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Keine Solidarität?

Am 16. Oktober wurde im Rahmen der ZDF-Sendung »heute in Europa« folgender Bericht ausgestrahlt:

Darin wird am Beispiel Südtirol die These vertreten, in der Krise schaue jeder zuerst auf sich selbst. Ein erstes Opfer des Notstands sei der Zusammenhalt, die Solidarität: Die Südtiroler sähen nicht ein, warum sie für den ärmeren Süden sparen sollten.

Eigentlich hätte es genügt, dem von Journalistin Antje Pieper (ZDF-Studio Rom) befragten Robert Weißensteiner, Chefredakteur der Südtiroler Wirtschaftszeitung und beileibe kein Nationalist oder Separatist, aufmerksam zuzuhören, um ein etwas differenzierteres Bild zu erhalten. Er stellt (wie übrigens ) die Tatsache in den Mittelpunkt, dass Montis Einschnitte illegal sind.

Es geht also nicht nur um die mittlerweile unerträglich gewordene Höhe der aufgezwungenen Sparmaßnahmen, sondern vor allem um die Art ihrer Durchsetzung. Hier kommt das Recht des Stärkeren zur Anwendung, was viele Südtiroler nicht zu Unrecht grundsätzlich an Güte und Sicherheit der Autonomie zweifeln lässt.

Hat es denn etwas mit mangelnder Solidarität zu tun, wenn man die Einhaltung von Spielregeln fordert? Auch die Deutschen würden mit Sicherheit aufbegehren, wenn sie bei den europäischen Hilfsmaßnahmen nicht mitreden dürften, sich Brüssel vielmehr selbst am Haushalt der Bundesrepublik bedienen würde. Wenngleich Südtirol kein Staat ist, kann man das Vorgehen Roms sehr wohl damit vergleichen, denn hier wird massiv in eine verbriefte Zuständigkeit des Landes eingegriffen.

Übrigens spricht sich niemand unter Südtirols Unabhängigkeitsbefürwortern, auch nicht die Rechten, für einen Austritt aus der europäischen Solidargemeinschaft aus. Die Südtiroler sind nämlich sehr wohl bereit, gleich viel zur Rettung des Euro und des europäischen Friedensprojekts beizutragen, wie alle anderen Europäer auch.

Dass das Argument des wirtschaftlichen Egoismus zu kurz greift, um die derzeitigen Separationstendenzen zu erklären, wurde neulich auch im Artikel Europas neue Staaten (Telepolis) entkräftet.

Siehe auch:
Medien Solidarieté Wirtschaft+Finanzen Zentralismus | | | Telepolis ZDF | | | Deutsch

38 replies on “Keine Solidarität?”

Es läßt sich feststellen, dass das Thema „Unabhängigkeitsbestrebungen in Europa“ vielfach fast schon populistisch vereinfacht wird.
Beispiel Südtirol: Gegner oder Kritiker der Unabhängigkeit werfen den Befürwortern gerne Populismus und eine Neigung zu Stammtisch-Argumentationen vor. Dieser Vorwurf hindert besagte Gegner oder Kritiker allerdings nicht in ihren Argumentationen mit dreisten und gefährlichen Vereinfachungen zu hantieren. Immer wieder sind dieselben, platten Stereotype zu vernehmen: Unabhängigkeit ist gleichzusetzen mit Egoismus, wer für die Unabhängigkeit ist, ist gegen die Mehrsprachigkeit, wer für die Unabhängigkeit ist der zündelt oder riskiere einen Krieg, wer für die Unabhängigkeit ist, der muss einen erneuten Antrag zur EU-Mitgliedschaft stellen usw.
Jede dieser Behauptungen ist eine populistische Vereinfachung einer weit komplexeren Realität und läßt sich argumentativ zerlegen. Allerdings sind diese Gegenargumente, wenn seriös vorgebracht, wesentlich anspruchsvoller als platte Behauptungen und deshalb auch nicht geeignet für die schnelle Schlagzeile.
Zu einigen der angeführten „Totschlagargumenten“:
a) Solidarität erreicht man nicht mit Rechtsbruch und Zwangsmaßnahmen in einem Verhältnis von Stärkerem (Zentralstaat) zu Schwächerem (Region), sondern durch Verhandlungen auf Augenhöhe und Respekt. Im Falle von Minderheiten ist die Argumentation mit nationalstaatlicher Solidarität, und diese wird im Falle von Südtirol eingefordert, sowieso grundlegend zu thematisieren und in Frage zu stellen. Das europäische Projekt versucht diese Solidarität ja der nationalstaatlichen Logik zu entziehen – bisher allerdings noch mit wenig Erfolg.
b) Das Thema Mehrsprachigkeit wird häufig als Argument für einen Verbleib bei Italien angeführt. Als ob der Nationalstaat Italien eine Garantie für die Mehrsprachigkeit in Südtirol sei. Genau das Gegenteil ist Fall. Langfristig ist der Nationalstaat Italien eine Gefahr für das mehrsprachiges Südtirol. Beispiele aus Sardinien, Friaul und Aosta sollten hier eine Warnung sein. Wie sieht es dort mit der Mehrsprachigkeit aus? Demgegenüber floriert die Mehrsprachigkeit z.B. in Graubünden, da dieser eh schon mehrsprachig konzipierte Kanton Mitglied der mehrsprachigen Schweiz ist, die über einen mehrsprachigen Quellcode verfügt.
c) Eine Demokratie zeichnet sich durch eine funktionierende Streitkultur aus. Totschlagargumente fördern diese nicht und sind somit auch nicht geeignet Konflikte zu lösen. Absurde Kriegs-Beschwörungen sind wenig hilfreich für eine demokratisch verankerte Streitkultur.
d) Das Totschlagargument EU-Mitgliedschaft hat sich dank Katalonien und Schottland mittlerweile ja fast schon von selbst erledigt. Selbst Exponenten wie Reding haben sich hier schon klar ausgesprochen und damit belegt, dass gesellschaftlicher Fortschritt nicht durch status-quo Beschwörungen erreicht wird, sondern dadurch, dass inhaltliche Fragen und nicht juristische Fragen ins Zentrum der Debatte gerückt werden.

