Categories
BBD

IBK vs. BZ.

Die Landeshauptstadt Innsbruck (126.851 Einwohner) und die Landeshauptstadt Provinzhauptstadt Bozen (105.713 Einwohner) sind freilich nur bedingt vergleichbar. Dennoch lassen sich in Sachen Dynamik und Entscheidungsfreudigkeit — zumindest was die städtische Entwicklung betrifft — Unterschiede ausmachen, wie sie größer nicht sein könnten. Zwar produziert auch Innsbruck den einen oder anderen Griff ins Klo und ist die Bozner Stadtverwaltung nicht für jede Fehlentwicklung alleine verantwortlich, wie sich auch die Innsbrucker Stadtregierung nicht alle Erfolge auf die eigenen Fahnen schreiben kann, aber im direkten Vergleich der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte schneidet Bozen desaströs ab.

  • In Innsbruck wurde innerhalb von drei Jahren ein komplett neuer Bahnhof (mit Schließfächern 🤗) inklusive Busbahnhof, Bahnhofsvorplatz und Bahnhofshotel aus dem Boden gestampft. Der Verkehr wurde unterdessen im Vollbetrieb (25.000 Fahrgäste pro Tag) ohne größere Probleme weitergeführt. Max Weilers wertvolle Fresken wurden erhalten und in einer aufwändigen Aktion im neuen Gebäude wieder aufgehängt.
  • In Bozen hat allein die Renovierung der Bahnhofsfassade länger als der komplette Neubau in Innsbruck gedauert. Ganz zu schweigen von den Mini-Umbauten, die auch nach Fertigstellung halbfertig aussehen und Jahre gebraucht haben. Die Arbeiten standen zwar unter der Schirmherrschaft von Centostazioni, das “Endprodukt” ist aber dennoch bezeichnend für Bozen. Und der Busbahnhof ist nach wie vor eine Katastrophe und erinnert vom Charme her eher an Weißrussland oder Nordkorea.
  • In Innsbruck wurde am Bergisel in wenigen Jahren ein komplett neuer Museumskomplex zur Landesgeschichte errichtet, der Teil der Landesmuseen mit einheitlichem Konzept ist. Das berühmte Rundgemälde wurde erfolgreich von der ehemaligen Hungerburgbahntalstation in das neue “Tirol Panorama” verfrachtet.
  • In Bozen entstand zwar das Museion, jedoch diskutiert man auch seit seiner Entdeckung über eine würdigen Platz für den Ötzi. Und das Stadtmuseum ist aufgrund von Untätigkeit seit 2003 mehr oder weniger geschlossen.
  • In Innsbruck wurden sämtliche Straßenschilder erneuert. Sie sind alle orthographisch korrekt und bieten Informationen über die Namensgebung.
  • In Bozen existieren allein von der Trienter Straße fünf verschiedene Schreibweisen auf offiziellen Straßenschildern.

DSC_0006-(3)Bozen steht eher auf der Bremse: Blick von der Trienter Straße (sorry, Trientnerstraße bzw. Trento Strasse) zum Verdiplatz mit der zerfallenden jedoch denkmalgeschützten Tankstelle, von wo aus einst eine Standseilbahn auf den Virgl führte.

  • In Innsbruck wurde die Universitätsbibliothek, die zugleich Landesbibliothek ist, aufwändig umgebaut und zu einem modernen Bibliothekszentrum umgestaltet.
  • In Bozen ist das Thema “Bibliothekszentrum” ein Dauerbrenner, der nach wie vor einer Lösung harrt.
  • In Innsbruck wurden drei zusätzliche Großkaufhäuser (Tyrol, West, Rathaus Galerien) zu den bestehenden (DEZ, Sillpark, Cyta in Völs) gebaut.
  • In Bozen entzweit und lähmt ein geplantes Kaufhaus die Stadt, während ein anderes (Twenty) rechtlich umstritten errichtet und ausgebaut wurde.
  • In Innsbruck wurde ein komplett neues Nahverkehrs- und Straßenbahnkonzept umgesetzt und ein neuer Autobahnanschluss (Mitte) gebaut, die Autobahn eingehaust sowie der Südring im Bereich der Olympiabrücke verbreitert und bei der Kreuzung Tivoli untertunnelt.
  • In Bozen wurde am Bahnhofsvorplatz gerade einmal ein Zebrastreifen errichtet, ist die Eisackuferstraße nach wie vor ein Nadelöhr und steht eine Einhausung der Autobahn bzw. eine Umfahrung nicht wirklich in den Startlöchern. Eine Verkehrslösung für das Überetsch hängt in der Luft.
  • In Innsbruck gibt es einen funktionierenden Flughafen.
  • In Bozen wird ein nicht funktionierender Flugplatz hoch subventioniert.
  • In Innsbruck wurde die Nordkette (2269 m ü. A.) in weniger als zwei Jahren Bauzeit über ein modernes und für Touristen attraktives Verkehrs- und Seilbahnsystem an das Stadtzentrum angebunden.

