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Zweisprachige Schule.

Individuum und Gesellschaft.

In letzter Zeit wird in Südtirol wieder verstärkt die zwei- oder mehrsprachige Einheitsschule, bzw. die zwei- oder mehrsprachige Schule als Zusatzangebot zu den bestehenden Modellen gefordert. In erster Linie sind die Eltern um diesen Dammbruch bemüht, eine Umfrage des Sozialforschungsinstitutes Apollis legt sogar nahe, dass – im Widerspruch zur politischen Stimmung – eine äußerst breite Mehrheit der Gesamtgesellschaft diese Umstellung wünscht. Unklar bleibt, welches Modell dabei angestrebt wird.

Zu sagen ist, dass eine Schule, in der beide Sprachen gleichermaßen als Unterrichtssprachen dienen, auch mir sehr erstrebenswert scheint. Für’s Individuum, das kann ich als mehrsprachig aufgewachsener Mensch auch aus eigener Erfahrung bestätigen, kann man die Vorteile einer hohen Kompetenz in mehreren Sprachen kaum überbewerten. Es ist im Übrigen hinreichend erwiesen, welch positive Auswirkungen ein Schulsystem auf Immersionsbasis für den einzelnen Schüler hat, und dass man Menschen am besten im jüngsten Kindesalter mit zusätzlichen Sprachen konfrontiert.

Was jedoch in Deutschland oder Frankreich, ja in Trient oder Innsbruck reibungs- und bedenkenlos funktionieren kann, da mehrsprachige und Immersionsschulen von einem klar definierten und »kohädierten« Kontext gesäumt werden, kann und wird im Umfeld einer Minderheit zu Spannungen, wenn nicht zu herben Verlusten in der tatsächlichen gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit führen.

Dass die mehrsprachige Schule niemals ein Zusatzangebot sein wird, verschweigen deren Befürworter gerne, um noch größere Widerstände zu vermeiden. Es ist jedoch so gut wie ausgemacht, dass sich diesem Schulmodell kaum jemand wird entziehen können, sobald es existiert. Jeder, der dann seinen Nachwuchs in eine Schule des heutigen, des »alten« Modells schickt, nimmt zunächst eine herbe Benachteiligung seines Kindes billigend in Kauf — sowohl in der Gesellschaft, als auch auf dem Arbeitsmarkt. Die »einsprachig« deutsche und italienische Schule blieben dann vermutlich Horte nationalistischer Hitzköpfe, wo Eltern auf Kosten ihrer Kinder Politik betrieben, und sollten wohl besser ganz geschlossen werden.

Falls die mehrsprachigen Schulen hingegen Aufnahmetests durchführten, um die Überforderung von weniger gut vorbereiteten Kindern zu vermeiden, ist mit einer sprachlichen Klassengesellschaft zu rechnen, in der einige vom öffentlichen Schulsystem wesentlich bessere Voraussetzungen für’s Leben garantiert bekommen, als andere.

Eine Umstellung des Schulsystems darf jedenfalls nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wer von den Vorteilen der Immersion für’s Individuum undifferenziert auf angebliche Vorzüge für die Gesellschaft schließt, nimmt eine Abkürzung, die unter Umständen in eine Sackgasse ohne Wendemöglichkeit führt.

Das Ergebnis einer durch und durch mehrsprachigen Schule kann (vorerst) nichts anderes sein als eine durch und durch mehrsprachige Gesellschaft. Ein Idealzustand für ein Land wie Südtirol, wo mehrere Sprachen beheimatet sind. Ein Idealzustand jedoch, der ohne die nötigen Vorkehrungen das Zeug hat, in kürzester Zeit zumindest eine Sprache auszulöschen. Denn in diesem Land gibt es inzwischen ein in seiner Art zwar teilweise unbefriedigendes, jedoch sehr fein austariertes Gleichgewicht zwischen den Sprachen, das ein neues Schulsystem sehr schnell aus den Fugen geraten lassen kann.

Mir ist weltweit keine durch und durch mehrsprachige Gesellschaft — wo also die Mehrsprachigkeit der Gesamtheit auch einer völligen Mehrsprachigkeit jedes Einzelnen entspricht — bekannt, die sich auf Dauer gehalten hätte, ohne eindeutig zugunsten der einen oder anderen Sprache zu kippen: Bereits wenn zehn perfekt Mehrsprachige an einem Tisch zusammensitzen, kann man deutlich beobachten, wie in kürzester Zeit eine der Sprachen die Überhand gewinnt und die andere(n) de facto »ausschaltet«. Aus welchem Grund auch sollte eine ganze Gesellschaft in ihrem Alltag [!] den Aufwand betreiben, mehr als eine Sprache aufrecht zu erhalten, wenn sämtliche Mitglieder (zumindest) eine dieser Sprachen perfekt beherrschen? Im Falle einer Minderheit in einem Nationalstaat scheint mir dies sogar unmöglich. Mit welcher Begründung sollte man sprachliche Sonderrechte einfordern, wenn sämtliche Bürger auch die Staatssprache so gut wie ihre Regionalsprache sprechen?

Risikomanagement.

Wir haben in diesem Land einen großen Schatz, den wir »gesellschaftliche Mehrsprachigkeit« nennen könnten. Dieser Schatz resultiert heute aus einer unvollkommenen »individuellen Mehrsprachigkeit«, die jedoch auf Dauer nicht befriedigend ist, da sie dem gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht förderlich ist.

Aber: Wir haben einen einigermaßen gesunden Patienten und eine sofortige Behandlung, durch die wir seinen vorzeitigen Tod riskieren. Wollen wir tatsächlich Hand anlegen? Oder sollten wir vielmehr zuerst die Risiken minimieren?

Konsens bei war bisher, dass die beste Voraussetzung für die Zusammenführung von gesellschaftlicher und individueller Mehrsprachigkeit die Unabhängigkeit unseres Landes wäre; nicht Unabhängigkeit per se, sondern eine speziell auf Kohäsion bedachte, auf Pluralismus ausgerichtete. Eine sofortige Lösung im hier und jetzt würde ich befürworten, wenn es eindeutige Zeichen gäbe, dass sie glücken würde. Ich sehe keine.

Dies heißt jedoch auch nicht, dass ich auf den St.-Nimmerleinstag vertröste und bis dahin Untätigkeit anrate. Wenn ich hier stets das katalanische Modell anpreise, so weil die Katalanen m. E. ein für eine Minderheit sehr hohes Maß an gesellschaftlichem Zusammenhalt und Konsens für Autonomie und Eigenregierung geschaffen haben. Der Dreh- und Angelpunkt dieses Modells ist eine Einheitsschule mit »Content and Language Integrated Learning« (CLIL), eine mehrsprachigen Schule mit klar asymmetrischer Sprachgewichtung zugunsten des Katalanischen. Die Einsicht, die katalanische und kastilische Eltern eint, ist jene, dass diese Asymmetrie ein Kippen innerhalb des spanischen Nationalstaats (zugunsten der spanischen »Staatssprache«) am besten verhindern kann, da die regionale Politik das staatliche Ungleichgewicht ausgleicht.

Diese Sprachpolitik beschränkt sich jedoch nicht auf die Schule, sondern zielt darauf ab, eine tatsächlich mehrsprachige Gesellschaft durch eine tatsächliche Asymmetrie im Kontext zu unterstützen. Katalonien hat eine offiziell definierte Landessprache. Im Autonomiestatut ist zwar auch die kastilische Sprache als Amtssprache definiert, eine Ungleichbehandlung (»affirmative action«!) ist jedoch erlaubt und ganz im Sinne der Gleichgewichtswahrung. Das Südtiroler Autonomiestatut nach dem Proporzmodell erlaubt hingegen kein Korrektiv, alle Sprachen sind immer und überall gleich zu behandeln. Eine Politik, die schnell und flexibel auf Entwicklungen reagieren kann, ist damit ausgeschlossen.

Eine asymmetrische — behutsam an hiesige Verhältnisse angepasste — Gesamtlösung nach katalanischem Vorbild wäre nach meinem Dafürhalten ein guter Wegbereiter für die eventuell anzustrebende Unabhängigkeit und Schaffung einer durch und durch idealen, also auch auf individueller Ebene mehrsprachigen Gesellschaft. Ohne den nötigen Sicherheitsabstand zu jedem Nationalstaat bin ich jedoch strikt gegen undifferenzierte Abkürzungen.
Minderheitenschutz Plurilinguismo Scola Umfrage+Statistik | CLIL/Immersion | | | Catalunya Südtirol/o | | Deutsch

83 replies on “Zweisprachige Schule.”

Es geht ja bei der Diskussion um die mehrsprachige Schule in Südtirol vor allem (oder: nur) um Deutsch und Italienisch — deshalb lautet ja der Titel dieses Eintrags »zweisprachige Schule«, wenngleich ich auch die »Mehrsprachigkeit« betont habe. Die Ladiner haben ja bereits ihr CLIL-Modell, das viele (ich nicht!) für vorbildlich halten.

Bravo! Darf man es sagen? Ja man muss es sagen: Das ist zwar nur ein Artikel, doch es gibt Parteien, deren Strategie wurde aus viel unausgegoreneren programmatischen „Papieren“ entwickelt. Ich denke da an das Debiasi-Tonsern Modell, eine A4 Seite mit Rechtschreibfehlern, die den Rechten mehr Argumente gegen die Immersion in die Hand legt als sie widerlegen kann. Viel zu viel Improvisierung!

Persönlich finde ich die Idee, das katalanische Modell für Südtirol anzupassen, auf jeden Fall interessant. Leider habe ich jedoch in verschiedenen Gesprächen festgestellt, dass Südtirol noch nicht reif dafür ist. leider. Um es mit Sven Knoll zu sagen ;-)

Süd-Tirol
ist nicht
Katalonien

Nun, so ist es heute, ich hoffe jedoch, dass es morgen anders werden kann. Im Moment müssen wir noch kleinere Brötchen backen. Ich erlaube mir, einen interessanten Link zum Thema zu posten, der sich auf eine Diskussion im RAI Sender Bozen TV bezieht:

http://www.christiantommasini.it/c2/?p=42

komischer blog, komische mehrsprachigkeit – deutsch, italienisch, englisch gar und französisch.

aber kein ladinisch.

hinkende Mehrsprachigkeit.

