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Die »OECD-Grenze«.

Immer wieder wird man auch im »grenzenlosen« Internet (im »grenzenlosen« Europa) in nationale Schubladen gesteckt. Das ist bei Urheberrechten so, das passiert im Handel, wiewohl Bestrebungen bestehen, die Barrieren abzubauen — und das geschieht auch auf Webseiten internationaler Organisationen.
So etwa bekommt man — obschon Browser und Betriebssystem auf Deutsch eingestellt sind — auf der Homepage der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vermutlich aufgrund der italienischen IP-Adresse den automatischen Vorschlag, sich speziell die Performance Italiens in internationalen Rankings anzeigen zu lassen. Selbstverständlich einsprachig auf Italienisch.

OECD-Homepage.Natürlich ist dies als Service und Erleichterung gedacht. Doch wenn selbst internationale Organisationen Auskünfte in nationalstaatlich angepasste Pakete verpacken ist es wie so oft gleichzeitig ein Beitrag zur Verfestigung nationaler Grenzen und (auch sprachlicher) Zugehörigkeitsmuster in den Köpfen. Für Vielfalt bleibt da wenig Platz.

In einem dezidiert mehrsprachigen Land, wie es Südtirol als unabhängiger Staat sein könnte, würden solche gleichmacherischen Automatismen ad absurdum geführt.

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17 replies on “Die »OECD-Grenze«.”

… die nationalen Raster, die nationalen Schubladen, und natürlich Nation-ist-gleich-Sprache (lingua franca) – “davon lebt Europa”, so auch mein Eindruck!
In gelebter Mehrsprachigkeit ist auch die kleine Schweiz Vorbild, deshalb die Frage: ist die Schweiz der EU so weit voraus, dass sich wohl eher Europa anstrengen muss, wenn die Schweiz einmal in die EU aufgenommen werden soll ! !

… und wenn Südtirol als Europaregion keine Zukunft bekommt, dann ist der Anschluss an die viersprachige Schweiz, als Nachbarkanton des dreisprachigen Graubünden eine logische Option ! ?

Noch ein Beispiel gefällig? Google koppelt die Sprache in seinem “Play Store” immer noch an das Land, in dem man lebt. Deshalb stehen Filme, Bücher und Zeitschriften im “Google Play Store” für uns Südtiroler nicht in deutscher Sprache zur Verfügung.

Dass viele Webseiten die Sprache des Besuchers anhand der IP-Adresse zu ermitteln versuchen ist (IMNSHO) vor allem auf Unwissenheit zurückzuführen. Den wenigsten Webmastern ist nämlich bekannt, dass man im HTTP-Protokoll die bevorzugte Sprach-Einstellung im Browser abfragen kann und sollte.

Keine Angst, ich kann sehr wohl unterscheiden zwischen der Sprach-Einstellung des Betriebssystems und den Sprach-Präferenzen im Browser (vom HTTP-Protokoll ist da sogar eine Gewichtung für die einzelnen Sprachen möglich, z.B: de=80%, it=60%, en=60% und fr=10%).

Ich wollte hier lediglich darauf hinweisen, warum oft Inhalte “per default” in der falschen Sprache angezeigt werden.

Übrigens: Google macht das richtig: wenn ich google.com eingebe, werde ich korrekt “lokalisiert” und auf google.it umgelaitet und der Inhalt wird mir auf deutsch angezeigt, weil ich in der Sprachpräferenzen de vor it gesetzt habe.

Yahoo.com leitet ich hingegen auf it.yahoo.com um und der Inhalt ist in italienisch. Wenn ich Yahoo auf deutsch lesen will, muss ich das Land wechseln und “Deutschland” auswählen.

Doch wenn selbst internationale Organisationen Auskünfte in nationalstaatlich angepasste Pakete verpacken ist es wie so oft gleichzeitig ein Beitrag zur Verfestigung nationaler Grenzen und (auch sprachlicher) Zugehörigkeitsmuster in den Köpfen. […]

… dann sollte man auch sagen, dass die “böse” OECD dies, auch im konkreten Fall nicht immer macht.

Beispiele:
http://www.oecd360.org/
Schweiz gibt’s den Bericht auf Französisch und Deutsch.
Luxemburg gibt’s den Bericht auf Französisch und Deutsch.
Belgien gibt’s den Bericht auf Niederländisch und Französisch.

Übrigens sind die Sprachausgaben der Studien kongruent mit den vorhandenen Popups. Die Popups sind in der main.js Hardgecoded. Kann jeder selbst nachlesen: http://www.oecd.org/media/oecdorg/styleassets/responsive/oecd/js/main.js Für Belgien gibt es beispielsweise ein “Belgium-fr”- und ein “Belgium-nl”-Popup usw.

