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Pustertaler Freiheit.

Ein Blogleser hat den Innichner Tourismusverein (TV) auf den -Artikel über die Digitalanzeige am Ortseingang aufmerksam gemacht. Die Antwort, die ihm der Präsident des TV daraufhin geschickt hat, ist derart skandalös, dass er sie mir zur Kenntnisnahme weitergeleitet hat. Es hat aber noch mehrerer Tage und einiger Überredungskünste bedurft, bis sich unser Blogleser einverstanden erklärt hat, dieses Schmankerl zu veröffentlichen. Der Herr — der auch Gemeindereferent unter BM Tschurtschenthaler (SVP) ist — hat in seiner öffentlichen Rolle als TV-Präsident gehandelt. Und wie ich finde hat die Öffentlichkeit das Recht (oder zumindest ein Interesse) zu erfahren, wie manch voll…autonomer »Volksvertreter« tickt:

Sehr geehrter Herr [Blogleser]!

Es wird immer interessanter[,] wie sich die gebildete Klasse Südtirols sich [sic] solcher Probleme annimmt!

Eigentlich müssen wir uns glücklich schätzen, dass das die einzigen Probleme sind [, die] wir in Südtirol haben!

Eines muss ich Ihnen klarstellen, dass was wir in Innichen publizieren geht sie [sic] gar nichts an und vor allem

Interessieren mich Belehrungen in dieser Art gar nicht!!!

Jedenfalls werde ich, als Verantwortlicher[,] anordnen[,] nichts zu ändern!

Zum guten Schluss lade ich Sie gerne zu einem persöhnlichen [sic] Gespräch im TVerein Innichen ein[,] um noch mal

Eindringlich meinen Standpunkt zu überbringen, auch weil ich die schriftlichen Sachen als [sic] unpersöhnlich [sic] finde!

Und eins ist klar, dass wir genüber Ausländern unser Dorf in gewollter Weise immer mit San Candido kommunizieren und dies

Aus folgenden Grüden [sic]:

seit 1920 gehören wir politisch zu Italien

für ausländische Gäste sind wir Italiener

interessieren unsere ausländische [sic] nicht[,] was in Südtirol politisch
abgeht!!

4. haben wir nicht genug Personal[,] um allen Gästen unsere
Vergangenheit zu erklären!

Ganz zum Schluss möchte ich Ihnen sagen[,] dass ich Doppelstaatsbürger bin AUT/ITA[,] deswegen finde ich es als tief beleidigend[,] mir ethische Diskurse über unser Deutschtum zu machen!

Mit freundlchen [sic] Grüssen [sic]

[Name]

Tourismusvereinspräsident

Außendarstellung Ortsnamen Tourismus | Doppia Cittadinanza Italianizzazione Zitać | | | Südtirol/o | SVP | Deutsch

25 replies on “Pustertaler Freiheit.”

:D

Achso, das meint der ja wirklich ernst.
So etwas unreflektiertes habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

seit 1920 gehören wir politisch zu Italien

Falsch!
Wenn man schon italophil ist, sollte man wenigstens die eigene Geschichte kennen.

für ausländische Gäste sind wir Italiener

Falsch!
Wenn man natürlich mit solchen Leuten an der Spitze des TV Werbung machen muss in Zukunft ganz bestimmt…

interessieren unsere ausländische nicht was in Südtirol politisch abgeht!!

Wieder Falsch!
Jeder halbwegs aufmerksame Urlauber informiert sich vorher über das Land in das er reist. Aber vllt zielt Innichen ja auf ein ganz anderes Klientel…

haben wir nicht genug Personal um allen Gästen unsere
Vergangenheit zu erklären!