Calma Alexander,
il tuo commento (a causa del link) era finito negli spam. Ora c’è.
Comunque, se vuoi sapere cosa ne penso io, leggi qui di seguito.

@ pérvasion.

Mi associo a dauergast. Ottimo contributo, è un punto di vista molto interessante e „concreto“. Difficile trovare argomenti validi „contro“ il tuo ragionamento, che comunque considero complementare rispetto al mio, esposto sulla piattaforma „Mehrsprachigkeit“. L’argomento in Sudtirolo suscita discussioni astratte e superficiali, tutt’al più nei partiti. Perciò è fondamentale una visione globale (e al contempo realista) del problema.

Devo dire che gradualmente anch’io mi sto orientando a un modello catalano „à  la sudtirolese“, come futura soluzione permamente e complessiva per l’insegnamento della L2 da adottare nelle scuole del Sudtirolo di ogni ordine e grado. Penso invece alla formula Debiasi-Tonsern (le quali rispondono più a un’esigenza, a un’emergenza, che al desiderio di trovare una soluzione in qualche modo lungimirante) come a un progetto transitorio, per certi versi elitario, nato per rimanere circoscritto a pochi volenterosi, proprio per questo privo di speranze di una diffusione su larga scala. Introducendo tali forme alternative (ma alquanto limitate e limitanti) di istruzione plurilingue, la minaccia per la minoranza in stato straniero (timore che si intravede nel tuo testo) al momento non sussiste. Se guardiamo al Sudtirolo del 2030, forse sì.

Ci hai riportati alla realtà . Però va anche ricordato il problema di fondo: un’istituzione (la Provincia) impedisce ai genitori di scegliere la scuola che preferiscono per i loro figli; anche se questa loro precipitosa „pretesa“ di diritti può risultare in aperto contrasto con una prospettiva a lungo termine, in qualche modo dovrà  essere soddisfatta. Altrimenti sarà  il caos.

Con il tuo consenso, sarei disposto a pubblicare il presente testo su „Mehrsprachigkeit“. Credo sia uno spunto per una discussione senza patteggiamenti di sorta; lo scopo del blog è proprio quello di sottrarre il tema del pluriliguismo all’arena della politica, ridando valore pedagogico-didattico all’argomento. Un’esigenza che sento forte e impellente.

@ Caro Dolomiticus,

mea culpa. Non riuscivo a tradurlo in ladino (lo sai, se fossi stato capace l’avrei fatto). Se mi mandi la traduzione, provvedo subito al cambiamento. Sorry. Post scriptum: in ogni caso sarebbe gradita una collaborazione attiva e propositiva – dalla Ladinia, in questo senso, mi aspetto MOLTO.

Per capire meglio come e dove è nata la piattaforma „Mehrsprachigkeit“ (anch’essa costola di bbd), occorre leggersi la seguente discussione nata sul blog SegnaVia.

Da qui in poi è netta la contrapposizione tra una concezione individualista e forse un po‘ miope (anche mia) e quella gesamtgesellschaftlich di pérvasion. Non voglio lodare Simon, ma è chiaro il senso opposto degli sguardi. Dal basso verso l’alto, noi cerchiamo aperture e (improbabili?) sperimentazioni, mentre dall’alto in basso, lui scruta con attenzione i delicati equilibri della società  sudtirolese. A mio parere, se ben calibrati, vanno bene entrambi.

Lieber Valentin[o],

wenn du mich fragst, dann wäre mir ein von euch verfasster »Sekundär«-Artikel (ein Hinweis mit einem Link zu diesem Eintrag) bei »mehrsprachigkeit« lieber, damit ich in meiner z. Z. sehr begrenzten Zeit nicht zwei parallele Diskussionen zum selben Thema verfolgen muss.

In letzter Instanz überlasse ich diese Entscheidung aber selbstverständlich euch und verweise lediglich auf die allgemeinen Regeln dieses Blogs, wonach – wie im Impressum zu lesen ist – die (nichtkommerzielle) Wiedergabe stets frei ist, sofern die Quelle angegeben wird. Und davon gehe ich bei dir ja aus.

Quando a Bolzano si definisce la libera Univerità  come un ateneo plurilingue si indicano normalmente certi caratteri, comune a tutti corsi di laurea (con la colpevole l’eccezione di scienze della formazione) e cioè che per seguire i corsi di laurea gli studenti devono conoscere preventivamente almeno tre lingue, l’italiano, il tedesco e l’inglese; che l’uso di queste lingue nelle discipline dipende in genere dalla lingua che il docente della disciplina preferisce usare; che comunque esiste un centro linguistico di supporto agli studentii.

Questo non è certamente lo stesso senso usato quando si parla di una Scuola (preuniversitaria) plurilingue. In questo secondo caso il concetto di Scuola plurilingue in genere non presuppone la preventiva conoscenza da parte dello studente delle varie le lingue usate nella discipline, l’uso delle lingue nelle diverse discipline è attentamente programmato e non sono previsti centri esterni di supporto linguistico. Alla base delle Scuole (preuniversitarie) plurilingui sta l’idea che una lingua dovrebbe essere appresa attraverso una disciplina, realizzando cosi‘ una integrazione fra apprendimento dei contenuti e apprendimento delle lingue. Nella prospettiva di una scuola plurilingue, le lingue non sono piu‘ oggetto di studio ma vengono apprese in quanto veicolate dalle discipline.

Ho fatto questo confronto fra quello che usualmente si intende con Università  plurilingue e Scuola (preunivarsitaria) plurilingue, semplicemente per illustrare come sotto lo stesso termine „plurilingue“ si possano ritrovare accezioni diversissime.

A Bolzano registiramo anche l’accezione secondo cui una Scuola plurilingue è solo quella che realizza prioritariamente l’incontro nella stessa scuola e nello stesso gruppo classe di alunni di diverse lingue. In questo caso l’enfasi è sull’incontro interculturale, inteso in genere come di per se‘ produttivo anche di competenza linguistica. Di contro una semplice competenza linguistica realizzata al di fuori di una prospettiva di incontro multiculturale viene rifiutata come parziale e riduttiva, a volte qualificata come meramente „utilitaristica“. Quest’ultima posizione è rappresentata da qualche decennio dai Verdi e dagli intellettuali di area verde dell’Alto Adige.

Per evidenziere le differenze fra la proposta dell’integrazione di contenuti e lingue (usero‘ la sigla: CLIL) e la proposta dei verdi di Bolzano (usero‘ la sigla: VERDI)

CLIL: il focus è la trattazione delle materie in L2, L3, ecc. perchè questo produce anche e simultaneamente competenze linguistiche;

VERDI: il focus è l’incontro fra allievi di lingua e cultura diversa , perchè questo produce anche e simultaneamente competenze linguistiche.

Ritengo che l’approccio VERDI sia non sostenibile sul piano scientifico, inefficace sul piano didattico, pericoloso sul piano della tutela delle lingue minoritarie sul territorio. Inoltre ritengo che la proposta VERDI, per una certa carica populista/egualitarista intrinseca, contribusca a confondere le idee rispetto a un chiaro concetto di scuola bilingue, ed abbia funzionato de facto da ostacolo alla progettazione di efficaci interventi didattici.

Il pericolo della proposta VERDI sul piano della tutela delle lingue minoritarie è quello che in gruppi classe indistinti per madrelingua degli studenti una lingua prevalga sulle altre , secondo uno schema che è stato descritto a propostito della valle d’Aosta (sul cui modello non prendo tuttavia posizione).

Un modello di scuola bilingue per il Sudtirolo potrebbe essere definito atraverso il ricorso al concetto di PROGRAMMA DI IMMERSIONE LINGUISTICA.

Quando un approccio CLIL riguardi almeno il 50 per cento delle materie da trattare in L2, L3 .. in un gruppo classe linguisticamente omogeneo, quando il CLIL venga programmato almeno su un intero ciclo scolastico (per esempio tutto il ciclo della scuola dell’obbligo), quando il programma CLIL preveda parametri rigorosi volti allo sviluppo delle competenze nella madrelingua (L1), quando l’adesione al programma sia volontaria non solo in senso formale, ma anche sostanziale (deve esistere una alternativa non CLIL efficace a determinate condizioni), allora, in presenza di tutte queste condizioni, possiamo palare di PROGRAMMA DI IMMERSIONE LINGUISTICA.

Ritengo che un PROGRAMMA di IMMERSIONE LINGUISTICA sia del tutto adatto laddove non esista un contesto d’uso di L2, o laddove questo contesto d’uso sia limitato, come sociolinguisticamente è il caso che caratterizza il gruppo italiano in Alto Adige (sia a Bolzano che in periferia).

Dove tuttavia esista un problema di possibile perdita della madrelingua (L1) ritengo che non si debba ricorrere ad un PROGRAMMA di IMMERSIONE LINGUISTICA , ma si possa usare un approccio CLIL in senso proprio (limitato ad alcune materie). Questo mi sembra il caso sociloinguistico del gruppo tedesco.

Einverstanden, was das Projekt der Grünen betrifft. Wer erklärt es ihnen?

Zu deinem Vorschlag: Das hieße aber nach wie vor nach Sprachgruppen getrennte Schulsysteme… wie schaffen wir dann mehr Zusammenhalt? Und wie verhindern wir andersrum, dass deutschsprachige Kinder die für die Italiener bestimmten Schulen besuchen und umgekehrt? Wir möchten ja die »possibile perdita della madrelingua (L1)« vermeiden. Oder?

Was spricht gegen die »asymmetrische« Einheitsschule? Könnte sie nicht den Anforderungen beider Sprachgruppen genügen, wenn sie auch sonst von einer geeigneten Politik begleitet wird?

in verschiedenen landesteilen in suedtirol dominiert eine sprache die anderen komplett. diese realitaet kann nicht verleugnet werden, deswegen kann kein vergleich zu katalonien gezogen werden.
die schweiz kann als vergleichsmodell dienen.

Ich habe den Eindruck, dass Enrico die Situation gut erfasst hat, auch wenn er meiner Ansicht nach ein etwas übertrieben scharfes Urteil zum Grünen-Vorschlag fällt. Aber das ist wohl auch so gewollt, um die Unterschiede der beiden Wege klarer zu machen.