Jetzt kannst du natürlich fragen:
Warum gibt’s für die Schweiz kein Italienisch und kein Rätoromanisch?
Warum für Luxemburg keine Luxemburgische Ausgabe?
Warum für Belgien keine Deutsche Ausgabe?

Oder, um deinen Gedanken weiterzuspinnen: warum gibt’s nicht die italienischen Ausgabe/Popup in (ital. Sprachminderheiten) Ladinisch, Fersentalerisch, Zimbrisch, Provenzalisch, Friaulisch, Slowenisch, Grichisch, Kroatisch, Okzitanisch, Albanisch, Sardisch, Katalanisch, …
http://www.regione.taa.it/biblioteca/minoranze/Gruppi.aspx

Oder, um deinen Gedanken noch weiterzuspinnen: warum gibt’s nicht alle Ausgaben in allen Sprachen dieser Erde?

Ist das nicht viel eher eine gesunde und, zum jetzigen Zeitpunkt, verständliche Abwägung zwischen Ressourcen und Relevanz? Selbst euer Blog ist nicht 3-sprachig … warum nicht? Weil ihr nicht die nötigen Ressourcen habt. Und selbst zentrale Punkte wie bbd-Manifest und bbd-FAQ gibt’s nur auf italienisch und deutsch. Ladinisch wird hier konsequent vernachlässigt.

Ich münze deine Aussage also um:
Doch wenn selbst bbd seine Blogeinträge in sprachlich angepasste Pakete verpackt, ist es, wie so oft, gleichzeitig ein Beitrag zur Verfestigung sprachlicher Zugehörigkeitsmuster in den Köpfen.

Und ich frage euch, wie ihr unter diesen Umständen, selbst als Utopisten, zu folgendem Schluss kommen könnt?

In einem dezidiert mehrsprachigen Land, wie es Südtirol als unabhängiger Staat sein könnte, würden solche gleichmacherischen Automatismen ad absurdum geführt.

Auch in Südtirol könnten wir alles auf nur Deutsch oder nur Italienisch umstellen und damit ganz viele tolle Ressourcen sparen. Aber erklär mal: Warum ist es sparsam, für Luxemburg zwei Sprachversionen zu machen und für ganz Frankreich nur eine?

Ob man damit soo viele Ressourcen spart (im Vergleich zum Landeshaushalt) wage ich zu bezweifeln.
@Luxemburg und so, eine email an die oescd würde sicher Klarheit bringen.

Dass das sparsam ist (»mit den Ressourcen gehaushaltet…«) war doch dein Urteil, also frage ich dich und nicht die OECD: Was ist daran sparsam?

… dann sollte man auch sagen, dass die “böse” OECD dies, auch im konkreten Fall nicht immer macht.

Nicht die OECD ist böse, sondern das nationalstaatliche Prinzip ist nach meiner Auffassung falsch.

Schweiz gibt’s den Bericht auf Französisch und Deutsch.
Luxemburg gibt’s den Bericht auf Französisch und Deutsch.
Belgien gibt’s den Bericht auf Niederländisch und Französisch.

Dies zeigt nicht anderes, als dass Mehrsprachigkeit in Ländern, die sich nicht national definieren, möglich ist.

Für Belgien gibt es beispielsweise ein “Belgium-fr”- und ein “Belgium-nl”-Popup usw.

Wo der entsprechende Wille vorhanden ist, scheint es also zu gehen.

Jetzt kannst du natürlich fragen:
Warum gibt’s für die Schweiz kein Italienisch und kein Rätoromanisch?
Warum für Luxemburg keine Luxemburgische Ausgabe?
Warum für Belgien keine Deutsche Ausgabe?

Ja, Verbesserungen sind auch da noch möglich.

Oder, um deinen Gedanken weiterzuspinnen: warum gibt’s nicht die italienischen Ausgabe/Popup in (ital. Sprachminderheiten) Ladinisch, Fersentalerisch, Zimbrisch, Provenzalisch, Friaulisch, Slowenisch, Grichisch, Kroatisch, Okzitanisch, Albanisch, Sardisch, Katalanisch, …

Gegenfrage: Warum gibt es eine eigene Ausgabe für Luxemburg aber keine eigene Ausgabe für Sardinien, obschon Sardinien wesentlich größer ist und deutlich mehr Einwohner zählt? Ich verrate es dir: Weil die Luxemburger einen eigenen Staat haben und Staatlichkeit noch immer den Unterschied macht zwischen »alles« und »nichts« sein, zwischen wahrgenommen zu werden und nicht wahrgenommen zu werden.