Man mal so etwas tolles wie Infotafeln erfunden, k.A. ob das schon nach Innichen vorgedrungen ist…

Wenn so oder ähnlich große Teile der Sammelpartei über unser Land und unsere Ortsnamen denken würden, wäre dies schon sehr bedenklich. Man kann nur hoffen -und ich persönlich denke das auch- dass dies Einzelfälle sind.
Man merkt aber hier schon den Unterschied zwischen einem eher konservativ (und sehr wirtschaftlich-touristisch – Stichwort Geld regiert die Welt) geprägten Land und etwa einem Land wie Katalonien, wo sich weltoffene Studenten für die Selbstbestimmung und Eigenheit ihres Landes einsetzen.

Katalonien ist ebenfalls stark touristisch, aber weniger konservativ und klerikal geprägt als Südtirol, wobei sich bei uns diesbezüglich während der letzten Jahre und Jahrzehnte einiges getan hat. Der unterschiedliche Einfluss der Kirche lässt sich auch damit erklären, dass sie hierzulande während des Faschismus dafür gesorgt hat, dass wenigstens punktuell Deutschunterricht angeboten werden konnte, während sie in Katalonien sehr stark mit dem Franco-Regime zusammengearbeitet hat.

Katalonien, wo sich weltoffene Studenten für die Selbstbestimmung und Eigenheit ihres Landes einsetzen

Auch das hat sich ja bei uns geändert, Stichwort:

Es wird immer interessanter wie sich die gebildete Klasse Südtirols sich solcher Probleme annimmt!

seit 1920 gehören wir politisch zu Italien

Falsch!
Wenn man schon italophil ist, sollte man wenigstens die eigene Geschichte kennen.

Da hat der presidente dell’associazione turistica sogar Recht. Südtirol wurde zwar schon 1918 besetzt, aber erst 1920 offiziell annektiert.

Und noch mein Senf dazu:

Es wird immer interessanter wie sich die gebildete Klasse Südtirols sich solcher Probleme annimmt!

Ob er das ernst meint? ;)

Eigentlich müssen wir uns glücklich schätzen, dass das die einzigen Probleme sind wir in Südtirol haben!

Dieser ewige Schmarrn von den einzigen und wichtigsten Problemen. Normale Menschen sind imstande, sich mehreren Dingen gleichzeitig zu widmen und sind nicht gezwungen, Probleme nach Priorität geordnet der Reihe nach abzuarbeiten. Sonst wären sie gar nicht überlebensfähig.

Eines muss ich Ihnen klarstellen, dass was wir in Innichen publizieren geht sie gar nichts an und vor allem

Interessieren mich Belehrungen in dieser Art gar nicht!!!

Dass er beratungsresistent ist und dies auch einsieht, spricht (nicht) für ihn. Dass es uns nichts angeht, stimmt aber nicht. Privat und journalistisch (im weiteren Sinne) hat jeder das Recht, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen*, selbst wenn gesetzlich geregelt wäre, dass rechtlich nur die jeweilige Gemeinde zuständig ist. Das ist aber nicht einmal der Fall.
Und dass ein privater Verein entscheiden darf, wie eine Gemeinde an einem öffentlichen Gebäude (Zivilschutzzentrum) ihre Gäste begrüßt, ist auch nicht gerade demokratisch.

Jedenfalls werde ich, als Verantwortlicher anordnen nichts zu ändern!

Muss man das anordnen?

Zum guten Schluss lade ich Sie gerne zu einem persöhnlichen Gespräch im TVerein Innichen ein um noch mal

Eindringlich meinen Standpunkt zu überbringen, auch weil ich die schriftlichen Sachen als unpersöhnlich finde!

Unpersönlich naja… aber vielleicht kann er sich ja mündlich besser ausdrücken. Man fragt sich schon, aufgrund welcher Qualifikation Leute in ein Amt gehievt werden, bei dem sie PR-Aufgaben übernehmen müssen.

