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Adéu, Espanya?

Der öffentlich-rechtliche katalanische Hauptsender TV3 hat gestern zur Hauptsendezeit einen offen »independentistischen« Dokumentarfilm (Adéu, Espanya?) ausgestrahlt und damit die höchsten Zuschauerzahlen (23,8% Share) des gesamten Jahres erzielt. Leider wäre es hierzulande — egal wie man zu diesem Film steht — wohl undenkbar, eine solche Produktion im Sender Bozen zu sehen.
Dort hat sich der Sender gegen die Einwände zentralistischer Parteien durchgesetzt, die den Film als »gut, aber nur für eine kleine Minderheit von Interesse« bezeichnet hatten. Durch den Publikumserfolg wurden sie eines besseren belehrt.

präsentiert den Film hier — via TV3 — in voller Länge. Er kann in Bildschirmgröße angezeigt werden; ein Klick auf das Ohr-Symbol blendet Untertitel in katalanischer Sprache ein, was auch einer Südtirolerin mit durchschnittlichen Italienischkenntnissen ermöglichen sollte, den Inhalt zu verstehen.

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39 replies on “Adéu, Espanya?”

Die zentrale Aussage der Dokumentation ist der entspannte Umgang mit der Selbstbestimmung in Dänemark (Grönland), Kanada (Québec) und Großbritannien (Schottland):

– Das dänische Parlament hat bereits ein Autonomiestatut für Grönland verabschiedet, in dem die Selbstbestimmung enthalten ist. Da die Rieseninsel wirtschaftlich nicht auf eigenen Beinen steht, wird Grönland so lange von Dänemark finanziell unterstützt, bis es den Tourismus, die Wirtschaft und die Rohstoffförderung soweit ausgebaut hat, dass es sich die Unabhängigkeit leisten kann. Dann — also sobald Grönland für Dänemark keine Last mehr wäre — planen grönländische Politiker, die Unabhängigkeit auszurufen.

– Obwohl eine etwaige Unabhängigkeit Quebècs juristisch nur mit einer Verfassungsänderung Kanadas möglich gewesen wäre, hat das Höchstgericht (Supreme Court) entschieden, dass dem Demokratieprinzip Vorrang zu geben sei: Falls die Mehrheit in Quebéc die Unabhängigkeit wünsche, sei diesem Wunsch stattzugeben, auch wenn er der kanadischen Verfassung widerspricht. Die Demokratie stehe über der Verfassung.

– In Schottland gibt es zur Zeit noch keine Mehrheit für die Unabhängigkeit, weder im schottischen Parlament noch in der Gesellschaft. Doch in wenigen Jahren könnte es soweit sein — jedenfalls rechnet die regierende SNP damit. Sowohl die Konservativen (Tories), als auch die Liberaldemokraten und die Labourpartei sprechen sich gegen die Unabhängigkeit aus. Außer der SNP sind nur die Grünen dafür. Aber selbst Abgeordnete der Konservativen geben sich im Interview völlig überzeugt davon, dass Schottland die Unabhängigkeit gewährt wird, wenn es die Mehrheit der dortigen Bevölkerung so wünscht. Es gibt in Schottland also einen demokratischen Wettkampf der Positionen, doch alle scheinen zu respektieren, dass das Volk das letzte Wort hat.

Im Vergleich verhält sich Italien als Besatzermacht anstatt wie ein demokratisches Land, das den freien Willen seiner Bürger respektieren würde. Aber was erwarten wir wenn sich der Ministerpräsident hier ungestraft mit Mussolini vergleichen kann?

Diese drei Beispiele sind mit Südtirol nicht vergleichbar.

Grönland ist für Dänemark nur eine Last und außerdem sehr weit weg vom Mutterland. Südtirol ist durch seine starke Wirtschaft für Italien sehr wertvoll und passt Geografisch gut zum italienischen Stadt (was ja auch der Hauptgrund für die Teilung Tirols war).

Quebècs und Schottland sind so groß, dass ihnen Kanada bzw. England die Unabhängigkeit nicht verwehren könnten ohne einen Bürgerkrieg wie im ehemaligen Jugoslawien zu riskieren.
Die 300 000 deutschsprachigen Südtiroler sind nur 0.5 % der Bevölkerung Italiens – als keine wirkliche Bedrohung und Österreich bzw. Deutschland würden den Südtirolern sicher nicht helfen.

