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Brennerbahn: Der Stand der Dinge.

Laut einem Bericht auf Stol.it wird es nun selbst unserem Landesrat zu bunt. hat über den Fernverkehr bereits berichtet. Mittlerweile scheint fix zu sein, dass mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2009 die 5 EC-Züge von DB/ÖBB/Ferrovie Nord geführt werden (siehe diesbezüglich auch DB und ÖBB Fahrplan). Während sich Trenitalia im vorigen Jahr vom Fernverkehr auf der Brennerbahn völlig zurückziehen wollte, scheint mittlerweile, in Anbetracht der aus Trenitalia-Perspektive unliebsamen Konkurrenz, nichts mehr sicher zu sein. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass Trenitalia einige Minuten vor den DB/ÖBB/Ferrovie Nord Eurocitys eigene EC Züge bis zum Brenner verkehren lässt. Für die Streckenabschnitte in Nordtirol und in Bayern hat Trenitalia keine Trassen bekommen, da sie mit einem Partner kooperieren, der nur über eine Güterverkehrslizenz verfügt.

Der eigentliche Skandal besteht darin, dass knapp drei Wochen vor dem Fahrplanwechsel noch niemand weiß, ob diese sinnlosen Geister-ECs überhaupt verkehren werden. Sollten diese tatsächlich fahren, dürfte der eigentliche Zweck wohl hauptsächlich darin liegen, dem neuen DB/ÖBB/FN-Projekt so viele Hürden wie möglich in den Weg zu stellen. Da die Trenitalia-Züge in diesem Falle wenige Minuten vor den DB/ÖBB/FN Züge fahren würden, lässt sich leicht ausrechnen, dass es genügend Möglichkeiten gibt, letztere massiv zu behindern.

Konstruktiver wäre es da schon, wenn Trenitalia die drei Eurostar-Züge, die ab 12.12.2009 Verona mit Rom in einer konkurrenzlos guten Fahrzeit von 3 Stunden verbinden, bis nach Bozen zu verlängern. Für diese Verlängerung möchte Trenitalia aber Geld vom Land Südtirol. Das Land Südtirol hat anscheinend abgelehnt, da das Angebot von Trenitalia wie üblich als last minute Angebot vorgebracht wurde und wenig seriös war, wie z.B eine Fahrzeit von 2 Std. von Verona nach Bozen, obwohl da 1 Std. 20 Minuten machbar sind. Im europäischen Bahnverkehr ist es üblich solche Maßnahmen mindestens 6 bis 9 Monate im Voraus zu planen. Eigentlich müsste sich der Fernverkehr auch selbst tragen. Bei einem seriösen Angebot von Trenitalia wäre es de facto ab 12.12.2009 möglich Bozen und Rom in 4 Std. 20 Minuten zu verbinden. Fahrzeiten, die mit dem Flugverkehr absolut konkurrenzfähig sind. Vielleicht ist das Land ja auch froh, dass Trenitalia diesbezüglich nichts Seriöses vorgelegt hat. Eine funktionierende Bahnverbindung nach Rom könnte ja der definitive Todesstoß für die marode Fluggesellschaft Air Alps sein. Wie dem auch sei, ab Dezember gibt es unbestätigten Informationen zufolge überhaupt keine direkte Eurostar-Verbindung von Bozen nach Rom. Einziger Hoffnungsschimmer im Fernverkehr nach Süden bleiben die Interregional-Züge nach Bologna, die ab Dezember vor allem zwischen Verona und Bologna — dank neuer zweigleisiger Strecke — kräftig beschleunigt werden sollen.

Nicht nur im Fernverkehr gibt es keine exakten Informationen zum Fahrplanwechsel. Selbst die genauen Fahrzeiten des Regionalverkehrs wurden noch niemandem mitgeteilt. Wie soll ohne diese Informationen ein Fahrplan gedruckt werden, bzw. wie sollen die Buslinien an den Bahnverkehr angepasst werden? In der Schweiz, Österreich und in Deutschland sind die Züge des neuen Fahrplans seit 15. Oktober 2009 buchbar und natürlich auch fahrplanmäßig abrufbar. Trenitalia hat am 16. November 2009 zwar die Eurostarzüge freigeschaltet, über alle anderen Verbindungen tappt man noch völlig im Dunkeln.

In diesem Zusammenhang ist die Ankündigung des Landesrates, sich in Zukunft verstärkt um Alternativen zur skandalös unzuverlässigen Trenitalia umzusehen, zu begrüßen. Zu begrüßen wäre es auch, wenn die bereits zugesagte Abtretung der Meraner Linie von RFI an das Land Südtirol endlich wieder Thema von Verhandlungen mit Trenitalia wäre. Der Bahnverkehr wird in Südtirol nämlich erst dann zuverlässig funktionieren, wenn RFI zumindest die Meraner und Pustertaler Linien an das Land Südtirol abtritt. Zu fordern ist dies mittelfristig auch für die Brennerbahn.

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12 replies on “Brennerbahn: Der Stand der Dinge.”

