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Südtirol »hilft« Ukraine.

Vergleiche, Vorbilder und Modelle, einmal mehr: Die heutige Zett schreibt, die Südtirol-Autonomie könne als Vorbild für einen Sonderstatus der vorwiegend russischsprachigen Ostukraine dienen. Das ist erfreulich. Doch es ist auch erstaunlich — schließlich wurde und wird behauptet, Südtirol sei etwa mit Schottland und Katalonien nicht vergleichbar und könne sich die demokratische Selbstbestimmung nicht abschauen.

Warum man unser Land zwar nicht mit Regionen in demokratischen EU-Staaten, dafür aber völlig problemlos mit einem Kriegsschauplatz außerhalb der Union vergleichen kann, versteht man wohl nur, wenn man die opportunische und so gar nicht redliche Argumentationsweise selbstbestimmungsgegnerischer Akteure kennt.

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18 replies on “Südtirol »hilft« Ukraine.”

Volle Zustimmung. Diese Leute drehen und wenden sich alles nach Bedarf und glauben die Deutungshoheit zu besitzen, unter anderen auch darüber welche Vergleiche zulässig bzw. unzulässig sind.

Wie man die Ost-Ukraine ernsthaft mit Südtirol vergleichen kann ist mir schleierhaft.

Man kann, in dem Sinne, dass man sich nach Modellen umsieht. Wenn man dies aber tut, sollte man mit Vergleichen zwischen Südtirol und anderen europäischen Regionen umso gelassener umgehen. Übrigens ist ein Vergleich keine Gleichsetzung.

Ich frage mich ob es hier eine Absprache mit italienischen Institutionen bzw. ob es eine politische Abmachung diesbezüglich gibt

Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Verdacht nicht.

Ob die Russen im Donezbecken auch so ein ukrainisches Verfassungsgericht akzeptieren, das die politische Vereinbarung aushöhlt? Ich glaube das nicht.

Per dir la verità  sono i russi che hanno dimostrato interesse per il modello autonomistico. E il modello autonomistico serve in particolare a una cosa: ad evitare i rischi connessi con una secessione. Come dimostra il SUCCESSO del modello sudtirolese. Tutto lì.

Es ist doch nicht wichtig, warum Südtirol und die Ukraine vergleichbar sind — es geht nämlich drum, dass sie verglichen werden (können), während offenbar Südtirol und Schottland bzw. Südtirol und Katalonien nicht vergleichbar sind.

Wie du aber schon sagst, gewissen Leuten ist nicht wichtig, ob der Vergleich sinnvoll und möglich ist, sondern nur, ob damit die Unabhängigkeit vermieden werden kann. Das bestätigt, dass Argumente nur ideologisch gebraucht werden.

Den Sprachlichen Unterschied zwischen Vergleich und Vorbild kennt man auf bbd anscheinend nicht … dabei handelt es sich nicht gerade um eine Nuance.

Wenn ich dir antworte heißt das nicht, dass ich dem Deppendingsbums zustimme.

Der gravierende Unterschied ist der, dass sich die Frage der Vergleichbarkeit bei einem Vorbild gar nicht stellt.

Ein Vorbild kann man beliebig wählen. Alles und nichts kann ein Vorbild sein.

Ein Beispiel:
Wenn du als Architekt deine Arbeit mit Hundertwasser vergleichst, kann und werde ich diese Aussage in ein Verhältnis setzen.
Wenn du hingegen sagst, Hundertwasser sei dein Vorbild, so steht das für sich und hat erstmal recht wenig Erkenntnisgewinn.

Vergleich:
– Es braucht mindestens 2 Objekte um vergleichen zu können.
– Objekte werden bei einem Vergleich nach Kongruenzkriterien untersucht.
– Gleich, oder ungleich sind mögliche Ergebnisse eines Vergleichs.

Vorbild:
– Ein Vorbild hingegen kann auch für sich stehen. Ich brauche nur ein Objekt.
– das Vorbild muss nicht nach Kongruenzkriterien untersucht werden.
– Ob gleich oder ungleich spielt keine Rolle.

man kann südtirol und schottland nicht vergleichen, aber schottland ist ein vorbild für südtirol.

die situation in südtirol und schottland ist durchaus vergleichbar, aber schottland kann nie und nimmer ein vorbild für südtirol sein.