Grönland ist für Dänemark eine Last, aber der dänische Staat wird die Insel so lange finanziell unterstützen, bis sich selbst erhalten kann. Laut Film mit 3,2Mrd. Kronen jährlich (mehr als 400Mio € für 56.500 Einwohner). Das heißt, dass die Dänen die Grönländer genau dann in die Unabhängigkeit entlassen werden, wenn sie wirtschaftlich interessant werden. Vergessen wir nicht die reichhaltigen Rohstoffvorkommen.

Südtirol kann für Italien wirtschaftlich nicht wertvoll sein, wenn 90% des Steueraufkommens im Lande bleiben. Es ist sogar umstritten, ob Italien nicht mehr Geld nach Südtirol pumpt, als umgekehrt. Ich bin dieser Meinung nicht, aber in jedem Fall profitiert der Staat nicht mehr groß von diesem Land — spätestens seit er nicht mehr unsere Wasserkraft ausbeutet.

Der geografische Besitz bis zum Alpenhauptkamm konnte vor einigen Jahrzehnten noch aus militärischer Sicht sinnvoll erscheinen. Dem ist heute wohl nicht mehr so — außerdem wäre das ohnehin kein demokratisch plausibler Grund für die Verwehrung des Selbstbestimmungsrechtes.

Ich glaube schließlich auch nicht, dass die Schotten oder die Einwohner Québecs heute Interesse an einem Bürgerkrieg hätten, und dass diese Überlegungen die Reaktionen in London und Ottawa maßgeblich beeinflussen.

Was aber sicher nicht vergleichbar ist, ist vor allem das Demokratieverständnis dieser Länder mit jenem Italiens.

Man kann die Sache auch auf den Kopf stellen und sagen: Die Dänen brauchen keinen Krieg mit Grönland fürchten (56500EW) und könnte sich stattdessen den Zugriff auf die Rohstoffe sichern. Großbritannien und Kanada haben Interesse, die wirtschaftsstarken Regionen Schottland und Quebec zu behalten und müssen heutzutage keine Bürgerkriege fürchten. Trotzdem respektieren sie den Willen der jeweiligen Bevölkerung.

@voeger

Diese drei Beispiele sind mit Südtirol nicht vergleichbar.

Die übliche Leier – wird seit Jahren gebetsmühlenartig vorgetragen. Jedes dieser Beispiele ist ein Mosaikstein zu einem neuen demokratiepolitischen Selbstverständnis. Wenn es in Zukunft immer normaler wird, die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Staat im Rahmen der üblichen demokratischen Instrumentarien in Frage zu stellen, haben alle im Bericht erwähnten Regionen (und zukünftigen unabhängigen Staaten) dazu ihren wertvollen Beitrag geleistet.
Südtirol kann demgegenüber nur als Antibeispiel aufwarten, wie eine Regierungspartei jegliche Diskussion in diese Richtung, in vorauseilendem Gehorsam dem Zentralstaat gegenüber, im Keim erstickt.

Als Katalanin, habe ich den Film mehr als genossen. Madrid hat Angst, dass Katalonien sagt “Adéu España” (Lebewohl Spanien), aber Madrid hat längst “Adiós Cataluña” gesagt und das ohne Fragezeichen.

Benvinguda, Matilde! Spanien ist gegenüber Katalonien vielleicht in die innere Immigration gegangen, weil das Land die Bedürfnisse seiner verschiedenen »Nationalitäten« nicht versteht. Trotzdem glaube ich, dass Spanien im internationalen Vergleich in vielen Bereichen wesentlich flexibler und offener ist, als zahlreiche andere Länder. Das hat viele Entwicklungen, die wir auch hier aus Südtirol mit Bewunderung verfolgen, erst möglich gemacht. Grundlage dafür sind aber sicherlich eure Begeisterung, die unermüdliche Arbeit und euer unerschütterlicher Wille, Dinge nicht einfach so zu akzeptieren, »wie sie nunmal sind« — auch wenn sie zunächst unveränderlich erscheinen.

