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Mein Walscher.

Gastbeitrag von Brigitte Foppa* (02.10.2010)

Ich bin in Montan, einem Dorf im Unterland, aufgewachsen. Mein Mann nicht. Er hat Montan vor fast 20 [Jahren] zu seinem Wohn- und Lebensort gemacht. Massimiliano, so heißt er, kommt aus Florenz. Seine Jugend hat er in der Nähe von Mailand, in Monza, verbracht.
Nach all diesen Jahren hier ist er zu einem echten Montaner geworden, mehr als ich es je sein werde. Er trainierte die Kinder beim Fußball, hat zusammen mit anderen eine Volleyballmannschaft gegründet, er spielt in einer Band des Dorfes, versumpft regelmäßig in der Sportbar oder auf den Wiesenfesten und im Mai ist er sogar in den Gemeinderat gewählt worden. Eigentlich ist er ein perfekter oder zumindest ganz gewöhnlicher Montaner.

Er hat nur einen Defekt. Er ist Italiener.

In den Jahren hier hat er viele Deutschkurse gemacht. Er war sogar in Berlin, um noch besser Deutsch zu lernen. Aber irgendwie gelingt es doch nicht so wirklich. Er ist vielleicht nicht sprachbegabt; oder aber es ist wegen jener Hürden, die schon vielfach analysiert worden sind: der Dialekt, die seltenen Gelegenheiten, deutsch zu reden (weil alle sofort mit ihm italienisch reden) – vielleicht auch ein wenig Resignation und Frust, dass man diese schwierige Sprache nie richtig erlernen wird.
Trotz allem ist Massimiliano ein Verfechter der “Südtiroler Welt”: des Zusammenlebens, der Ordnung, der Bewahrung der Natur, des Sinnes für Gemeinschaft und Verantwortung… Das alles liebt und schätzt er.

Dennoch ist er auch ein richtiger Italiener. Er hält zu seiner Fiorentina und wenn Italien im Länderspiel spielt, nimmt er aus ganzem Herzen und voller Kehle Anteil an diesem Event.
Vom Staat Italien hält er wahrscheinlich gleich viel oder gleichwenig wie wir alle. Er schämt sich für Berlusconi und hasst das parlamentarische Chaos, er verabscheut die Korruption und verachtet den Schlendrian in den Staatsbetrieben. Trotzdem ist er auch stolz auf die italienische Kultur. Massimiliano zitiert lange Passagen der “Divina Commedia”, er kennt die Promessi Sposi halb auswendig, ebenso die Filme des Neorealismus und jene von Totò und Benigni.

Massimiliano ist ein natürlicher Faschismusgegner. Was Mussolini und Hitler, Stalin und Pol Pot an der Menschheit verbrochen haben, löst seine innerste “indignazione” aus und so waren wir gemeinsam wohl auf sämtlichen Friedenskundgebungen der letzten Jahre zugegen.

Trotzdem sagt Massimiliano manchmal das Wort “Alto Adige”. Er sagt auch meistens “Montagna” statt “Montan”, “Ora” statt “Auer” und “Bolzano” statt “Bozen”.
Darin liegt nicht Nationalismus oder gar Faschismus, sondern einfach nur “Normalität”. So wie die Deutschen Mailand zu Milano sagen oder Florenz zu Firenze, so sagt er eben Montagna. Meistens sagt er auch Sudtirolo, weils sympathischer ist. Er weiß um den geschichtlichen Hintergrund, er weiß von Tolomei – und doch, manchmal sagt er Alto Adige. Und ich gestehe – ich auch. Ohne jemanden beleidigen zu wollen, sondern oft ganz bewusst um zu zeigen, dass neue Zeiten angebrochen sind. Dass wir Ortsnamen nicht verwenden müssen, um uns gegenseitig eins auszuwischen, sondern um uns zu zeigen, dass uns das Zusammenleben wichtiger ist als historische Machtkämpfe. Dass wir den jeweils anderen zugestehen wollen, die Namen zu benutzen, die sie für “normal” halten.
In Montan hat man voriges Jahr, noch vor der letzten Schildbürgerdebatte, per Gemeinderatsbeschluss das Wort “Alto Adige” aus den offiziellen Gemeindedokumenten gestrichen.

Damit wollte man vermutlich geschichtliche Gerechtigkeit walten lassen. Unsere italienischen MitbürgerInnen haben das anders aufgenommen: Für sie war es viel eher ein klares Signal, dass sie sich (auch sprachlich – und symbolisch!) unterzuordnen haben. Dass sie die “Normalität” der anderen als die ihre anzuerkennen haben. Dass SIE an der Geschichtsbewältigung zu arbeiten haben, während die deutschsprachigen SüdtirolerInnen selbstzufrieden davon ausgehen, dass sie selbst das schon erledigt haben.
Der heurige Schilderstreit ist die Fortführung und Ausweitung dieser ersten, lokalen Ansätze und mein “walscher” Mann hat immer noch die gleichen Gefühle. Er findet, dass er (und all jene, die heute die Sprache sprechen, die Tolomei gerne allen aufgezwungen hätte) seinen deutschsprachigen Landsleuten wichtiger sein müsste als Tolomei und seine imperialistische Aktion vor 80 Jahren.

Mein Mann weiß, welches Unrecht von den Faschisten ausgegangen ist, er hat von Gatterer bis zum soeben erschienenen und sehr lesenswerten Buch von Francesca Melandri so ziemlich alles gelesen, was mit der Geschichte Südtirols zu tun hat – vermutlich sogar mehr als mancher deutsche Südtiroler.