La cosa che mi fa più specie è come moltissimi esultino dei vari articoli apparsi sul Sudtirolo negli ultimi mesi. Di solito il quadro che si cerca di dare della nostra situazione è sempre molto semplificato; raro è che vengano spiegate bene le ragioni storiche del „secessionismo“ (anche se per esempio qui da noi „ewiggestrig“ è divenuto nella prassi proprio un sinonimo dispregiativo di „secessionista“).
Delle ragioni interne che poi son quelle di BBD (dialettica maggioranza/minoranza, disagio, straniamento, che provocano divisione etnica a tutti i livelli dall’asilo, alla politica) non si fa MAI cenno, anche perchè è una posizione francamente molto minoritaria che non ha fatto breccia nemmeno sulla scena politica locale.
Il messaggio è questo: Roma chiude i rubinetti a Bolzano ed i sudtirolesi, non volendo pagare per i „poveri“ italiani, decide che piantarli in asso ed andarsene per conto proprio sarebbe la scelta più economicamente conveniente.
Se il messaggio che passa in Europa è questo, non vedo di che giubilare… sarebbe quasi meglio che quegli articoli non fossero mai stati scritti.

Secondo: molti affermano che da noi si sta muovendo qualcosa. Ma cosa? Francamente non saprei rispondere. Rispetto al 2007 non è cambiato nulla. C’è sempre una parte della „destra pantirolese“ come la chiama l’AA che vuole l’indipendenza, gli italiani che ufficialmente non ne vogliono sapere e la SVP che, sorniona, fa le sue mosse tenendo buoni gli uni con lo spettro degli altri ed intanto rafforza il suo sistema…
Gli unici che hanno manifestato apertamente per l’autodeterminazione son stati gli Schützen che, dopo essere abbondantemente stati bombardati dai media prima ed ignorati poi, son anche stati lasciati completamente soli dalla politica e dalla società . (Cacchio, nemmeno i contestatori c’erano!)

Bisogna rendersi conto delle cose e guardare in faccia alla realtà ; son tutte balle, ma che forse rivelano impietosamente qualche aspetto importante:
A- Dei motivi interni per l’autodeterminazione non gliene frega proprio niente a nessuno (a parte forse ad una parte di quelli che leggono questo blog).
B- Dei motivi economici importa ad una parte dell’economia, ben controbilanciata da quella parte che vorrebbe ancora più Italia e che per catturare qualche turista in più dipingerebbe il pennacchio di fumo sull’Ortles e metterebbe le gondole nell’Adige.
C- Dei motivi storici importa ad una minoranza che però è biologicamente destinata ad estinguersi nei prossimi decenni. Ed io dubito che le prossime generazioni ne raccoglieranno l’eredità . A loro frega dell’Iphone5 e del „Cool sein“…
D- Detto questo, al momento non si sta muovendo proprio nulla, come è prevedibile; persino gli sforzi per salvare l’autonomia sono scarsi (Dellai sembra ben più determinato). E credo che in futuro non si muoverà  granchè; perchè? Semplice: perchè non gliene frega niente a nessuno!!!

Sono d’accordissimo con te sul primo punto: Non capisco proprio perché ci sia chi, fra coloro che propugnano l’indipendenza, esulta per questo genere di articoli e/o filmati (anche i «tuoi» Schützen, tra gli altri). Oppure sì… credo che in parte non si rendano nemmeno conto del vero significato di questi «contributi», che in maniera più o meno esplicita confermano l’inaccettabilità  di un modello esclusivista nell’Europa odierna.

Sul secondo punto… qualcosa a mio avviso si muove, ma molto, troppo lentamente. Alcuni si stanno veramente rendendo conto di come vada impostato un discorso che porti avanti tutto il Sudtirolo e non solo un gruppo etnico.