Ich hoffe in jedem Fall, dass du hier öfter reinschaust und vielleicht das eine oder andere Mal mit uns diskutierst — auf Deutsch oder Katalanisch.

würde mir den Film gern runterladen und bei Gelegenheit mal anschauen. Gibts den als .AVI oder .MPG Datei?

Vielen Dank.
Daß ihr eine eigene Internet Domain habt finde ich schon beachtlich! darauf würde hier niemand kommen! (da hiesse es sicher wieder “geht nicht”).

Ein weiterer Unterschied zu diesen Regionen ist die Tatsache dass es in Südtirol wahrscheinlich keine Mehrheit für die Unabhängigkeit geben würde. Die Italiener würden alle für Italien stimmen, somit bräuchte es innerhalb der deutschen Volksgruppe über 70% Zustimmung und die halte ich leider für unrealistisch.

Eine gesicherte Mehrheit gibt es in allen diesen Regionen nicht. Soweit ich verstanden habe zeigt der Film aber, dass die Bürger dort die Möglichkeit bekommen sich friedlich und demokratisch zu äußern und dass Dänemark, Kanada und UK den Willen der Wähler respektieren würden. Was bringt es im Internet subjektiv davon zu schreiben ob wir glauben dass die Mehrheit zustande kommen würde oder nicht?

Italiener: Das BBD Projekt sieht die Gleichberechtigung von allen Sprachgruppen und auch ihre Einbindung in den Prozess vor! Und es gibt jetzt schon Umfragen die widerlegen dass alle Italiener für Italien stimmen würden. Wenn diese Sicherheit bestehen würde hätte Italien schon längst eine Abstimmung zugelassen!

Ein weiterer Unterschied zu diesen Regionen ist die Tatsache dass es in Südtirol wahrscheinlich keine Mehrheit für die Unabhängigkeit geben würde.

Das entspricht nun wirklich nicht den tatsächlichen Gegebenheiten. Alle Umfragen, die im Übrigen ohne vorherige Aufklärung und ohne die Unterstützung der SVP erfolgten, belegen das komplette Gegenteil von dem was Sie uns hier glauben machen wollen. So eine breite Zustimmung für die Unabhängigkeit wie in Südtirol würde es wohl weder in Schottland, Grönland, im Baskenland oder Katalonien geben. Denn sobald es zu so einer Abstimmung kommt, muss die SVP Farbe bekennen und den Weg vorgeben. Sie könnte es sich wohl unter keinen Umständen leisten, in so einem Fall gegen die Unabhängigkeit zu mobilisieren, das dürfte klar sein. Würde sie auch gar nicht, selbst wenn es Italien bis jetzt immer verstanden hat die Südtiroler Politiker gut hinzuhalten und zu “entlohnen” (Politikergehälter usw.) damit es auch weiterhin die Autonome Provinz Bozen bzw. “Alto Adige” gibt. Aber zuerst müssen die außen-und innenpolitischen Rahmenbedingungen stimmen.
Jedenfalls hat Pérvasion in seinem Post vollkommen Recht, dass heute die militärischen Stützpunkte in Europa ihre Bedeutung verloren haben und Italien vor keinem Gremium der UNO oder der EU rechtfertigen könnte, wie es ein Land, das jetzt historisch korrekt wieder fast gänzlich in altösterreichischer Hand (Südtiroler) liegt, aus rein (mittelalterlich anmutenden) revanchistischen und imperialistisch-irredentistischen Gesichtspunkten behalten will. Italien hat z.B. den Kosovo im Gegensatz zu Spanien als unabhängigen Staat anerkannt.
Mit welchen Argumenten könnte Italien dann gegen die Unabhängigkeit Südtirols zu Felde ziehen? Es würde sich international der Lächerlichkeit preisgeben, wenn man die Geschichte etwa des Kosovo ein wenig beleuchtet: Das heutige Kosovo, das sich von Serbien loslölste, war seit 1200 n.Chr. (!) Teil Serbiens (mit nachfolgender Osmanischer Herrschaft über ganz Serbien bis Jugoslawien entstand und Kosovo wieder unter Serbien war). Ganz anders Südtirol. Südtirol war fast ein ganzes Jahrtausend fester Bestandteil Österreichs und war ethnisch-sprachlich gesehen ein deutschsprachiges Land mit zwei Minderheiten (lad. und ital.). Da kommen heute in Südtirol Leute her (auch Persönlichkeiten) und behaupten, durch 90 Jahre Fremdherrschaft hätte man sich an etwas gewöhnt und könne es nicht mehr ändern. Wenn man bedenkt das Kosovo über 1000 Jahre in ethnisch andersartigen Staaten lebte, wohl ein Witz.
Genauso unsinnig die Vergleiche die manche z.B. mit ital. Regionen mit Sonderstatut ziehen. Beispiel Aosta: Dieses französischsprachige Gebiet war seit Ewigkeiten Bestandteil des ital. Königreiches (Savojen). Dies mit dem seit jeher österreichischen Südtirol zu vergleichen grenzt an Dummheit.
Dass Südtirol heute noch das einzige Gebiet in Europa ist dessen historischer und sprachlich-kultureller Hintergrund sich so von seinem Staatsgebiet unterscheidet muss wohl nicht erwähnt werden.
Wer deshalb von einer unglaublichen Errungenschaft dieser Autonomie spricht (die uns Gott sei Dank auch viele positive Seiten geschenkt hat), sollte sich die Landkarte Europas unter die Lupe nehmen und dann darüber nachdenken, wieso alle anderen staatlich gesehen frei sind und wir nicht. Und nicht dass mir einer mit den Minderheiten in Europa kommt (z.B. Kärnten, Aosta, Sarden, Katalanen usw.), denn diese gehören seit Urzeiten schon zu ihrem heutigen Staat.
Dass BBD nicht nach dem Prinzp des allgemeinen Völkerrechts ausgerichtet ist weiß ich, nichtsdestotrotz würden die historischen und kulturellen Sachlagen vor jedem internationalen Gremium im Falle eines Referendums greifen. Und von daher hat Südtirol die rechtliche Grundlage, sich friedlich und demokratisch von Italien zu verabschieden. Man muss es nur wollen.

