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Selbstbestimmung: Spanierinnen dafür.

Wenn es die katalanische Regierung wünscht, sollte die Zentralregierung in Madrid den Katalaninnen ein Selbstbestimmungsreferendum gestatten — erstmals sind mehr Spanierinnen für eine solche Lösung (47,5%), als dagegen (46,8%). Dies hat das renommierte Analyse- und Umfrageinstitut GESOP im Auftrag der Tageszeitung El Periódico erhoben. Bei der letzten Umfrage im Juni hatten sich noch 47,7% der Befragten gegen eine Abstimmung ausgesprochen, 45,5% waren dafür.

Der beharrliche, friedliche und demokratische Druck, den die Katalaninnen und ihre Politkerinnen ausüben und bewusst über die Grenzen Kataloniens hinaustragen, trägt nun also offenbar konkrete Früchte: Die Gegnerschaft zu einer Abstimmung, wie sie von der Madrider Regierung unter Mariano Rajoy (PP) vertreten wird, hat der Studie zufolge in der Bevölkerung keine Mehrheit mehr.

Die meisten der Befragten (40,5%) sprachen sich jedoch dafür aus, dass über die Unabhängigkeit der nordöstlichen Region in ganz Spanien abgestimmt wird. Immerhin 26,6% würden die Katalaninnen allein über ihre Zukunft abstimmen lassen.

Die offizielle Haltung der katalanischen Regierungspartei CiU und der separatistischen Linkspartei ERC zu dieser speziellen Frage ist, dass ganz Spanien abstimmen dürfe, nach internationalen Gepflogenheiten aber nur das Ergebnis in Katalonien zähle. Weder hätten etwa die Serben über die Unabhängigkeit Montenegros abgestimmt, noch seien an den Selbstbestimmungsreferenda in Québec alle Kanadierinnen beteiligt gewesen. Und im kommenden Jahr stimme auch nicht ganz Großbritannien über die Unabhängigkeit Schottlands ab.

Der ERC-Abgeordnete zum spanischen Kongress, Alfred Bosch, hatte neulich in einem Interview darauf hingewiesen, dass eine gesamtspanische Abstimmung wohl kaum im Interesse des Zentralstaats wäre: Dann nämlich gäbe es gleich mehrere Selbstbestimmungsreferenda »zum Preis von einem«, wie er es formulierte. Jeder könne sich vorstellen, welche politische Interpretation es zuließe, wenn sich das Baskenland, Galicien oder die Balearen mehrheitlich für die Unabhängigkeit Kataloniens äußerten, so Bosch.

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5 replies on “Selbstbestimmung: Spanierinnen dafür.”

Der beharrliche, friedliche und demokratische Druck, den die Katalanen und ihre Politker ausüben und bewusst über die Grenzen Kataloniens hinaustragen, trägt nun also offenbar konkrete Früchte

Während bei uns in Südtirol immer behauptet würde das sei unrealistisch, utopisch und juristisch nicht möglich.

Dachte immer die Balearen “gehörten” zu Katalonien? Dort wird mit Mallorkinisch ein katalanischer Dialekt gesprochen. Irre ich etwa?

Die Balearen (und die dazugehörenden Pityusen) werden mitunter zu den Paà¯sos Catalans, den katalanisch(sprachig)en Ländern gezählt, da dort mehrere katalanische Dialekte gesprochen und Katalanisch Amts- und Schulsprache ist. Trotzdem sind die Illes Balears eine gesonderte Autonome Gemeinschaft und würden bei einem katalanischen Selbstbestimmungsreferendum nicht mitabstimmen — es sei denn zum Beispiel, ganz Spanien würde abstimmen.

Zudem zu den Paà¯sos Catalans gezählt werden neben der Autonomen Gemeinschaft Katalonien (Principat de Catalunya) das zu Frankreich gehörende Nordkatalonien, die Region València (País Valencià ), der Oststreifen Aragoniens (Franja de Ponent) und die sardische Stadt Alghero (L’Alguer). Andorra, wo Katalanisch einzige Amtssprache ist, wird meines Wissens nicht immer dazugezählt.

… da gibt es doch tatsächlich Politiker die sich immer wieder erstaunt die Augen reiben, dass es das Volk nicht nur bei Wahlen gibt, sondern auch nach den Wahlen, eigentlich jeden Tag! – Und dass sie nicht nur selber denken, sondern manchmal auch vorausdenken!

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