D’altro canto i maggiori sviluppi si hanno all’esterno del Sudtirolo, in regioni come Scozia e Catalogna. Io avevo sempre auspicato un ruolo più attivo e da protagonista anche della nostra regione, ma purtroppo per ora non è così. Spero almeno che la strada che gli altri stanno aprendo possa un giorno essere battuta anche da noi — in maniera positiva, coesiva e inclusiva.

Ich habe mir den Beitrag angesehen. Leider stimmt der einleitende Kommentar mit dem Inhalt in keiner Weise überein. Alle Interviewpartner betonten, dass man bereit wäre einen Beitrag zu leisten. Was hat das denn mit mangelnder Solidarität zu tun?

Semplice: perchè non gliene frega niente a nessuno!!!

Bravo fabivs, besser kann man es nicht zusammenfassen!
Und es gibt dabei Hauptgruppen:
Den einen geht es ökonomisch „noch“ so gut, dass sie sich kein bisschen für diese Problematik interessieren, weil sie einfach nicht damit konfrontiert werden.
Und den anderen geht es mittlerweile ökonomisch so schlecht, dass ihnen diese Problematik am Arsch vorbei geht!

Aber es ist nun mal so, oder warum denkst du, dass gerade jetzt diese Diskussion wieder mehr Luft bekommt? Meiner Meinung nach ist das einfach die Angst, unsere ökonomisch privilegierte Stellung in Italien zu verlieren!

Ich werde nicht müde, es zu schreiben: Obwohl selbst für mich, der ich ökonomische Argumente nie in den Mittelpunkt gestellt habe, die Grenze der wirtschaftlichen Belastbarkeit erreicht ist, ist etwas anderes viel wesentlicher. Ich habe es bereits oben im Artikel geschrieben:

Es geht [also] nicht nur um die mittlerweile unerträglich gewordene Höhe der aufgezwungenen Sparmaßnahmen, sondern vor allem um die Art ihrer Durchsetzung. Hier kommt das Recht des Stärkeren zur Anwendung, was viele Südtiroler nicht zu Unrecht grundsätzlich an Güte und Sicherheit der Autonomie zweifeln lässt.

C’è sempre una parte della ”destra pantirolese” come la chiama l’AA che vuole l’indipendenza, gli italiani che ufficialmente non ne vogliono sapere e la SVP che, sorniona, fa le sue mosse tenendo buoni gli uni con lo spettro degli altri ed intanto rafforza il suo sistema…

La risposta è qui, direi. Non è che non gliene freghi niente a nessuno, è che ciascun raggruppamento vuole o non vuole cose decisamente diverse da quelle degli altri. Il problema di BBD forse sta nel fatto di non avere nessun raggruppamento a cui dare e da cui ricevere supporto.

Demgegenüber floriert die Mehrsprachigkeit z.B. in Graubünden, da dieser eh schon mehrsprachig konzipierte Kanton Mitglied der mehrsprachigen Schweiz ist, die über einen mehrsprachigen Quellcode verfügt.

Si, ma mi pare chiaro che il Sudtirolo non assomiglia né ai Grigioni né alla Svizzera, né tantomeno alla Catalogna o alla Scozia, ma piuttosto al Belgio o ai paesi baltici, se proprio si vogliono vedere dei parallelismi, con tutto quello che ne consegue.

Appunto: Se il Sudtirolo (all’interno dello stato nazionale) fosse già  in una situazione analoga a quella (pur perfettibile) dei Grigioni, non ci sarebbe più la necessità  di un progetto come quello di BBD. All’Italia (come all’Austria, alla Germania, alla Francia ecc.) manca quel «Quellcode» plurilingue di cui parla niwo.

Il problema di BBD forse sta nel fatto di non avere nessun raggruppamento a cui dare e da cui ricevere supporto.

probabilmente l’unico modo sarebbe quello di creare un movimento politico, che tenti di aggregare attorno a sè una certa massa pigliando consenso trasversalmente ai raggruppamenti già  esistenti. Sarebbe probabilmente la soluzione più efficace per dare visibilità  alle idee qui contenute, al di là  del successo o insuccesso elettorale.
Questo però è un passo che non si compie così per caso e che richiede un grande investimento di tempo, responsabilità  e mille altre cose. Così non è affatto una meraviglia che ciò non sia ancora successo e non stia per succedere; anzi è assolutamente comprensibile che l’idea sia sempre stata accantonata.

Oder einfach die BBD Ideen in die bestehenden Parteien tragen und damit die Politiker für die europäische Lösung des Südtirolproblems gewinnen. Ich glaube dass viele bis alle dieser Parteien sich dafür offen zeigen werden.