Und eins ist klar, dass wir genüber Ausländern unser Dorf in gewollter Weise immer mit San Candido kommunizieren und dies

Aus folgenden Grüden:

seit 1920 gehören wir politisch zu Italien

Das ist doch kein Grund für italienische Ortsnamen, es sei denn wir folgen der Logik von Tolomei, dass Zugehörigkeit zu Italien eine flächendeckende Übersetzung von Ortsnamen erfordert. Es gibt Ortschaften, die gehören politisch zu Frankreich und haben gar keinen französischen Ortsnamen.

für ausländische Gäste sind wir Italiener

Hmmm… dessen bin ich mir nicht so sicher. Die meisten wären vermutlich enttäuscht, wenn sie tatsächlich mit der Erwartung hierher kämen, in eine normale italienische Region zu reisen. Da müssten sich unsere Touristiker noch ein bisschen mehr für die Assimilierung der Südtiroler einsetzen.

interessieren unsere ausländische nicht was in Südtirol politisch
abgeht!!

Selbst wenn das zuträfe, wäre es kein Grund für italienische Ortsnamen. Aber wie Flo richtig schreibt, ist das völliger Schmarrn: Die meisten denkenden Menschen, die sich nicht in einen Ferienclub einsperren und von der Außenwelt abschotten lassen, interessieren sich umfassend für ihr Urlaubsziel.

4. haben wir nicht genug Personal um allen Gästen unsere
Vergangenheit zu erklären!

Erstens geht es nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Gegenwart, und zweitens gibt es neben Displays mit einer beschränkten Buchstabenanzahl auch noch Bücher, Infotafeln, Faltblätter und Prospekte. Ich glaube kaum, dass die Gäste von Innichen allesamt Analphabeten sind, denen man alles mündlich erklären muss (was gegen Displays, aber für Audio-Guides sprechen würde).

Ganz zum Schluss möchte ich Ihnen sagen dass ich Doppelstaatsbürger bin AUT/ITA deswegen finde ich es als tief beleidigend mir ethische Diskurse über unser Deutschtum zu machen!

Ja, bei diesen fabelhaften Sprachkenntnissen müssen wir uns echt nicht darüber unterhalten. »Deutschtum«, wenn ich dieses Wort schon lese…

___________________________________
*) sonst muss er sein Display schon zuhause im Wohnzimmer aufstellen

… eigentlich will ich einfach nicht glauben, dass ein Tiroler Tourismusverantwortlicher (der auch Österreicher ist), sich in Form und Inhalt wissentlich eine derartige Blöße gibt!

Das ist doch kein Grund für italienische Ortsnamen, es sei denn wir folgen der Logik von Tolomei, dass Zugehörigkeit zu Italien eine flächendeckende Übersetzung von Ortsnamen erfordert. Es gibt Ortschaften, die gehören politisch zu Frankreich und haben gar keinen französischen Ortsnamen.

Es gibt auch Orte, die politisch zu Italien gehören und gar keinen italienischen Ortsnamen haben. In meinem vorigen Kommentar erwähnte ich als Beispiel Calimera (LE). Offenbar sieht man das Thema in Süditalien gelassener.

Eines muss ich ganz klar stellen, Herr Direktor des Tourismusvereins von Innichen: Sie haben nur geringe Kenntnisse der deutschen Sprache; das Niveau, das Sie hier bezeugen, ist eines Direktors unwürdig. Vom Inhalt will ich mal gar nicht sprechen, dazu haben meine Vorredner schon Stellung genommen.

Wenn jetzt schon Menschen dieses Niveaus (sprachlich und inhaltlich) Chef eines Tourismusvereins werden, wirds mir Angst und Bange um die Zukunft Südtirols. Wirklich unglaublich, eigentlich gehört so jemand aus dem Amt entfernt, wobei ein Bürgermeister, der in Tricolore gehüllt einer Kranzniederlegung bei den Beinhäusern beiwohnt, natürlich die Richtung in einer Gemeinde bereits vorgegeben hat.