Österreich bzw. Deutschland würden den Südtirolern sicher nicht helfen.

Auch hier würde ich mich nicht allzusehr täuschen, und vergiss bitte die Russen nicht, die seit den Unstimmigkeiten mit dem Westen bez. Kosovo, Georgien, Ossetien usw. sicher auch eine Rolle spielen dürften bei einer etwaigen Unabhängigkeit Südtirols. Der Austausch mit den Russen ist sehr wichtig, soweit ich weiß gibt es bereits wirtschafltiche Kooperationen mit russischen Regionen vonseiten Südtirols. Ein wichtiges Detail am Rande: die jüngsten Entgleisungen Berlusconis und Italiens als Staat (auch des Staatspräsidenten, man denke nur an die zuletzt unrühmlichen, faschistoid anmutenden Aussagen gegenüber Kroatien) haben diesen Staat für die USA, Europa und die westliche Welt ins Abseits des Weltgeschehens katapultiert. Italien steht International so schlecht wie nie zuvor da, es redet kein Mensch der etwas zu sagen hat von diesem Staat wenn es um globale Zusammenhänge unserer Zeit geht. Das sowieso schon international schwach auftretende Europa würde sich gegenüber den Vereinigten Staaten wohl noch mehr blamieren, läge es mehr Gewicht auf Staaten wie Italien. In Europa sind Frankreich, Großbritannien und Deutschland ohne jeglichen Zweifel die drei maßgeblichen Nationen. Das kleine Österreich könnte durch seine Beziehungen zu diesen Ländern sicher einiges bewirken als Schutzmacht für Südtirol im Falle eines Referendums. Da Südtirol auch sehr gute Beziehungen zu Deutschland pflegt, dürfte in einem Europa von heute Italien nicht einmal auf die Idee kommen, irgend etwas zu blockieren im Falle Südtirols. Nur aufgrund der Tatsache dass Italien bei der Gründung sowohl der EU als auch G8 dabei war, spielt es noch eine gewisse Rolle.