Oder einfach die BBD Ideen in die bestehenden Parteien tragen und damit

Sarebbe sbagliato credere che ciò finora non sia avvenuto. Il problema dei gruppi esistenti è che finora han preso questa o quell’idea, senza però far propria la prospettiva complessiva. Su BBD si discute di tante idee, di cui l’una o l’altra, da Seppi a Heiss a Knoll, posson andare bene a tutti: l’indipendenza, piuttosto che il progressivo sparire della proporzionale, la scuola multilingue, il bilinguismo effettivo.
Solo che prendendo un articoletto qui ed uno lì senza assumere la visione compessiva si rischia di non riuscire ad incidere ed ad essere spacciati una volta per l’avanguardia di Knoll & Klotz contro i nomi di Tolomei ed i monumenti fascisti, due giorni dopo per gli epigoni Multi-kulti dei Verdi che parlano di abbattere le „barriere etniche“, salvo poi ritrovarsi citati sulle faziose pagine dell’Alto-Adige in funzione anti „destra tedesca“ etc… tutte cose già  capitate ed abbondantemente discusse… in questo modo del messaggio complessivo di BBD, essendo filtrato da questo o quell’attore politico, alla gente non arriva che qualche pezzettino smangiucchiato.

Man lässt in der Diskussion gerne zu oft außer acht, dass auch alle anderen Regionen von den Sparmaßnahmen getroffen werden. Eine Diskussion über diese Thematik ist in Südtirol meist auch immer auf Südtirol bezogen. Man vernachlässigt den nationalen Kontext.

Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn das ZDF den Südtirolern eine Solidarität mit anderen Regionen abspricht. Man kann durchaus den Eindruck gewinnen, es gehe nur um die Vertretung von Eigeninteressen, da die Nationale Ebene der Entscheidungen, die in Rom gefällt werden weitläufig ausgeblendet werden.

Auch die Gegenargumentation man würde nur sein Gesetzmäßig verankertes Recht einfordern greift zu kurz. In allen Fällen, wo der Staat gegen die Autonomiebestimmungen verstoßen hat wurde vom Land zu Recht eine Klage beim Verfassungsgericht eingereicht. Das war bis jetzt 2x der Fall. Alle anderen Entscheidungen betreffen gezielt ganz Italien. Alles was wir dagegen als Postulat vorbringen ist „wir armen Südtiroler“, ohne dabei einen Blick über die Landesgrenzen hinweg zu werfen und uns auf nationaler Ebene Medial zu solidarisieren. Kein Wunder also wenn man von außen zu einer derartigen Einschätzung kommt.

Es geht um die Argumentation im Allgemeinen. Wann wurden in den Print-Medien, oder hier auf BBD die Entscheidungen Roms auf nationaler Ebene diskutiert?

Solidarität? Fehlanzeige.

Ich bringe auch gerne ein Beispiel: Hier wird weiterhin suggeriert die 350 Millionen Euro die der Staat in Südtirol einspart wandern nach Sizilien, obwohl ich nach einer Anfrage bei Durnwalder das Gegenteil beweisen konnte:

[…] es steht damit nicht unser Recht in Frage, diese Mittel auch zu bekommen, sondern nur der Zeitrahmen, in dem uns diese Mittel zufließen.

Solidarität? Sicher nicht. Stattdessen steht im Subtext wir geben das Geld den Mafiosi.

Und noch eins:
Ladenöffnungszeiten
Sind das nur Einschnitte in die Autonomie, oder Einschnitte in die Kompetenzen aller Regionen Italiens?

Fazit: Mich wundert die Einschätzung des ZDF kein bisschen. Im Gegenteil, ich gebe ihr sogar Recht, auch, wenn ich die Einwände von succus Teile und der Beitrag sicherlich weit entfernt vom journalistischen Standard des ZDF ist.

Mit dir zu diskutieren, ist wirklich eine Crux… denn du diskutierst (wie auch bei der Diskussion über die Grenze) einfach an sämtlichen Gegenargumenten vorbei.

Südtirol hat ein Autonomiestatut, das im Verfassungsrang steht und darüberhinaus auf internationalen Verträgen fußt. Es ist deshalb nicht legitim, Südtirol mit den anderen Regionen Italiens über einen Kamm zu scheren. Um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Was der Staat in anderen Regionen darf, darf er in Südtirol noch lange nicht — es sei denn, wir gestehen uns ein, dass die Autonomie (in vielen Bereichen) wertlos ist.

BBD will nicht den Eindruck erwecken, Südtirol gehe es schlechter, als anderen italienischen Regionen. BBD macht vielmehr darauf aufmerksam, dass der Zentralstaat in vielen Bereichen so agiert, als gäbe es kein Autonomiestatut. Wir sind übrigens mit dieser Bewertung nicht alleine; selbst der Obmann der Autonomiepartei SVP teilt diese Auffassung.

In allen Fällen, wo der Staat gegen die Autonomiebestimmungen verstoßen hat wurde vom Land zu Recht eine Klage beim Verfassungsgericht eingereicht. Das war bis jetzt 2x der Fall.