In unserem Land aber ist eine ebenso verbreitete wie falsche Gleichung üblich: Wer für die Beibehaltung der von Tolomei übersetzten Namen ist = faschistisch oder zumindest unzugänglich für die Südtiroler Geschichte. Mit diesem kleinen Porträt eines mittleren aufgeschlossenen Italieners möchte ich eben dieses oft so bequeme Missverständnis ausräumen und behaupten, dass das Wissen um die faschistische Ungerechtigkeit nicht automatisch einher geht mit der Bereitschaft zur Aufgabe der Ortsnamen, die längst in den Alltagswortschatz eingegangen sind. Diese Namen sind Teil einer italienischen “Normalität” in Südtirol und Teil jener (leider, darin liegt der Kern des Problems) so zerbrechlichen italienischen Identität in Südtirol.

Diese prekäre und flüchtige Identität wird immer dann in Gefahr gewähnt, wenn es um neue Streichungen geht und so schlage ich eine Art Abkommen vor, um aus der vertrackten Situation heraus zu kommen: Die deutschen SüdtirolerInnen akzeptieren diese Ängste ihrer italienischen Landsleute ebenso wie deren Unbehagen als ewige “Zweite” in unserer Gesellschaft. Die italienischen SüdtirolerInnen ihrerseits setzen sich mit der Geschichte dieses Landes auseinander und finden Verständnis für das historische Unbehagen der deutschen Landsleute. Gemeinsam entscheidet man sich für die Beibehaltung der italienischen und Veramtlichung der deutschen Ortsnamen in der Toponomastikfrage – im aktiven Bewusstsein des ganzen geschichtlichen Gewichtes unserer Ortsnamen.
Es wird nur mit Aktionen dieser Art gehen, wenn sich hier irgendwann alle daheim fühlen sollen und nicht als Gäste im eigenen Land. Ob das allen Recht ist, daran habe ich meine Zweifel, denn gar manche ziehen es vor, dass die Walschen Walsche bleiben und Südtiroler-Sein Vorrecht der Deutschen und LadinerInnen bleibt. Bei dieser Frage müssten wir deshalb zu allererst ansetzen.

* Brigitte Foppa ist (zusammen mit Sepp Kusstatscher) Landesvorsitzende der Südtiroler Grünen.

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32 replies on “Mein Walscher.”

ich find das gewöhnungsargument recht abstrus. zum beispiel wäre da das deutsche sprichwort “bis zur vergasung”. ich bin mir sicher, dass du dieses als politisch nicht korrekt nie gebrauchen würdest. viele leute verwenden es dennoch, ohne dabei einen nazistischen hintergedanken zu haben oder gar etwas verharmlosend mit den gaskammern der nazis vergleichen zu wollen. sie sind einfach gewöhnt, es zu sagen. hinzu kommt noch, dass das sprichwort viel älter ist und aus dem 19. jahrhundert stammt. es bezog sich auf die chemische reaktion – ergo: etwas bis zur vergasung tun. nach dem zweiten weltkrieg bekam das sprichwort aber noch eine weitere bedeutung durch die gaskammern der nazis und so wurde die formulierung geschmacklos. und obwohl sich viele leute daran gewöhnt haben, “bis zur vergasung” zu sagen, finde ich es in ordnung, wenn der gebrauch dieser phrase nicht “begünstigt” wird und sie so langsam ausstirbt. stell dir vor, leute haben vor jahren auch “neger” gesagt, ohne es abwertend zu meinen. es war einfach gewohnheit. kein böser hintergedanke. und du wirst es kaum glauben, man konnte vor langer langer zeit mit “studenten” sowohl männlliche als auch weibliche meinen und musste nicht “studierende” sagen.

“Alto Adige” und weitere geographische Bezeichnungen verletzten unsere Mitmenschen scheinbar mehr als die Betitelungen “Walscher” und “Crucco”.

Wenn sich die Italiener hier wirklich heimisch fühlen möchten, dann sollten sie von Alto Adige aufbrechen um in Sudtirolo anzukommen. Solange aber sich Italiener mit dem Siegesdenkmal als “nationales Symbol” identifizieren und nicht zumindest auf einem guten Teil der tolomeischen Wortschöpfungen verzichten können, werden sie es nicht schaffen Südtiroler zu werden.

Viele Übersetzungen sind verhunzt und gehören schon aus diesem Grund abgeschafft. Viele wirklen künstlich obwohl sie der deutschen Bezeichnung sehr ähnlich klingen.

Auch möchte ich nicht erwähnt lassen dass man in Südtirol als Italiener es in letzter Zeit schwerer hat, mit der grassierenden Anti-Italien- und Anti-Italiensch-Stimmung die momentan in diesem Lande herrscht. Auch zu kritisieren ist dass die Landesregierung die meisten Schulversuche zu verhindern versucht, mit denen die Italiener besser deutsch lernen möchten.

Salve, sono un trentino che legge spesso questo e altri blog sul Südtirol, un po’ per informarsi su cosa succeda ai vicini di casa e un po’ perché anche il Trentino non è immune da questi “problemi storici”. Da parte mia faccio fatica a sentirmi italiano nonostante sia di madrelingua italiana (o meglio parli un dialetto non troppo dissimile dall’italiano), questo per dire che non è solo una questione di lingua. Ma credo che ciò sia palese a chiunque segua questo forum.

Quello di cui vorrei parlare non è però il Trentino, bensì Hong Kong, città  in cui vivo da qualche tempo. Senza voler per forza paragonare le due realtà  molto diverse tra loro mi limito ad evidenziare quello che forse, Hong Kong e il Südtirol, hanno in comune. Pur dichiarandosi entrambe “realtà  bilingue” di fatto non sembrano esserlo, almeno ad un occhio esterno. Essendo le mie escursioni sudtirolesi per lo più limitate alle montagne credo di conoscere meglio la situazione di HK, e di questa mi limito a parlare, lasciando ad altri lettori eventuali paragoni.