Was in der Vergangenheit geschähen ist und wer, warum und wie lange zu welchem Land gehört spielt doch in Wirklichkeit keine Rolle, denn niemand kann heute noch etwas dafür, dass z.B. das Baskenland zu Spanien, Nordirland zu UK oder eben Südtirol zu Italien gehört.
Ich fühle mich sicher nicht als Italiener, habe Freunde im Bundesland Tirol und Verwandte in Oberösterreich (mein Vater stammt aus dem Innviertel). Bei der WM werde ich Deutschland die Daumen halten – nicht Italien (Österreich ist ja leider nicht dabei), aber ich verstehe nicht was sich für mich großartig ändern soll wenn Südtirol ein eigener Stadt wir. Ich lebe gerne hier, ich fühle mich als Südtiroler, Tiroler, Österreicher, Deutscher und Europäer und das geht hier in Südtirol auch mit einem Italienischen Pass ganz gut.

@hansi: Ich glaube nicht, dass ohne die Zustimmung Italiens irgendetwas möglich ist. Durch die Internationalisierung der Frage könnte man durchaus dazu beitragen, dass Italien eher einwilligt, aber das um und auf ist die Einbindung aller Sprachgruppen in ein gemeinsames Projekt. Wenn alle Südtiroler — egal welcher Sprachgruppe — sich mehrheitlich für die Unabhängigkeit äußern, wird es wirklich eng.

@voeger: Das ist dann aber keine juristische, sondern eine politische Frage. Ich jedenfalls denke, dass sich bei einer Loslösung von Italien — im Sinne der BBD — sehr vieles sehr wesentlich verändern würde. Aber es würde sich gerade so verändern, dass es nur noch sehr schwer möglich wäre, als »(Groß-)Deutscher« in Südtirol zu leben. Südtirol wäre dann eine dezidiert plurilinguale Willensnation.

Ich glaube nicht, dass ohne die Zustimmung Italiens irgendetwas möglich ist.

Wie du oben schon erwähnst könnte es bei bestimmten politischen Konstellationen in der globalen bzw. europäischen Politik zu einer Zustimmung von Seiten Italiens kommen. Man blicke dabei auf den hohen Schuldenberg Italiens. Italien war der erste Staat der EU der Griechenland millionenschwere Kredite zusagte, jeder weiß warum. In nicht allzu ferner Zukunft könnte es nämlich auch Italien treffen, von den Nachbarstaaten der EU finanziell abhängig zu werden. Ich denke kaum dass sich bei entsprechendem Willen der Südtiroler Politik dieser Staat sich den “Luxus” und vor allem die vollkommen ungerechtfertigte Annektion Südtirols noch leisten könnte.
Versteht mich nicht falsch, da mir ganz Europa am Herzen liegt mir auch Italien in gewissem Sinne am Herzen, jedoch nur als guter Nachbarstaat, zu dem man gute und freundschaftliche Beziehungen hält. Italien ist ein schönes Land mit vielen schönen Seiten, aber Südtirol hat darin nun mal eigentlich nichts verloren. Länder wie Italien und Griechenland mit ihrer Misswirtschaft, Korruption, Skandalen, best. Politikern usw. schaden den Image der EU in der Welt immens und schwächen uns Europäer ungemein in Hinblick auf die schweren Zeiten, die uns in einer sich neu bildenden Weltordnung ergeben werden. Man muss sich einmal vorstellen, dass wir in einem Staat leben, dessen Ministepräsident sich ernsthaft für die Aufnahme der Türkei und von Israel in die Europäische Union einsetzt. Diese Vorgehensweise würde auf längere Sicht das Ende von Europa bedeuten und für die Türkei selbst wäre es außer dem wirtschaftlichem Aspekt nur von Schaden (das Ziel der Türkei kann doch unmöglich sein, ein Anhängsel der EU zu werden..). In der Türkei gibt es längst schon eine enorme Rückbesinnung auf den Islam, sodass Europa danach ein völlig anderes wäre, seine Identität langfristig verlieren würde und noch gespaltener wäre als zuvor. Die Nachteile einer Aufnahme Israels in die EU müssen wir hier wohl hoffentlich nicht länger erläutern, u.a. im Hinblick der jüngsten Ereignisse im Gaza-Streifen.
Schon jetzt kann Europa aufgrund seiner schwachen außenpolitischen Positionen als Schoßhund der USA bezeichnet werden, die ihrerseits (die USA) nur mehr zusehen können, wie ihre Stellung als Weltsupermacht langsam zerbröckelt.
Längst schon ist auch in politischen Expertenkreisen klar, dass die Vereinigten Staaten ihre Vormachtstellung in nicht allzu ferner Zukunft zugunsten der aufstrebenden Supermacht China (wo sich eine Zweckbeziehung zu Russland abzeichnet) abgeben werden. Da neigt man dazu sich wirklich die Frage zu stellen, wo soll dann in Zukunft Europa stehen, wenn man es nicht einmal schafft, klare Positionen gegenüber den USA zu beziehen und jeden Blödsinn von Seiten Amerikas praktisch kritiklos mitmacht (siehe Afghanistan, Irak usw.)? Ich denke es muss in Europa ein neuer Zugang zu Asien stattfinden, ohne dabei seine christlich-abendländische Kultur zu verlieren (im Gegenteil, die europäisch-christlichen Wurzeln sind zu stärken – ohne die säkuläre Ausrichtung zu mindern -und bestimmt nicht im Sinne eines Fundamentalismus wie in den USA oder in großen Teilen des islamischen Orients). Südtirol macht das schon ganz gut indem es in China Lifte baut oder eben mit Russland zusammenarbeitet, das kann sich in dieser neuen politischen Weltkonstellation nur positiv auswirken, auch wenn wir dabei natürlich nicht die kleinste Rolle spielen. Diese Beziehungen sind m.E. nach sehr auszubauen soweit es geht, um in Zukunft die besten Chancen zu haben, auch im Sinne der Selbstbestimmung. Auf alle Fälle sollte man Europa zuliebe versuchen, solche Staaten wie Italien mit seiner derzeitigen Regierungsspitze, die Europa aufgrund kurzfristiger Interessen in den Ruin führen würden, mit allen demokratischen Mitteln zu bremsen und sie nicht maßgeblich politische Agenden mitbestimmen lassen, wo es um die Zukunft Europas (Beitritt Türkei usw.) geht. Das wäre mehr als verantwortungslos. Muss mich entschuldigen, bin total vom Thema abgeschweift, aber hinter dem Kleinen steht halt immer ein großes Ganzes.

