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Sportlerinnen in den Landesdienst.

Der Vorschlag des Forums Heimat in der SVP, einheimische Sportlerinnen in den Landesdienst zu holen, um Abhängigkeiten zu brechen, stößt bei italienischen Verbandsfunktionären verständlicherweise auf Ablehnung. Die inhaltliche — politische — Kontrolle über ihre Schützlinge könnten sie damit weitgehend einbüßen. Mit dem Argument, die Politik solle sich aus dem Spiel halten, möchten sie das Thema denn auch am liebsten gleich vom Tisch fegen.

Doch das Problem existiert: Gerade die heute übliche Mitgliedschaft der Athletinnen in militärischen und paramilitärischen Einheiten wie Carabinieri und Finanzwache übt, mit Hilfe des wirtschaftlichen Hebels, einen gar nicht so unterschwelligen Druck aus — den auch ich in eklatanter Weise feststellen durfte, als ich im Namen von mehrere Spitzenathletinnen anschrieb: Ganz unverblümt antwortete der Manager von Manfred und Manuela Mölgg damals, die Sportlerinnen dürften sich zu politischen Fragen nicht äußern, weil sie durch nationale Verträge gebunden und Mitglieder der Finanzwache seien [siehe]. Von anderen gab es erst gar keine Antwort.

Solche Zwänge und Ängste erinnern eher an die DDR, denn an ein liberales und demokratisches Land.

Aus diesem Grund begrüße ich den Vorstoß, Südtiroler Sportlerinnen — auf freiwilliger Basis — eine Alternative anzubieten, die ihnen die nationale Vereinnahmung samt Beschlagnahme des Rechts auf freie Meinungsäußerung erspart. Dies kann jedoch nur ein erster Schritt hin zu einem unabhängigen, alle Sprachgruppen einbindenden Team sein.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Militär Nationalismus Politik Sport Wirtschaft+Finanzen | | | | | Carabinieri SVP | Deutsch

9 replies on “Sportlerinnen in den Landesdienst.”

Ich hoffe, dass die Debatte jetzt erst anfängt – die SVP lehnt ja häufig Anträge der Opposition ab, um sie nach etlichen Monaten recycelt wieder in den Landtag zu bringen.
Dem Herrn Orfino sei gesagt, dass wenn es seiner Partei tatsächlich um Mehrsprachigkeit und eine sprachgruppenübergreifende Identität geht, an einem Südtiroler Sportteam kein Weg vorbei führt.
Was mich immer wieder verblüfft ist, dass kaum jemand von unserer Regierungspartei das enorme wirtschaftliche Potential einer wirklichen Sportautonomie erkennt. Unsere SportlerInnen könnten ja direkt auf die Gehaltsliste der SMG übergehen.
Ich hab in diesem Blog schon einige Male das Beispiel Färöer Inseln erwähnt, die ein autonomer Teil des Königreiches Dänemark sind. Die 50.000 Einwohner zählende Atlantikinsel hat ein eigenen Fußballteam, das bei allen Qualifikationsbewerben für die EM und WM mitspielt. In jeder Qualifikationsrunde treffen die Färinger auch auf europäische Spitzenmannschaften – letzthin auf Frankreich und Italien. In diesen Ländern wird im Vorfeld von solchen Ereignissen immer groß in den Medien über das Miniland im Nordatlantik berichtet. In meinen Augen ein Werbeeffekt, der vom Wert sicher im zweistelligen Millionenbereich liegt.
Um kein Missverständnis hervorzurufen. Ich bin nicht primär aus wirtschaftlichen Gründen für eine Südtiroler Fussball-Landesmannschaft und ein Südtiroler Sportteam, sondern in erster Linie, da die nationalstaatliche Ausrichtung des Südtiroler Sportgeschehens für uns Gift ist das die Volksgruppen auseinanderdividiert anstatt zwischen allen in Südtirol lebenden Sprachgruppen schrittweise eine gemeinsame Identität herstellt.
Aber bei bestimmten Pappenheimern in unserem Lande zählen ja langsam nur mehr wirtschaftliche Argumente, deshalb mein Erstaunen, dass nicht mal das wirtschaftliche Potential erkannt wird.

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