Breve riassunto storico: Hong Kong è stata “acquistata” dagli inglesi nel 1841 e da quel momento in poi è diventata una delle più importanti città  commerciali del sudest asiatico. Amministrata dagli inglesi come colonia fino al 1997 è poi passata alla Repubblica Popolare Cinese che ha promesso di mantenere le istituzioni pre-1997 per un periodo di 50 anni. Lingue ufficiali sono inglese e cinese (che nella versione parlata segue per lo più il dialetto cantonese, con il mandarino in ascesa dopo il 1997). Qualsiasi comunicazione ufficiale può utilizzare una delle due lingue, con uguali diritti. La maggior parte della popolazione locale è di origine cinese o autoctona e di conseguenza il cantonese è parlato come lingua madre da circa il 90% della popolazione. Uno straniero che si trasferisce a Hong Kong e lì magari decide di stare per molti anni può andare avanti senza particolari problemi con il solo inglese. Per le necessità  di tutti i giorni può cavarsela senza una parola di cinese.

Solo una cosa manca a questo ospite a lungo termine, ovvero il far parte della società  locale. Esistono di fatto due società  parallele, quella “cinese” e quella degli “expat” che si incrociano certo quotidianamente ma raramente lo fanno in maniera più che superficiale. Imparare il cinese è ritenuto da molti “expat” uno scoglio insormontabile e comunque di utilità  relativa mentre da parte della popolazione “cinese” c’è sì conoscenza sufficiente dell’inglese ma nella maggior parte dei casi non sufficiente da permettere loro di addentrarsi nella società  “expat” (a meno che non siano già  loro expat perché cresciuti “overseas”).

Tra gli stranieri che abbiano cercato di imparare la lingua locale (cinese cantonese) si sente spesso dire che tanto è inutile perché i locali si rivolgeranno sempre e comunque in inglese ad uno straniero (cfr. ciò che dice Brigitte al proposito). E quei pochi che riescono a superare la barriera linguistica e conversare se non “fließend” almeno senza troppo pensarci in entrambe le lingue, partecipare ad entrambe le società , avere amici indifferentemente dall’una e dall’altra parte, possono sicuramente definirsi “bilingui”. Ma sono esempi isolati nella società .

Voglio con ciò dire che una società  plurilingue non è possibile su larga scala? Non so, forse. Ma quello di cui sono abbastanza convinto è che una siffatta società  non può essere basata su regole rigide che cercano di rendere tutto equo per tutti, perché il risultato sarà  sempre visto da alcuni come un’ingiustizia e da altri come una concessione doverosa.

Gruß

Er hat nur einen Defekt. Er ist Italiener.

Seit wann ist “Italiener sein” ein Defekt? Und wenn dem so wäre, wie, wo, wann spürt ihr Mann oder Sie , dass es ein Defekt ist, oder warum wird es von Ihnen so wahrgenommen, wenn ihr Mann eigentlich ein gewöhnlicher Montaner ist?

Trotzdem sagt Massimiliano manchmal das Wort “Alto Adige”. Er sagt auch meistens “Montagna” statt “Montan”, “Ora” statt “Auer” und “Bolzano” statt “Bozen”.

Und was ist schlimm daran, wenn jemand redet, wie er es gelernt hat, auch ich fahre nach Mailand, Florenz oder Rom, ganz ohne Hintergedanken.
Jeder kann in seinem privaten Gebrauch jene Namen benutzen, die ihm lieber sind, aber was hat das bitte mit einer erzwungenen. öffentlichen Zweinamigkeit zu tun?

Gemeinsam entscheidet man sich für die Beibehaltung der italienischen und Veramtlichung der deutschen Ortsnamen in der Toponomastikfrage – im aktiven Bewusstsein des ganzen geschichtlichen Gewichtes unserer Ortsnamen.

Wie wär´s denn umgekehrt? Gemeinsam werden alle deutschen Ortsnamen amtlich gemacht, und gemeinsam werden die italienischen “Übersetzungen” in die zweite Reihe gestellt; nicht auslöschen, aber auf ihre wirkliche Gebräuchlichkeit zurechtstutzen.
Denn nur weil ein Ortsname nicht auf einem Schild steht, bedeutet doch nicht, dass man ihn nicht benutzen kann oder darf.

Eine kleine Anpassung ihres letzen Absatzes, wenn ich darf:
“Es wird nur mit Aktionen dieser Art gehen, wenn sich hier irgendwann alle daheim fühlen sollen und nicht als Gäste im eigenen Land. Ob das allen Recht ist, daran habe ich meine Zweifel, denn gar manche BEIDER SPRACHGRUPPEN ziehen es vor, dass die Walschen Walsche bleiben und Südtiroler-Sein Vorrecht der Deutschen und LadinerInnen bleibt. Bei dieser Frage müssten wir deshalb zu allererst ansetzen.”

lieber trentiner. vielen dank für diesen interessanten beitrag. orte wie hongkong, macao aber auch guam und puerto rico sind bislang in meinen überlegungen zu kurz gekommen. sie sind es jedoch allemal wert, dass man sich mit ihnen beschäftigt.

ich war zwar nur fünf tage in hongkong, aber selbst als tourist kann ich deine einschätzungen bestätigen.