Insgesamt scheint der Ausverkauf der Heimat, seit neuestem ja nur noch Val Gardena, aber auch immer häufiger Alta Pusteria, jetzt wohl auch San Candido, gerade stark in Mode zu kommen.

Es ist schon erstaunlich wie der Herr TV-Präsident argumentiert. Gerade im Tourismus, wo jedes zweite Wort “Beitrag” heißt, der sich sogar von anderen Branchen mitfinanzieren lassen will (Stichwort: Tourismusabgabe), verbittet sich jede Einmischung. Abgesehen davon, dass zumindest die Rechtschreibung korrekt sein sollte, kann eine digitale Anzeigetafel, die sozusagen die Rolle eines Straßenschildes einnimmt, in keinem Fall als privat erachtet werden. Es wäre zudem interessant zu erfahren, wer diese Anzeigetafel letztendlich bezahlt hat (einen “Beitrag” dazu hat es sicherlich gegeben) und wer eigentlich verantwortlich ist. Eine Branche, die bekanntermaßen nicht einmal ihre Steuern bezahlt (siehe jüngste Finanzkontrollen), gleichzeitig sich jeden Schmarrrn finanzieren lassen will, hat nicht einmal die mindeste Sensibilität für unsere Kultur und Sprache. Einfach dumm!

seit 1920 gehören wir politisch zu Italien

für ausländische Gäste sind wir Italiener

interessieren unsere ausländische nicht was in Südtirol politisch
abgeht!!

4. haben wir nicht genug Personal um allen Gästen unsere
Vergangenheit zu erklären!

Entsteht nicht spätestens, wenn die Touristen ein zweisprachiges Schild sehen oder merken, dass die Südtiroler vor allem Deutsch reden, Erklärungsbedarf über die Vergangenheit und die Gegenwart Südtirols? Wie will der TV-Präsident diese Tatsachen vor den Gästen verstecken?

ich finde es lustig, wie der Herr Krautgasser (so müsste er ja heissen) den Adressaten der gebildeten Klasse zuordnet! Das ist ein Lob!
Allerdings scheint es so, dass er – indem er diese “gebildete Klasse ” eher abfällig anspricht – sich nicht zu dieser zugehörig fühlt.

Auch eine Klarstellung!

@ otto

mich wundert vielmehr, dass man als überzeugt ungebildeter derartige positionen besetzen kann (tv-präsi und gemeindereferent).

ich würde nie jemandem grundlos seine mangelnden sprachkenntnisse vorwerfen. aber gewisse posten bedingen nun einmal auch entsprechende qualifikationen. der tourismusvereinspräsident sitzt einer institution vor, in der es vor allem um kommunikation geht. wenn deren präsident dann das deutsch eines grundschülers an den tag legt, ist das für mich erschreckend.

vom inhalt und vor allem vom tonfall mal ganz zu schweigen. wie susanne schon richtigerweise gesagt hat, gibt es da nicht mehr viel hinzuzufügen. mich würde interessieren, was z.b. kollege theiner zu einem solchen – wenigstens auf lokaler ebene doch einigermaßen prominenten – mitglied seiner partei sagt. der würde doch sowohl inhaltlich als auch sprachlich und umgangstechnisch viel besser zu donato seppi passen.

Questo succede quando degli incompetenti vengono messi a fare dei lavori per cui no hanno alcuna preparazione: in primo luogo cominciano con le gaffe, poi divengono pure arroganti. Nella fattispecie la sua risposta non contiene alcun vero argomento, ma solo tanto testosterone…

L’altro dato che emerge e si cui si può discutere è su che genere di turismo punti il Direttore in questione: non sapere che Innichen fa parte di una zona storicamente di lingua tedesca (anzi, nacque come avamposto di cristianizzazione delle popolazioni slave) è un po’ come andare a Mosca senza sapere che è esistita l’URSS… un genere di turismo così superficiale, che necessariamente può esser fatto solo di Apres ski e Mercatino di Natale, non credo sia quello cui occorra puntare per valorizzare al meglio la ricchezza del nostro territorio e mirare contemporaneamente a modelli sostenibili…

@hunter
ich vermute, in innichen sind auch beim tv-präsidenten eher wurst- und speckkenntnisse gefragt als höhere bildung. aber wie gesagt, das ist eine vermutung.