P.S.: Die Einbeziehung aller Sprachgruppen ist auch für mich logisch, allerdings darf man sich nicht überall Zustimmung erwarten, denn die gibt es nie zur Gänze. Aber versuchen muss man es so gut es geht.

@voeger
Es würde sich viel Grundsätzliches ändern, aber für Jeden ist es natürlich nicht gleich viel. Abhängig wo du wohnst, für wen du arbeitest, was deine Hobbys sind ändern sich verschiedene Dinge.
Denk zB an Schule ,Supermärkte, Geschäfte, Autohäuser, Versicherungen, Telekom, Polizei, Militär, Autobahn, Eisenbahn, Beruf, Weiterbildungen, Internet……eine unendliche Liste von Dingen die für Südtiroler benutzerfreundlicher werden müßten.

@hansi: Habe gerade nicht viel Zeit für eine erschöpfende Antwort. Nur soviel: Ich persönlich bin dafür, der Türkei eine Vollmitgliedschaft in Aussicht zu stellen, wenn sie die gleichen Aufnahmebedingungen erfüllt, wie alle anderen Länder auch. Die EU ist kein religiöser Verein, und die Türkei ist in vielerlei Hinsicht schon heute laizistischer ausgerichtet, als etwa Italien.

Ich verstehe ohnehin nicht, was die Unabhängigkeit Südtirols mit der Aufnahme der Türkei in die Union zu tun haben soll…

@pérvasion

Für die Abschweifung vom Thema hab ich mich schon oben entschuldigt. Allerdings spielen globale poltische Zusammenhänge bei einer etwaigen Unabhängigkeit eines Landes eine entscheidende Rolle, die bei uns kurioserweise kaum angesprochen wird. Noch nie konnte meines Wissens ein Land ohne größere politische Veränderungen ringsum unabhängig werden. Und genau in unserer heutigen Zeit bahnen sich diese Veränderungen im globalen politischen Machtgefüge an. Hier stehen sich auf einmal beinahe wie im kalten Krieg die Supermächte USA, Russland und China gegenüber. Die Ausgangspositionen sind diesmal ganz andere. Und natürlich haben diese Umwälzungen große Auswirkungen auf Europa, und natürlich somit auch auf Südtirol.
Nun aber zu deiner knappen Antwort bez. Beitritt Türkei.
Da schreibst du folgendes:

Die EU ist kein religiöser Verein, und die Türkei ist in vielerlei Hinsicht schon heute laizistischer ausgerichtet, als etwa Italien.

