Prontuario, zweiter Band.

Wie bereits per Kommentar berichtet, hetzt der A. Adige nun schon seit Tagen gegen die Gemeinde Barbian, weil sie bei der Einführung 35 neuer Straßenbezeichnungen 14 unübersetzt gelassen hat. Darunter solche wie Briol und Rosengarten, die es als Flurnamen seit jeher gibt und die selbst Tolomei nicht entstellt hatte. Freilich, das Autonomiestatut fordert die »Zweisprachigkeit«, doch das wurde bisher nie so interpretiert, dass im Prontuario nicht vorkommende Namen ebenfalls übersetzt werden müssen. Niemand war je auf den Gedanken gekommen Plaus, Gais, Elvas oder Gries übersetzen zu müssen, weil E.T. (nicht der Außerirdische, aber die Anspielung ist gar nicht so daneben) es vergessen oder unterlassen hatte.

Durnwalder kündigt heute gegenüber dem A. Adige jedoch an, genaue Vorschriften zu erlassen, um die Einhaltung der Zweisprachigkeit zu garantieren. Wenn das ernstgemeint ist, werden wir den Prontuario erweitern müssen.

Noch eine Bemerkung: In der Gemeinde Barbian leben 2,02% ItalienerInnen, das sind bei einer Gesamteinwohnerzahl von 1.520 etwa dreißig. Selbst dieser kleinen Anzahl italienischer BürgerInnen spricht natürlich niemand das Recht auf Zweisprachigkeit ab — sondern nur, dass ihretwegen auch noch Ortsbezeichnungen übersetzt werden müssen.

Die Verhältnisse sind anhand eines Beispiels schnell veranschaulicht: Die SüdtirolerInnen machen in Italien knapp 1% der Gesamtbevölkerung aus. Man stelle sich vor, jemand würde Italien dazu auffordern, nur aus diesem Grund von Prettau bis Lampedusa alles, aber auch wirklich alles auch ins Deutsche zu übersetzen. Am besten auch die Ortsnamen. Man würde ihn wohl kaum ernstnehmen.

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