Hast du dafür eine Quelle? Der Landeshauptmann spricht nämlich von »10-12 Fällen«, das ist ein großer Unterschied. Dass man überhaupt vor dem Verfassungsgericht klagen muss, spricht doch eine eindeutige Sprache: Mir wäre nicht bekannt, dass deutsche und österreichische Bundesländer oder Schweizer Kantone jemals gegen den Bund hätten klagen müssen — wenn doch, ist das die absolute Ausnahme.

Mit dir zu diskutieren, ist wirklich eine Crux… denn du diskutierst (wie auch bei der Diskussion über die Grenze) einfach an sämtlichen Gegenargumenten vorbei.

Wenn ich das mache, dann darfst du mich – wenn du möchtest – gerne darauf hinweisen. Mir ist derlei Fehlverhalten nicht bekannt. Wenn ich Schmarrn von mir gebe (und das kommt durchaus öfters vor) dann habe ich auch kein Problem damit diesen Sachverhalt klarzustellen und mich für etwaige Desinformation/Denkfehler zu entschuldigen. Dieser berichtige ich auch dann in meinen Kommentaren. Wie schon öfters geschehen.

Dann bring’s doch mal auf den Punkt. Wo verstößt der Staat konkret gegen Autonomiebestimmungen? Und dich meine damit eindeutige Gesetzesverstöße. Mit Link zum Gesetzestext, sodass es für jeden eindeutig ersichtlich wird. Ich bin gespannt.

Hast du dafür eine Quelle? Der Landeshauptmann spricht nämlich von »10-12 Fällen«, das ist ein großer Unterschied.

Hast du du für die Aussage des Landeshauptmannes eine Quelle? Für meine Teil muss ich zugeben, dass ich mich vertan habe. Das Land behandelte einen Antrag zur Verfassungskalge von Andreas Pöder dieser wurde jedoch abgewiesen. Ebenso ist die Verfassungsklage wegen der Ladenöffungszeiten hinfällig. Da wurde nur gedroht, nie Klage eingereicht. Mein Fehler. Da hab ich mich geirrt. In diesem Sinne bin ich aber auf deine 10-12 Verfassungsverstöße gespannt. Dies untermauert aber nur meine oben vertretene Meinung. Wenn es einen Gesetzesverstoß gibt, warum klagen wir dann nicht?

Südtirol hat ein Autonomiestatut, das im Verfassungsrang steht und darüberhinaus auf internationalen Verträgen fußt. Es ist deshalb nicht legitim, Südtirol mit den anderen Regionen Italiens über einen Kamm zu scheren.

Handelt es sich nicht um Einschnitte ins Autonomiestatut, so ist mein Einwand aber legitim. Filter mal die Gesetze die ausschließlich Südtirol betreffen. Da bleibt nichts über. Zentralismus ist nicht nur auf die Beziehung Rom-Südtirol beschränkt.

Wo verstößt der Staat gegen das Autonomiestatut? Wo?

Meine Frage am Ende meines Beitrages ist übrigens nicht polemisch gemeint. Ich hätte nur gerne konkrete Fakten, auf die ich misch stützen kann. Dann kann ich auch deine Meinung vertreten, aber bei meinem jetzigen Wissenstand kann ich das leider nicht.

@m.gruber

Vielleicht verwechselst du einen Polit-Blog mit wissenschaftlicher Arbeit. Natürlich könnte man alles noch besser zitieren und mit Fakten untermauern und dadurch um Lichtjahre gediegener sein, als diejenigen, die viel Geld für ihre politische Arbeit bekommen und die „kommerziellen“ Medien, die von der Verbreitung von Informationen leben.

Im Übrigen verfügt der BBD Blog vielfach über Informationen, die wesentlich gediegener aufbereitet werden als von Parteien, Politikern, Verwaltern und wissenschaftlichen Instituten wie Eurac usw. die für ihre Arbeit gut bezahlt werden.

Filter mal die Gesetze die ausschließlich Südtirol betreffen. Da bleibt nichts über.

Und warum machst du das nicht selbst, mit Quellen und/oder Fakten, bevor du so eine haltlose Unterstellung hier in die Diskussion einbringst.

Um bei der Diskussion zu bleiben, natürlich ist der ökonomische Aspekt einer der Hauptgründe für das Erstarken der Selbstbestimmungsbefürworter, ob es einem gefällt oder nicht. Die Frage ist jetzt, ob es eine Partei/Bewegung gibt, die dieses Erstarken kanalisieren kann, in eine Richtung, die vielleicht BBD-ähnlich sein könnte.