Insgesamt glaube ich herauszulesen, dass Enrico den von Südtirol in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Weg befürwortet und weiterbringen möchte, und in der Rhetorik der Grünen eine Gefahr dafür ortet. Ich möchte darüber jetzt kein Urteil fällen, glaube aber durchaus, dass es zielführend ist, das „politisch machbare“ zu verfolgen.

Die Gefahr, die ich sehe, ist der Trend zum „ethnischen“ in der Politik. Die Möglichkeit, dass die SVP eine Koaliton mit dem PDL eingeht, ist nach den Parlamentswahlen leider gestiegen. Bei den deutschen Oppositionsparteien scheinen die Freiheitlichen, und in geringerem Ausmaß Union und SF an Terrain zu gewinnen. Vielleicht sollten sich die Mitte-Links-Kräfte weniger „maximalistisch“ positionieren, um das Erreichte zu erhalten und weiterzubauen, ohne große Reden und Schlagworte, dafür aber konkret dem mehrsprachigen Südtirol verpflichtet.

Anch’io credo che il modello dei Verdi sia imperniato su alcune posizioni retoriche e (Ander dixit) un po‘ „massimaliste“. Ma la strada che porta all’introduzione di una Einheitsschule con „lingua propria“ in Sudtirolo – da me ugualmente auspicata – è al momento irrealistica tanto quanto la diffusione su larga scala di quel modello. Alla pari della Selbstbestimmung, necessiterebbero entrambi di un processo ”postetnico” d’accettazione. In poche parole: le scuole in madrelingua non sono in pericolo, né ora né mai. Mi sembra che tra tutte, la proposta di Enrico sia la meglio elaborata, mentre quella dell’asse PD-Verdi la più fattibile – anche se non getterei alle ortiche un approccio maggiormente „culturale“ del problema.

Insomma, niente da fare: la cosiddetta ”terza via” è la sola condivisa dalla popolazione e attuabile in tempi brevi. Punto.

Bene le scuole bilingui tenendo conto dei rischi, esagerato l’idealismo di Enrico. Non è vero che a BZ oggi non ci siano possibilità  di contatto, vero è che non vengono sfruttate. Come è possibile che nonostante anni e anni di lezioni di tedesco, canali televisivi e radio a disposizione 24h su 24h, gente di madrelingua a portata di mano, scritte bilingui ovunque, biblioteche dedicate, i ragazzi del capoluogo parlino il tedesco peggio dei loro coetanei a Trento o nella zona del Lago di Garda? Dobbiamo distinguere opportunità  da volontà . Io stessa, bolzanina di nascita, modestamente ho imparato un buon tedesco frequentando la scuola italiana, la gente e le manifestazioni. Solo l’anno scorso sono andata in Germania per perfezionare le mie conoscenze.

@pérvasion

Zu deinem Vorschlag: Das hieße aber nach wie vor nach Sprachgruppen getrennte Schulsysteme… wie schaffen wir dann mehr Zusammenhalt?

Vorrei fare questa considerazione: il sistema delle scuole separate non significa che le scuole non debbano comunicare e che i ragazzi debbano restare divisi per lingua.
Infatti è già  possibile costruire reti di scuole per determinati obiettivi, utilizzando le norme sull’autonomia scolastica.
E‘ dunque rilevante l’organizzazione in rete (scuole italiane in rete con scuole tedesche) di attività  comuni, a partire dai gemellaggi e fino anche a lezioni comuni su determinati argomenti. Per esempio se una scuola superiore tedesca progetta un CLIL in storia dell’arte in italiano, allora potrebbero tenersi lezioni comuni (a classi aperte) con alunni della corrispondente scuola italiana aderente alla rete.

Molto importante mi sembra anche una attività  di gestione comune di spazi scolastici (cortile, mensa, biblioteca in primo luogo) particolarmente realizzabile in scuole italiane e tedesche che già  oggi condividano alcuni spazi. Questa è una proposta recentemente ribadita dalla associazione Mix-ling ( http://mehrsprachigkeit.wordpress.com/mix-ling/) che ipotizza anche festival studenteschi comuni.

La mia idea è quindi che sia possibile attivare molta comunicazione fra alunni italiani e tedeschi lavorando in rete, anzichè ipotizzanto una scuola unica. Questo tipo di lavoro in rete (dal basso) mi sembra abbia una connotazione territoriale piu‘ che etnica.

i ragazzi del capoluogo parlino il tedesco peggio dei loro coetanei a Trento o nella zona del Lago di Garda? Dobbiamo distinguere opportunità  da volontà .

sarebbe molto più facile se i sudtirolesi di lingua tedesca parlassero veramente il tedesco.

Dolomiticus, du hast Recht: Wenn… dann. Ist aber nicht so. Wie übrigens in großen Teilen Süddeutschlands, Österreichs, der Schweiz.

Ich finde ‚inas Beitrag sehr aussagekräftig. Er knüpft an Giudiceandreas Warnung an, sich nicht auf Zauberformeln zu verlassen. In der Tat bietet Südtirol schon heute großartige Möglichkeiten, die von beiden Sprachgruppen nur unzureichend genutzt werden. Das müssen wir hinterfragen.

Und dann wäre da noch die Geschichte von Sara (Name geändert), der jungen Boznerin, die ich kürzlich kennengelernt habe. Sie ist Italienerin und spricht ein akzeptables, nicht ganz fehlerfreies Deutsch. Und unterrichtet ––– Deutsch an einer öffentlichen Schule. Mit wem wollen wir da mehrsprachige Schulen aufbauen?

***

Valentin[o], Enrico, mir ist nicht klar, inwiefern eure Vorschläge meine Bedenken mindern könnten. Die rasche Umsetzbarkeit allein ist kein Wert für sich. Im Gegenteil: Die Problematik ist wie oben beschrieben derart heikel, dass man sich ihr mit großer Vorsicht und auch etwas Geduld annähern sollte, anstatt mit der Brechstange.

Valentin[o], warum sollte das grüne Modell leichter umsetzbar sein, als das katalanische? Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass neben den heutigen muttersprachlichen Schulen ein stark asymmetrisches Immersionsmodell angeboten wird. Wenn meine (unsere?) Rechnung aufgeht, zieht dieses System so viele Schüler an, dass die alten Schulen keinen Grund mehr haben, fortzubestehen. Falls die Rechnung nicht aufgeht, bleiben die bisherigen, getrennten Schulen erhalten.

Im Falle der paritätischen Schulen oder solcher ohne eine austarierte Asymmetrie riskieren wir jedoch m. E. – im schlimmsten Fall – die in meinem Eintrag genannten, möglicherweise irreversiblen Folgen.

***

@ B.- : Auch Katalonien war vor Einführung des heutigen, auf Ausgleich bedachten Schulsystems extrem heterogen. Wenn Südtirol und Katalonien heute so unterschiedlich sind, ist dies u. a. ein Verdienst des dortigen Schulmodells.

Grundsätzlich sind Vergleiche immer gut. Auch die Schweiz bietet sehr interessante Ansätze, z. B. was den positiven Umgang mit dem Dialekt betrifft.

Il problema è proprio ciò che una scuola unitaria basata sulla lingua propria aspira a diventare: un’istituzione che per sopravvivere (e avere dunque un senso) dovrebbe, anzi, deve eliminare ogni separazione amministrativa tra scuola tedesca e italiana ed esser perciò regolata da un unico organo di controllo ‚ad hoc‘ su scala provinciale (Intendenza), sganciato dalle logiche ministeriali. Uno scenario quantomeno improbabile.

Onde rendere appetibile una qualsivoglia Einheitsschule, è indispensabile un forte impegno della „cosa pubblica“, e la cornice istituzionale nella quale ci troviamo (l’hai detto tu stesso) rende arduo questo percorso.

Senza un cambiamento radicale (autodeterminazione) verrebbero a ricrearsi le solite dinamiche: siamo sicuri che lo statuto consenta gerarchie linguistiche? I partiti italiani accetterebbero l’apparente volontà  assimilatoria di questo modello? Insomma, una scelta dai complessi risvolti giuridici, che aprirebbe il solito confronto sull’aria fritta.

Ciò non significa che si debba „abbandonare la nave“, anzi. Ma la questione dei tempi resta per me fondamentale. Non so te, ma io nel mondo politico locale non scorgo ora sostanziali aperture in tal senso.

Also… so wie ich das sehe ist der Vorschlag der Grünen und jener von Enrico alles andere als identisch. Was Enrico beschreibt, ist der sich aufbauende „status quo“: Die Nutzung der Zweitsprache zur Vermittlung von Inhalten (als Mittel anstatt nur als Zweck), also von anderen Fächern, deren Art und Intensität sich in jeder einzelnen Schule anders gestalten kann, wobei an italienischen Schulen deutlicher darauf zurückgegriffen werden soll als an deutschen, die eine weniger intensive Anwendung dieser Methodik planen (auch aus Gründen des Minderheitenschutzes). Also die Bitte an Enrico, mich zu korrigieren, falls ich das falsch verstanden habe.