Nein, die EU ist kein religiöser Verein (und schon längst nicht mehr religiös) aber ohne Zweifel mittlerweile ein Handlanger der USA. Denn die Vereingten Staaten sind es doch (mit Zustimmung einiger Länder wie Italien), die aufgrund eigener Interessen den Beitritt der Türkei forcieren und naiverweise annehmen, dies würde den unaufhaltsamen neuerstarkten Islamismus dort in die Schranken weisen.
Dass die Türkei nicht mehr die laizistische und auf Militarismus aufgebaute Türkei von Atatürk ist, scheint man hier in Südtirol nicht wahrzunehmen. Ich erinnere daran, dass Erdogan seit 2007 Ministerpräsident ist und dessen Partei nicht laizistisch, sondern islamistisch ausgerichtet ist.

Aber dies ist ein anderes Thema und hat mit der Unabhängigkeit Südtirols und dem Thema hier in der Tat nix zu tun.
Die globalen politischen Umwälzungen allerdings sehr wohl.

und die Türkei ist in vielerlei Hinsicht schon heute laizistischer ausgerichtet, als etwa Italien.

E anche dell’heiliges Land Südtirol?

Erdogans Partei AKP ist islam(ist)isch, aber auch die CDU ist christlich. Das steht noch nicht im Widerspruch zum Laizismus.

Wie im einschlägigen Wikipedia-Artikel vermerkt

[folgt] die praktische Politik der AKP jedoch tatsächlich ihrer Programmatik, die sich durch die Anerkennung von Laizismus, Meinungsfreiheit, Marktwirtschaft und Offenheit gegenüber dem Westen auszeichnet. Die AKP lehnt offiziell Politik auf weltanschaulicher Basis ab und stellt keine Forderungen auf der Grundlage des Islam.

Diese und weitere Feststellungen sind durch Quellen belegt. Andere Vorhaben, die als Zugeständnisse an die Islamisten gewertet werden können, mussten

aufgrund des großen Widerstands der türkischen Öffentlichkeit

fallengelassen werden. Das spricht doch für die grundsätzlich laizistische Ausrichtung des Landes. Ich will Probleme, die es sehr wohl gibt, nicht leugnen oder unterschlagen, aber wie gesagt — der Türkei sollte meiner persönlichen Meinung nach die Vollmitgliedschaft offenstehen, wenn sie die Beitrittskriterien erfüllt.

“# gadilu
Am 8. June 2010 um 18:48 Uhr

und die Türkei ist in vielerlei Hinsicht schon heute laizistischer ausgerichtet, als etwa Italien.

E anche dell’heiliges Land Südtirol?”

*Achtung Offtopic*

Bei allem Respekt, aber ein wenig bei der Realität sollte man auch hier in Südtirol bleiben. Scheinbar scheint es in Europa und damit auch in Südtirol oft keinen Sinn für Verhältnissmäßigkeiten zu geben.
Zwischen einem Politiker (Hr. Pahl) aus dem “Heiligen Land Tirol”, der aus Protest zum Frosch einen friedlichen Hungerstreik macht -egal was man davon hält- und einem sog. “laizistischen” Land (nur mehr auf dem Papier, auch diese Tatsachen sind bei sämtlichen Nahostexperten nachzulesen, aber Tatsachen werden heute aufgrund einer falsch verstandenen “political corectness” untergraben), das dauernd Menschenrechtsverletzungen an seinen religiösen und ethnischen Minderheiten begeht, besteht doch wohl noch ein kleiner Unterschied…
Südtirols intellektuelle und sog. weltoffene Schicht wäre die erste, die bei ähnlichen “laizistischen” Verhältnissen wie in der Türkei das Land sofort verlassen würde.

