IBK vs. BZ.

Die Landeshauptstadt Innsbruck (126.851 Einwohner) und die Landeshauptstadt Provinzhauptstadt Bozen (105.713 Einwohner) sind freilich nur bedingt vergleichbar. Dennoch lassen sich in Sachen Dynamik und Entscheidungsfreudigkeit — zumindest was die städtische Entwicklung betrifft — Unterschiede ausmachen, wie sie größer nicht sein könnten. Zwar produziert auch Innsbruck den einen oder anderen Griff ins Klo und ist die Bozner Stadtverwaltung nicht für jede Fehlentwicklung alleine verantwortlich, wie sich auch die Innsbrucker Stadtregierung nicht alle Erfolge auf die eigenen Fahnen schreiben kann, aber im direkten Vergleich der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte schneidet Bozen desaströs ab.

  • In Innsbruck wurde innerhalb von drei Jahren ein komplett neuer Bahnhof (mit Schließfächern 🤗) inklusive Busbahnhof, Bahnhofsvorplatz und Bahnhofshotel aus dem Boden gestampft. Der Verkehr wurde unterdessen im Vollbetrieb (25.000 Fahrgäste pro Tag) ohne größere Probleme weitergeführt. Max Weilers wertvolle Fresken wurden erhalten und in einer aufwändigen Aktion im neuen Gebäude wieder aufgehängt.
  • In Bozen hat allein die Renovierung der Bahnhofsfassade länger als der komplette Neubau in Innsbruck gedauert. Ganz zu schweigen von den Mini-Umbauten, die auch nach Fertigstellung halbfertig aussehen und Jahre gebraucht haben. Die Arbeiten standen zwar unter der Schirmherrschaft von Centostazioni, das “Endprodukt” ist aber dennoch bezeichnend für Bozen. Und der Busbahnhof ist nach wie vor eine Katastrophe und erinnert vom Charme her eher an Weißrussland oder Nordkorea.
  • In Innsbruck wurde am Bergisel in wenigen Jahren ein komplett neuer Museumskomplex zur Landesgeschichte errichtet, der Teil der Landesmuseen mit einheitlichem Konzept ist. Das berühmte Rundgemälde wurde erfolgreich von der ehemaligen Hungerburgbahntalstation in das neue “Tirol Panorama” verfrachtet.
  • In Bozen entstand zwar das Museion, jedoch diskutiert man auch seit seiner Entdeckung über eine würdigen Platz für den Ötzi. Und das Stadtmuseum ist aufgrund von Untätigkeit seit 2003 mehr oder weniger geschlossen.
  • In Innsbruck wurden sämtliche Straßenschilder erneuert. Sie sind alle orthographisch korrekt und bieten Informationen über die Namensgebung.
  • In Bozen existieren allein von der Trienter Straße fünf verschiedene Schreibweisen auf offiziellen Straßenschildern.

DSC_0006-(3)Bozen steht eher auf der Bremse: Blick von der Trienter Straße (sorry, Trientnerstraße bzw. Trento Strasse) zum Verdiplatz mit der zerfallenden jedoch denkmalgeschützten Tankstelle, von wo aus einst eine Standseilbahn auf den Virgl führte.

  • In Innsbruck wurde die Universitätsbibliothek, die zugleich Landesbibliothek ist, aufwändig umgebaut und zu einem modernen Bibliothekszentrum umgestaltet.
  • In Bozen ist das Thema “Bibliothekszentrum” ein Dauerbrenner, der nach wie vor einer Lösung harrt.
  • In Innsbruck wurden drei zusätzliche Großkaufhäuser (Tyrol, West, Rathaus Galerien) zu den bestehenden (DEZ, Sillpark, Cyta in Völs) gebaut.
  • In Bozen entzweit und lähmt ein geplantes Kaufhaus die Stadt, während ein anderes (Twenty) rechtlich umstritten errichtet und ausgebaut wurde.
  • In Innsbruck wurde ein komplett neues Nahverkehrs- und Straßenbahnkonzept umgesetzt und ein neuer Autobahnanschluss (Mitte) gebaut, die Autobahn eingehaust sowie der Südring im Bereich der Olympiabrücke verbreitert und bei der Kreuzung Tivoli untertunnelt.
  • In Bozen wurde am Bahnhofsvorplatz gerade einmal ein Zebrastreifen errichtet, ist die Eisackuferstraße nach wie vor ein Nadelöhr und steht eine Einhausung der Autobahn bzw. eine Umfahrung nicht wirklich in den Startlöchern. Eine Verkehrslösung für das Überetsch hängt in der Luft.
  • In Innsbruck gibt es einen funktionierenden Flughafen.
  • In Bozen wird ein nicht funktionierender Flugplatz hoch subventioniert.
  • In Innsbruck wurde die Nordkette (2269 m ü. A.) in weniger als zwei Jahren Bauzeit über ein modernes und für Touristen attraktives Verkehrs- und Seilbahnsystem an das Stadtzentrum angebunden.

In Innsbruck geht’s bergauf: Station “Alpenzoo” der Hungerburgbahn von Zaha Hadid.

  • In Bozen errichteten das Land und Private zwar die Rittner Seilbahn, eine Lösung für den “Hausberg” Virgl (510 m ü. A.) wird jedoch seit gefühlt 200 Jahren diskutiert, ohne dass es einen Hauch von konkreten, umsetzbaren Schritten gibt. Die Seilbahnen nach Kohlern und Jenesien sind von anno Schnee.
  • In Innsbruck wurden ein neues Fußballstadion (für internationale Spiele bis 16.000 Zuseher zugelassen), eine neue zusätzliche Eishalle sowie eine neue Schisprungschanze errichtet und die Olympiaworld (Olympiahalle, Bob- und Rodelbahn usw.) renoviert.
  • In Bozen verfällt das im Jahr 2000 renovierte Drususstadion (3000 Zuschauer, entspricht nicht einmal den Anforderungen der Serie B).
  • In Innsbruck wurde die Innenstadt im Bereich der Maria-Theresien-Straße komplett umgebaut und zur Fußgängerzone gemacht. Zudem wurde ein neues Rathaus inklusive Bürgerzentrum fertiggestellt.
  • In Bozen verkommt der Bahnhofspark am Eingang zur Innenstadt und der Obstmarkt im Herzen der Stadt ist ein Dauerpolitikum.
  • In Innsbruck bauen renommierte Architekten wie Zaha Hadid (Bergiselschanze, Hungerburg- und Nordkettenbahn), David Chipperfield (Kaufhaus Tyrol) und Dominique Perrault (Rathaus) neue architektonische Wahrzeichen.
  • In Bozen streitet man seit 90 Jahren und auch nach der Eröffnung des Dokumentationszentrums über das “architektonische Wahrzeichen” Siegesdenkmal.
  • In Innsbruck wurden seit 2005 die Fußballeuropameisterschaft, Eishockeyweltmeisterschaft, Universiade, Handballeuropameisterschaft, Volleyballeuropameisterschaft, American-Football-Weltmeisterschaft und die olympischen Jugendspiele abgehalten.
  • In Bozen entspricht die Infrastruktur meist nicht den heutigen Ansprüchen derartiger sportlicher Großereignisse.