Gratulationen pervasion, habe noch nie eine derart fundierte und klare Abhandlung zum Thema Immersion in Südtirol gelesen. (wobei ich zugebe nicht alle Vorschläge und Abhandlungen zu diesem Thema zu kennen). Würde deine Abhandlung allen Südtiroler Politikern als Pflichtlektüre vorschreiben.
Einige Anmerkungen:
1) Definition der Zielsetzung
a) Zielsetzung: besseres Erlernen der zweiten Sprache (Italienisch für die deutschen SüdtirolerInnen und Deutsch für die italienischen SüdtirolerInnen).
Dieses Ziel ließe sich mit den heutigen Möglichkeiten schon weit besser verwirklichen.
An der deutschen Schule mangelt es im Italienischunterricht an sprachdidaktischer Qualität (Ausnahmen immer ausgenommen). Mein Italienisch war nach der Matura grottenschlecht – konnte ich mir erst durch ein Studium in Italien aneignen. Diese persönliche Erfahrung deckt sich mit der Erfahrung vieler meiner Freunde und Bekannten. Deshalb: das sprachdidaktische Niveau des Italienischunterrichtes an der deutschen Schule muss thematisiert werden und drastisch verbessert werden. Nach 13 Jahren Sprachunterricht muss einfach um ein Vielfaches mehr herausspringen.
Die italienische Schule kenne ich weniger gut. Da scheint es effektiv ein Problem zu sein, dass Deutsch vielfach als ein ziemliches Nebenfach betrachtet wird. Aus einem Gespräch mit einer mir befreundeten Deutschlehrerin an einer italienischen Oberschule ging hervor, dass SchülerInnen mit Migrationshintergrund teils nach 2 bis 3 Jahren Unterricht besser Deutsch können als die gleichaltrigen italienischen SchülerInnen, die schon über viele Jahre Deutschunterricht genossen haben.
Diese Problematiken sind ebenfalls zu thematisieren, bevor man das System ändern will.
b) Zielsetzung: über das Schulsystem den gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen den Sprachgruppen erhöhen.
Dies ist über das heutige Schulsystem nur sehr bedingt möglich, abgesehen von der Tatsache, dass in der Periferie (z.B. Pustertal) viele italienische Südtiroler die deutsche Schule besuchen und es dadurch zu sprachübergreifenden Kontakten kommt.
Aus diesem Grunde wird von einigen Kreisen ein Immersionsschulmodell gefordert, das allerdings aus verschiedensten Gründen (siehe Abhandlung pervasion) ein Spiel mit dem Feuer ist.
Ich möchte hier nur kurz anmerken, dass ein flächendeckendes Immersionsmodell (1 : 1 zwischen den Sprachen), knapp 30% der deutschsprachigen Lehrpersonen überflüssig machen würde und den Bedarf an italienischsprachigen Lehrpersonen um ca 90% erhöhen würde. Mit anderen Worten: 30% der deutschen LehrerInnen könnten sich um einen neuen Job umsehen. Dies nur als kleiner Gedankenanstoss. Ich will damit nur sagen, dass jede Idee auch als Modell durchgespielt werden muss. Aber dies scheint nicht gerade eine Stärke von Politikern und Medien zu sein.
Zurück zum Spiel mit dem Feuer. Ich persönlich sympatisiere sehr mit einem Schulmodell, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen den Sprachgruppen erhöht. Ich bin aber strikt gegen Experimente, die riskieren, dass eine der beiden Sprachgruppen in Südtirol langfristig (Änderungen am Schulsystem entfalten ihre Wirkung in Zeiträumen von Generationen) unter die Räder gerät. Solange wir bei Italien sind wird das sehr wahrscheinlich die deutsche Sprache sein, da es nun mal ohne geschützen Rahmen einen Automatismus zur Staatssprache als lingua franca gibt. Ob diese Gefahr real oder nur gefühlt ist kann ich nicht beweisen – das Gegenteil kann aber von den Immersionsbefürwortern auch nicht bewiesen werden.
Was machen wir nun mit unserem Spiel mit dem Feuer. Das Feuer ist an und für sich ja eine faszinierende physikalische Erscheinung. Der Historiker Alexander Demandt hat die Beherrschung des Feuers durch den Menschen als das defintive Unterscheidungsmerkmal zum Tier im Zuge der menschlichen Evolution bezeichnet. Tiere beherrschen das Feuer nicht. Nun, wir sprechen von der Beherrschung des Feuers, das heißt das Feuer entfaltet innerhalb eines geschützten Rahmens für den Menschen einen unersetzlichen Nutzen (Energie zum Kochen, Wärme für das Haus usw.). Das Feuer ist nicht mehr nützlich, wenn es außerhalb eines geschützten Rahmens abläuft, beispielsweise als Flächenbrand.
Mit der Immersion oder der Änderung des Schulsystems in Südtirol verhält es sich ähnlich. Wenn wir dem Feuer (Immersionsmodell) einen geschützten Rahmen geben, werden wir einen großen gesellschaftlichen Nutzen davontragen, wenn dies nicht geschieht werden wir einen unkontrollierten Flächenbrand provozieren.
Was ist nun der geschützte Rahmen für Südtirol? Der geschützte Rahmen ist ein geografisch abgegrenzter Raum wo kein Nationalstaat das Experiment in seiner Wirkung beeinträchtigt.
Mit anderen Worten: Solange Südtirol bei Italien ist, ist eine Änderung des Schulsystems ein Spiel mit dem Feuer außerhalb eines geschützten Rahmens, wenn wir ein unabhängiger Staat wären, würde eine Änderung des Schulsystems ein fruchtbringendes Spiel mit dem Feuer sein, da der geschützte Rahmen vorhanden ist.

Immersion kann es nicht, DARF ES NICHT geben! Das wäre das Ende von Südtirol!!! Sehr wohl kann die Zweitsprache verwendet werden, um Inhalte zu vermitteln.

eine der beiden Sprachgruppen

Falsch

es sind DREI Sprachgruppen.

Sehr wohl kann die Zweitsprache verwendet werden

eben auch FALSCH.

Immersion kann es nicht, DARF ES NICHT geben! Das wäre das Ende von Südtirol

– Südtirol ist nicht gleichzusetzen mit „deutsch“
– es gibt bereits die Immersion, nämlich in den ladinischen Tälern, die ohne ladinische Schule sind, da hört man aber nie nichts, im Gegenteil, das wird einfach ignoriert. Also ob es eben die 3. Sprachgruppe nicht gäbe.

Wer von „zwei“ „beiden“ Sprachgruppen usw. geht von falschen Voraussetzungen aus, also sind auch die Schlussfolgerungen falsch.

@ be brave: Ich habe deinen letzten Kommentar ungewollt gelöscht. Als ich dir den Wortlaut (den ich wiederherstellen konnte) schicken wollte, damit du ihn erneut posten kannst, musste ich feststellen, dass deine Emailadresse nicht existiert. Ich bitte um Meldung.

an die „Moderation“:
warum wird seitens des Moderators nicht richtig gestellt, wenn wiederholt geschrieben wird „die zwei Sprachgruppen“ oder „beide Sprachgruppen“ ?

@dolomiticus „sarebbe molto più facile se i sudtirolesi di lingua tedesca parlassero veramente il tedesco.“ deine abneigung gegen alles deutsch-tirolerische ist schon bemerkenswert, das liest man beinahe aus all deinen posts heraus. in der steiermark spricht man steirisch, in kärnten kärntnerisch in der deutschsprachigen schweiz schwizerdütsch und in südtirol südtirolerisch, ist das so schwer zu begreifen oder willst du uns „ver-piefke-sieren“? wo kommt deine abneigung gegen das tirolerische her? mich würde es nur mal interessieren… p.s.: ladinisch wäre mir auch lieber vor englisch, französisch oder italienisch auf schildern und internetseiten (von mir aus auch vor deutsch), aber leider habe ich dazu keine macht, diesen sachverhalt zu ändern.

es gibt bereits die Immersion, nämlich in den ladinischen Tälern, die ohne ladinische Schule sind, da hört man aber nie nichts, im Gegenteil, das wird einfach ignoriert.

Ok caro Dolomiticus, però sento poco o niente in proposito pure dai ladini – e ti assicuro che ne conosco… Allora mi domando e chiedo: se il loro sistema scolastico non li soddisfa, perché i nostri cari concittadini della Ladinia non s’arrabbiano???

an die ”Moderation”: warum wird seitens des Moderators nicht richtig gestellt, wenn wiederholt geschrieben wird ”die zwei Sprachgruppen” oder ”beide Sprachgruppen”?

Un errore diffuso, direi sintomatico, comprensibilmente intollerabile. Parlando di problemi relativi all’insegnamento delle lingue, la logica è sempre la stessa: italiani vs. tedeschi. I ladini vengono visti come una postilla „paradisiaca“ del sistema, quindi trascurati. E‘ triste, ma va tollerato entro i limiti della decenza. L’immaginario collettivo considera la Ladinia un’oasi dove la padronanza delle tre lingue è diffusa e coltivata; una situazione lontana dal monolinguismo bolzanino o dell’Ahrntal. Quindi…

E comunque, come ti ho già  scritto in precedenza, gradirei leggere da persone capaci come te commenti più utili e pertinenti, anziché aride (per quanto possano risultare utili) correzioni con la penna rossa. Te lo dice uno da sempre al di fuori di ogni sospetto, per quanto riguarda l’attenzione verso la realtà  ladina. Non per vantarmi.

Mit anderen Worten: Solange Südtirol bei Italien ist, ist eine Änderung des Schulsystems ein Spiel mit dem Feuer außerhalb eines geschützten Rahmens, wenn wir ein unabhängiger Staat wären, würde eine Änderung des Schulsystems ein fruchtbringendes Spiel mit dem Feuer sein, da der geschützte Rahmen vorhanden ist.

Bon, ottimo. Allora accomodatevi e attendete pure la venuta della santa autodeterminazione. Permettetemi, ma nel frattempo mi ordino almeno un drink… Con comodo, miei cari. Aspettiamo un altro po‘ e nel frattempo crescerà  una generazione di monolingui, così tra 20 anni continueremo ad assistere alla solita tiritera tra i fautori del „Südtirol ist nicht Italien“ e gli eterni sostenitori del „Qui siamo in Italia“. Altro che Selbstbestimmung.

E‘ questo che vogliamo? Insisto: al di fuori delle proposte PD/Verdi e del cd. programma di immersione linguistica di Enrico, quale modello potrebbe essere applicato sin da DOMANI in Sudtirolo? La „Einheitsschule“ catalana? Benissimo. Allora qualcuno si prenda la briga di descrivermi modalità  di applicazione, passaggi burocratici e/o politici etc. che consentano tale „stravolgimento“ del sistema scolastico sudtirolese. Sono tutto orecchi.

allora, se si dice „beide Gruppen“ o simile (e tutti i contesti) semplicmente si nega l’esistenza dei ladini.
e se qui non posso usare la penna rossa, allora quando?
Ogni volta che qualcuno dice „beide“ „die zwei“ io farò notare l’errore (se sono presente), e soprattutto quando si presenta della gente che dà  insegnamenti a tutti ma poi dice „i due gruppi“.

caro Dolomiticus, però sento poco o niente in proposito pure dai ladini – e ti assicuro che ne conosco… Allora mi domando e chiedo: se il loro sistema scolastico non li soddisfa, perché i nostri cari concittadini della Ladinia non s’arrabbiano???

allora, intendevo diversamente: si parla di scuola bilingue in A.A., molto, sono andati pure in Canada per degli esempi da tirare in ballo, in Svezia ecc., tutto bene, ma dei Ladini non dicono mai niente – anche Durni, Klotz ecc. non nominano la scuola delle valli ladine quando dicono „keine Immersion“ – perché là­ già  c’è. Per constatare che sia insufficiente basta ascoltare molte interviste di trail, dove vedi quanto molti ladini parlino male la propria lingua. Ci sono state anche sedute con esperti ecc. per arrivare ad un minimo miglioramento, p.e. usare il ladino anche come lingua d’insegnamento. Ma la cosa si muove pianissimo, ancora 5 anni fa l’assessore Mussner a idee del genere diceva secchissimo „sicuramente no“.