In Innsbruck geht’s bergauf: Station “Alpenzoo” der Hungerburgbahn von Zaha Hadid.

  • In Bozen errichteten das Land und Private zwar die Rittner Seilbahn, eine Lösung für den “Hausberg” Virgl (510 m ü. A.) wird jedoch seit gefühlt 200 Jahren diskutiert, ohne dass es einen Hauch von konkreten, umsetzbaren Schritten gibt. Die Seilbahnen nach Kohlern und Jenesien sind von anno Schnee.
  • In Innsbruck wurden ein neues Fußballstadion (für internationale Spiele bis 16.000 Zuseher zugelassen), eine neue zusätzliche Eishalle sowie eine neue Schisprungschanze errichtet und die Olympiaworld (Olympiahalle, Bob- und Rodelbahn usw.) renoviert.
  • In Bozen verfällt das im Jahr 2000 renovierte Drususstadion (3000 Zuschauer, entspricht nicht einmal den Anforderungen der Serie B).
  • In Innsbruck wurde die Innenstadt im Bereich der Maria-Theresien-Straße komplett umgebaut und zur Fußgängerzone gemacht. Zudem wurde ein neues Rathaus inklusive Bürgerzentrum fertiggestellt.
  • In Bozen verkommt der Bahnhofspark am Eingang zur Innenstadt und der Obstmarkt im Herzen der Stadt ist ein Dauerpolitikum.
  • In Innsbruck bauen renommierte Architekten wie Zaha Hadid (Bergiselschanze, Hungerburg- und Nordkettenbahn), David Chipperfield (Kaufhaus Tyrol) und Dominique Perrault (Rathaus) neue architektonische Wahrzeichen.
  • In Bozen streitet man seit 90 Jahren und auch nach der Eröffnung des Dokumentationszentrums über das “architektonische Wahrzeichen” Siegesdenkmal.
  • In Innsbruck wurden seit 2005 die Fußballeuropameisterschaft, Eishockeyweltmeisterschaft, Universiade, Handballeuropameisterschaft, Volleyballeuropameisterschaft, American-Football-Weltmeisterschaft und die olympischen Jugendspiele abgehalten.
  • In Bozen entspricht die Infrastruktur meist nicht den heutigen Ansprüchen derartiger sportlicher Großereignisse.

Siehe auch:

Arch+Raum Comparatio Mobilität Sport | | | | Nord-/Osttirol Südtirol/o | | Deutsch

38 replies on “IBK vs. BZ.”

Danke für die erhellende Gegenüberstellung. Ich will vorausschicken, dass Entwicklung und Fortschritt nicht dasselbe sind und dass nicht jede »Dynamik« automatisch gut ist. In Bozen tut sich aber in sehr vielen Bereichen, die wohl der allgemeinen Auffassung nach unbedingt einer Veränderung (im Sinne einer Verbesserung) bedürften, seit Jahren (Jahrzehnten?) gar nix. Das kann für eine Stadt nicht gut sein.

Innsbruck hat sich hingegen gerade in letzter Zeit, vielleicht mit dem einen oder anderen Einkaufstempel zuviel, zu einer attraktiven Stadt mit einem vielfältigen kulturellen, universitären, Freizeit- und — ja — auch »wirtschaftlichen« Angebot entwickelt. Da können Bozen und Südtirol im allgemeinen nur neidisch den Hut (und vielleicht die eine oder andere Lehre) ziehen.

genau. “zubetonieren” ist nicht gleich fortschritt. aber mit dieser liste geht es mir in der tat um die entscheidungsfreudigkeit und die übernahme von verantwortung von seiten der stadtregierung.

