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Abwesende Aufsichtsbehörden.

Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) hat heute ihren Jahresbericht 2014 veröffentlicht. Dabei sparte sie nicht mit Kritik an den staatlichen Aufsichtsbehörden, die den Konsumentenschutz gewährleisten sollten. Ohne Umschweife stellte die VZS fest, dass die Marktkontrolle durch die Antitrustbehörde, die Aufsichtsbehörden für Strom und Gas sowie für Telekommunikation, Banca d’Italia, Börsenauficht, Handelskammer und Justiz nicht funktioniere. Gerade jene Institutionen, die die schwächeren Marktteilnehmer schützen sollten, seien trotz einschlägiger Gesetze abwesend und die Verbraucherzentrale könne diese Defizite immer weniger ausgleichen.

Siehe auch: 1/

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19 replies on “Abwesende Aufsichtsbehörden.”

Wäre es nicht möglich, dass in Südtirol die Landesregierung Massnahmen für die Einhaltung der Mehrsprachigkeit auch für international tätige Konzerne ergreift? Hab gestern mal den Test gemacht. Bin mit meiner Familie abends in Meran ins H&M, ins NKD, in den LIDL, ins Interspar (die deutschsprachigen Hefte für Kinder wurden gar abgesetzt oder gut “versteckt” im Vergleich zu früher!) und anschließend in den Algunder MPREIS gegangen. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist mir in all diesen Geschäften nur eines aufgefallen. Dass das Deutsche immer mehr zurückgedrängt wird und der Lingua Franca weichen muss. Wenn das die Zukunft unserer Städte und unserer Autonomie sein soll, dann soll uns die SVP und/oder die Landesregierung zumindest erklären wieso sie gegen solche Dinge in einem mehrsprachigen Gebiet nichts macht.

Ich denke nicht das es sinnvoll ist wenn die Landesregierung Maßnahmen ergreift, zumindest bei H&M und NKD.

Wieso sollte das nicht sinnvoll sein. Es sollte doch möglich sein, in einer Autonomie als eine Bedingung für hier angesiedelte Konzerne die Zweisprachigkeitspflicht zu verlangen oder?

Es sollte doch möglich sein, in einer Autonomie als eine Bedingung für hier angesiedelte Konzerne die Zweisprachigkeitspflicht zu verlangen oder?

Natürlich kannst du sie verlangen, das wäre aber für mich der falsche Weg. Der kritische Teil der Gesellschaft müsste so konsequent sein, nicht-zweisprachige Geschäfte oder Läden einfach nicht zu betreten.
Als bei uns im Dorf ein Conad eröffnet wurde, war ich natürlich am nächsten Tag gleich dort zu einkaufen.
Zu meiner Verwunderung waren viele Lebensmittel nur einsprachig italienisch angeschrieben, wie z. B. alle Brotsorten. Da suchte ich die Filialleiterin, die ich persönlich kenne, und gab meiner Verwunderung Ausdruck. Mir wurde erklärt, dass sie, die Leiterin und Angestellten da leider nichts ändern könnten.
Meine Antwort, auch mir tue es leid, aber ich werde diesen Laden erst wieder betreten, wenn ich auf deutsch lesen kann, wie die Brotsorten heissen, und was in diesen Brotlaiben alles drinsteckt.
Meine Bekannte, die Filialleiterin dachte an einen Scherz, und als ich sie 2-3 Wochen später zufällig traf, und ihr meine Standpunkt erklärte, verstand sie erst, dass ich se wirklich so meinte, wie ich es sagte.
Das ist jetzt ungefähr 2 Jahre her, und ich war nie mehr in dem Laden.

Jonny, ich finde deine Haltung toll, ich bin leider nicht immer ganz so konsequent, auch wenn ich mich darum bemüh. Aber gerade dein Beispiel zeigt doch, dass es eine Regelung braucht.

Das Problem ist dass wir Teil des Staates Italiens sind und uns deshalb die jeweilig Italienischen Ableger der Firmen versorgen!

Wie bitte kommt man dazu Firmen wie H&M vorschreiben zu wollen wie sie ihre Werbung machen? Das ist einzig und allein ihre Entscheidung ist von der Thematik um Versicherungen, Banken etc. völlig entkoppelt. Die Warenbezeichnung ist meines Wissens nach, ich gehe nicht allzu oft zu H&M und im NKD war ich noch nie, ohnehin multilingual für einen globalen Markt.
Das Problem sind zu viele Hemmnisse innerhalb der EU, mit einem freien Markt in sämtlichen Sektoren, diese bedurften natürlich einheitlicher Regeln, wären die meisten Probleme gelöst.
@Verbraucherschutz benötigen wir wirklich alle Informationen in allen Sprachen, denkt man das ansinnen weiter müssten auch sämtliche Produkte in Ladinisch etikettiert sein. Meiner Meinung nach sollte es genügen wenn Erzeugnisse (einige essentielle/gefährliche Ausgenommen) in min. zwei der drei EU Arbeitssprachen ausgewiesen werden. Wir dürfen nicht vergessen je mehr Text desto kleiner der Text! Dies kann auch nicht im Sinne des Verbraucherschutzes sein. Hier würde mich interessieren wie eure Regel aussehen sollte lieber Simon und Steffl, gerade im Kontext einer zunehmenden Global- /Europäisierung sämtlicher Märkte.

