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Deutschkurs für Geflüchtete dank ausländischer Hilfe.
Eisacktal

Bei einem internen Firmengespräch hatte meine Partnerin neulich gegenüber einem Vorgesetzten beiläufig erwähnt, dass sie gerade dabei ist, einen Deutschkurs für Geflüchtete aus der Ukraine zu suchen und dass das in Südtirol erstaunlicherweise äußerst schwierig sei.

Wenig später kam ihr Arbeitgeber auf sie zu und erklärte sich dazu bereit, einen Sprachkurs mit mehreren Tausend Euro zu finanzieren — obschon die Firma ihren Sitz im EU-Ausland (und hierzulande nicht einmal eine Niederlassung) hat.

Nur wenige Wochen später ist es nun tatsächlich so weit: Eine von uns organisierte, professionelle Sprachlehrerin wird in Brixen ab Mitte Mai zweimal wöchentlich einen speziell auf ukrainische Geflüchtete zugeschnittenen, für die Teilnehmenden völlig kostenlosen Deutschkurs halten.

Das ist einerseits sehr erfreulich. Andererseits halte ich es für eine (nicht nur sprachpolitische) Bankrotterklärung, wenn sich eine Firma ohne wirklichen Südtirolbezug dazu veranlasst sieht, einen Deutschkurs für Geflüchtete zu finanzieren, weil die öffentlichen Institutionen hierzulande nichts tun.

Es ist ja nicht so, dass vorhandene Deutschkurse bereits ausgebucht oder etwa nicht nach unserem Geschmack gewesen wären. Nein — es existieren im gesamten Eisacktal keine, weil Land und Gemeinden außerstande (bzw. nicht gewillt) sind, zeitnah etwas auf die Beine zu stellen.

Das macht im wahrsten Sinne des Wortes: sprachlos. Und wütend.

Der Sprachkurs hat mit BBD nichts zu tun. Trotzdem wäre es unangemessen, hier nur darüber zu berichten. Da noch Plätze frei sind, können uns Interessierte folglich auch von hier aus kontaktieren. Wir stellen gerne einen Kontakt zur Sprachlehrerin her.

Siehe auch 1/ 2/

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3 replies on “Deutschkurs für Geflüchtete dank ausländischer Hilfe.
Eisacktal

Jetzt bin ich echt baff.

Gestern hatte ich den obigen Beitrag, wie wir es mit allen neuen Beiträgen machen, unter anderem auf Twitter geteilt. Prompt wurde ich von einer verärgerten »Referentin« mit einem höflichen

Mit Verlaub, wos ischen des fir a Blödsinn

angefahren. Sie selbst habe eine geflüchtete Ukrainerin in ihrer Gruppe, die »nach einer Woche« aufgenommen worden sei, obwohl der (Deutsch-)Kurs schon begonnen hatte.

Dass das Angebot womöglich nicht ausreichend beworben worden sein könnte, ließ sie nicht gelten — obwohl Freunde von uns, die Geflüchtete aufgenommen haben, aber auch wir und nicht zuletzt die Geflüchteten selbst mehrmals bei verschiedenen öffentlichen und privaten Akteuren (Gde. Brixen, KVW, Sprachschulen, VHS) Informationen eingeholt und nichts über einen Deutschkurs für Geflüchtete erfahren haben.

Ihr Argument:

Also wenn N[.] aus Kyiv den gefunden hat dann werdets ihr das wohl auch herausfinden, macht mich nicht fertig!

Einleuchtend. Wenn eine oder mehrere Personen irgendetwas finden, weil sie vielleicht einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren, müssen es zwangsläufig auch andere finden. Sonst sind sie eben selbst schuld. Oder zu blöd.

So — nämlich nach dem Motto »werden sie schon selber rausfinden, wenn sie wirklich wollen« — scheinen ja in öffentlichen Verwaltungen mehrere zu ticken, doch von einer jungen Sprachlehrerin bzw. »Referentin« hätte ich mir was anderes erwartet.

Meinen durchaus sarkastischen Hinweis auf ihr merkwürdiges Argument quittierte sie abschließend noch mit dem (armseligen) Vorwurf, ich wolle mich eh nur als Wohltäter profilieren, anstatt mich zu informieren.

Dabei hatte ich eigentlich bis zuletzt gehofft, mir die Blöße (vor allem den Geflüchteten gegenüber) doch noch sparen zu können, einen Sprachkurs auf Kosten einer ausländischen Firma organisieren zu müssen, weil unsere Institutionen es nicht hinkriegen.

P.S. (1): Sie hat mir übrigens bis zuletzt nicht verraten, wo dieser ominöse Kurs stattfindet.

P.S. (2): In dem kritisierten Beitrag von mir geht es gar nicht vordergründig um die Sprachschulen, die keine Kurse anbieten (oder publik machen), sondern ganz ausdrücklich um die öffentlichen Institutionen, die die Aufgabe hätten, bei uns Ankommenden niederschwellig bzw. proaktiv die nötigen Informationen anzubieten und notfalls selbst dafür zu sorgen, dass es die Sprachkurse überhaupt gibt.

Es wird ja immer gern davon geschwafelt, dass sich Zuwandernde angeblich nicht integrieren wollen. Ich habe das genaue Gegenteil erlebt. Dann müssen wir ihnen aber auch die Möglichkeit geben, dies zu tun — ohne erfolglos von Pontius zu Pilatus zu laufen. Und das ist eine öffentliche Aufgabe.

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