Ist das nicht viel eher eine gesunde und, zum jetzigen Zeitpunkt, verständliche Abwägung zwischen Ressourcen und Relevanz?

Na klar ist es das. Aber es zeigt, wie wichtig es ist, einen eigenen Staat zu haben, um als »relevant« zu gelten und nicht in eine nationalstaatliche Schublade gesteckt zu werden.

Selbst euer Blog ist nicht 3-sprachig … warum nicht? Weil ihr nicht die nötigen Ressourcen habt. Und selbst zentrale Punkte wie bbd-Manifest und bbd-FAQ gibt’s nur auf italienisch und deutsch. Ladinisch wird hier konsequent vernachlässigt.

Du kennst aber den Unterschied zwischen einem privaten, ehrenamtlich geführten Blog und einem Staat bzw. einer internationalen Organisation?

Und ich frage euch, wie ihr unter diesen Umständen, selbst als Utopisten, zu folgendem Schluss kommen könnt?

In einem dezidiert mehrsprachigen Land, wie es Südtirol als unabhängiger Staat sein könnte, würden solche gleichmacherischen Automatismen ad absurdum geführt.

Du hast es doch selbst gezeigt: Für Luxemburg mit einer halben Million Einwohner gibt es zwei Sprachversionen, für Südtirol mit ebensovielen gibt es gar keine.

Es handelt sich dabei auch um eine Flagship Publikation zu Italien, die logischerweise nur in Italienisch verfügbar ist, sie bietet nämlich wenig Mehrwert.
Die Sammlung zur Schweiz & Luxemburg ist z.B auch nur in Deutsch und Frz. verfügbar. Würde ja keinen Sinn machen alles 50x zu übersetzten, insbesondere da die Daten ohnehin zur Verfügung stehen. Deshalb werden die Booklets wohl auch nicht in Englisch da sein.

obschon Browser und Betriebssystem auf Deutsch eingestellt sind

Irrelevant für die Länderauswahl, da der Website Betreiber das nicht erfährt. Das accept language Attribut besteht z.b bei einem Gecko Browser aus der Browsersprache (in meinem Fall z.B de-DE und de) und immer aus en und en-US. Nichtsdestotrotz entsteht natürlich eine “Einstellungskette”, die aber nur Auskunft über die Sprache gibt. Und damit kann man dann halt auch kein anderes Land vorschlagen als das welches man mittels IP ermittelt.
Was natürlich “pfusch” ist dass wenn man Französisch einstellt die Seite nicht so daherkommt.

Doch wenn selbst internationale Organisationen Auskünfte in nationalstaatlich angepasste Pakete verpacken ist es wie so oft gleichzeitig ein Beitrag zur Verfestigung nationaler Grenzen und (auch sprachlicher) Zugehörigkeitsmuster in den Köpfen.

Bitte es geht hier um eine Zusammenstellung von Statistiken, die alle in Englisch und Französisch (teilw. auch in Deutsch s.u.) zur Verfügung stehen.
Man muss hier einfach die Kosten/Nutzen Relation sehen, oder findest du es jetzt auch ungerecht dass es keine solche Publikation zu Spanien uvm. Gibt?

OECD360: How does your country compare?


Es sind einfach ein paar Flagship Publikationen, sie sollen also nur einen Appetizer darstellen.

Zugehörigkeitsmuster in den Köpfen.

Das die deutschsprachige Website auf /berlin lautet weckt doch auch keine Zusammengehörigkeitsgefühle… auch wenn von Österreich darauf verlinkt wird. Das Ganze ist einfach sinnvoller (?) Pragmatismus. Man kann auch die meisten (so wie ich es jetzt beurteile) Daten auf Deutsch vergleichen:
http://www.oecd.org/berlin/statistiken/laendervergleich-datenvisualisierung.htm
Es gibt aber auch keine Italienische/Brasilianische uvm. Website… Es scheint also auf das Engagement der jeweils zuständigen Stelle zu liegen.

In einem dezidiert mehrsprachigen Land, wie es Südtirol als unabhängiger Staat sein könnte, würden solche gleichmacherischen Automatismen ad absurdum geführt.

Wäre Südtirol unabhängig würde wohl kaum eine derartige Publikation erstellt werden, vlt. auch doch Luxemburg hat es ja auch…
Die Frage die ich mir stelle lautet sind es denn gleichmacherische Automatismen? Von mir aus kommt ein ganz klares Nein, da es sich wie bereits erwähnt um einen Sonderfall handelt.