@ jonny
gebe dir vollkommen recht. ich versteh auch nicht, wie immer wieder dieses argument kommen kann.

der vergleich zwischen dem gebrauch von mailand und jenem von alto adige und anderen tolomei-erfindungen hinkt.

natürlich darf und kann jeder sagen, wie er meint. und wenn ich mailand sage, dann heißt das noch lange nicht, dass diese stadt offiziell auch mailand heißt und sich diesen namen auf die ortsschilder zu schreiben hat. es ist eindeutig, dass mailand offiziell milano heißt. aus, basta. es gibt auch mehr schweizer die genf sagen, obwohl die stadt genève heißt und auf dem ortschild auch nur dieser name steht. ich hab kein problem, wenn jemand selva dei molini sagt, aber der amtliche name muss mühlwald sein.

@Lorena
da sitzt du aber einem Irrtum auf. Erstens denke ich ist beides beleidigend, die faschistischen Wortschöpfungen wie die Schimpfwörter.
Zweitens bedeutet Crucco soviel wie die “Brotfresser” und wäre dem Schimpfwort “Spaghettifresser” gleichzusetzen.
Walscher oder auch Welscher ist hingegen die Bezeichnung für Italiener (oder allgemein Romanen) im Dialekt, wie sich auch heute noch in der Schweiz gebräuchlich ist und dort kein Schimpfwort darstellt! Die negative Bedeutung ist allein auf unser Land begrenzt und allein dem Faschismus geschuldet.

Aber irgendwie gelingt es doch nicht so wirklich. Er ist vielleicht nicht sprachbegabt; oder aber es ist wegen jener Hürden, die schon vielfach analysiert worden sind: der Dialekt, die seltenen Gelegenheiten, deutsch zu reden (weil alle sofort mit ihm italienisch reden)

Da muss ich Ihnen vollkommen Recht geben, es ist die blöde Angewohnheit der deutschsprachigen Südtiroler immer ins italienische zu verfallen, sobald man merkt, dass der Gegenüber ein Italiener ist, egal ob er gut, schlecht oder gar nicht deutsch spricht.

Dennoch ist er auch ein richtiger Italiener. Er hält zu seiner Fiorentina und wenn Italien im Länderspiel spielt, nimmt er aus ganzem Herzen und voller Kehle Anteil an diesem Event.
Vom Staat Italien hält er wahrscheinlich gleich viel oder gleichwenig wie wir alle. Er schämt sich für Berlusconi und hasst das parlamentarische Chaos, er verabscheut die Korruption und verachtet den Schlendrian in den Staatsbetrieben.

Ich halte zu meiner Juve, und wenn Italien ein Länderspiel spielt, dann bin ich auch ganz Fan, ohne deshalb agressiv oder bösartig zu sein. Und 2006 als wir Weltmeister wurden, habe ich mich wegen der tifosi, auf Grund ihres Verhaltens und ihres benutzten Wortschatzes in Bozen, geschämt, ein Fan der “squadra azzurra” zu sein.
Und vom Staate Italien halten wir wahrscheinlich gleich viel oder wenig. Aber was hat das alles mit dem Radlsee oder mit der vetta d’italia zu tun?

In unserem Land aber ist eine ebenso verbreitete wie falsche Gleichung üblich: Wer für die Beibehaltung der von Tolomei übersetzten Namen ist = faschistisch oder zumindest unzugänglich für die Südtiroler Geschichte.

Da kann ich ihnen leider nicht Recht geben, erstens gilt diese Gleichung sicher für nicht so viele Menschen, wie Sie das annehmen, und zweitens, das “zugänglich sein”, heisst noch lange nicht “verstehen”.

@ lorena/anonym
stimmt. das wort “walsch” ist nur in einem bestimmten kontext beleidigend. viele dialektsprecher älteren semesters verwenden das wort völlig wertfrei. sogar in südtirol. aber hauptsächlich – wie du richtig sagst – in der schweiz. der ort welschnofen oder auch der begriff welschtirol sind beweis dieser “neutralität”. der begriff selbst geht meines wissens sogar noch weiter zurück. das wort bezeichnete glaube ich die kelten. daher heißt die keltische sprache in wales (cymraeg) auch auf englisch “welsh”.

@ jonny
es gibt auch noch die weit verbreitete umgekehrte falsche gleichung, die da lautet: wer auch nur daran denkt, tolomeische ausdrücke zu streichen, ist ein deutschnationalist, vertritt eine extremistische idee und hat etwas gegen italiener, weil er deren kultur und identität vernichten will.

was ich schade finde ist, dass es außerhalb südtirols – bereits mit dem trentino beginnend – durchaus zahlreiche italiener gibt (intellektuelle, wissenschafter, historiker und politiker – aber auch “normale” bürger von der strasse), welche die hier auf bbd häufig zitierten argumente für die abschaffung der tolomei-namen nachvollziehen können. ich habe beispielsweise im forum der zeitung “trentino” oft sehr wohlwollende kommentare, was die position des avs im schilderstreit betrifft, gelesen. (angefangen von: “die sollen doch froh sein, dass sie überhaupt schilder haben. bei uns gibt es gar keine” bis hin zu “die fluren, berge und seen haben nun einmal deutsche namen und die kann man nicht übersetzen”) es gibt also italiener, die “unsere rechtsradikale, extremistische und deutschnationale tiroltümelei” verstehen. leider werden diese stimmen in südtirol komplett ausgeblendet, wie mir scheint. schade.