Valentin[o], non penso che questo sia un tema da risolvere con una facile polemica. Ti avevo chiesto di spiegare come intendete fugare i (miei) dubbi espressi nell’articolo. Nemmeno tu ti sei preso la briga…

Per quanto riguarda la realizzazione di un nuovo modello scolastico („asimmetrico“) è ovvio che non si tratti di una passeggiata. Ma se non c’è consenso, la scuola bi-/plurilingue non si farà  comunque. E sinceramente mi sembra più probabile che la SVP ed il PD accettino la scuola asimmetrica, piuttosto che degli esperimenti dallo sbocco incerto ma di più facile realizzazione.

Non decideranno i Verdi e non decideranno, da soli, i genitori. La scuola pubblica è una risorsa di tutta la società  e dunque è giusto che decidano tutti. Forse basisdemokratisch?

In ogni caso mi pare di aver capito che su questo punto i programmi di Verdi e PD non siano poi così assimilabili – se Ander arriva a dire «Immersion kann es nicht, DARF ES NICHT geben!». La via intrapresa dal PD per migliorare le conoscenze di L2 ed avvicinare bimbi di entrambe le lingue mi sembra comunque buona ed oltretutto propedeutica ad un cambiamento maggiore, ferma restando la salvaguardia di entrambe le lingue.

Caro pérvasion,

con la „facile polemica“ desideravo spostare l’asse della discussione, portando a riflettere su modi e tempi, piuttosto che con il solito approccio futuribile. Mai voluto fugare i dubbi presenti nel tuo articolo, per il semplice motivo che in gran parte (in un’ottica a lungo termine) li condivido… diamine, pensavo di esser stato chiaro:
http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=1223#comment-7031

Certo, la differenza sostanziale tra PD e Verdi sta nella integrazione o meno dei due/tre sistemi scolastici sudtirolesi: (da quanto ne so io) il PD prevede la copresenza di due insegnanti di „opposta“ madrelingua in una classe con tendenza monolingue nella scuola italiana o tedesca — per cui: sistemi rigidamente separati e raggiungimento anche delle famiglie non „miste“ seppur „volenterose“ —, mentre i Verdi predilogono da sempre una mescolamento (forse pericoloso) tra bambini, però mistilingui (quindi già  predisposti). Delle due, non l’ho mai negato, preferisco la proposta pragmatica del Partito Democratico. Ma su tutto il resto, i due modelli „politici“ sono perfettamente assimilabili, sia nel metodo che nella forma. Massimo potere decisionale dei genitori, immersione „cammuffata“, sperimentazioni a macchia di leopardo sul territorio.

Ci si rimette alla volontà  occasionale dei singoli istituiti. Una visione complessiva, in entrambi i casi, è negata. Non vedo invece alcun spazio di manovra per la scuola assimetrica — a meno che qualcuno non creda di introdurla solo per il gruppo linguistico italiano…

Ah, un’altra cosa: il futuro dei propri figli lo decidono innanzitutto i genitori. Non credo che un anziano di Schnals debba prendere per forza posizione sulla correttezza o meno dell’immersione linguistica. La tanto agognata Basisdemokratie avrebbe in tal caso il limite di frenare, anziché favorire, l’evoluzione della società  locale, in parte legata (a quanto pare) a temi fondamentali come la religiosità  in casa Volkspartei. Sarebbe paradossale proporre per es. un referendum su quattro o cinque sezioni miste à  la Verdi-Grüne-Verc. Ammesso e non concesso che esisteranno mai.

Per constatare che sia insufficiente basta ascoltare molte interviste di trail, dove vedi quanto molti ladini parlino male la propria lingua. Ci sono state anche sedute con esperti ecc. per arrivare ad un minimo miglioramento, p.e. usare il ladino anche come lingua d’insegnamento. Ma la cosa si muove pianissimo, ancora 5 anni fa l’assessore Mussner a idee del genere diceva secchissimo ”sicuramente no”.

Frage an Dolomiticus: welches Schulmodell würdest du für Ladinien idealerweise anstreben? Was hälst du vom Einheitsladinisch? Für mich absolut notwendig für das Überleben des Ladinischen, aber ich möchte deine Meinung hören.
Welche besonderen Maßnahmen würdest du vorschlagen um dem Ladinischen in Südtirol (in allen Dolomitentälern) mehr Charakter einer effektiven vollwertigen Amtsprache zu verhelfen?

Die deutschen und italienischen SüdtirolerInnen sind sich tatsächlich nicht bewusst, dass es teilweise blind macht einer großen Sprachgemeinschaft anzugehören. Das Deutsche wird in Europa von knapp 100 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, das Italienische von knapp 60 Millionen Menschen. In diesen Sprachen werden so gut wie alle Filme synchronisiert, fast die gesamte Weltliteratur mit Neupublikationen gibt es in diesen Sprachen, es gibt eine ungeheure Vielfalt an Medien usw.
Man muss sich schon mit einem Thema sehr vertiefen um auf Literatur oder Publikationen in einer anderen Sprache zurückgreifen zu müssen (im universitären Bereich, in der Forschung oder einfach aus Neugier, da man an einer speziellen Materie interessiert ist)
Schon Sprachen mit ca. 10 Millionen Sprechern (Ungarisch, Schwedisch usw) werden viel früher gezwungen auf andere Sprachen zurückzugreifen.
Besonders schwierig ist deshalb der Schutz von kleinen Sprachen, wie dem Ladinischen, dem Sorbischen, dem Friesischen, dem Gälischen usw)
Ich denke Südtirol müßte in diesem Bereich schon wesentlich kreativer sein um das Ladinische aufzuwerten. Auch muss man sich von einer reinen utilitaristischen Einstellung trennen, wenn es um das Erlernen einer Sprache geht. Utilitaristisch im Sinne von wirtschaftlichem Vorteil. Englisch und Spanisch lernt man, da es nützlich ist. Schwedisch lernt man nicht, da eh jeder Englisch kann.
Ich fände es beispielsweise schön, wenn an Südtirols deutschen und italienischen Schulen auch Grundkenntnisse des Ladinischen vermittelt würden.

@ Ander

Die Nutzung der Zweitsprache zur Vermittlung von Inhalten (als Mittel anstatt nur als Zweck), also von anderen Fächern, deren Art und Intensität sich in jeder einzelnen Schule anders gestalten kann, wobei an italienischen Schulen deutlicher darauf zurückgegriffen werden soll als an deutschen, die eine weniger intensive Anwendung dieser Methodik planen (auch aus Gründen des Minderheitenschutzes). Also die Bitte an Enrico, mich zu korrigieren, falls ich das falsch verstanden habe.

Ander, hai capito perfettamente e non hai bsogno di essere corretto.

Pero‘ io uso due nomi precisi per indicare i due approcci: la proposta che considero adatta alla scuola italiana la ho chiamata: PROGRAMMA DI IMMERSIONE, la proposta per la scuola tedesca la ho chiamata semplicemente CLIL.

In Alto Adige/ST si fa sempre una grande confusione quando di parla di „immersione“. Recentemente lo ha detto anche Rita Franceschini in un’intervista al quotidiano Alto Adige, che puo‘ essere letta qui:
http://www.gebi.bz.it/bilinguismo/?p=79
Rita Franceschini precisamente ha detto: „«Si parla molto di immersione in Alto Adige, spesso non puntualmente.“, vale a dire in un senso non tecnico.

Anche per questo motivo preferisco usare la parola PROGRAMMA di IMMERSIONE al posto della parola „immersione“, semplicemente per indicare che sto parlando di „immersione“ in senso tecnico.

In estrema sintesi possiamo dire che un PROGRAMMA DI IMMERSIONE (in senso tecnico) deve avere almeno i seguenti 4 caratteri:

1. Le lingue target (=non materne) non sono considerate oggetto di studio, vengono invece usate per veicolare i contenuti delle singole materie, realizzando cosi‘ un apprendimento congiunto di lingue e contenuti;
2. un programma di immersione si sviluppa per un certo numero di anni e l’uso della lingue target (=non materne) nelle materie non è mai inferiore al 50% degli insegnamenti.
3. Un programma di immersione ha attenta considerazione per la lingua materna degli alunni, che il programma deve valorizzare.
4. L’adesione a un programma di immersione deve essere una libera scelta da parte delle famiglie degli alunni.

In Canada e in Europa i programmi di immersione sono rivolti a gruppi omogenei di alunni, tutti di madrelingua diversa dalle lingue introdotte dai programmi.

Negli Stati Uniti si sono anche sviluppati programmi di immersione in cui non si differenziano i gruppi di alunni per lingua materna: questo approccio viene chiamato TWO-WAY IMMERSION:
http://www.cal.org/twi/

In base a questi caratteri possiamo dire:

A. Un PROGRAMMA DI IMMERSIONE non definisce un nuovo tipo di scuola,ma solo nuovi interventi didattici. E‘ quindi compatibile con gli ordinamenti scolastici esistenti.

B. Nelle scuole itailane dell’Alto Adige/ST non esistono scuole che attuano un PROGRAMMA di IMMERSIONE (per esempio parlare di „immersione“ in rapporto alle scuole Archimede o alle scuole elmentari di via Rovigo è inesatto).

C. Il modello della TWO-WAY IMMERSION è quello che piu‘ si avvicina alle proposte VERDI

D. La scuola ladina non puo‘ essere definita come scuola ad immersione (in senso tecnico) (ne‘ Programma di immersione, ne‘ two-way-immersion. a cui è piu‘ vicina), perchè ha scarsa considerazione se non nessuna per la madrelingua (ladina) di gran parte degli alunni che la frequentano.

