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Wegsperren.
Quotation 62

Das Spannende in Südtirol ist doch die kulturelle Vielfalt. Ich hoffe, dass hier niemand auf die Idee kommt, die Ladiner oder die Italiener wegzusperren. Der richtige Ansatz ist schon, diese Vielfalt innerhalb einer größeren Grenze wahrzunehmen und davon zu profitieren.

Horst Reichenbach, Leiter der Task Force Griechenland der Europäischen Kommission, im dieswöchigen ff-Interview auf die Frage: »In Südtirol diskutiert man im Moment […]: Weg von Italien? Freistaat? Freikaufen…?«

In Anlehnung daran, was ich schon bezüglich Prof. Sonja Puntscher Riekmann geschrieben habe, kann ich nur sagen: Ernüchternd, dass einem überzeugten Europäer zum Thema Unabhängigkeit nichts anderes einfällt, als

  • es zu Mehrsprachigkeit und Vielfalt in Widerspruch zu setzen;
  • undemokratische und menschenrechtswidrige Absichten zu unterstellen.

Siehe auch: 1/ 2/

Kohäsion+Inklusion Medien Plurilinguismo Politik Selbstbestimmung | Quote | | ff | Südtirol/o | EU | Deutsch

8 replies on “Wegsperren.
Quotation 62

in der Tat erschreckend, wie undifferenziert und kleinkariert dieses vermeintlich “europäische Denken” manchmal sein kann. Ein Vertreter jenes Europas, das sich der Überwindung der Nationalismen verschrieben hat, vermag nicht außerhalb des zu Überwindenden zu denken und argumentiert in einzementierten nationalistischen Bahnen. Das ist sowas von widersprüchlich und absurd.

was für eine faschistoide Argumentation!
Ich finde es auch erschreckend, wie in diesen Zeit diskutiert und argumentiert wird. Da hört man Sätze wie “Europa oder Krieg” und ähnliches, ganz so als gäbe es zu dieser EU keine Alternative. Beim Euro dieselbe krankhafte Argumentation: “zerbricht der Euro, zerbricht die EU”. Dabei sind 10 der 27 EU Staaten nicht einmal Euro-Mitglieder. Die EU gab es jahrzehntelang ohne den Euro.
Es ist klar was hier passiert. Um gar nicht erst diskutieren oder vernünftig argumentieren zu müssen, wird jede andere Lösung, jeder abweichende Gedanke, jede andere Meinung mit falschen Totschlagargumenten erledigt.
Und natürlich werden auch alle die solche Meinungen vertreten im selben Atemzuge diffamiert und schlecht gemacht.

Ich finde es immer wieder komisch dass die ff eigentlich nur Interviewpartner mit solchen Ansichten findet. Muss man diese bestimmte Ansicht zur Selbstbestimmung bzw zum freien Staat Südtirol haben um überhaubt zum Interview geladen zu werden?

Naja, ich glaube hier greift auch der von Wolfgang beschriebene Mechanismus. Schade nur, dass dem selbst Leute erliegen, die es eigentlich besser wissen sollten; man darf ja ruhig gegen die Unabhängigkeit sein, dann aber bitteschön mit ehrlichen Argumenten.

Ich finde es immer wieder komisch dass die ff eigentlich nur Interviewpartner mit solchen Ansichten findet.

Ich finde das nicht komisch, ich vermute Vorsatz dahinter. Man sucht sich solche Leute gezielt aus.
Was Südtirol wirklich brauchen würde, wäre eine freie und unabhängige Presse, die wirklich neutral und ohne Scheuklappen oder durch irgendwie gefärbte Brillen sieht.

Ich glaube nicht, dass die ff unfrei oder abhängig ist. Und genausowenig bin ich der Meinung, dass sie sich ihre Interviewpartner danach aussucht, was sie von der Unabhängigkeit halten.

Vielmehr zeigen die Antworten dieser Leute m. M. n., wie wenig über politische Inhalte nachgedacht und wieviel einfach gesagt wird, weil es (ganz egal, wie haarsträubend die zugrundeliegende Argumentation ist) diplomatisch und korrekt scheint.

Ich bin überzeugt: Wäre Südtirol bereits unabhängig, würden die Antworten diametral entgegengesetzt ausfallen — nämlich dahingehend, dass die Souveränität unseres Landes nicht in Frage stehe, sie die Vielfalt garantiere, ein Europa im Kleinen darstelle usw. usf.

Offensichtlich ist es eben am einfachsten, dem status quo das Wort zu reden, weil man dafür weder eine eigene Meinung noch Argumente benötigt und man sich dadurch auch keinen Ärger einhandelt. Traurig ist es allemal.

Hier wird ja fast angedeutet, dass wenn Südtirol ein eigener Staat werden würde, es die Gefahr bestehen könnte, dass Internierungslager für die beiden kleineren Sprachgruppen eingerichtet würden.

Ist das eine geschmacklose Provokation oder ist das einfach ein Ausguß von Dummheit und Ignoranz?

Wenn man Reichenbachs idiotische Aussage wörtlich nimmt, so würde das bedeuten, dass z.B. 26% der Bevölkerung (falls die Italiener in Südtirol betroffen würden), interniert würden. So einen extremen Wahnsinn haben nicht einmal Verbrecher wie Stalin, Hitler, Mao oder Pol Pot geschafft.
Interessant zu wissen, wie Herr Reichenbach das Demokratieverständnis der Südtiroler einschätzt.

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