Der „Traumschiff“-Kapitän ist auch schon auf unserer Seite, was kann jetzt noch schiefgehen :).
Spaß beiseite, ich glaub Südtirol war selten so im Mittelpunkt der internationalen Presse wie gerade jetzt. Beinahe täglich gibt es neue Sendungen die im Zusammenhang mit den Unabhängigkeitsbestrebungen in Europa Südtirol als Beispiel nennen. Ein Beispiel hierfür ist einmal mehr der bekannte bayrische Schauspieler Siegfried Rauch, den wahrscheinlich viele so wie ich schon seit Kindesbeinen an kennen. Er hat in der beliebten ARD-Sendung „hart aber fair“ zu Südtirol ein klares Statement abgegeben:

http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2012/10/23/traumschiff-kapitaen-s-rauch-ein-suedtiroler-will-kein-italiener-sein.html

Viel interessanter, als das, was der Traumschiffkapitän sagt, finde ich die Aussagen von Terry Reintke, immerhin Sprecherin der Federation of Young European Greens, die sinngemäß sagt, die Europäische Union könne der Rahmen für mehr Selbständigkeit sein. Gleich nach der Passage, die man im Südtirol-News-Ausschnitt sehen kann, wird sie zwar von Alexander Graf Lambsdorff (FDP) zurückgepfiffen — doch sie scheint als einzige verstanden zu haben, dass eine stärkere europäische Einigung, die Überwindung von Nationalstaaten und eine neue, selbstbewusste Rolle der Regionen sich nicht widersprechen, sondern einander geradezu bedingen. Die ganze Hart-Aber-Fair-Sendung fußt ja auf dem Missverständnis, die Unabhängigkeitsbewegungen in Europa wären eine »Gegenbewegung« zum Einigungsprozess.

@niwo:

Im Übrigen verfügt der BBD Blog vielfach über Informationen, die wesentlich gediegener aufbereitet werden als von Parteien, Politikern, Verwaltern und wissenschaftlichen Instituten wie Eurac usw. die für ihre Arbeit gut bezahlt werden.

Ja, das stimmt. Ich bin mir bewusst, was hier geleistet wird und schätze das sehr. BBD ist für mich der einzige Polit-Blog in Südtirol, den man lesen kann.

Es geht mir nicht darum, was BBD besser machen könnte. Ich will ‚was lernen. Hier hab ich die Möglichkeit. In dieser Hinsicht bin ich Egoist.

@johnny und niwo:

Und warum machst du das nicht selbst, mit Quellen und/oder Fakten, bevor du so eine haltlose Unterstellung hier in die Diskussion einbringst.

Hab ich ja gemacht. Ich lese und arbeite mich in meiner Freizeit durch Gesetzestexte durch. Schreibe Parlamentariern/Landesabgeordneten Emails ( Peterlini, Zeller, Durnwalder ), da kriegt man auch am meist am gleichen Tag Antwort.

Mein Problem dabei: ich habe bis jetzt noch keinen Gesetzesverstoß des Staates finden können. Was hier besprochen wird sind alles Gesetzesentwürfe, oder „decreti legislativi“, die, weil es eben Entwürfe, oder dem Autonomiestatut untergeordnet sind keinen Rechtsbruch darstellen.

Gleichzeitig lese ich jedoch auf BBD ständig von „glasklaren Rechtsbrüchen“ und „eindeutigen Gesetzesverstößen“ und ich frage mich eben, wo die sind? Ich habe bis jetzt keinen gefunden.

Zugegeben ich habe bis jetzt auch nur zwei Mal genauer recherchiert. Hier und hier. Gesetzesverstöße waren jedoch stets Fehlanzeige. Hinzu kommt, dass das Land noch nie Verfassungsklage erhoben hat. Worin ich mich ebenfalls in meiner Meinung bestätigt fühle, dass es keine Gesetzesverstöße gibt.

Auch wenn ich BBD schätze, so vertraue ich nicht blind darauf, was hier geschrieben steht. BBD hat ja diesbezüglich eine klare Tendenz:
In eurem Manifest bezeichnet ihr die Autonomie der Provinz als keine angemessene Grundlage in kultureller, sozialer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Hinsicht und benutzt etwaige Einschränkungen der Autonomie als Untermauerung dieser These. Recherche lohnt sich natürlich nicht, wenn man dabei draufkommt, dass einem ein zentrales Argumentationsmuster abhanden kommen könnte. Ebenso verhält es sich auch bei den Blogs der Südtiroler Parteien.

Ich schaff auch noch den Bogen zur Solidarität :
Man muss in Südtirols Medianlandschaft schon suchen um einen nationalen Blick auf die Entscheidungen Roms zu ergattern und dem gebetsmühlenartig wiederholten, konstruierten Konflikt Rom -> Südtirol zu entweichen.
In einem Umfeld ständiger Bedrohung ( zumal man dieses für real hält ) fällt es natürlich auch schwer solidarisch zu sein, weil man da ständig mit sich selbst beschäftigt ist.

Ok, dann habe ich noch eine Frage, wenn wie du schreibst, alle diese „decreti legislativi“ dem Autonomiestatut untergeordnet sind, warum haben sie dann einen direkten Einfluss auf unser, auf mein Leben? Das kann doch nur bedeuten, dass man ohne rechtliche Grundlage die Autonomie beschneidet, und was wäre das dann anderes als Rechtsbruch?

Hab‘ ich da richtig verstanden?

Du fragst mich doch, wie es denn sein kann, dass ein „decreto legislativo“, das Einfluss auf dein/unser Leben hat kein Rechtsbruch sein kann?