@ hunter (letzter Kommentar)

Ich finde es auch schade, dass es so wenig Kommunikation zwischen Südtirol und Trentino, aber auch Italien, auf einer “neutralen Ebene” gibt. Was gehört wird ist nur die Stimme der “Italiener des Alto Adige” und der “Deutscher Südtirols”, die nie zu einer gemeinsamen Auflösung gelangen werden, oder so scheint es. Sicher gibt es, im Trentino wie in Italien, Nationalisten aber die meisten Leute kennen das Problem (oder kümmern sich darum) einfach nicht. Es ist mir ganz klar, wer die Schilderlage als Problem bezeichnet, hat irgendeinen Hintergedanke und will die Situation nicht wirklich verbessern. Ich frage mir, hat ein Ortsname eigentlich eine Sprachbezeichnung? Wir haben im Trentino Namen wie Gronlait, der als italienisch angesehen ist (sonst hätte man den bereits verändert, das ist ja auch im Trentino passiert…). Nun ist “Gronlait” für einen Italiener einfacher zu sagen oder erinnern, als Montan oder Meran? Ich glaube, wäre nur ursprüngliche Ortsnamen in Südtirol verwendet, dann könnten sich vielleicht auch die “Italiener” Südtirols zu Hause fühlen, da sie nicht in einem anderen Ort wohnen würden, sondern in derselben “Montan”. Natürlich nur jene wie Massimiliano, die sich in Südtirol und nicht nur in Alto Adige zu Hause fühlen möchten.

…e credo e spero lo siano quelli che ragionano, invece che appellarsi ai soliti luoghi comuni, indifferentemente da che lingua parlino.

Sono perfettamente d’accordo con quanto detto da hunter e altri, ovvero che chiunque possa utilizzare i nomi che più gli piacciono o a cui più è abituato, siano essi “veri”, inventati dal Tolomei oppure dal vicino di casa in un momento di ispirazione. Ma mi sembra che questo “blilinguismo a tutti i costi” imposto per legge non vada nella direzione di calmare gli animi né tantomeno di incentivare l’integrazione. Uscendo per un momento dalla realtà  sudtirolese, siamo in un mondo in cui si parla di integrazione tra culture sviluppatesi agli angoli opposti del mondo, possiamo davvero credere che culture sviluppatesi una di fianco all’altra siano così diverse da renderne l’integrazione una questione politica da portare avanti a norma di legge?

Auf jeden Fall bemerke ich, wie ein Blog wie BBD in die richtige Richtung geht. Tools dieser Art war in den vergangenen Jahrzehnten nicht leicht erhältlich, es ist eine Gelegenheit, die uns jetzt zur Verfügung steht und deshalb kann man ein wenig optimistischer für die Zukunft sein.

Jetzt muss ich zu ganz vielem, was ich in letzter zeit hier gelesen und dann auch überdacht habe, stellung nehmen – ich tu’s, ganz gemischt und “verfrullt”, wies kommt.
Vor allem: Besonders interessant: der vergleich von hunter zur frauen-männerproblematik. GENAU das ist der kern der sache! in beiden fällen (männer-frauen, dt-ital) geht es um ein machtungleichgewicht. es ist daher nicht das gleiche, ob berlusconi einen witz über rosy bindi macht (schande!) oder umgekehrt (ich wäre dankbar). Das was ihr immer wieder vergesst in diesen doch sehr interessanten diskussionen, ist eben das machtgefälle, das bei uns herrscht. Von männern zu frauen gleich wie von deutschen zu italienerInnen. Da jault wohl nur mehr die südtiroler freiheit, dass das nicht stimmt.
Ihr müsst zur kenntnis nehmen, dass das andere befindlichkeiten hervorruft und dass aseptische urteile des types “stimmt. das wort ”walsch” ist nur in einem bestimmten kontext beleidigend. viele dialektsprecher älteren semesters verwenden das wort völlig wertfrei” eben nicht die realität der italienerInnen in unserem land treffen.
Meine alte mamma sagte ihr leben lang “walscher”, bis sie einen solchen schwiegersohn bekam (und das war gar nicht so leicht für sie, obwohl es wirklich ein idealer schwiegersohn war! Da er sehr sonnengebräunt war, als sie ihn das erste mal sah, hat sie denn auch gesagt: “Bist du sicher dass es nur ein Walscher ist?) – am ende hat aber auch sie gelernt, dass es für ihn beleidigend war und so hat sie es sich abgewöhnt.
Was mir sehr am herzen liegt, und vielleicht könnt ihr es nachvollziehen: wir müssen aufhören (und vielleicht heißt postethnisch gerade das), immer für die anderen zu denken. Es ist doch so, dass in südtirol immer alle genau wissen, was die jeweils andere gruppe zu tun hätte. Die deutschen wollen die tolomei’schen namen abschaffen? Fände ich OK, wenn es auch die italienerInnen so möchten. Umgekehrt: wie wäre es wenn nun die italienerInnen anfingen, die streichung der JG oberkofler-straße zu fordern? (in meinen augen eine völlig rechtmäßige forderung!) Sich gegen die rampold-schule oder den bruder-willram-kindergarten zu wenden? die wellen würden hoch gehen und so mancher deutsche würde meinen (vielleicht ebenso zu recht) dass die italiener zuerst doch mal auf die eigenen denkmäler schauen müssten.
Will sagen: aus dieser frontstellung wird nix. Es geht nur, wenn das bewusstsein über DAS EIGENE und DAS GEMEINSAME in der geschichte einen schritt weiter geht. Alles andere führt nur zu neuen polarisationen.
Darin liegt der wahre grund für die aktualität des interethnischen diskurses.
Ich glaube weiterhin daran.
Danke für eure anregungen.
brigitte

Gatterer und Langer haben bereits vor Jahrzehnten sämtliche Aspekte analysiert und alles gesagt, was über das Verhältnis der “Volksgruppen” in Südtirol zu sagen war. Der einzige radikal-innovative Ansatz seit Jahrzehnten hat sich im Umfeld des BBD-Netzwerk (samt Vorgängerforen] entwickelt: nämlich ein inklusives, vom Staat Italien formell unabhängiges Südtirol. Sämtliche Argumentationen über Interethnizität sind nur mehr Fußnoten zu Enricos Sentenz, an die ich erinnern möchte. Werner

Se i sudtirolesi non esistessero, gli altoatesini sarebbero tutti interetnici. Proprio come i sudtirolesi se non ci fossero gli altoatesini.