E. La frase Immersion kann es nicht, DARF ES NICHT geben! Das wäre das Ende von Südtirol!!! Sehr wohl kann die Zweitsprache verwendet werden, um Inhalte zu vermitteln. una il termin e“Immersion“ in un senso non tecnico. La frase è condivisibile solo se se il termine „Immersion“ viene usato nel senso di TWO-WAY IMMERSION.

Ah, un’altra cosa: il futuro dei propri figli lo decidono innanzitutto i genitori. Non credo che un anziano di Schnals debba prendere per forza posizione sulla correttezza o meno dell’immersione linguistica.

Io penso invece che la scuola – ovunque, ma forse qui più che altrove – abbia un forte significato per tutta la società , perché ricopre un ruolo che riguarda tutti.

Per generalizzare: Immaginiamo che i genitori chiedano di sostituire l’insegnamento della teoria evolutiva di Darwin con il creazionismo, come è accaduto in alcune zone degli Stati Uniti. Ecco, io penso che questa decisione spetti a tutti – perché la scuola non influisce solo sul singolo alunno, ma sulla futura impostazione dell’intera società .

valentino, in questi giorni sono abbastanza preso, poi ci vediamo per un caffè.

fortunatamente Tu non sei come quel ragazzo che quando il dito mostra la luna lui guarda il dito.

an die Moderation, die sich ja immer wieder zu Wort meldet, um zu korrigieren, ergänzen, anzumerken, nochmals die Frage, die er bisher nicht beantwortet hat:

warum wird seitens des Moderators nicht richtig gestellt, wenn wiederholt geschrieben wird ”die zwei Sprachgruppen” oder ”beide Sprachgruppen” ?

Das ist doch ein inhaltlicher Disput. Ich greife nur bei Verstößen gegen die Netiquette (persönliche Angriffe, Beleidigungen, Verleumdung…) ein, und auch das so selten wie möglich.

@ pérvasion

Io penso invece che la scuola – ovunque, ma forse qui più che altrove – abbia un forte significato per tutta la società , perché ricopre un ruolo che riguarda tutti. … Immaginiamo che i genitori chiedano di sostituire l’insegnamento della teoria evolutiva di Darwin con il creazionismo, come è accaduto in alcune zone degli Stati Uniti. Ecco, io penso che questa decisione spetti a tutti – perché la scuola non influisce solo sul singolo alunno, ma sulla futura impostazione dell’intera società .

Questo è un punto fondamentale, anche per la scuola bilingue.

Dobbiamo purtroppo constatare che in Italia la scuola è autoreferenziale. Ma anche la scuola del Sudtirolo mostra lo stesso carattere di autoreferenzialità , essendo fortemente centrata su se stessa.

Tutti i giorni vediamo come è diffcile che i genitori contino qualcosa nelle scelte della scuola. Immaginiamo allora quali difficoltà  potranno emergere se si propone di fare contare non solo i genitori attuali,ma la società  nel suo insieme nelle scelte di fondo che riguardano la scuola.

Faccio un esempio di cosa vuol dire „scuola autoreferenziale“ in Sudtirolo.
Nel 1996 il presidente Durwalder propose l’istituzione di sezioni tedesche nelle scuole italiane. Per me allora era già  chiaro che la proposta era riconducibile a quello che in alcuni commenti precedenti ho chiamato (in senso tecnico) PROGRAMMA DI IMMERSIONE. I principali oppositori, che furono capaci anche di fare naufragare il progetto, vennero proprio dal mondo della scuola, primo fra tutti l’allora assessore Bruno Hosp: Potete leggere un breve resoconto della vicenda qui:

http://www.gebi.bz.it/bilinguismo/?p=52

Ma anche oggi il mondo della scuola si oppone strenuamente ad ogni tentativo della Provincia di dotarsi di una politica scolastica che sia sintesi delle esigenze sociali e ora lo fa in nome dell‘ „autonomia scolastica“. In questo caso l’autonomia scolastica è invocata per ribadire il principio autoreferenziale che le decisioni sulla scuola devono essere prese dalla scuola e non dalla Giunta provinciale.

Concludo con una considerazione complementare. A Bolzano la Scuola ha proprie strutture di ricerca, gli Istituti pedagogici. Se vuoi lavorare li‘ devi essere necessariamente insegnante. La scuola ha propri comitati di valutazione con propri nuclei operativi: anche in questo caso se vuoi lavorare li‘ devi essere necessariamente insegnante. Anche le strutture di supporto alla scuola sembrano dunque avere come referente la scuola stessa e non la società  in senso largo.

@ an alle

Ich habe gerade alles durchgelesen, und bin erstaunt, wieviele Beiträge und Meinungen zu diesem Thema aktuell sind. Weiters verwundert es mich, dass soviele italienischsprachige Südtiroler an diesem Thema interessiert sind. Mein Eindruck war bisher, dass nur eine verschwindend kleine Minderheit an der deutschen Sprache wirklich interessiert ist. Und wenn dem so ist, dann ist diese Diskussion unnütz.
Da ich aber ein notorischer Optimist bin, hoffe, nein, glaube ich, dass sich durch solche Diskussionen einige Dinge und vor allem einige Einstellungen zur anderen Sprache verbessern können.

Enrico, du sagst also, dass die (allgemeine) Politik offener und fortschrittlicher ist, als die Schule selbst? Worauf glaubst du ist dies zurückzuführen, wo doch sämtliche neueren Erkenntnisse nahelegen, dass eine frühzeitige Annäherung an Zweit- und Fremdsprachen – wenigstens für das Individuum – von Vorteil ist?

Dabei heißt es ja stets, die Lehrer seien allesamt grün angehaucht…

Vi faccio una domanda da uomo della strada, che forse vi sembrerà  un pò ingenua. Non vivo la situazione locale, però sono abbastanza vicino al mondo della scuola.
Se ho capito bene, la situazione scolastica in ST/AA è bloccata, perché manca la volontà  politica di attuare una strategia di immersione.
Per quanto riguarda le scuole tedesche, ferma restando l’appartenenza allo stato italiano, ci sarebbe la paura che immersione significhi una progressiva assimilazione (tipo Valdaosta o Val Canale), dato che una situazione di mistilinguismo porterebbe inevitabilmente ad una prevalenza dell’italiano, essendo il quadro generale di riferimento (poliitico, amministrativo, sociale, mediatico e anche psicologico) quello della realtà  statuale italiana.
Le scuole italiane invece sarebbero frenate sia dall’interpretazione restrittiva dell’art. 19 dello Statuto, sia dall’opposizione di una parte dei politici italiani locali, che temono che la „prevalenza“ de facto del gruppo tedesco venga rafforzata dalla caduta della „barriera“ linguistica, e quindi a poco a poco le famiglie di lingua italiana tenderebbero ad assimilarsi al gruppo linguistico dominante sul piano locale.

Mi sembra anche di capire che il modello catalano della „Einheitsschule“ in queste condizioni sia improponibile.

Non sarebbe possibile un approccio graduale e asimmetrico alla faccenda, proponendo l’immersione solo nelle scuole italiane, magari non nella misura del 50%, ma qualcosa meno, e prevedendo per le scuole tedesche solo, che ne so, l’insegnamento dell’italiano dalla prima elementare, favorendo in ogni modo il lavoro di rete e d’équipe intergruppo?

@pérvasion

Enrico, du sagst also, dass die (allgemeine) Politik offener und fortschrittlicher ist, als die Schule selbst?

Non intendevo dire questo, piuttosto intendevo commentare questa tua affermazione, che condivido:

Immaginiamo che i genitori chiedano di sostituire l’insegnamento della teoria evolutiva di Darwin con il creazionismo, come è accaduto in alcune zone degli Stati Uniti. Ecco, io penso che questa decisione spetti a tutti – perché la scuola non influisce solo sul singolo alunno, ma sulla futura impostazione dell’intera società .

Dato che non ci sono al momento organismi specifici che rappresentino i „tutti“ a cui ti riferisci dal punto di vista delle politiche dell’educazione, ho indicato nella Giunta Provinciale l’organismo che, in via generale, dovrebbe rappresentare tutti. Questo naturalmente non vuol dire che la Giunta sia composta di esperti e nemmeno che sia progressista nel settore dell’educazione, vuole dire solo che la Giunta e il suo Presidente è piu‘ rappresentativo degli intereressi generali di quanto non sia il mondo della scuola, che poi io considero autoreferenziale (vale a dire centrato su se stesso piuttosto che sugli interessi generali della popolazione).

Personalmente condivido poco l’atteggiamento che demanda agli „esperti“ la parola definitiva sulle questioni sul tappeto, perchè non mi sembra esista una „neutralità “ degli esperti. I cosiddetti „esperti“ sono quasi sempre dentro il sistema ( = dentro i meccanismi attualmente funzionati) ed è molto difficile che una riforma radicale del sistema educativo trovi in loro i promotori. Non importa nemmeno il colore politico degli „esperti“, se consideriamo che normalmente essi sentono come propria la mission di di conservare l’esistente, piuttosto che di proporre rivoluzioni o riforme radicali.

Hallo Dolomiticus, ich warte immer noch auf einige Antworten. Ich sehe, dass du dich sehr stark für die ladinische Sprache und Volksgruppe engagierst.

Also bitte gib uns eine Antwort zu folgenden Fragen, die ich schon oben formuliert habe:

1) Welches Schulmodell würdest du für Ladinien idealerweise anstreben?
2) Was hältst du vom Einheitsladinisch?
3) Welche besonderen Maßnahmen würdest du vorschlagen um dem Ladinischen in Südtirol mehr Charakter einer effektiven vollwertigen Amtsprache zu verhelfen?

@ Enrico: Bin gänzlich einverstanden. Ähnliches über die »Experten« hatte ich auch hier geschrieben, und mich dabei u. a. auf Paul Feyerabend bezogen.