Man könnte auch noch anmerken, dass 2012 der neue Chemie-Campus der Uni eröffnet wurde. Dass die Uni-Klinik großzügig erweitert wurde (Ausbau Chirurgie, neue Kinderklinik, neues MZA, Neubau Herzzentrum und Innere Medizin)

Den Um- bzw. Neubau des Messegeländes und die Neugestaltung des Landhausplatzes (vulgo Skatepark) in Innsbruck hab ich auch noch vergessen.
In Bozen hingegen wurde nach langem Ringen für 300.000 Euro tatsächlich ein neuer Skatepark auf den Talferwiesen für die Jugend geschaffen. Doch halt: in Innsbruck baute man indes die größte Skate- und BMX-Halle Österreichs auf 2000 Quadratmetern für 1,2 Millionen Euro sowie einen Skatepark im Freien am Tivoli.
In Sachen Kinolandschaft verringerte Bozen den Abstand. Dem Bozner Cineplexx stehen in Innsbruck aber das Metropol und ebenfalls ein Cineplexx gegenüber.

– Was soll an einem Aus-dem-Boden-stampfen von Kaufhäusern positiv sein??
– Und was soll an Investitionen in überdimensionierte Stadien, mit horrenden Instandhaltungskosten positiv sein??
– Und wieso wird der Stadt Innsbruck die Renovierung des Bahnhof gutgeschrieben und der Stadt Bozen angekreidet obwohl beide Projekte von den nationalen Eisenbahnen getragen werden (meines Wissens jedenfalls…)?
– Und wenn schon in Hinsicht auf die ausführenden Kompetenzen(Gemeinde, Region, Staat) Äpfel mit Birnen verglichen werden, wieso werden positive Entwicklungen in Bozen nicht genannt (unibz meiner höchst subjektive Meiniung nach…)

Dass IBK eine bessere Entwicklung durchmacht als Bozen ist offensichtlich, aber der Artikel erscheint mir schon arg subjektiv…

Schönen Tag wünsche ich

@chriko
Ok die Kaufhäuser die in Ibk aus dem grünen Boden gestampft werden, werden wenigstens genutzt, in Südtirol steht das MeBo Center seit Jahren als Mahnmal in der grünen Wiese!

@chriko

Was soll an einem Aus-dem-Boden-stampfen von Kaufhäusern positiv sein??

Ich schreibe ja, dass es nicht darum geht, das zubetonieren zu feiern, dass ibk auch griffe ins klo macht usw. es geht einzig und allein darum, dass es dort eine stadtregierung gibt, die entscheidungen trifft und verantwortung übernimmt. dass dabei auch fehlentscheidungen getroffen werden, ist normal. wenn ich keine entscheidungen treffe, kann ich auch keine falschen treffen – wobei eigentlich das nicht-entscheiden meist die falsche entscheidung ist.

Und was soll an Investitionen in überdimensionierte Stadien, mit horrenden Instandhaltungskosten positiv sein?

das tivoli neu ist überhaupt nicht überdimensioniert. auch das alte tivoli hatte 16.000 plätze und war in zeiten, in denen fc wacker zu den topmannschaften gehörte, sehr gut ausgelastet. wie eine mannschaft sich entwickelt, ist halt schwer vorhersehbar. man kann natürlich fragen, ob der temporäre zubau für die em auf 30.000 notwendig war. aber die 16.000 von jetzt sind eine sehr gute größe für innsbruck.

Und wieso wird der Stadt Innsbruck die Renovierung des Bahnhof gutgeschrieben und der Stadt Bozen angekreidet obwohl beide Projekte von den nationalen Eisenbahnen getragen werden.

kannst du lesen? “Zwar produziert auch Innsbruck den einen oder anderen Griff ins Klo und ist die Bozner Stadtverwaltung nicht für jede Fehlentwicklung alleine verantwortlich, wie sich auch die Innsbrucker Stadtregierung nicht alle Erfolge auf die eigenen Fahnen schreiben kann.” und “Die Arbeiten standen zwar unter der Schirmherrschaft von Centostazioni, das “Endprodukt” ist aber dennoch bezeichnend für Bozen.”
bezüglich gestaltung des südtiroler platzes, der verkehrslogistik und sonstiger bürokratischer verfahren war sehr wohl die stadt verantwortlich. zudem gehört es auch zum politischen geschäft, dinge einzufordern und zu erreichen. die öbb klopfen für gewöhnlich nicht an die tür des rathauses und fragen: “dürfen wir euch einen neuen bahnhof bauen.”
und wie gesagt – in dem vergleich geht es hauptsächlich um die dynamik, die in der stadt herrscht. und an der ist die stadtregierung durch bürokratische und politische entscheidungen wesentlich beteiligt.