Wenn die Südtiroler nicht existierten, wären die Altoatesini allesamt interethnisch. Genau so wie die Südtiroler, wenn es keine Altoatesini gäbe.

meine stellungnahme bezüglich “walscher” war auch nur eine erklärung dafür, wie sich bedeutungen wandeln bzw. unterschiedlich aufgefasst werden können. ich verwende das wort selbst ja auch nicht – und wenn dann nur ironisch :-). es ist ein bißchen wie bei “neger”, das eigentlich nichts anderes als “schwarz” bedeutet, aber eben aufgrund seiner konotationen zu einem “tabu” geworden ist. daher glaube ich auch, dass das “machtgefüge” in diesem zusammenhang nicht relevant ist. in den usa haben zweifelsohne die weißen das sagen (trotz eines “bunten” präsidenten). es stimmt, dass das machtgefälle einen qualitativen unterschied zwischen “neger” und “bleichgesicht” bewirkt. aber das prinzip bleibt das selbe und macht daher keinen der beiden ausdrücke “richtiger”.

einerseits schreibst du, dass sich deine mutter das wort “walscher” abgewöhnt hat, (obwohl es für sie nicht unbedingt ein schimpfwort war), weil es aber für deinen man beleidigend war. auf der anderen seite meinst du, dass sich die italiener die faschistischen namen nicht abgewöhnen sollten, obwohl sie für viele deutschsprachige so ein tiefer, beleidigender stachel sind. das ist irgendwie widersprüchlich.

Was mir sehr am herzen liegt, und vielleicht könnt ihr es nachvollziehen:

wir haben also zwei varianten:

1. jeder kehre vor seiner eigenen türe, denn da hat er dreck genug davor. die italiener sollen von den deutschsprachigen nicht fordern, dass sie kellernazi-benennungen streichen und die deutschsprachigen sollen die aufarbeitung des faschismus den italienern überlassen. dadurch bleiben die ethnischen gräben aufrecht, denn wir erweckten den anschein, dass der faschismus die deutschsprachigen nichts anginge und die italiener der nazismus nicht tangiert.

2. wir legen keinen ethnischen sondern einen demokratischen maßstab an. im vollsten bewußtsein, dass jeder im glashaus sitzt, erlauben wir uns, mit steinen zu werfen. d.h. ich nehme mir sehr wohl das recht heraus zu sagen, dass die tolomei-erfindungen nicht amtlich sein dürfen. ich fordere das aber nicht, weil ich deutschsprachig bin, sondern weil es meinem verständnis von demokratie und rechtsstaatlichkeit widerspricht. gleich wie ich für die entfernung antisemitischer inschriften auf deutscher seite eintrete und ich kein problem habe, wenn auch ein italienischsprachiger die entfernung fordert. im gegenteil, ich würde es mir wünschen und hoffe gleichzeitig, dass er/sie mich in meinem kampf gegen tolomei unterstützt.

du sprichst von postethnisch und schreibst:

Die deutschen wollen die tolomei’schen namen abschaffen? Fände ich OK, wenn es auch die italienerInnen so möchten.

gegenbeispiel:
die italiener wollen, dass die aufschnaiter-schule umbenannt wird? fände ich ok, wenn es auch die deutschen so möchten.

um himmels willen, das kann doch nicht der maßstab sein. “wir haben eine amba-alagi-straße, aber die italiener wollen sie nicht umbenennen, also lassen wir’s”. “wir haben einen goebbelsplatz, aber die deutschen wollen, dass er bleibt, also bleibt er”.
du denkst meines erachtens das genaue gegenteil von “postethnisch”. postethnisch ist für mich, wenn wir den ethnischen aspekt bei der bewertung von totalitarismen außer acht lassen. ein mussolini auf dem gerichtsplatz ist keine frage von “ansichten”. ebenso wie neonazismus keine “ansicht” ist. das hat überhaupt nichts mit deutsch und italienisch zu tun.

@ Brigitte Foppa: Aus dem beschworenen Verhältnis von Eigenem und Gemeinsamem wird wie ich finde die ganze Hilflosigkeit der Grünen gegenüber dem hier vorgeschlagenen »postethnischen« Ansatz offensichtlich. Hunter hat das bereits bestens beschrieben: Von der ewigen (positiven, negativen, verständnisvollen oder wie auch immer gearteten) Gegenüberstellung der »Sprachgruppen« sollten wir Abschied nehmen. Vielmehr muss darauf geachtet werden, der gemeinsamen Realität stets dieselben Maßstäbe anzulegen; dann geht es auch nicht darum, ob »die Italiener« für »die Deutschen« denken (und Umgekehrt) oder ob jeder »vor der eigenen Haustüre« kehrt, denn es gibt nur eine gemeinsame Haustüre. Wenn wir in diese Richtung arbeiten, erübrigt sich auch die Frage, wer denn nun benachteiligter sei.

Wollen wir eine Mehrheit sein oder ein Volk von Minderheiten?

Was ich hier skandalös finde ist diese “Appeasement”-Haltung gegenüber totalitären Symbolen und Hinterlassenschaften. “Ethnischer Frieden” nur durch volle Akzeptanz des faschistischen Erbes?

