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Riggertalschleife und Vollautonomie.

Im Morgentelefon des Rai Sender Bozen (Hörfunk, Donnerstag, 16. Mai 2013) äußert sich Landeshauptmann Luis Durnwalder zum »Übergang« der Meraner Bahnlinie und einiger Bahnhöfe an das Land.

Die Melange der Durnwalder’schen Rhetorik, gekoppelt mit der Unfähigkeit vieler Südtiroler Journalisten zum kritischen Nachhaken um einen Sachverhalt auf den Punkt zu bringen, erlaubt es nach diesem Morgengespräch nicht eine Aussage darüber zu machen, ob es sich beim sogenannten »Übergang« um eine vollständige materielle Übernahme handelt oder lediglich um eine Art Subkonzession, bei der das Land Südtirol zwar sämtliche Maßnahmen bezahlt, RFI und die Staatsbahnen aber trotzdem die Besitzer bleiben und im Hintergrund alles nach Belieben und in ihrem Sinne steuern können.

Bizarr wurden Durnwalders Aussagen bezüglich Riggertalschleife: Prinzipiell sei er für den Bau dieses wichtigen Projektes, das endlich eine direkte Bahnverbindung vom Pustertal nach Brixen herstellen würde, aber das Problem liege darin, dass der Staat den Bau bezahlen müßte, dieser aber kein Geld bzw. Interesse am Projekt habe.

Vielleicht hat der LH selbst kein wirkliches Interesse am Bau der Riggertalschleife und verkauft die SüdtirolerInnen (nach dem Motto »ich bin zwar für diesen Bau, aber dummerweise können wir die Staatsbahnen nicht von der Finanzierung überzeugen«) für dumm. Denn wer außer dem Land Südtirol sollte denn die Riggertalschleife finanzieren? Fragt denn das Land Südtirol beim Bau von Umfahrungen auch die ANAS um Finanzierung? Ist Durnwalder, dessen Partei die Vollautonomie verbal zum neuen Ziel erkoren hat, nicht in der Lage, als Land Südtirol 5 km neue Bahnlinie zu bauen und diese, wenn es betrieblich notwendig ist — da der staatliche Schienennetzbetreiber RFI die Pustertal-Bahnlinie nicht an das Land abtritt — für eine Übergangszeit von RFI führen zu lassen bzw. an RFI zu verpachten?

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2 replies on “Riggertalschleife und Vollautonomie.”

Ich habe auch die Aussagen Durnwalders gehört. Für mich war es wieder einmal der Beweis, dass seine Zeit lange schon abgelaufen ist. Nachdem in den letzten Jahrzehnten Tausende Millionen Euro in den Straßenbau geflossen sind, ist plötzlich eine “läppische” Investition von 50 Mio. nicht finanzierbar. Die Riggertalschleife ist eine der wichtigsten strategischen Verkehrsinvestitionen des Landes, unser LH denkt aber in anderen Kategorien. Stattdessen wird der Bahnhofsüberbauung von Bozen höchste Priorität gegeben, für mich eine fragwürdige Entscheidung, die mehr den Interessen der Spekulanten, als den Bahnnutzern dient. Wir bekommen sozusagen ein Bozen21, in Anlehnung an Stuttgart21 ein Projekt, dass von Größenwahn und grandioser Fehlplanung gekennzeichnet ist. Ich wünsche mir, dass in Zukunft die gesamten Verkehrsinvestitionen einer systematischen Bewertung unterzogen werden. Nur jene, die das beste Kosten/Nutzen-Verhältnis aufweisen, sollten verwirklicht werden. Meine Hoffnungen ruhen auf dem Nachfolger.

Daten, die ich soeben von H. erhalten habe mit der freundlichen Genehmigung sie hier zu veröffentlichen:

Wichtigste laufende oder geplante öffentliche Arbeiten im Transportwesen – 2011 und 2012:

192.478.555 Umfahrung Meran
97.611.714 Umfahrung Leifers
96.638.710 Umfahrung Brixen
81.879.000 Ausbau Gadertal
77.968.280 Umfahrung Auer
60.877.515 Ausbau Sarntal
60.299.497 Umfahrung Kastelbell
57.773.775 Ausbau Pustertaler Strasse in Natz-Schabs
40.948.205 Einfahrt Gadertal
34.059.658 Umfahrung Gossensass
36.556.793 Umfahrung St. Christina

837.091.702 Straßenbau gesamt
40.000.000 Gesamt Bahn (STA)

4,78% Aufteilung Bahn / Strasse

Und die Südtirolerinnen, besonders die Pusterer, die sonst ja große Rührigkeit beweisen, wenn es ums Betonieren geht, lassen sich bei der Riggertalschleife vom Landesluis mit derartig lächerlichen Aussagen abspeisen.

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