***

Mit diesem Satz

Enrico, du sagst also, dass die (allgemeine) Politik offener und fortschrittlicher ist, als die Schule selbst?

habe ich diese deine Aussage gemeint:

[…] Nel 1996 il presidente Durwalder propose l’istituzione di sezioni tedesche nelle scuole italiane. Per me allora era già  chiaro che la proposta era riconducibile a quello che in alcuni commenti precedenti ho chiamato (in senso tecnico) PROGRAMMA DI IMMERSIONE. I principali oppositori, che furono capaci anche di fare naufragare il progetto, vennero proprio dal mondo della scuola […]

@ Tuscan: Io sono dell’avviso che una riforma così importante debba essere organica e coraggiosa. So che si tratta di un compito difficilissimo, ma la posta in gioco è alta. [Dico questo nonostante io sia convinto che, per ovvi motivi, la Vallée d’Aoste non si presti ad un paragone 1:1 con la nostra realtà .]

In ogni caso, visti gli attuali equilibri, nemmeno l’approccio „a due velocità “ da te proposto sarebbe di facile realizzazione. Inoltre comporterebbe delle difficoltà  anche gravi, qualora le scuole tedesche attirassero alunni italiani e/o viceversa, perché i sistemi non sarebbero tarati adeguatamente. Mentre invece lo potrebbe/dovrebbe essere la »Einheitsschule«, che per definizione si rivolgerebbe a tutti indistintamente.

Però per quanto ne so in Catalogna la „Einheitsschule“ presuppone una lingua „nazionale“, in questo caso il catalano, nella quale tutti hanno il diritto/dovere di essere immersi, garantendo comunque la tutela dell’apprendimento e dell’uso del castigliano per coloro che l’hanno come madrelingua.
Sempre per quanto ne so l’equilibrio è molto fragile, perché l’esposizione ai media in castigliano, televisione, giornali, libri,ecc. è assolutamente preponderante. Tuttavia tale squilibrio è parzialmente sanato dal fatto che si tratta di due lingue neolatine, tutto sommato piuttosto vicine, per cui lo switch dall’una all’altra è enormemente più semplice che tra l’italiano e il tedesco. Poi sembra che la popolazione residente di madrelingua castigliana abbia interiorizzato l’accettazione del catalano quale lingua „nazionale“. Forse in qualche modo si sta sviluppando un’identità  territoriale forte, magari non „Catalonia is not Spain“ ma quasi.

Se non vado errato, l’applicazione di tale modello in ST/AA presupporrebbe da parte del gruppo italiano l’accettazione del tedesco quale „Landessprache“, e mi sembra che siamo lontani anni luce da questo stato di cose.

E d’altra parte una immersione perfettamente simmetrica non verrebbe vista come un cavallo di Troia per l’assimilazione graduale all’Italia da parte del gruppo tedesco?

Se vuoi rispondere, puoi farlo tranquillamente in tedesco, anche se vedo che te la cavi benissimo in tutte e due le lingue. Sei bilingue?

Non so rispondere alla tua ultima domanda. Se parlo due lingue sono bilingue? Allora sì.

***

Dunque, la Catalogna ha una lingua cosiddetta «propria», il catalano, equiparata al castigliano. Non si tratta di una vera e propria lingua «nazionale», ma la distinzione tra lo status delle due lingue permette al governo locale, la Generalitat, di discriminare positivamente il catalano.

La scuola catalana non garantisce la tutela e l’insegnamento del castigliano esclusivamente a chi è di tale madrelingua, ma, pur dando maggior peso al catalano, è tenuta per legge (regionale) ad insegnare entrambe le lingue a tutti gli alunni. Ed a giudicare dai risultati ci riesce benissimo, visto che le ragazze ed i ragazzi catalani, in media, hanno risultati superiori alla media spagnola per quanto riguarda le conoscenze di castigliano. Sono dati ufficiali.

Per quanto concerne la cosiddetta «esposizione», non è vero ciò che affermi, almeno se, come faccio solitamente, consideriamo la sola Catalogna: I cartelli pubblici e le informazioni di Generalitat ed amministrazioni comunali sono solo in catalano, ci sono tanti e molto diffusi giornali in lingua catalana, la TV e la Radio più viste ed ascoltate sono TV3 e Catalunya Radio, le emittenti della Generalitat, che emettono esclusivamente nella lingua «propria». Una seria legge di politica linguistica obbliga anche i privati (banche, assicurazioni, imprese…) a rivolgersi ai loro clienti «almeno» in catalano. Tutto ciò contribuisce molto ad equilibrare l’esposizione al castigliano, che altrimenti – probabilmente – sarebbe davvero forte.

La musica cambia se consideriamo tutte le regioni di lingua catalana, includendo quindi le Baleari e la regione di València. Lì il castigliano è davvero fortemente preponderante.

Una scuola ad immersione «asimmetrica» (ma non monolingue!), assieme ad una politica linguistica seria e senza tentennamenti, ha portato a risultati davvero apprezzabili in tempi relativamente brevi, considerando anche che il catalano è una «lingua senza stato». Hanno raggiunto un bilinguismo vero ed un altissimo livello di coesione sociale, dando forza ad un concetto inclusivista di «Catalonia is not Spain». Questo dimostra (come avevo cercato di spiegare qui) che non è necessario un bilinguismo totale e proporzionale, ma può essere più utile una discriminazione positiva perfettamente tarata ed equilibrata secondo le necessità .

Io non propongo di copiare il sistema catalano, ma di orientarci seriamente in quella direzione. Non possiamo certamente copiare il loro equilibrio, impostato secondo le loro esigenze, ma possiamo riprenderne le modalità , adeguandole al Sudtirolo. E per fare ciò non dobbiamo definire nessuna lingua «nazionale».

Immersion kann es nicht, DARF ES NICHT geben! Das wäre das Ende von Südtirol!!! Sehr wohl kann die Zweitsprache verwendet werden, um Inhalte zu vermitteln.

Ich habe diese Aussage weiter oben kommentarlos und ohne Anführungszeichen gepostet. Sie soll jedoch nicht meinen persönlichen Standpunkt darstellen, sondern eher die teils schizophrene Haltung der offiziellen Landespolitik (insbes. der SVP). Enrico hat die Unterschiede zwischen Immersionsprogramm (im engeren Sinne) und erweitertem Sprachunterricht gut erklärt, ich glaube was er sagt ist nicht nur eine der sinnvollsten, sondern auch der politisch am ehesten umsetzbarsten. Es ist klar, dass jene, die für einen effektiven Fortschritt im Zweitsprachenunterricht arbeiten (nicht für die Verbreitung von Utopien, die u.U. für Minderheiten gefährlichen werden könnten), den Weg von Enrico gehen. Schritt für Schritt, Häppchen für Häppchen. Aber zielstrebig und unaufhaltsam.

Ho riletto – con calma – questo notevole dibattito (nato da un notevole spunto di pérvasion: sicuramente uno dei migliori testi mai scritti nell’ambito del BBD-NETZWERK). Annuncio che utilizzerò esplicitamente questa riflessione collettiva come BASE per la discussione pubblica sul „PLURILINGUISMO“ che avverrà  il prossimo 2 ottobre, al teatro Cristallo di Bolzano. (Informazioni sulla serata nel blog: http://mehrsprachigkeit.wordpress.com )

Ich erlaube mir, den Wortlaut von Lobis‘ Antwort im Interesse der Diskussion hier zu veröffentlichen:

Antwort auf Pérvasion: Rückzug in den Sprachromantizismus?

Disput

Individuum und Gesellschaft.
In letzter Zeit wird in Südtirol wieder verstärkt die zwei- oder mehrsprachige Einheitsschule, bzw. die zwei- oder mehrsprachige Schule als Zusatzangebot zu den bestehenden gefordert. In erster Linie sind die Eltern um diesen Dammbruch bemüht, eine Umfrage des Sozialforschungsinstitutes Apollis legt sogar nahe, dass – im Widerspruch zur politischen Stimmung – eine äußerst breite Mehrheit der Gesamtgesellschaft diese Umstellung wünscht. Unklar bleibt, welches Modell dabei angestrebt wird.

Kommentar Lobis: Es gibt europaweit verschiedene Modelle mehrsprachiger Schulen, man kann keine als die “ideale” Lösung propagieren, da ein Schulmodell auch integriert sein muß in die jeweiligen Bildungssysteme und die politischen Rahmenbedingungen. Für Südtirol muss analog dazu ein eigenes “Modell” entwickelt werden, wir stehen bei dieser Diskussion am Anfang und wollen sie als Grüne vorantreiben. Einen Rückzug in einen einsprachigen “Sprachromantizismus” halte ich ebenso wenig für sinnvoll, wie die Option einer “Weltsprache” die das Englisch/Amerikanische zu sein scheint, oder zumindest das, was viele für Englisch halten.

Zu sagen ist, dass eine Schule, in der beide Sprachen gleichermaßen als Unterrichtssprachen dienen, auch mir sehr erstrebenswert scheint. Für’s Individuum, das kann ich als mehrsprachig aufgewachsener Mensch auch aus eigener Erfahrung bestätigen, kann man die Vorteile einer hohen Kompetenz in mehreren Sprachen kaum überbewerten. Es ist im Übrigen hinreichend erwiesen, welch positive Auswirkungen ein Schulsystem auf Immersionsbasis für den einzelnen Schüler hat, und dass man Menschen am besten im jüngsten Kindesalter mit zusätzlichen Sprachen konfrontiert. Was jedoch in Deutschland oder Frankreich, ja in Trient oder Innsbruck reibungs- und bedenkenlos funktionieren kann, da mehrsprachige und Immersionsschulen von einem klar definierten und kohädierten Kontext gesäumt werden, kann und wird im Umfeld einer Minderheit zu Spannungen, wenn nicht zu herben Verlusten in der tatsächlichen gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit führen.

Kommentar Lobis: Wir sollten nicht vergessen, dass gerade die deutsche Sprache im europäischen wie internationalen Kontext alles andere als eine Minderheitensprache ist, sondern im Vergleich zur italienischen Sprache wesentlich mehr Sprecherinnen und Sprecher, nämlich über 100 Millionen hat. Allein die Tatsache, dass die Südtirolerinnen und Südtiroler seit Jahrzehnten gerade ihren jeweiligen Dialekt (meist den ihres Tals) mit großer Hartnäckigkeit – auch und gerade gegenüber den “Deitschen” “verteidigen”, obwohl dieser noch nicht mal in den Schulen gelehrt wird, läßt die Prognose des Sprachverlust zumindest als unwahrscheinlich erscheinen.

