, hat das Land auf unseren Druck hin in kürzester Zeit neues Rollmaterial angekauft, den Großteil der Bahnhöfe saniert oder ins Programm aufgenommen, zig Millionen in den Ausbau des Schienenetz (sic!) investiert, obwohl dies Zuständigkeit von RFI und Trenitalia wäre. Außerdem haben wir die Busdienste im ganzen Land potenziert und angepasst, neue innovative Konzepte eingeführt wie etwa den Citybus, neue Haltestellen montiert, neue kundenfreundliche Tarife eingeführt wie etwa das ABO+ für die Schüler und veiels (sic!) mehr.
Trotzdem sind wir überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, alles selber in die Hand zu nehmen, obwohl dies mit hohen Kosten und einigem Risiko verbunden ist. Aber wenn wir in Zukunft unseren Bürgern und Gästen ein modernes Nahvehrsangebot (sic!) mit hoher Qualität zur Verfügung stellen wollen, können wir nicht auf diese Partner setzen.
Und dass wir es können, beweist der Erfolg der Vinschgerbahn. Auch auf der Strecke Bozen-Meran sind wir mit unseren Zügen viel pünktlicher als Trenitalia, von der Qualität des Rollmaterials ganz zu schweigen.
Sie können aber verstehen, dass dies nicht alles in kürzester Zeit umgesetzt werden kann, sondern etwas Zeit braucht. Einen Zug zu bestellen braucht mindestens 2 Jahr (sic!) Vorlaufzeit und kann nicht wie ein Auto in max. 2 Monaten beim Autohändler abgeholt werden.
Deshalb ist es für mich umso unverständlicher, wenn bis vor wenigen Jahren, wo der öffentliche Nahverkehr in Südtirol die Rolle eines Mauerblümchendasein (sic!) innehatte, niemand etwas gesagt hat und jetzt, wo so vieles in Gang gebracht und realisiert worden ist zum Wohle des Kunden, die lokale Politik ständig attakiert (sic!), unter Druck gesetzt und ihr der schwarze Peter zugeschoben wird.
Wenn wir die Möglichkeit hätten, diese Dienstleistungsanbieter kurzfristig auszutauschen, dann hätten wir diesen Schritt schon längst getan. Wenn sie (sic!) eine bessere Vorgangsweise oder Idee haben, sind wir immer offen für gute Ratschläge.
Hingegen würde ich vorschlagen, dass wir gemeinsam den Druck auf Trenitalia und RFi erhöhen, was wir ständig tagtäglich tun über alle unsere politischen Kanäle mit dem Ziel, einige Verbesserungen zu erreichen.

Mit freundlichen Grüßen.

Für den Landesrat
Dr. Thomas Widmann

Burger Günther

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