Da erkenne ich keinen Widerspruch.

Schottland kann man mit Südtirol vergleichen, wie man Essiggurken mit Wienerwürstel vergleichen kann. Und ein Vorbild kann es auch sein, da stimmt deine Ausführung.
Das was du für vergleichen hälst ist AND.

@Libertè: What?

@gruber: Die einzige Unterscheidung, die ich in diesem Zusammenhang für sinnvoll halte, ist die zwischen »Vergleich« und »Gleichsetzung«.
Dein Verweis auf die Nuancen zwischen »Vergleich« und »Vorbild« ist schon deshalb nichts als Haarspalterei, weil die Nuancierung für das Beziehungspaar Schottland-Südtirol und das Beziehungspaar Südtirol-Ostukraine gleichermaßen gilt.

Man kann alles vergleichen, ob das Sinnvoll ist steht auf einem anderen Blatt.
m.grubers Vorstellung von Vergleichen entspricht einem AND.
Er hat aber Vorbilder mMn richtig definiert.

@Libertè:

m.grubers Vorstellung von Vergleichen entspricht einem AND.

Ja, die Stelle mit “gleich” und “ungleich” hab’ ich falsch formuliert. Es müsste heißen: “Wahr (true) und nich wahr (false) sind mögliche Ergebnisse eines Vergleichs”.
Mein Fehler.

Ich diesem Zusammenhang ist deine Aussage aber auch falsch, da 0 AND 0 FALSE liefert :)
Meine ursprüngliche Ausführung wäre also ein XNOR.

@Pervasion:

Dein Verweis auf die Nuancen zwischen »Vergleich« und »Vorbild« ist schon deshalb nichts als Haarspalterei, […]

a) Ich verweise nicht auf Nuancen, ich sage, dass der Unterschied zwischen “Vergleich” und “Vorbild” eben _keine_ Nuance ist.

b) Wenn ich recht haben sollte ist die ganze Aussage deines Artikels falsch. Wenn du nun ein Gegenargument mit derartigem Einfluß auf den Wahhrheitsgehalt deiner Aussage als “Haarspalterei” bezeichnest, kannst du auch gleich die Deutungshoheit ausrufen.

weil die Nuancierung für das Beziehungspaar Schottland-Südtirol und das Beziehungspaar Südtirol-Ostukraine gleichermaßen gilt.

Ja, gilt logischerweise für beide. Aber gleichlautende Aussagen werden nicht in beide Richtungen (Schottland/Ostukraine) getätigt. Ich erkläre mich:
Du findest niemanden, der behauptet Schottland wäre kein Vorbild für Südtirol*, du findest nur solche, die behaupten Schottland wäre mit Südtirol nicht vergleichbar.
Andersherum:
Du findest niemanden, der behauptet die Ostukraine wäre mit Südtirol vergleichbar, du findest nur solche, die behaupten Südtirol könne ein Vorbild für die Ostukraine sein.

Und noch was:
Die Aussage: “Südtirol könne ein Vorbild für die Ostukraine sein” stammt vom russischen Honorarkonsul in Bozen. Wer will dem verübeln, dass er sich Südtirol als Vorbild aussucht? Der muss aus rein diplomatischen Gründen schon den Mund halten, wenn’s um Südtirolinterne Belange geht.

*Im Gegenteil, Kompatschers und Achammer finden durchaus gefallen am Schottischen Referendum.

Stimmt aber das liefert Ihnen sogar ein Argument, Äquivalenz Gatter. Wobei man dabei auch “alles” Vergleichen kann, die Frage ist ob es das überhaupt verträgt. (Vorstellung wie jmd eine Banane in ein SMD Gatter stopfen will, geht ist aber nicht Sinnvoll)

man kann südtirol und schottland nicht vergleichen, aber schottland ist ein vorbild für südtirol.

die situation in südtirol und schottland ist durchaus vergleichbar, aber schottland kann nie und nimmer ein vorbild für südtirol sein.

schottland ist ein vorbild für südtirol.

schottland kann nie und nimmer ein vorbild für südtirol sein.

Muss man das jetzt verstehen?

m. gruber hat zwar recht, dass vorbild und vergleich keine synonyme sind. ein gewisser zusammenhang lässt sich jedoch nicht wegleugnen. nuancen hin oder her. und das zeigen meine beiden aussagen.

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