Also ist ein Rechtsbruch für dich etwas, das aus Rom kommt und „direkten Einfluss auf unser und dein Leben“ hat?

Eine ziemlich undifferenzierte Stammtisch-Meinung, oder wie kann ich deine Frage anders verstehen?

Art. 76 der ital. Verfassung (bezieht sich auf die decreti legislativi) sagt folgendes:

Die Ausübung der gesetzgebenden Gewalt darf nicht der Regierung übertragen werden, es sei denn
unter Festlegung entsprechender Bedingungen und Grundsätze nur auf begrenzte Zeit und nur für
bestimmte Gegenstände.

Off topic, aber trotzdem:

Bitte *welche* Südtiroler Politiker sind für diese Peinlichkeit verantwortlich?

Die Kommentatoren des Standard kenne ich- und schätze sie auch meistens- trotzdem traurig, wie sehr gegen Südtirol polemisiert wird. Aber wir sind selbst schuld, daß wir als Rosinenpicker vor dem Herrn wahrgenommen werden. Wenn ich allein an die leidige Geschichte der unbezahlten Strafzettel derr Studenten in Innsbruck denke…

@Martin
Also, wenn ein decreto der Autonomie untergeordnet ist, dann kann es doch keinen Einfluss auf Südtirol haben, denn hier regiert das Autonomiestatut!! Und wenn unser Auonomiestatut wirklich Verfassungsrang hat, kann man es doch nicht mit einem decreto aushebeln, oder?
Wahrscheinlich verstehe ich zu wenig von der ganzen Materie, und vielleicht könnte mir jemand weiterhelfen, um ein bisschen zu verstehen, wie gut-schlecht unsere Autonomie wirklich abgesichert ist.

Recherche lohnt sich natürlich nicht, wenn man dabei draufkommt, dass einem ein zentrales Argumentationsmuster abhanden kommen könnte.

Das finde ich eine wirklich dreiste Behauptung. Ich bilde mir sogar ein, überdurchschnittlich viel zu recherchieren — und das nicht nur »im Interesse meiner Thesen«. Um deine Frage nach der tatsächlichen Anzahl eingereichter Verfassungsklagen zu beantworten habe ich inzwischen angeschrieben: Das Landespresseamt (von dem ich keine Antwort bekommen habe), Dr. Karl Zeller (der mir geschrieben hat, dass er das nicht genau sagen könne), das Landesamt für Kabinettsangelegenheiten (wo man mich an das Büro des Landeshauptmanns verwiesen hat) und schließlich den Landeshauptmann selbst (von dem ich leider ebenfalls keine Antwort bekommen habe). Trotzdem dürfte inzwischen das neuliche Urteil des Verfassungsgerichts als erste Antwort taugen.

Soeben eingetroffene Mail:

Sehr geehrter Herr Constantini,

in Bezug auf Ihre E-Mail vom 24. Oktober d. J. bestätige ich Ihnen die von Ihnen genannten Zahlen bezüglich der laufenden Rekurse des Landes beim Verfassungsgerichtshof. Es findet praktisch keine Sitzung des Südtiroler Landtages statt, in der nicht auch eine Ratifizierung von Dringlichkeitsbeschlüssen der Landesregierung in Sachen Anfechtung von staatlichen Gesetzen auf der Tagesordnung steht. Angefochten werden in erster Linie Verletzungen von Autonomiebestimmungen auf dem Gebiet der Finanzen (Mailänder Abkommen).

Ich hoffe sehr, Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen.

DER LANDESHAUPTMANN
Dr. Luis Durnwalder

in Beantwortung meiner Mail:

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann,

neulich war in den Medien davon die Rede, das Land habe vor dem Verfassungsgericht „10-12 Rekurse“ bzw. Anfechtungen wegen Kompetenzüberschreitungen des Staates (Autonomiestatut, Mailänder Abkommen usw.) eingereicht. Können Sie mir diese Zahlen bestätigen?

Für eine diesbezügliche Auskunft wäre ich Ihnen sehr dankbar!

Ich würde sagen, damit ist m.grubers Vermutung

In allen Fällen, wo der Staat gegen die Autonomiebestimmungen verstoßen hat wurde vom Land zu Recht eine Klage beim Verfassungsgericht eingereicht. Das war bis jetzt 2x der Fall.

widerlegt. Grundsätzlich bin ich aber der gleichen Meinung wie niwo, dass wir als Politik-Blog nicht wissenschaftliche Quellenforschung betreiben müssen.

ZUM EINEN:
Ein Rekurs (ricorso) ist keine Klage. http://it.wikipedia.org/wiki/Ricorso
Ich bin kein Jurist, aber ein Rekurs ist in meinem Vertändnis eine Anfrage auf Überprüfung. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Die Lehrer in der Schule werden ja auch nicht verklagt, wenn ein Rekurs bei Nichtversetzung eingereicht wird.