hier angesiedelte Konzerne

Nun werden sich diese Konzerne bei solchen Regeln noch hier ansiedeln, es ist ja niemand gezwungen in ein solches Geschäft zu gehen.

Aber gerade dein Beispiel zeigt doch, dass es eine Regelung braucht.

Eben nicht, nur weil sie zu wenig Konsequent sind soll es der Staat richten, dies entspricht nicht meinem Weltbild. Es wäre ohne weiteres möglich die genannten Betriebe zu meiden.

@pervasion
Weil ich einfach denke, dass die Gesellschaft diese Ungleichheiten durch ihr eigenes Verhalten ändern kann. Und wenn die Gesellschaft das nicht will, dann soll es doch so bleiben.
Ich weiss was ich zu tun habe, und deshalb meide ich auch Euronics, Mediaworld e compania bella, denn wenn man da nach einen Elektrogerät mit deutscher Beschriftung fragt, wird man nicht mal ernst genommen, traurig aber wahr!

Ich halte das — mit Verlaub — für eine sehr blauäugige und zudem marktgläubige Einstellung. Darüberhinaus lässt du außer Acht, dass es bereits zahllose Konsumentenschutzvorschriften gibt, die sich auf die Staatssprache beziehen, womit die Ausgangslage nicht neutral ist. Das ist als würde man ein Fußballspiel mit einem Punktestand von 0:5 beginnen und sagen, es sei fair, aus eigener Kraft gewinnen zu müssen.

Was du vorschlägst, nämlich Betriebe, die die deutsche Sprache nicht angemessen berücksichtigen zu boykottieren, endet entweder in der inneren Emigration oder in der Aufgabe anderer Verbraucherrechte, da ich die Konkurrenz in Hinblick auf Angebotsbreite, Regionalität, Ökologie, Fairness, Preis, Kundendienst etc. von vornherein aufgrund des Ausschlusskriteriums Sprache einschränken muss. Das ist auf Dauer nicht hinnehmbar und werden auch die Mehrheit der BürgerInnen nicht hinnehmen.

Sag, bist du eigentlich (zum Beispiel) auch für die Freigabe von gentechnisch manipulierten Lebensmitteln, für Aufgabe der Kennzeichnungspflichten oder für die Unterzeichnung von TTIP? Auch da könnten ja dann die BürgerInnen durch bewusstes Verhalten beeinflussen, was angeboten wird — wenn es ihnen denn wichtig ist. In einer Demokratie aber äußert sich das, was den Menschen besonders wichtig und nicht verhandelbar ist, durch die Verabschiedung von Gesetzen.

Darüberhinaus lässt du außer Acht, dass es bereits zahllose Komsumentenschutzvorschriften gibt, die sich auf die Staatssprache beziehen

Nein, wenn wir jetzt wie von Jonny vorgeschlagen, nur mit boykottieren arbeiten, ist dies nicht der Weg meiner Wahl, er wäre aber sicher Zielführend.

Das Problem ist dass wir Teil des Staates Italiens sind und uns deshalb die jeweilig Italienischen Ableger der Firmen versorgen

Meiner Meinung nach sollte es genügen wenn Erzeugnisse (einige essentielle/gefährliche Ausgenommen) in min. zwei der drei EU Arbeitssprachen ausgewiesen werden.

Über diesen Punkt kann man gerne Diskutieren.

Was du vorschlägst, nämlich Betriebe, die die deutsche Sprache nicht angemessen berücksichtigen zu boykottieren,[…]

Dies schlage ich nicht vor, ich plädiere für eine offene Diskussion darüber wie Waren, die auf dem gesamten Europäischen Markt verfügbar sind etikettiert werden sollen hier halte ich eine Multilinguale Beschriftung in >30 Sprachen für nicht Zielführend.

Ja ich bin für die Freigabe von GMO solange, und das ist es , einwandfrei bewiesen ist dass dies niemanden Schaden, die Patentdebatte ist davon zu entkoppeln, aber dennoch zu führen. (Mein Standpunkt: http://www.theeuropean.de/thilo-spahl/9672-der-deutsche-umgang-mit-gruener-gentechnik)

Weil ich einfach denke, dass die Gesellschaft diese Ungleichheiten durch ihr eigenes Verhalten ändern kann.