@Pervasion

Ich finde interssant wie du uns und mit den Katalanen vergleichst und du die Unterschiede auf die historische Entwicklung zurückführst, die unter anderem auch zu einer anderen Mentalität geführt hat und den Umgang mit der Situation als kulturelle Minderheit.

Spanien hatte auch eine faschistische Ära durchlebt dessen Regime sich sogar bis in die 80ziger Jahre erhalten hat. Interessanter Weise hat es aber dazu geführt, dass man den Katholizismus als Kollaborateur dieses politischen System identifiziert hat während bei uns diese Rollenverteilung nicht so klar stattfand. Aber wer die Geschichte der Faschismus in den katholischen Ländern Europas betrachtet wird feststellen dass die katholische Kirche eine bestimmte Rolle eingenommen hatte. Nicht um sonst wurde der Begriff Klerikalfaschismus geprägt.

Auch wenn viele Südtiroler am Sonntag morgen dem Messebesuch andere Freizeitbeschäftigungen vorziehen hat sich diese katholische Menthalität bis heute gehalten. Man ist entweder der brave Untertan oder das leidende Opfer, das manchmal auch zornig und agressiv werden kann.

Hier liegt meines Erachtens das Problem, dass man entweder die eigene Identität aufgibt um nicht die Gefahr zu laufen irgendwo anzuecken oder sich angegriffen fühlt und außenstehene Unterdrücker dafür verantwortlich macht und uns als unfähig erklären unsere Kultur selbständig zu erhalten ohne an einem Mutterland angebunden zu sein oder zumindest nicht im alltag mit einer “fremden” Kultur im Kontakt zu stehen.

Doch das Problem ist, dass wir hier in Südtirol nicht das Bewußtsein haben um mit einem selbstverstänis unsere Kultur zu leben un zu pflegen und unsere Kultur und Eigenheit als Minderheit positiv zu besetzen. Wir haben im Moment viele Möglichkeiten uns weiterzuentwickeln, wir schöpfen die Möglichkeiten des Autonomiestatues nicht aus, sondern beschneiden uns lieber selber und verkaufen uns als Italiener weil wir Angst haben sonst Touristen zu verschrecken. Das wir uns als Italiener in der Tourismuswerbung verkaufen wird uns von niemanden vorgeschrieben. Aber mir kommt vor so wenig wie wir selbst auf unsere Kultur pflegen (bis auf eine verstockte Brauchtumspflege) können wir gleich das Kulturassesorat dem smg unterordnen.

Naja, auch wenn einiges stimmt, was du schreibst (wobei man auch bei Katalonien zwischen Eifluss des Klerus und katholischer Mentalität unterscheiden muss), ist das insgesamt schon ein recht undifferenzierter Rundumschlag.

unglaublich!