Und wenn schon in Hinsicht auf die ausführenden Kompetenzen(Gemeinde, Region, Staat) Äpfel mit Birnen verglichen werden, wieso werden positive Entwicklungen in Bozen nicht genannt (unibz meiner höchst subjektive Meiniung nach…)

ich geb zu, die uni und auch das cineplexx hab ich vergessen. wobei man da wieder argumentieren könnte, dass diesebezüglich in der gleichen zeit in innsbruck auch einiges passiert ist. stichwort: neuer chemie- und biologiecampus. neue unibibliothek. umbau geiwi. neubau sowi (1997).

– Was soll an einem Aus-dem-Boden-stampfen von Kaufhäusern positiv sein??

Gar nix. Allerdings gibt es in Bozen derzeit ein sogenanntes »Landeskaufhaus« (Twenty) und noch das Centrum — und beide sind architektonisch, städtebaulich und von der verkehrstechnischen Anbindung um Welten schlechter, als das, was ich so aus Innsbruck kenne (vor allem als die neueren: Kaufhaus tyrol, West, Rathausgalerien). Über Twenty und Centrum gab es aber im Unterschied zum Benko-Projekt vielsagenderweise kaum Diskussionen.

Es kann auch eine politische Entscheidung sein, auf Kaufhäuser zu verzichten und stattdessen den traditionellen Handel in der Stadtmitte aufzuwerten. Aber — sorry — wenn ich mir die versifften Bozner Lauben mit ihren 08/15-Ketten anschaue, die genausogut in ein Kaufhaus passen würden, dann ist Innsbruck sogar unter diesem Gesichtspunkt attraktiver. Um nicht von einem Vergleich zwischen Bozner Bahnhofspark und Innsbrucker Hofgarten oder zwischen dem Kneipenangebot in den beiden Landeshauptstädten zu reden.

hab jetzt nachgeschaut.
in der bundesligasaison 2000/2001 betrug der durchschnittsbesuch (!!!) für spiele des fc tirol innsbruck im tivoli neu 12.000. daraus kann man schließen, dass die spitzenspiele wohl alle ausverkauft waren.

vergangene saison betrug der schnitt für den fc wacker nur mehr traurige 3000.

aber wie gesagt. innsbruck war viele jahrzehnte eine topmannschaft und ist 10facher österreichischer meister und siebenmaliger cupsieger. von daher war damals der bau eines 16.000 besucher-stadions logisch. und irgendwann kommen bestimmt wieder bessere zeiten für den verein mitsamt aufstieg in die höchste spielklasse. dann ist auch die hütte wieder voll.

Konkurrenz belebt die Sinne – aber nur, wenn medial wahrgenommen. Deshalb danke für diesen Beitrag, Harald (auch wenn ich mich bei einigen Details aufhalten könnte)

BZler fahren nach IBK zum Einkaufen, zu Operationen, zum Studieren, zum Fliegen, zum … IBKler fahren einmal jährlich nach BZ zur herbstlichen Nostalgietour.

Die 5SB-Gemeinderätin Maria Teresa Fortini schreibt auf Facebook:

Un’operazione con centinaia di milioni da spartire puzza di corruzione lontano più di un miglio.

Ich finde es äußerst bedenklich, wenn Investoren und Politiker einfach unter Generalverdacht gestellt werden, weil es um größere Geldsummen geht, und dies als Grund genannt wird, Investitionen zu verhindern. Auch beim Bau der Autobahn, der Wiederinbetriebnahme der Vinschger Bahn, der Errichtung eines Museums und nicht zuletzt bei der Umsetzung des Masterplans für das Bozner Bahnhofsareal ging und geht es — um nur einige Beispiele zu nennen — um hohe Millionenbeträge. Alles abzulehnen, weil das automatisch Korruption produziert? Wollen wir Südtirol ins Mittelalter zurückführen?

Und dass die umliegenden Dörfer in Innsbruck nur mehr Wohnsiedlungen für das zu teuer gewordene Stadtzentrum sind und oft ohne Gasthäuser und Dorfgemeinschaft und Läden sollte man auch erwähnen.Nicht alles ist schlechter hier.

da hast du recht. da wurden viele fehler gemacht. meist wurde einfach zu spät reagiert und die ortszentren waren tot. andererseits gibt es aber auch einige dörfer, die sich trotz innsbrucks strahlkraft einen lebendigen kern erhalten haben. was wiederum beweist, dass es möglich ist.

