Auf Frosch folgt Hirsch.

In einer Pressemitteilung kritisieren die Jungen Grünen die gegenwärtige Ausstellung im Museion scharf. In »Madame Hirsch« porträtiert die Fotografin Brigitte Niedermair das mondäne Leben der Renate Hirsch Giacomuzzi.
»Geschmacklos« nennen das die Jungpolitiker in Krisenzeiten und meinen damit nicht so sehr die Kunst, sondern die Opportunität, eine derartige Ausstellung überhaupt zu organisieren: »Die Werktätigen, welche alle Steuern zahlen müssen und Steuerparadiese nur vom Namen her kennen, dürfen diese, ihre eigene Verhöhnung auch noch selbst bezahlen.« Damit erliegen die Grünen dem selben zensorischen Reflex wie dazumal die Gegner von Kippenbergers Frosch, die ebenfalls über die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Werk hinausgeschossen waren.
Sie zeigen, dass ihnen auch der Frosch bloß ob seiner provokativen Wirkung genehm war, dass sie aber selbst nicht viel von der Freiheit der Kunst und der Unabhängigkeit einer Museumskuratorin halten.

Ihren Vorwurf, nach der Froschaffäre werde nur noch »biedere» Kunst gezeigt, kann man nach so kurzer Zeit noch nicht bestätigen. Auf ähnliche Weise könnte man aber sagen, die Jungen Grünen hätten sich nach der Selbstbestimmungs-Affäre auf sichereres Terrain zurückgezogen. Bei dieser Pressemitteilung ist schließlich nicht zu erwarten, dass sie auf Druck der Mutterpartei zurückrudern müssen.

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