Wenn Ihr Ehemann, Brigitte Foppa, sich als Faschismusgegner empfindet (was sehr erfreulich ist), dann sollte er diese Einstellung nicht nur teilweise, sondern komplett ausleben. Gerade weil er, wie Sie schreiben, geschichtlich versiert ist, dürfte ihm der ursprüngliche Zweck der Tolomei’schen Ortsnamen keineswegs unbekannt sein: Assimilierung und Zerstörung alles Fremdnationalen.
Bei einem italienischen Arbeiter aus der “via Resia” könnte man jegliche “Ignoranz” verstehen, aber bei einer intelligenten, intellektuellen Person? Wie kann man als gebildeter Mensch wertneutral auf die amtliche Beibehaltung solcherlei beschaffener Ortsnamen bestehen? Meines Erachtens gar nicht, denn der “Eingang in den Alltagswortschatz”, die “Normalität” und der “tägliche Gebrauch” dieser Namen wäscht sie nicht von ihrer totalitären Kontamination rein.

Im Anschluss an hunters Beitrag:
Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.
Antifaschismus sollte keine Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung kennen (und das gilt schließlich für alle in Südtirol).

@Brigitte Foppa
Ich kann einfach nicht glauben, dass Sie als Grüne so denken! Alles so lassen wie es ist? Ist das ihre Vision für Südtirol? Ja kein Probleme angehen, die die Sprachgruppen in diesem Land betrifft, denn sonst könnten die Wellen hochschlagen? Die Wellen SOLLEN hochschlagen, aber eben nicht ethnisch getrennt!

Liebe brennerbasisdemokratInnen,
jawohl, die wellen sollen hochschlagen, davor habe ich keine angst. Im alles-so-lassen-wie-es-ist finde ich, die ich tatsächlich sonst immer für veranderung eintrete, weiterhin den unerhörtesten aspekt dieser debatte. Schaut doch an, was die alternativen sind: einen teil der tolomeischen ungetüme streichen. Einen grö0eren teil streichen. Alle streichen.
Womit erreicht man denn am meisten? Glaubt ihr wirklich dran, dass damit der faschismus in diesem land aufgearbeitet wird? oder gar die historische sauerei gerade gebogen wird? nein, dem ist nicht so. Dazu würde man (wenn überhaupt) nur gelangen, wenn die italienerInnen selber das denn wollten.
Dahin muss der weg gehen. In richtung aufarbeitung, in richtung verständnis für das was war (und da müssen wahrlich auch die deutschen noch viel tun!). Streicht mir diesen aspekt (den ich immer! dazu sage), nicht aus der argumentation, er gehört konstituierend dazu.
Noch einmal: ich wünsche die auseinandersetzung (sonst könnte ich mich ja auch auf den landschaftsschutz spezialisieren, dann würde ich weniger irritation auslösen) sehr wohl. Meine vision ist ein land, in dem unverkrampft und solidarisch auf die gemeinsame, wenn auch unterschiedliche geschichte geschaut und damit in die gemeinsame zukunft geschaut werden kann.
um zu diesem ziel zu gelangen kann ich mit einigen 1000 ortsnamen leben, die ein irriger geist erfunden hat.
Oder? sagt mir doch einmal, was eure vision wäre! Ratzeputz alle weg? Führt das zu einer gemeinsamen haustür (die ich natürlich auch möchte!). Glaubt ihr wirklich daran?
PS. Eine antwort noch zu meiner mamma. Sie hat eben selber eingesehen, dass “Walscher” ihren nunmehr geliebten schwiegersohn beleidigt. Das ist meine rede. Ich meine dass die italienerInnen selber dahin finden müssen, tolomei zu verwerfen. Solang die “anderen” das fordern, wird sich hier gar nichts bewegen. Im herzen der menschen meine ich.

So wie Sie es hier bringen kann ich dem ja auch was abgewinnen. Doch entgegen Ihrer Beteuerungen ist im obigen Artikel (der so ja schließlich im Alto Adige erschienen ist) keine Aufforderung an »die Italiener« enthalten, Tolomei auch nur teilweise zu überwinden. Im Gegenteil: Sie rechtfertigen, dass selbst überzeugte Antifaschisten wie Massimiliano die Tolomei-Namen benutzen und dies gar nicht »so« meinen, ja dass sogar Sie selbst bewusst »Alto Adige« sagen. Das ist doch Ihrem Vergleich folgend so, als ob Sie die Italiener im Alltag bewusst als »Walsche« betiteln würden.

Selbst auf die Gefahr hin, daß mein Eintrag (zum wiederholten Male) zensuriert wird…

Oder? sagt mir doch einmal, was eure vision wäre! Ratzeputz alle weg? Führt das zu einer gemeinsamen haustür (die ich natürlich auch möchte!).

Die Zeit mag Wunden heilen, Unrecht macht sie aber nicht zu Recht!! Die tolomeischen Namen sind und bleiben Unrecht. Wer das nicht wahr haben will, hat generell ein Problem.
Und mit der Methode “Schwamm drüber” macht man nur den Faschisten einen Gefallen und verschafft ihnen noch späte Genugtuung.
Das Unrecht gehört korrigiert, vor allem wenn es so einfach geht wie in diesem Falle! Es geht ja nicht um Land, Geld oder Tote wiederauf erwecken. Es muss nur ein Entschluß gefasst werden, der die faschistischen Dekrete (!) eliminiert und den originallen Zustand wiederherstellt. Wer das nicht einsieht, tut mir leid, unabhängig von seiner Volksgruppe, Partei, Alter usw.

Und ich möchte mit niemandem unter einem Dach wohnen oder eine Haustür teilen, der ohne diese Relikten nicht auskommen kann oder gar den “Frieden” davon abhängig macht!