Dass die mehrsprachige Schule niemals ein Zusatzangebot sein wird, verschweigen deren Befürworter gerne, um noch größere Widerstände zu vermeiden. Es ist jedoch so gut wie ausgemacht, dass sich diesem Schulmodell kaum jemand entziehen wird können, sobald es existiert. Jeder, der dann seinen Nachwuchs in eine Schule des heutigen Modells schickt, nimmt zunächst eine herbe Benachteiligung seines Kindes billigend in Kauf – sowohl in der Gesellschaft, als auch auf dem Arbeitsmarkt. Die deutsche und italienische Schule blieben dann vermutlich Horte nationalistischer Hitzköpfe, wo Eltern auf Kosten ihrer Kinder Politik betrieben, und sollten wohl besser ganz geschlossen werden. Falls dagegen die mehrsprachigen Schulen Aufnahmetests durchführten, um die Überforderung von weniger gut vorbereiteten Kindern zu vermeiden, ist jedoch mit einer sprachlichen Klassengesellschaft zu rechnen, in der einige vom öffentlichen Schulsystem wesentlich bessere Voraussetzungen für’s Leben garantiert bekommen, als andere. Eine Umstellung des Schulsystems darf jedenfalls nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wer von den Vorteilen der Immersion für’s Individuum undifferenziert auf die Vorzüge für die Gesellschaft schließt, nimmt eine Abkürzung, die unter Umständen in eine Sackgasse ohne Wendemöglichkeit führt.

Kommentar Lobis: Sprache ist nicht etwas, das man im Supermarkt kaufen kann und dann für immer hat. Und ich behaupte auch nicht, dass die Umstellung eines Schulsystems auf die leichte Schulter genommen werden solle, ganz im Gegenteil. Wir als Grüne fordern nur, dass die Diskussion zu diesem Thema nun einmal geführt werden sollte, zumal sich alle europäischen Staaten das Thema “Mehrsprachigkeit” als große Herausforderung auf ihre Fahnen geschrieben haben. Das Ergebnis einer durch und durch mehrsprachigen Schule kann (vorerst) nichts anderes sein als eine durch und durch mehrsprachige Gesellschaft.

Ein Idealzustand für ein Land wie Südtirol, wo mehrere Sprachen beheimatet sind. Ein Idealzustand jedoch, der ohne die nötigen Vorkehrungen das Zeug hat, in kürzester Zeit zumindest eine Sprache auszulöschen. Denn in diesem Land gibt es inzwischen ein in seiner Art zwar teilweise unbefriedigendes, jedoch sehr fein austariertes Gleichgewicht zwischen den Sprachen, das ein neues Schulsystem sehr schnell aus den Fugen geraten lassen kann.
Mir ist weltweit keine durch und durch mehrsprachige Gesellschaft – wo also die Mehrsprachigkeit der Gesamtheit auch einer völligen Mehrsprachigkeit jedes Einzelnen entspricht – bekannt

(Lobis: Nach heutiger Erkenntnis ist allenfalls Island als einsprachige Gesellschaft, zu bezeichnen, alle anderen Staaten sind längst bzw. waren schon immer mehrsprachig. Die europäischen Gesellschaften sind dabei sprachlich noch relativ homogen, was auch die Folge einer aggressiven Sprachpolitik war, siehe auch die sprachlichen Kolonialisierungen. In anderen Kontinenten ist die Sprachsituation wesentlich heterogener.)

die sich auf Dauer gehalten hätte, ohne eindeutig zugunsten der einen oder anderen Sprache zu kippen: Bereits wenn zehn perfekt Mehrsprachige an einem Tisch zusammensitzen, kann man deutlich beobachten, wie in kürzester Zeit eine der Sprachen deutlich die Überhand gewinnt und die andere(n) de facto »ausschaltet«.

(Lobis: Dies ist eine subjektive Beobachtung, zu der es keine wissenschaftlich überprüfbaren Daten gibt.)

Aus welchem Grund auch sollte eine ganze Gesellschaft in ihrem Alltag [!] den Aufwand betreiben, mehr als eine Sprache aufrecht zu erhalten, wenn sämtliche Mitglieder (zumindest) eine dieser Sprachen perfekt beherrschen? Im Falle einer Minderheit in einem Nationalstaat scheint mir dies sogar unmöglich. Mit welcher Begründung sollte man sprachliche Sonderrechte einfordern, wenn sämtliche Bürger auch die Staatssprache so gut wie ihre Regionalsprache sprechen?

 
Kommentar Lobis: Warum wird bei der Sprachenfrage oft von Perfektion bzw. von einem Idealzustand gesprochen? Wann beherrscht jemand eine Sprache perfekt? Auf diese Frage können noch nicht mal Sprachwissenschaftler eine befriedigende Antwort geben, da es sich bei Sprachkompetenz nicht um einen statischen Zustand handelt, sondern um einen Prozess. Die Landesregierung hat dies übrigens auch bereits verstanden und in ihren Leitlinien umgesetzt: Man spricht auch in Südtirol schon längst von “funktionaler Mehrsprachigkeit”, die das Ziel der Bildungspolitik ist, diesen Gedanken wollen wir als Grüne aufgreifen und vertiefen.

Risikomanagement.
Wir haben in diesem Land einen großen Schatz, den wir »gesellschaftliche Mehrsprachigkeit« nennen könnten. Dieser Schatz resultiert heute aus einer unvollkommenen »individuellen Mehrsprachigkeit«, die jedoch auf Dauer nicht befriedigend ist, da sie dem gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht förderlich ist. Aber: Wir haben einen einigermaßen gesunden Patienten und eine sofortige Behandlung, durch die wir seinen vorzeitigen Tod riskieren. Wollen wir tatsächlich Hand anlegen? Oder sollten wir vielmehr zuerst die Risiken minimieren?
Konsens der [bbd] war bisher, dass die beste Voraussetzung für die Zusammenführung von gesellschaftlicher und individueller Mehrsprachigkeit die Unabhängigkeit unseres Landes wäre; nicht jede Unabhängigkeit, sondern eine auf Kohäsion bedachte, auf Pluralismus ausgerichtete. Ich würde auch eine schnellere Lösung befürworten, wenn es eindeutige Zeichen gäbe, dass sie glücken wird. Ich sehe keine. Dies heißt jedoch nicht, dass ich auf den St.-Nimmerleinstag vertröste und bis dahin Untätigkeit anrate. Wenn ich hier stets das katalanische Modell anpreise, so weil die Katalanen m. E. ein für eine Minderheit sehr hohes Maß an gesellschaftlichem Zusammenhalt und Konsens für Autonomie und Eigenregierung geschaffen haben. Der Dreh- und Angelpunkt dieses Modells ist eine Einheitsschule mit »Content and Language Integrated Learning«, eine mehrsprachigen Schule mit klarem Hang zum Katalanischen. Die Einsicht, die katalanische und kastilische Eltern eint ist jene, dass die Asymmetrie zugunsten der katalanischen Sprache ein Kippen innerhalb des Staates Spanien am besten verhindern kann, da die regionale Politik das staatliche Ungleichgewicht ausgleicht. Diese Sprachpolitik beschränkt sich jedoch nicht auf die Schule, sondern zielt darauf ab, eine tatsächlich mehrsprachige Gesellschaft durch eine tatsächliche Asymmetrie des Kontextes zu unterstützen. Katalonien hat eine offiziell definierte Landessprache. Im Autonomiestatut ist zwar auch die kastilische Sprache als Amtssprache definiert, eine Ungleichbehandlung (»affirmative action«!) ist jedoch erlaubt und ganz im Sinne der Gleichgewichtswahrung. Das Südtiroler Autonomiestatut nach dem Proporzmodell erlaubt kein Korrektiv, alle Sprachen sind immer und überall gleich zu behandeln. Eine Politik, die schnell und flexibel auf Entwicklungen reagieren kann, ist damit ausgeschlossen. Eine asymmetrische – behutsam an hiesige Verhältnisse angepasste – Gesamtlösung nach katalanischem Vorbild wäre nach meinem Dafürhalten ein guter Wegbereiter für die eventuell anzustrebende Unabhängigkeit und Schaffung einer durch und durch idealen, also auch auf individueller Ebene mehrsprachigen Gesellschaft. Ohne den nötigen Sicherheitsabstand zu jedem Nationalstaat bin ich jedoch strikt gegen undifferenzierte Abkürzungen.

Kommentar Lobis: Die katalanische Lösung kann auch eine für Südtirol probate sein, genau das muss eben zukünftig intensiv diskutiert werden, siehe meine Antworten oben. Ich möchte noch darauf hin weisen, dass wir in Südtirol zwar bekanntlich nicht der Nabel der Welt sind, aber eben in exemplarischer Weise vor Herausforderungen stehen, die ganz Europa betreffen. Dazu zitiere ich den bekannten Linguisten Konrad Ehlich aus seinem Vortrag, den er im August 2006 an der Eurac in Bozen gehalten hat: “Nicht nur Europa steht vor der Frage, was aus der Sprache und den Sprachen wird. Europa allerdings steht vor ihr in exemplarischer Weise. Die Antworten des Sprachdenkens werden entweder zu einer einfachen Fortschreibung des Sprachkonzepts des “Projekts Nation” (also mit allen Mitteln durchzusetzende Einsprachigkeit) ad nauseam führen, indem eine der Unionssprachen zur neuen “National”sprache proklamiert oder gemacht wird, also das Englische oder das neue Sprachdenken wird die europäische Zone als eine Art transnationales Experiment, als ein Sprachlabor für die Entwicklung der Sprachensituation in der Welt sehen, in dem – möglicherweise – Lösungen entwickelt werden, die auch für andere Regionen der Welt interessant werden. Wenn es der heutigen Generation nicht gelingt, für die Mehrsprachigkeit tatsächlich neue Modelle zu entwickeln und zu implementieren, dürfte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weitgehende kommunikative Einsprachigkeit ergeben – vielleicht für die nächsten zwei oder drei Generationen eine englische, für die nach ihnen folgende vielleicht eher eine chinesische.” (nachzulesen im Tagungsband “Mehrsprachigkeit in Europa”, August 2006, EURAC Bozen)

Brixen, am 7. Oktober 2008

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