Selbst wenn einem Rekurs beim Verfassungsgericht stattgegeben wird, wird damit kein „Rechtsbruch“, oder Gesetzesverstoß oder „Vertragsbruch“ von Seiten des Staates festgestellt, sondern der Anfrage/dem Rekurs wird stattgegeben.

Haarspalterei? Nein, denn genau mit diesen harten und falschen Bezeichnungen „Rechtsbruch“, „Vertragsbruch“ unterfüttert ihr euer Bild vom bösen Staat und seiner in alle Ewigkeit unterdrückten Provinz. Auch wenn ich mich wiederhole:

In einem Umfeld ständiger Bedrohung ( zumal man dieses für real hält ) fällt es natürlich auch schwer solidarisch zu sein, weil man da ständig mit sich selbst beschäftigt ist.

ZUM ANDEREN:
Ich sage u.a.:

Recherche lohnt sich natürlich nicht, wenn man dabei draufkommt, dass einem ein zentrales Argumentationsmuster abhanden kommen könnte. Ebenso verhält es sich auch bei den Blogs der Südtiroler Parteien.

Du antwortest darauf u.a.:

Das finde ich eine wirklich dreiste Behauptung. Ich bilde mir sogar ein, überdurchschnittlich viel zu recherchieren — und das nicht nur »im Interesse meiner Thesen«.

Und dann lese ich in einem deiner Kommentare das:

Was ich nun aber wirklich putzig finde, ist, dass du BBD Einseitigkeit vorwirfst. Genausogut könntest du den Freiheitlichen, den Kommunisten oder irgendeiner Partei Einseitigkeit vorwerfen. Thema verfehlt, lieber Martin. Wir sind hier kein objektives Nachrichtenblog, die Nachrichten sind draußen im Netz und für jeden abrufbar, wir sammeln hier das, was unsere Idee weiterbringt. Unparteilichkeit ist nicht unser Anspruch, unser Anspruch ist aber sehr wohl die Redlichkeit in der Argumentation, […]

Dann war meine Behauptung wohl doch nicht so dreist, wenn du ähnliche Worte dafür findest.

Ich glaube, deine Haarspalterei bzgl. Rekurs hat keinen Sinn. Sie ändert nämlich nichts an der Substanz: Wird dem Rekurs oder der Anfechtung stattgegeben, heißt das, dass das beanstandete Gesetz verfassungswidrig war. Das ist nämlich die Grundlage für einen Entscheid des Verfassungsgerichts.

Was hingegen die Objektivität betrifft… vielleicht hättest du auch diesen Satz berücksichtigen sollen:

Unparteilichkeit ist nicht unser Anspruch, unser Anspruch ist aber sehr wohl die Redlichkeit in der Argumentation, […]

Das heißt nämlich, dass ich sehr wohl in alle Richtungen recherchiere, um die Güte meiner Argumente zu überprüfen. Konkret: Wüsste ich, dass das Verfassungsgerichtsurteil keiner Feststellung eines Vertragsbruchs gleichkommt, würde ich sicherlich nicht so argumentieren.

ich bin ebenfalls kein jurist. aber ist rekurs nicht einfach nur der in südtirol gängige „italianismus“ für berufung. also das rechtsmittel um gegen ein urteil (gericht) bzw. einen bescheid (verwaltung) vorzugehen. wird dem stattgegeben, kommt es zu einem neuen urteil bzw. bescheid.

in diesem sinne verstehe ich die wortwahl auch nicht.

gibt es irgendwelche juristen hier, die das aufklären können?

wenn man glaubt, ein verabschiedetes gesetz sei rechtswidrig, kann man dann berufen oder rekurieren oder muss man klagen?
wenn die regierung gesetze umsetzt und dabei rechtswidrig handelt, verhält es sich dann gleich?

Ich wäre auch froh, wenn das ein Jurist klären könnte. Es ist auch meist nicht von einem Rekurs, sondern von einer Anfechtung die Rede.

Aber: Diese Wortklauberei ist im Grunde nicht ausschlaggebend. Denn das Verfassungsgericht hat den autonomen Regionen Recht gegeben, und das kann es nur, wenn das angefochtene Gesetz (bzw. das Dekret) verfassungswidrig war. Das ändert also nichts an meiner Argumentation.

@ wortklauberei

es wäre trotzdem erstrebenswert, dass begrifflichkeiten korrekt verwendet werden. das ist doch auch eines der probleme der politischen kommunikation im land. es wird mit begriffen um sich geworfen, die oftmals etwas ganz anderes bedeuten als vom sprecher intendiert. zuhörer verstehen mitunter wieder etwas anderes darunter usw. usw. (stichwort freistaat, vollautonomie, selbstbestimmung …)

A propos Solidarität: In der gerade zu Ende gegangenen Sendung Ballarò (Rai3) hat Neapels Bürgermeister De Magistris gesagt, dass die Region Kampanien nur imstande ist, 11% der ihr zustehenden EU-Strukturfonds auszugeben, weil sie es nicht schafft, entsprechende Projekte auf den Weg zu bringen.

Vergleiche auch: Bersani 2008.

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