ich hoffe schwer auf berücksichtigung dieser angelegenheit in einem printmedium…

Diese Ignoranz gegenüber Südtirols Geschichte kommt in der Sammelpartei keineswegs von ungefähr. Jeder weiß dass die Elite Südtirols aus dem Bauern (Obst)- und Wirtschaftsflügel der Volkspartei besteht. Genau jene Bereiche haben Jahrzehntelang am meisten von der Zugehörigkeit zu Italien profitiert. Viele aus diesen Kategorien sind nach dem 2. Autonomiestatut in Italien reich geworden, u.a. wegen der lässigen Steuerpolitik, staatlichen Förderungen und Autonomiebestimmmungen. Auch bestimmte Großmedien haben damit sehr gut verdient.
Das ist unser Hauptproblem. Den Eliten Südtirols geht es bisher unter Italien viel zu gut, der einfache Mann hingegen wäre z.B. bei Österreich viel besser dran (man braucht nur an die Familienförderung für Kleinverdiener zu denken).
Auch dass jede winzige Fraktion einer Gemeinde eine überdimensionale Feuerwehrhalle und eine Bibliothek braucht, der überflüssige Flugplatz in Bozen usw., sind Ausdruck dieses Überflusses, den man in diesem Ausmaß europaweit vergebens sucht. Wie jede Kultur in der Meinschheitsgeschichte wird auch Südtirol an diesem Überfluss zerbrechen und befindet sich besonders in der jetzigen Krise in Italien an einem Scheideweg.
Die Frage ist nur wie man damit umgeht und ob man die Chance ergreift, daraus etwas Neues, Bescheideneres und Besseres zu machen, wo die Leute wieder zufriedener mit dem sind was sie haben und z.B. ein wenig mehr Geschichtsbewusstsein entwickeln.
Da die meisten Menschen aber nur Mitläufer sind (in Zeiten der neuen Medien wird der Mensch aber mündiger), müssen erst einmal diese Eliten mit gutem Beispiel vorangehen und bescheidener werden. Und wie man an dem Beispiel des TV in Innichen sieht, auch ein wenig respektvoller mit unserer Geschichte umgehen.

Diese Mail an den TV Innichen hat mir der Verfasser zur Kenntnisnahme weitergeleitet:

Werter Herr,
 
als ausländischer Gast interessiert mich die Geschichte meines jeweiligenn Reiseziels.
 
Wie ich einem Südtiroler Blog entnehme, sehen Sie das anders.
 
Schade, ich werde bei meinem nächsten Besuch nach Cortina fahren, wo man seine Geschichte noch nicht vergessen hat.
 
Freundliche Grüße
 
[Name]
 
P.S.
 
“Persönlich” schreibt man – wenigstens in Deutschland – ohne “h”. Auch mit dem Unterschied zwischen “das” und “dass” scheinen Sie Probleme zu haben.

Ich bin der Verfasser der aufgeführten E-Mail. Man vergebe mit das zweite “n” in “jeweiligenn”.
Wer weiß, vielleicht qualifiziert mich ja gerade dieser Flüchtigkeitsfehler für einen gut dotierten Job im Innicher Tourismus – leider kam bisher aber kein Antwortschreiben des dortigen Managers.

“Diese Ausrufezeichen, hast du die bemerkt? Drei? Ein sicheres Zeichen dafür, daß jemand die Unterhose auf dem Kopf trägt.”

…wer Geschichte ignoriert, kann keine zivilisierte Zukunft gestalten. Bei besinnlichem Blick in eure Gegend fällt mir schon auf, dass “geldbeutelorientiert” man sich gerne auf die entsprechende Seite schlägt. Und wenn man nur auf die italienische Küche in einem gutsituiertem Lokal aufmerksam macht, … (So dieser Tage im schönen Eisacktal) Soziale Belange scheint es bei Euch nicht zu geben. Armut ist ein schweres Wort. Der gewöhnliche Nazismus is kein guter Ratgeber. Da war Andreas Hofer ja schon ein EU-Bürger und selbst Sepp Kerschbaumer wohl weitsichtiger. :-)
Arroganz von Reichtum macht sich nicht nur bei Euch breit. Dies wird uns mehr und mehr begleiten, wenn nicht….. Dieser macht weder vor ST, D, AT oder oder halt, egal welche Sprache sie sprechen.
Vielleicht meinte ja dieser Herr solche Erscheinungen??? Vielleicht weiss er doch gar nicht, dass gerade in seiner Nähe es nicht nur I und D- sprachige gibt, sondern auch das L(ad) und sich überrumpelt fühlte ;-) Ja; Rechtslastigkeit ist im Torismusgeschäft in der Regel gift.

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