Zitat:

…..zum Verdiplatz mit der zerfallenden jedoch denkmalgeschützten Tankstelle, von wo aus einst eine Standseilbahn auf den Virgl führte.

Stimmt nicht denn die Talstation wurde anfang der ´90 Jahre abgerissen und nun steht ein Parkhaus.

ich würde mal bei den Innsbruckker Köstlichkeiten jene abziehen, die NICHT in den Kompetenzbereich der Stadt fallen, sondern von Bundesbehörden ausgeführt worden sind…. (Bahnhof, Autobahn, Flughafen….) … und dann nochmal auflisten. Die entgeschäftigten Dörfer sind jedenfalls kein Argument für Kaufhäuser in den Provinzhauptstädten.

nochmals sigmund: es geht in der aufzählung nicht darum, dass in innsbruck alles besser ist.
wie ich in der einleitung schreibe, geht es mir darum, die dynamik und entscheidungsfreudigkeit zu vergleichen (die nicht immer positiv sein muss) – wie ich auch eingangs schreibe.
es geht um politisches handeln. und da hat innsbruck sehr wohl auch bei den bundes- und landesdingen seinen einfluss geltend gemacht. denn bund und land sind nicht nach innsbruck gekommen und haben gebettelt, ob sie ihnen einen neuen bahnhof und eine eingehauste autobahn für mehrere millionen euro bauen dürfen.
und somit ist die auflistung auch nicht als ein “argument für kaufhäuser” zu verstehen.

Es ist schon wahr, dass IBK in einigen Dingen gute Fortschritte gemacht hat. Aber man kann für BZ auch alles mies machen und dabei die positiven Aspekte übersehen. Ich habe 16 Jahre in IBK gelebt und so wie in BZ bei diversen Projekten für die Stadt mitgearbeitet. Auch dort herrscht vielfach Inkompetenz und Fehlentscheidung vor. So sind z.B. die urbanistische Entwicklung und das Stadtbild im Vergleich zu BZ reine Katastrophen. Der Einzelhandel ist in IBK schonungslos zerstört worden, mitunter durch toll angepriesene, aber z.T. nicht funktionierende Kaufhäuser im Aussenbereich. Der Flair in BZ ist unvergleichlich hoch und zahlreiche IBKler neben Benko pilgern regelmässig nach BZ. Die Wintersportanlagen in IBK mit BZ zu vergleichen ist unfair; IBK ist 2-fache Olympiastadt, hat die Ausrichtung der 3. Olympiade per Volksentscheid abgelehnt und hat durch Misswirtschaft inzwischen sogar kein Skiweltcuprennen mehr (Weltskihauptstadt!). Bildungs- und wirtschaftsnahe Forschungsstrukturen wie Eurac, Unibz, Tis in 20 Jahren aufzubauen ist eine unvergleichbare Erfolgsgeschichte der Stadt BZ.
Mein Bruder lebt glücklich in IBK, ich lebe sehr glücklich in BZ; beide besuchen wir uns gegenseitig oft und gerne und geniessen die Vorzüge der jeweils anderen Heimatstadt.
Setzen wir BZner auf uns selbst und unsere Stadt. Vor allem fordere ich die Nörgler auf, selber aktiv zu werden. Hier können wir tatsächlich aufholen!

ein letztes mal: ich schreibe ja, dass es in dem artikel nicht darum geht, alles gut zu heißen. ich statuiere, dass innsbruck griffe ins klo macht. aber die gefühlte dynamik in der stadt ist eine völlig andere als in bozen. und wenn dinge entschieden werden, gibt es immer auch fehlentscheidungen.
dennoch:

  • dass das innsbrucker stadtbild und die urbanistische entwicklung im vergleich zu bozen eine katastrophe wären, sehe ich nicht. wie kommst du zu dem befund?
  • das mit dem einzelhandel stimmt. da wurden viele fehler gemacht. wobei ich nicht weiß, welche kaufhäuser in ibk nicht funktionieren.
  • das flair ist wohl subjektiv. ich finde innsbruck viel charismatischer. auch durch das kosmopolitische (wenngleich diese weltstadt-geschichte lächerlich ist), das in ibk mehr zugegen ist als in bz. vielleicht auch etwas verklärt aus meiner studienzeit :-).
  • ad sportanlagen: genau. ibk ist olympiastadt und hat olympia ein drittes mal abgelehnt. in bozen gibt es aber auch nicht viel andere infrastruktur, die man vergleichen könnte.
  • ich kann mich zu meinen lebzeiten nicht erinnern, dass innsbruck je weltcupstation im skizirkus war. bis auf das eine legendäre rennen am patscherkofel mit einem österreichischen neunfachsieg im super g.
  • ich geb zu, die uni hab ich vergessen. aber diesbezüglich hat sich ja auch in ibk einiges getan. wäre wohl unentschieden ausgegangen.

Ach ja und nicht zu vergessen, dass man in Bozen maximal 20 Mbit Internet bekommen kann, in Innsbruck und vielen Teilen Tirols können Privathaushalte 250 Mbit-Leitungen für wenig Geld, sprich knapp 60 Euro/monatlich anmelden. (Stand Juli 2015)

Eine Stadtentwicklung wie Innsbruck hat Vor-und Nachteile. Kurz zum Internet ich kenne keinen Haushalt in ganz Innsbruck der mehr wie 9mbit in comming hat. Normal bleibt es bei 5-7 mbit also für den rest zahlst du zuviel. Vorteile von Bozen. Ja mit der Entwicklung hast du wohl recht nichts geht weiter da kann man dir nicht wiedersprechen. Aber was keiner sieht Innsbruck hat sich durch ihre Kaufhäuser die ganze kaufkraft vom Umland in die Stadt geholt. Nördliche Wipptal arbeitet und kauft ausschliesslich in Innsbruck. Der Stadtkern sind wir uns doch ehrlich würde ohne die touristische entwicklung ja woll ausgestorben sein. Also stadtkern ohne touristen und Studenten wäre wohl auch wegen einkaufszentren verödet. Was Bozen hat ist einen Stadtkern der von einheimischen noch lebt ein Umalnd wo man auch einkaufen kann kaltern zb. Aber allem in allem organisieren sich unsere Nachbarn besser. Doch nicht zu vergessen in Südtirol gibt es immer noch ländliche versorgungs betriebe. Das können wir aber vom nördlichen Wipptal nicht immer behaupten. Da stellt sich dan doch die Frage wenn die ländliche Versorgung noch so gut ist liegt das nicht auch daran das wir nicht einen zentralistische Stadtplanung wie in Innsbruck haben.
Mfg
P.s. Keine kritik an deinem Artikel. Denn find ich super….nur ein Diskussionsbeitrag.

A propos Wipptal: Vergleich auch mal die Attraktivität des nördlichen und des südlichen Wipptals miteinander. Bin mir nicht so sicher, dass das südliche Wipptal besser abschneidet… eher im Gegenteil, wenn ich mir Ortschaften wie Gossensaß oder Brenner, aber auch Franzensfeste & Co. ansehe. Da ist von Lebensqualität wirklich nicht viel zu spüren.

stimme dir teilweise zu. wurde hier ja in der diskussion auch schon thematisiert. die nahversorgung konnte vielerorts nicht aufrechterhalten werden und die sogwirkung innsbrucks ist groß. meiner meinung nach lag das aber auch oft am investitionsunwillen der kleinen familienbetriebe. die waren jahrzehntelang die platzhirsche. als dann die großen supermärkte kamen, haben sie zu spät reagiert. mit m-preis (das immerhin ein regionales unternehmen ist) und co. haben sie nicht mithalten können. sie haben es aber auch verabsäumt, nischen zu suchen.

und wie ich ebenfalls schon erklärt habe – ziel des artikels ist nicht die verklärung der tiroler landeshauptstadt, sondern das aufzeigen einer diskrepanz was dynamik und entscheidungsfreudigkeit betrifft. dass da auch negative dynamiken und schlechte entscheidungen darunter sind, ist klar.

Innsbruck bekommt eine neue Stadtbücherei: Am 27.01. wurde der Beschluss zur Übersiedelung in den neuen Pema2-Turm gefasst. Im Lauf des Jahres 2018 kann die Stadtbücherei die neuen Räumlichkeiten beziehen. (Quelle: TT)

Und in Bozen wird 2018 wahrscheinlich immer noch um den Baubeginn des Bibliothekenzentrums gestritten…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *