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Günther-Obwegs-Preis.

Gastbeitrag von Rupert Gietl

Am letzten Freitag wurde in der Bundeskanzlei des Südtiroler Schützenbundes in Bozen der Günther-Obwegs-Preis der Öffentlichkeit vorgestellt.

Erstmals existiert mit diesem Preis in unserem Land eine Förderung für wissenschaftliche Arbeiten (Dissertationen, Diplomarbeiten, Seminararbeiten etc.), die sich mit Fragen zur Zukunft Südtirols auseinandersetzen.
Dabei kann es um Themen aus den Bereichen des Verfassungsrechts, der Außenpolitk, der Währungs- und Bildungspolitik, aber auch um Verkehrs-­ oder Umweltthemen gehen.
Ziel ist es, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex “Unabhängigkeit” zu fördern und einen Beitrag dazu zu leisten, Antworten auf zahlreiche kontrovers diskutierte Fragen zu geben.
Die Einladung zur Teilnahme wird u.a. über die sozialen Netzwerke aber auch durch Aushänge an einschlägigen Instituten an Universitäten in Italien, Österreich, Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern bekanntgemacht.
Der Preis trägt den Namen des Anfang 2013 tödlich verunglückten Schützenoffiziers, Buchautors und Heimatforschers Günther Obwegs (*1966) aus Aufhofen.
Er ist mit 5.000€ dotiert und wird ab 2015 unter allen Einsendungen, welche bis zum 31. Januar eines jeden Jahres in der Bundeskanzlei des Südtiroler Schützenbundes, Schlernstraße 1 (Waltherhaus), 39100 Bozen, einlangen, durch eine qualifizierte und unabhängige Fachjury verliehen.
Die wissenschaftlichen Arbeiten können in deutscher, italienischer oder englischer Sprache verfasst sein.

Der Südtiroler Schützenbund legt besonderen Wert darauf, dass die verschiedensten Ansichten zur Zukunft Südtirols zu Wort kommen können. Dafür wird durch eine Reihe von prominenten und kompetenten Juroren Sorge getragen, die aus unterschiedlichen Ländern, Fächern und politischen Lagern stammen:

  • Univ. Prof. Dr. Beniamino Caravita di Toritto
    Professor für öffentliches Recht an der Fakultät für Politikwissenschaften der Universität “La Sapienza”, Rom; Herausgeber der Internetzeitschrift “federalismi.it” (www.federalismi.it), Mitglied des “Weisenkomitees” (comitato dei saggi) der Regierung Letta zur Überarbeitung der italienischen Verfassung.
  • Dr. Bruno Hosp
    Vormals Landesrat für Deutsche Schule und Kultur der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, vormals Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes.
  • Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Olt
    Professor an der deutschsprachigen Andrássy-Gyula-Universität, Budapest, vormals langjähriger Korrespondent der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” für Politik, Landeskunde und Minderheiten-Fragen – bei Zuständigkeit für Österreich, Ungarn, Slowakei, Slowenien – mit Sitz in Wien.
  • Em. o. Univ. Prof. Dr. Peter Pernthaler
    Emeritierter Professor am Institut für öffentliches Recht und Politikwissenschaft der Uni Innsbruck, ehemals Direktor des Instituts für Föderalismusforschung.
  • DDr. Herwig van Staa
    Landtagspräsident des Bundeslandes Tirol.
  • Major Elmar Thaler
    Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes.
  • DDr. Franz Watschinger
    Rechtsanwalt in Innsbruck, vormals Assistent am Institut für Öffentliches Recht, Staats- und Verwaltungslehre.
  • Die Familie Obwegs hat Dr. Eva Klotz, Abgeordnete zum Südtiroler Landtag, als Jurymitglied nominiert.

Zudem konnte eine Reihe von externen Gutachtern gewonnen werden, die sich bereit erklärt haben, die vorgelegten Arbeiten entsprechend ihrer fachlichen Spezialisierung zu bewerten und der Jury gegebenen Falls ein Gutachten vorzulegen. Dabei handelt es sich um:

  • Univ. Prof. Dr. Stefania Baroncelli
    Professorin für öffentliches Recht, Europarecht und Verwaltungsrecht an der Freien Universität Bozen.
  • Univ. Prof. Dr. Roberto Farneti
    Professor für vergleichende Politikwissenschaften, Politische Theorie und Ideologiegeschichte an der Freien Universität Bozen.
  • Univ. Prof. Dr. Esther Happacher
    Professorin für Italienisches Öffentliches Recht und Autonomierecht an der Universität Innsbruck.
  • Univ. Prof. Dr. Walter Obwexer
    Professor für Europarecht, Völkerrecht und Internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck.
  • Senator Univ. Prof. Dr. Francesco Palermo
    Professor für vergleichendes öffentliches Recht an der Universität Verona, Leiter des Instituts für Föderalismus- und Regionalismusforschung der Europäischen Akademie Bozen (Eurac), vormals Berater des OSZE-­Hochkommissars für nationale Minderheiten, Senator im römischen Parlament.

Genauere Informationen finden sich unter iatz.org/obwegs­-preis

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8 replies on “Günther-Obwegs-Preis.”

Eine interessante Initiative. Was ich nicht verstehe ist, warum man keine wissenschaftlichen Arbeiten in ladinischer Sprache einreichen kann — meines Wissens kann man zumindest an der Brixner Fakultät der FUB mit einer ladinischen Diplomarbeit abschließen…

Nu, so leid es mir tut, die ladinische Arbeit müsste so oder so für den Großteil der Jury übersetzt werden. So ist es angebrachter (aufgrund des ansonsten enorm erhöhten Aufwandes, von der Nichtbestehens DES ladinischen, einmal abgesehen) nur die zwei Landessprachen und die Weltsprache zuzulassen.

Das ist doch nicht dein Ernst. Wenn jemand in seiner ladinischen Diplomarbeit etwas Interessantes für Südtirols Zukunft »erarbeitet« würdest du ihn also ausschließen, weil man die Arbeit übersetzen müsste? Oder noch schlimmer: Du würdest jungen Menschen mittels »Stipendium« einen Anreiz geben, keine Arbeit in der kleinsten Landessprache zu verfassen? Das ist ja Allerhand — und endet dabei, dass es doch bequemer ist, wenn wir gleich nur noch Italienisch zulassen, weil wir ja schließlich in Italien sind.

Nun um ehrlich zu sein an das Argument mit Italienisch hab ich auch schon gedacht. Aber der Punkt ist folgender:
1. Es existiert nicht die Ladinische Sprache. Wie bereits mehrere Ladiner, auch hier im Blog, bestätigt haben. Ich meine ich kann ja auch nicht meine Arbeit in Teldrarisch verfassen… Ist zwar keine Sprache, aber stellen wir uns vor Deutsch würde nur aus solchen Sprachen bestehen.
2.Ich denke, falls den jemand seine Doktorarbeit in Ladinisch schreibt, und alle die sie lesen müssen diese auch versteht, so sollte er alleine für das einen Zuschuss bekommen. Falls sie irgendwer, der es müsste, sie nicht versteht so muss sie ohnehin Übersetzt werden.
Und wäre ich der die Arbeit schreibt, so würde ich sie ohnehin am liebsten selbst Übersetzen.
3. Es gibt nur Studiengänge auf Ladinisch die auch wirklich diese Sprache benötigen (z.B Master in Bildungswissenschaften -> evt. Thema), hier kommt man halt einfach an seine Grenzen, würde es überhaupt genug ladinischsprachige geben die das Amt einen Professors in den vielne fachgebieten ausführen könnten? Fakt ist, ladinisch ist als gelernte Sprach extrem unattraktiv.
4. Unbestritten ist glaube ich das dies ein gutes Zeichen der Organisatoren gewesen wäre, allerdings kann die Sinnhaftigkeit durchaus in Frage gestellt werden, da ohnehin der Text hätte übersetzt werden müssen (evt. vom Teilnehmer selbst) und dieser in ladinisch ohnehin nicht als in irgendeiner Form geartete Doktor-/Diplomarbeit geeignet wäre.

Viel dringender wäre es meiner Einschätzung nach als erstes überall Zweisprachigkeit einzuführen und parallel auf Dreisprachigkeit, soweit es den möglich ist, umzustellen!

Ich sehe es wie Liberte. Wenn “Ladinisch” zugelassen wäre und ein Student aus St.Vigil reicht seine Arbeit in Marò ein, dann müsste sie sogar ins Grödnerische übersetzt werden, damit sie der Juror aus St.Ulrich versteht…

Da aber keine Juroren aus den ladinischen Tälern vorgesehen sind, und die Arbeit eh übersetzt werden muss (ich nehme an, daß nicht alle Juroren alle 3 Sprachen IT, DE un EN verstehen), kann man dem Studenten diesen Zusatzaufwand ersparen.

Die Bundesleitung des SSB hat bei der Konzeption des Günther-Obwegs-Preises die Einreichung von Arbeiten (es können ja auch wissenschaftiche Artikel und Monographien sein) in ladinischer Sprache in Erwägung gezogen, nicht zuletzt weil Günther Obwegs selber aus dem Gadertal stammte und sich um das ladinische Schützenwesen und die Aufarbeitung von dessen Geschichte verdient gemacht hat.
Aus praktischen Gründen, die nicht zuletzt auch mit der Zusammensetzung der Jury zusammenhängen, wurde darauf verzichtet. Jeder Gutachter sollte, so weit es geht, die Möglichkeit haben, die eingereichten Texte in ihrer Originalfassung zu lesen (Prof. Caravita di Toritto spricht z.B. auch deutsch). Dies führte u.a. ebenso dazu, dass Französich nicht in Betracht gezogen werden konnte.
Selbstverständlich ändert dies nichts an der Wertschätzung der ladinischen Sprache und deren Pfelge von Seiten des SSB.
Bei zukünftigen Initiativen wird versucht werden – soweit dies die begrenzten Mittel des Bundes erlauben – diesen Aspekt der Vielsprachigkeit in unserem Land besser zu berücksichtigen.

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