Ich habe Insiderinformationen, wonach die Busfahrpläne ausgearbeitet, abgeschlossen und in den Druck geschickt werden mussten, noch bevor die Fahrpläne von Trenitalia bekannt sind/waren. Dass damit eine Vertaktung der öffentlichen Verkehrsmittel untereinander unmöglich ist, liegt auf der Hand. Wenn jetzt also die Züge anders fahren, als vom Landesamt zwangsläufig angenommen — denn etwas andere als Annahmen standen und stehen nach wie vor nicht zur Verfügung — werden Fahrgäste mitunter lange Umstiegs- und Wartezeiten auf sich nehmen müssen, wenn sie nicht gleich auf das Auto umsteigen. Demselben Insider zufolge steht in der Schweiz das Grundgerüst eines Fahrplans sogar fünf Jahre im Voraus fest, während in diesem Fall noch knapp drei Wochen bis zur Fahrplanumstellung fehlen. Der Zustand ist untragbar.

Zumindest was die OeBB-DB-FMN-ECs anbetrifft, scheint Vernunft eingekehrt zu sein: Die Trassen für die TI-ICs sind offenbar gestrichen worden. Wäre schön, wenn sich jetzt auch die Fahrzeit der neuen ECs verkürzt und deren Abstimmung an Anschlusszüge (in BZ und VR) verbessert. Wäre ein schönes Beispiel einer Kooperation zwischen der NewCo und TI.
Was den Fernverkehr Richtung Süden anbetrifft, scheint es ab Bozen wirklich keinen Eurostar mehr zu geben, sondern nur noch den IC nach Bari/Brindisi und ansonsten Regional- und Interregionalzüge mit Anschlussmöglichkeit ab VR.
Übrigens: Auf der neu ausgebauten Pontebbana hat TI den EC Wien – Roma gekündigt, die Strecke wird ab Fahrplanwechsel nur mehr von Regios und Güterzügen benützt. Dafür führen die OeBB Intercitybusse ab Klagenfurt/Celovec bzw. Villach/Beljak nach Venedig. Cisalpino (Kooperation zwischen TI und SBB) wird zum Fahrplanwechsel aufgelöst, auch die Verbindungen nach Frankreich scheinen von TI ausgedünnt zu werden.
Im grenzüberschreitenden Personenverkehr hat TI momentan keine angemessene Strategie.

Markus Lobis hat auf seinem Blog eine Aussendung von “Fahrgast Tirol” zu diesem Thema publiziert:

Da die Zusammenarbeit mit der italienischen Bahngesellschaft Trenitalia (TI) in den letzten Jahren von Unsicherheit, Qualitätsproblemen und fehlender Zukunftsstrategie gekennzeichnet war, wird der angesprochene EC-Verkehr ab Fahrplanwechsel (13.12.2009) von den Österreichischen Bundesbahnen/ÖBB und der Deutschen Bahn/DB in Eigenregie übernommen, wobei in Italien nicht mehr Trenitalia (TI) sondern Ferrovie Nord Milano (FNM) als Kooperationspartner von ÖBB/DB fungieren wird.

Zunächst sind die Beibehaltung / Sicherung des derzeitigen EC-Fahrplangebots und Qualitätsverbesserungen durch ausschließlichen Einsatz von ÖBB/DB-Wagenmaterial geplant. Im Dezember 2010 (!) soll das Fahrplanangebot dann erweitert werden, indem 6 Zugpaare bis bzw. ab Verona wiedereingeführt werden (diese Zugpaare hat es in früheren Jahren bekanntlich bereits gegeben, und zwar damals noch in Kooperation mit TI). Zusatzangebote über Verona hinaus sind in Planung.

Leider ist es so, dass TI ab 13.12.09 auf italienischer Seite in Konkurrenz zum “Gemeinschaftsprojekt von ÖBB/DB/FNM” fahren möchte und von der italienischen Infrastrukturgesellschaft Rete Ferroviaria Italiana (RFI) deshalb ab Brenner nach Verona Fahrplantrassen reserviert bekommen hat, welche BESSER sind als die von RFI dem neuen “Gemeinschaftsprojekt von ÖBB/DB/FNM” zugesprochenen Fahrplantrassen. Durch diese diskriminierende Vergabe von Fahrplantrassen sollten die Bahngesellschaften ÖBB/DB gezwungen werden, vom Traktionspartner FNM wieder zu TI zu wechseln, was die Bahngesellschaften ÖBB/DB jedoch nicht tun. Das “Gemeinschaftsprojekt von ÖBB/DB/FNM” möchte bis Juni 2010 über eine Beschwerde in Brüssel die regelkonforme Trassenzuweisung in Italien erstreiten, da die Züge des “Gemeinschaftsprojekts von ÖBB/DB/FNM” bei der Fahrt von Norden nach Süden (also bei der Einreise von Österreich nach Italien) ab 13.12.09 AUFGRUND DER DISKRIMINIERUNG DURCH RFI AM BRENNER EINEN LANGEN AUFENTHALT haben. Durch Beseitigung der von RFI verursachten Diskriminierung soll erreicht werden, dass das “Gemeinschaftsprojekt von ÖBB/DB/FNM” hinkünftig bessere Fahrplantrassen erhält und der eben angesprochene lange Aufenthalt am Brenner bei der Fahrt von Norden nach Süden in Zukunft wegfallen kann. Denn der von RFI durch Bevorzugung von TI erzwungene lange Aufenthalt der Züge des “Gemeinschaftsprojekts von ÖBB/DB/FNM” ist insbesondere auch deshalb äußerst kontraproduktiv, weil ÖBB/DB/FNM am Brenner AUFGRUND DES GEPLANTEN EINSATZES VON ZWEISYSTEMLOKOMOTIVEN KEINEN LOKOMOTIVWECHSEL mehr vornehmen wollen. Durch diese Maßnahme kann nach Aufhebung der von RFI verursachten Diskriminierung des “Gemeinschaftsprojekts von ÖBB/DB/FNM” die FAHRZEIT DER EC-ZÜGE VERKÜRZT werden.