Wenn man in Deutschland, wo ich jetzt lebe, gegen die Türkei in der EU ist, es ist weil die Türken in Deutschland sehr tüchtig und freundlich sind, aber sie lieben nicht die deutsche, sie verachten sie. Der Feind in deinem Bett. Da wird sich nicht ändern.

Aixó no pot ser un motiu per rebutjar que la Turquà­a sigui membre de la Unió… cal una raó objectiva i realment no n’hi ha cap. Si omplen els criteris com tots, que tinguin els mateixos drets — em sembla normal…

“Hansi, Du hast es richtig gesagt: Man muss es nur wollen, wirklich wollen!”

grà cies, jo oblidat dir:benvinguda el món bloc de Tirol del Sud Matilde :)

Visca Catalunya lliure
Visca Tirol del Sud liure

Hansi: Això no es català , això es Google Translate :) Però bè!

Visca la terra lliure ||*||

@ hansi

Vado di fretta, perdonami. Io ho fatto le scuole elementari, le medie e le superiori in Toscana. A Livorno. Nessuno di noi è mai stato condotto in chiesa all’inizio di un anno scolastico e tantomeno alla fine. La situazione non è ovviamente mutata oggi. Ieri invece mio figlio, che frequenta la terza classe elementare a Bressanone (scuola in lingua tedesca, ma è un dettaglio), mi faceva vedere il movimento d’inginocchiamento prescritto dagli insegnanti e da utilizzare quando, domani, si recheranno tutti in chiesa per concludere l’anno scolastico. Non penso serva aggiungere un commento.

Catalanizator hat mich ertappt, meine Aussage mein ich aber ehrlich. Außerdem hatte ich das vergnügen, schon mehrmals in der katalanischen Hauptstadt zu verweilen, wo ich das eine oder andere Idiom aufgeschnappt habe.

@gadilu

Ich denke bei deinen Ausführungen kommen wir an einen Punkt, wo wir über verschiedene Weltanschauungen diskutieren müssten. Und die respektiere ich (in dem Fall bei dir) in vollem Maße.
Es treffen hier einfach zwei Welten aufeinander, wie es bei Südtirol und Livorno wohl offensichtlich ist.
Ich jedenfalls finde es sehr gut, wenn in Europa der christliche Glaube wieder mehr gelebt wird, allerdings unterscheide auch ich hier von einem zu großem Einfluss der Kirche und individuellen Glauben mit einem zugrunde liegenden kollektiven Wertesystem, das es in Europa längst nicht mehr gibt. Oder sind etwa Massenkonsum, Spaßgesellschaft, Überfluss, Volksverblödung und Verfettung christliche Werte? Doch das ist das Europa von heute. Den frommgläubigen und in ihren Werten standhaften anderen Glaubens- und Völkergemeinschaften hat das zunehmend wertelose Europa nix entgegenzusetzen.
Soviel zu dem. Zum Thema Kirche in Südtirol und den exzessiven Volksgehorsam (auch im negativen Sinne beim Thema Selbstbestimmung) -unter anderem durch ein katholisches Medium- der dadurch entstand, habe ich auch schon in diesem Forum kritisiert. Der Südtiroler wurde auch u.a. dadurch ein eher lahmes und scheinheiliges Völkchen, das sich um nix schert solange es “uns halbwegs gut geht”.

Ich hatte dem Sender (TV3) geschrieben und angeboten, die katalanischen Untertitel unentgeltlich ins Deutsche und Italienische zu übersetzen, falls sie interessiert wären, sie zur Onlineversion des Videos hinzuzufügen.

Jetzt habe ich eine Antwort erhalten:

Resposta del Servei d’Atenció a l’Audiència:
Benvolgut Simon. En primer lloc li volem agrair sincerament el seu oferiment per ajudar o fer la traducció del nostre documental. Ara estem preparant la versió en anglès que ens ha estat demanada i ens pensarem si n’hem de fer altres versions. En el cas que ens fes falta ja ens posarem en contacte amb vostè. Rebi la nostra més cordial salutació.
Televisió de Catalunya

Zunächst arbeite man aufgrund der großen Nachfrage an einer englischen Übersetzung (eine gute Nachricht!), anschließend werde man überlegen, ob weitere Versionen sinnvoll sein könnten.

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