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Nationalismus vor Unversehrtheit.

Einmal mehr werden im Kommentarbereich der Tageszeitung A.Adige menschenverachtende Stellungnahmen geduldet: Zuerst war es ein Busfahrer der öffentlichen SASA, der offen und mit rechtsextremistischen Parolen zur Selbstjustiz gegen Zuwanderer (»animali«) aufrief. Dann erklommen Schützenhauptmann Arthur Bacher und Heimatbund-Obmann Roland Lang den Gipfel der Geschmacklosigkeit, als ihnen zu einem Artikel über einen Bergunfall mit sechs Todesopfern nichts besseres einfiel, als eine Ortsnamendiskussion anzuzetteln.

Diesmal berichtete der A.Adige darüber, dass derselbe Roland Lang einige Trikolore-Flaggen, die vom Alpinitreffen übriggeblieben waren, eigenhändig abgehängt habe. Man darf das gutheißen oder kritisieren — doch was man nicht darf, macht unter anderem dieser Herr vor:

Facebook Paolo Bossi.

Daneben gibt es weitere gehässige Kommentare, wo zum Beispiel dazu aufgerufen wird, Herrn Lang anstelle der Flaggen »aufzuhängen« (!). Doch was die — hochbewertete — Stellungnahme des Herrn Bossi ganz besonders unerträglich macht, ist die Tatsache, dass es sich bei ihm (seinen eigenen Angaben zufolge) um einen Feuerwehrmann handelt, um jemanden also, der für die Sicherheit und Unversehrtheit der Bürgerinnen zu sorgen hat. Doch offenbar macht nationalistischer Hass blind.

Ein derartiger »Beitrag« sollte nicht nur von uns kritisiert und gerügt werden, sondern müsste unbedingt eine Disziplinarmaßnahme der Feuerwehr nach sich ziehen, wenn wir als Gesellschaft derartig gefährliche Geschmacklosigkeiten nicht zur Normalität verkommen lassen wollen.

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11 replies on “Nationalismus vor Unversehrtheit.”

Ein derartiger »Beitrag« sollte nicht nur von uns kritisiert und gerügt werden, sondern müsste unbedingt eine Disziplinarmaßnahme der Feuerwehr nach sich ziehen, wenn wir als Gesellschaft derartig gefährliche Geschmacklosigkeiten nicht zur Normalität verkommen lassen wollen.

Man fordert eine Disziplinarmaßnahme der Feuerwehr … soso …
ein Aufruf zur Selbstjustiz also. Wenn man das von vornherein fordert bewegt man sich auf sehr dünnem Eis.

Für mich fällt das was Bossi sagt unter freie Meinungsäußerung. Schließlich könnte sein Kommentar auch sarkastisch interpretiert werden.

mit verlaub, aber das ist ein ausgemachter blödsinn, was du da schreibst.

bestimmte einrichtungen können sich sehr wohl einen verhaltenskodex auferlegen, ohne gleich “selbstjustiz” üben zu müssen.

ein fußballspieler, der zu spät zum training kommt, muss auch eine geldstrafe im rahmen von diszilinarmaßnahmen zahlen, obwohl “zu spät kommen” nichts illegales ist. das fällt für mich nicht unter selbstjustiz.

ein polizist, der außerhalb seines dienstes jeden tag sturzbetrunken im stadtpark liegt, hat auch disziplinarmaßnahmen von seiten seiner vorgesetzten zu fürchten, obwohl alkoholkonsum nicht illegal ist.

auch wenn bossis aussage unter “meinungsfreiheit” fällt, heißt das doch nicht, dass er für eine derartige äußerung nicht auch konsequenzen tragen muss.

“es gibt keinen gott” ist auch freie meinungsäußerung und ist auch nicht illegal. wenn ich das als bischof sage, habe ich aber ein problem.

was das alles mit “selbstjustiz” und “freier meinungsäußerung” zu tun hat, ist mir völlig schleierhaft. aber vielleicht kannst du mich ja aufklären.

p.s.
es geht da ja auch um den ruf einer institution, die ein interesse daran hat, als hilfsbereit und nicht diskriminierend wahrgenommen zu werden.

wenn ich sage “coca cola schmeckt wie pisse”, dann ist das auch frei meinungsäußerung. wenn ein mitarbeiter von coca cola das öffentlich kundtut, hat er zwar auch das recht dazu, aber er muss dennoch konsequenzen von seiten des undernehmens befürchten – was eben wiederum nichts mit selbstjustiz zu tun hat.

was bossi gemacht hat, ist rufschädigend für die feuerwehr.

Feuerwehren, auch freiwillige, erfüllen einen öffentlichen Auftrag und müssen alle gleich behandeln. Zum Interesse, als nicht diskriminierend wahrgenommen zu werden, kommt demnach auch die Verpflichtung, es tatsächlich zu sein. Was zum Beispiel, wenn sich Herr Lang bei seiner Aktion verletzt hätte und gerade Herr Bossi zum Unfallort geschickt worden wäre? Es dürfte nicht der leiseste Zweifel entstehen, dass Bossi ihn aufgrund seiner politischen Gesinnung anders (i.d.F. schlechter) behandelt und nicht die nötige Sorgfalt angewandt hätte. Doch genau diesen Zweifel schürt Bossi mit seinem Kommentar…

Die Aktion kann man gutheißen oder nicht, man wusste sicher dass dies auch provozierend wirkt. Nichtsdestotrotz sind einige Reaktion (vor allem gestern und heute auf der Leserbriefseite des “Alto Adige”) von bösartgstem italienischen Nationalismus geprägt, der das Land Südtirol als kolonialistische Kriegsbeute sieht und ihm jeden Kontakt zum Mutterland Österreich untersagt (gestern z.B. stand in einem Leserbrief, Herr Lang möge doch nach Österreich geschickt – “spedito”- werden…). Heute auch die Reaktion des Chefredakteurs der Zeitung auf einen Leserbriefschreiber, dass praktisch nur die Alpini die Fähigkeit und den “sano spirito” hätten, für das friedliche Zusammenleben einzutreten (wieso erwähnt er gerade jene Gebirgsjäger, die gegen unser Mutterland gekämpft haben? Er weiß genau dass Südtirols Bevölkerung bei der Abtrennung von Österreich strikt gegen einen Verbleib Südtirols bei Italien war).
Ich bin jedoch der Meinung, dass man keinem Volk (oder Menschen, oder Tieren, usw…) der Welt irgendetwas aufzwingen sollte, was es nicht will. Und der ital. Staat zwingt unser Land Südtirol eben seit 1919 dazu, ein Teil seines Staatsgebietes zu sein, ohne dass wir als Bevölkerung jemals darüber abstimmen konnten, ob wir das überhaupt wollen. Genauso verhält es sich mit den Ortsnamen. Hier wird von ital. Seite aus überhaupt kein Unterschied zwischen Zweinamigkeit und Zweisprachigkeit gemacht, es wird alles unprofessionell und emotional vermischt (auch ein Leserbrief von heute im A.A.). Das ist im Prinzip kulturelle Nötigung und verwirrt natürlich und mobilisiert nationalistische Kräfte. Aber vielleicht ist dies ja auch so gewollt…

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