Martin Teißl
Sprecher des ArbeitsKreises FAHRGAST Tirol
Internet: http://www.fahrgast-tirol.at

Thomas Widmann in der heutigen Dolomiten:
“Wir sind ab 13. Dezember tatsächlich von Rom abgeschnitten. Zum Glück gibt es bald vier Mal täglich einen Flug.”

Und wieder mal macht Widmann Schleichwerbung für den Flughafen.
Aber schauen wir uns die Situation an, wie sie in der Realität ist.

Mit dem alten Fahrplan:
ES 9313: Bozen 16:06, Roma Termini 21:59 -> Fahrtzeit: 5:53 h

Mit dem neuen Fahrplan
R 2263: Bozen 16:31, Verona Porta Nuova 18:17
ES AV 9457: Verona Porta Nuova 18:55, Roma Termini 21:55 -> Fahrtzeit: 5:24 h

Widmann sollte das nächste Mal den Fahrplan studieren, bevor er so einen Blödsinn von sich gibt. Und so jemand nennt sich Mobilitäts-Landesrat.

Sicherlich wäre es angenehmer, einen Direktzug nach Rom zu haben. Und das ändert auch nichts an der Tatsache, dass das Vorgehen von Trenitalia skandalös ist: Bozen und Trient zur Zahlung von Geldern zwingen und dann noch auf der Brennerlinie einfach ein paar Minuten vor den ÖBB/DB-Zügen eigene Züge in den Fahrplan einzubauen.

Aber Widmann sollte diesen Umstand nicht ausnutzen, um wieder mal Werbung für seinen geliebten Flughafen zu machen.

Na wenigstens schon mal bei den Zügen ein “Los von Rom” :D

Aber im Ernst:
mich würde es nicht wundern wenn die SVP Mannen in der Landesregierung insgeheim wegen dieser Entscheidung jubeln, so haben sie wieder einen Vorwand (unsere Steuer-)Millionen in den Flughafen zu buttern!

Laut Südtirol Online sind die Fahrscheine für die neuen DB-ÖBB-Eurocities nicht am Bahnhof erhältlich — weil dort die Ticketschalter von Trenitalia betrieben werden. Was ist das für ein System, wo die Trassen an mehrere Mitbewerber vergeben werden, wesentliche Dienstleistungen am Bahnhof jedoch nicht vom Netzbetreiber (RFI) für alle, sondern vom Ex-Monopolisten feudal verwaltet werden? Einfach nur katastrophal…

Noch einen kleinen Missstand gibt es im Südtirol der Schweizer Verhältnisse: Kommende Woche geht es mit dem neuen Fahrplan los, aber er ist bis heute nirgends erhältlich. Wie soll man da planen können??? Das könnte man auch unter dem Thema Planungssicherheit als Standortnachteil (Stichwort: Grenze gibt es nicht) nennen.

Heute habe ich am Bhf Bozen endlich einen aktuellen Bahnfahrplan der Mobilitätsabteilung erhalten. Zwei Tage nachdem er in Kraft getreten ist. Eine Kundin hat sich am Schalter beklagt, in Trient bekomme man selbst heute noch keinen.

Im Heft sind auch Infos zu den neuen ECs (ÖBB/DB/LeN) enthalten, u.a. heißt es, dass zwischen Trient und Innsbruck zwar keine Abos, sehr wohl aber die Wertkarten des Verkehrsverbundes gültig sind. War das bekannt? Mir nicht.

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Eine undichte Stelle im Mobilitätsressort versichert zudem, dass Eigentümer Centostazioni (Staatsbahnen) im Eingangsbereich des Bozner Bahnhofs ein Einkaufszentrum plant, während der Bahnhofszugang in die Seitenflügel verlegt werden soll. Fürwahr Schweizer Verhältnisse — Service weicht Kommerz.

Hans Heiss hat bei der Haushaltsdebatte im Landtag gesagt, dass Südtirol den Zug nach Rom hätte bezahlen sollen. Was soll man als grüner Wähler dazu noch sagen?

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