Hier fehlt der Konjunktiv, könnte, wie benötigen staatliche Regelungen!

Zu TTIP habe ich noch keine abschließende Meinung, bin aber naturgemäß dem freien Handel gegenüber aufgeschlossen.

Ungleichheiten durch ihr eigenes Verhalten ändern kann

Ja Simon, ich mag blauäugig sein, aber wenigstens habe ich noch meine Prinzipien.
Natürlich wäre es toll, wenn überall alles zwei-dreisprachig ausgeschrieben wäre, da es aber nunmal nicht so ist, und leider auch nie so sein wird, versuche ich das beste daraus zu machen.
Was die von dir aufgeworfenen fragen betrifft, ich bin strikt gegen Gentechnik, sehr skeptisch gegenüber TTIP, und absolut für die Kennzeichnungspflicht.
Nur, sollte das alles doch so kommen, und daran habe ich wenig Zweifel, wie ich, wie wir es nicht wollen, bleibt doch nur mehr meine Strategie über, oder?

Jonny… sollte es so kommen, wäre deines eine der möglichen Strategien. Trotzdem verstehe ich nicht, warum du glaubst, dass es »der falsche Weg« wäre, eine gesetzliche Regelung zu fordern.

@Libertè: Meine Antwort war für Jonny gedacht.

Warum der falsche Weg? Ich kann es nicht begründen, ich denke nur, dass der passive Widerstand in einer Gesellschaft mehr bewegt als ein Gesetz. Oder man macht es aktiv über ein Referendum. Mir wäre nur wichtig, dass die Menschen mitbekommen, dass all diese kleinen, aber wichtigen Sachen nicht von alleine so werden wie sie sind, dass die Menschen entscheidend mitwirken sollten, und damit auch entscheidend Änderungen erreichen können, auch ganz ohne Gesetze.
Oder in einfachen Worten:
Ich verachte dieses Abschieben von Verantwortung in unserer Gesellschaft: “Das soll doch dieser oder jener machen.” oder “Was kann ich schon tun”. Das sind alles Ausreden, und deshalb, ja genau deshalb finde ich es den falschen Weg, wieder alle Eigenverantwortung abzulehnen, und einfach auf Gesetze zu pochen.

Passiver Widerstand ist eine legitime (!) ….Widerstandsstrategie. Aber es ist keine Gestaltungsstrategie im eigentlichen Sinne.
Wenn du verlangst, dass Menschen Verantwortung übernehmen, dann heißt das unter anderem auch, dass sie sich Regeln für ihr kollektives Leben geben. Widerstand gegen etwas, das ich nicht gut finde, ist ein erster Schritt, diesen Widerstand gemeinsam mit anderen praktizieren der nächste, daraus eine neue und verbindliche Gestaltung des Kollektiven entstehen lassen, also gesellschaftliche Prozesse anstoßen und entsprechende Gesetze einfordern, der dritte.
Auf diesem Weg gibt es unzählige Möglichkeiten des aktiven Engagements, also ist es ganz und gar kein Abschieben von Verantwortung.

Liebe Leute, das mit dem Boykottieren ist doch eine Utopie ersten Grades. Stellt euch vor im öffentlichen Bereich gäbe es keine Pflicht zur Zweisprachigkeit. Südtirol wäre jetzt schon praktisch eine normale italienische Provinz. Da wir in Europa Kapitalimus und Massenprivatisierung haben, muss es auch in diesem Bereich (bes. der großen Konzerne wegen) im Rahmen der Autonomie Gesetze geben. Ich kauf auch kaum in diesen einsprachigen Läden ein, aber scheinbar machen sie auch ohne uns ein Bombengeschäft. Deshalb braucht es Regeln.

Sabine, ich glaube wir reden über das gleiche Ziel, wählen aber verschiedene Wege. ☺

…ich kaufe allerdings in meinem Dorf-Conad oder im Bioladen – ohne persönliches Unbehagen – auch ausschließlich italienisch beschriftete Produkte…aber ich heiß’ ja auch SabinA… ;-)

Allerdings ist der Südtiroler laut meiner Erfahrung ein Mensch, der solange bei solchen Minderheitenfragen (selbst wenn sie gesetzesbrecherisch sind wie einsprachige Polizisten und Hinweisschilder) sagen wird “wenn wir nur diese Probleme im Land haben” bis alles fast ausschließlich italienisch sein wird. Das ist meine Prognose für die Zukunft wenn politisch alles so bleibt wie es ist.

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