Zusammenfassend lässt sich sagen:
Es handelt sich, wenn man das “nicht-alles- in-alle-Sprachen-übersetzen” negativ sieht, um strukturelle Probleme der OSCD und des UX Designs der Website. Eine Eigenstaatlichkeit Südtirols würde uns maximal (sofern wir denn die Initiative zeigen) einen Link auf die /berlin Seite einbringen evt. würden wir bei einigen Statistiken sogar fehlen, bis dahin könnte man aber auch die Website umgebaut haben. Oder die EU nur mehr als ein Eintrag erscheinen.

Grundsätzlich hast du mit deiner Kritik Recht, nur dieses Beispiel ist arg danebengegriffen.
Aber du hast mit deinem ersten Satz eine tolle Frage in den Raum gestellt auf Basis derer sich wunderbar argumentieren lässt warum es uns (Sezessionisten in Südtirol und ich denke auch in Katalonien) mit dem institutionalisierten Nationalismus in internationalen Organisation reicht und wir den Ausweg nur mehr in der Eigenstaatlichkeit sehen. Ich hasse diese Form des Nationalismus da er recht rational herüberkommt, und es sich immer nur um, vermeintliche, Lappalien handelt. Aber in Summe lässt sich ein klares Bild malen.

Es handelt sich dabei auch um eine Flagship Publikation zu Italien, die logischerweise nur in Italienisch verfügbar ist, sie bietet nämlich wenig Mehrwert.

Ganz genau: »logischerweise« im Sinne der »nationalen Logik«. Dass diese Flagship-Publikation aber auch für Südtirol gilt und auch Besuchern aus Südtirol »angeboten« wird, ist nur »logisch«, weil Staatlichkeit einen so hohen Stellenwert besitzt. Und: Kannst du mir erklären, warum es »logischerweise« eine französische Version für die Schweiz gibt, aber keine sardische oder friaulische Version für Italien? Genau: Italien ist ein Nationalstaat, die Schweiz nicht.

Und damit kann man dann halt auch kein anderes Land vorschlagen als das welches man mittels IP ermittelt.

Auch das bestätigt, dass es nur durch Eigenstaatlichkeit möglich ist, dieses Problem zu lösen. Oder dadurch, dass man Italien in einen plurinationalen Staat umwandelt.

Man muss hier einfach die Kosten/Nutzen Relation sehen,

Siehe Frage weiter oben: Was, außer die Eigenstaatlichkeit, rechtfertigt zwei Sprachversionen für Luxemburg und nur eine Version für ganz Frankreich? Die Kosten-/Nutzenrelation allein sicher nicht.

oder findest du es jetzt auch ungerecht dass es keine solche Publikation zu Spanien uvm. Gibt?

Wenn es dafür keine plausible Erklärung gibt (»wenige Daten«, »Publikation erst noch in Ausarbeitung« oder ähnliches) finde ich das natürlich ungerecht. Und es läuft dann ja auch deiner Kosten-/Nutzen-Argumentation zuwider.

Das die deutschsprachige Website auf /berlin lautet weckt doch auch keine Zusammengehörigkeitsgefühle… auch wenn von Österreich darauf verlinkt wird.

Es liegt mir fern, Zusammengehörigkeitsgefühle nach rein sprachlichen Kriterien zu fordern… das wäre doch genau das nationale Prinzip.

Die Frage die ich mir stelle lautet sind es denn gleichmacherische Automatismen? Von mir aus kommt ein ganz klares Nein, da es sich wie bereits erwähnt um einen Sonderfall handelt.

Welcher Sonderfall? Die Zugehörigkeit zu Italien bedingt in einem Fort, dass einseitige sprachliche Zuordnungen automatisiert erfolgen.

Eine Eigenstaatlichkeit Südtirols würde uns maximal (sofern wir denn die Initiative zeigen) einen Link auf die /berlin Seite einbringen evt. würden wir bei einigen Statistiken sogar fehlen, bis dahin könnte man aber auch die Website umgebaut haben.

Schweiz und Luxemburg haben auch eigene deutschsprachige Publikationen und werden nicht mit Deutschland zusammengelegt.

dieses Beispiel ist arg danebengegriffen.

I don’t think so.

… ich meinte auch grundsätzlich die “SPRACHFERTIGKEIT”! D. h. jede/r Europäer/in sollte eine zweite Sprache sprechen, bei en. funktioniert es ja einigermaßen (mit dem “Nebeneffekt” – die GB´s sind damit “aus dem Schneider”), s t i m m u n g s m ä ß i g wichtig wäre in Grenzregionen die “Sprache des Nachbarn” … Was die Einsprachigen fast immer gemeinsam ist, ist die “Herablassung” gegenüber Anderssprachigen!

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