@ anonym: ich hab auch schon mal vergeblich auf das erscheinen meines eintrags gewartet.

@ brigitte: nachdem das unterdrücken, revanchieren, zusammenraufen, aushalten … nun schon seit 90 jahren geht, glaub ich, dass man einfach die langfristige entwicklung im auge behalten muss. wir werden die totale harmonie vielleicht nicht mehr erleben und eine abschaffung der dekrete mag vielleicht keinen unmittelbaren effekt auf die einstellung aller haben. aber es ist, wie anonym betont, ein schritt der notwendig ist und der über lange sicht gesehen, sich bestimmt positiv auswirkt.

was ich auch immer betont habe ist, dass es die ambition zur abschaffung der namen eigentlich von der italienischen sprachgruppe kommen müsste (siehe galizien). wie ich aber ebenfalls schon betont habe, nehme auch ich mir das recht heraus, gegen tolomei vorzugehen – und zwar nicht als deutschsprachiger, sondern als demokrat und antifaschist. und ich hoffe, dass sich mir/uns viele anschließen – egal ob deutsch, italienisch, ladinisch oder marokkanisch (muss mal mit abdel über die sache reden :-) ….

Für einen wirklichen Frieden in dem sich alle wohl und heimisch fühlen sollen, reicht es nicht nur aus, Unrecht einzusehen, sondern auch die Konsequenzen daraus zu ziehen und versuchen Unrecht wieder gut zu machen. Das Grundübel ist nun mal das Unrecht, das geschehen ist und welches im Grunde nur mit der Überwindung dieses Besatzerstaates beseitigt werden kann: Zum Wohle aller in diesem Land lebenden Menschen. Nur somit wird auch den Italienern in diesem Land erst eine wirkliche Heimat ermöglicht.

@Brigitte Foppa
Na dann lassen wir doch mal die Wellen hochschlagen! Fordern Sie es doch heraus, in dem Sie eben das fordern, was sie hier schreiben: Fordern Sie Aufarbeitung, fordern Sie Verständnis für die Forderung der Wiedergutmachung faschistischen Unrechts, wie es in anderen demokratischen Ländern schon lange passiert ist! Und bis sie dieses Verständnis finden, machen wir gleich weiter? Wenn 50 Jahre nicht gereicht haben, wie lange sollen wir noch warten?

“(und da müssen wahrlich auch die deutschen noch viel tun!)
Und was bitte müssen die Deutschen da noch tun? Verständnis aufbringen für die Verbrechen der Faschistenzeit, für das Verbot der deutschen Sprache, für die nichtoffiziellen deutschen Orts-Flur- und was weiss ich noch alles – Namen?
Oder meinten Sie, Verständnis für die vielen zugewanderten Italiener, die seit Ende des Faschismus immer noch unbeirrt an ihrer Überzeugung festhalten, dass man ihnen nach der Duce-Ära alles hier genommen hat, was ihr gutes, angestammtes Recht ist? Von denen man verlangt, dass sie deutsch sprechen lernen, von denen viele Südtiroler wünschen würden, dass sie, ohne das Ende der Italianità¡ auszurufen, gerne und aus Überzeugung auf einem Schild Deutschnofen statt Nova Ponente lesen?
Da es aber dieses Phänomen, um nicht Wunder zu sagen, niemals geben wird, muss man in diesem Land, im Rahmen der Gesetze, etwas nachhelfen, sonst wird sich hier leider nie was ändern, uind wir wollen doch alle, dass sich etwas ändert, und zwar zum Positivem!

Personalmente provo un po’ di imbarazzo per il metodo… non scriverei mai un articolo su un familiare, proiettando la sua esperienza di vita nell’arena dello scontro politico, che, nel caso della toponomastica, si è talvolta notevolmente infiammato.

Dal punto di vista dei contenuti si possono apprezzarne lo slancio emotivo e le buone intenzioni. Ma le conclusioni sono tutt’altro che inoppugnabili.
Credo che l’intera vicenda della Toponomastica sia una lunga sequela di errori e fraintendimenti su larga scala. E temo che molti altri ne seguiranno prima di poter scrivere la parola fine.
Ritengo sia vero che non si possa imporre a qualcuno una riflessione sul proprio passato; ma ritengo altresì anche che non si possa stare solamente a guardare se questa riflessione tarda di alcuni decenni o talvolta l’esito sembri esserne una sostanziale riconferma.
Detto questo rilevo che gli argomenti presentati si prestino quasi tutti ad essere capovolti ed oggettivamente non trovo alcun punto determinante a favore di una o dell’altra prospettiva, che ne sancisca il primato. Se siano i sudtirolesi a doversi abituare ai toponimi e relitti fascisti per amore della comunità  italiana (a volte la cosa scivola nel paternalismo più grottesco: gli italiani, poverini, non sono cattivi, sono solo un po’ fascisti) o se siano gli “altoatesini” a dover prendere coscienza e liberarsi degli stessi reperti per amore della comunità  tedesca (questo invece è più raro da sentire, ma non per questo trascurabile).
Credo in una visione territoriale e post etnica, chi sa cosa abbiano significato quei nomi e quei monumenti per la nostra terra non credo possa ragionevolmente difenderli, come si fa a gran voce. Non han portato nulla di buono per NESSUNO e giustificarne l’uso in privato o pubblico in talune circostanze non significa di gran lunga che su ogni mulattiera debbano tassativamente campeggiare le invenzioni di Tolomei (invece i toponimi storici sì: con la loro immensa varietà , sono la prova tangibile che la nostra terra fu plurilingue anche in tempi non sospetti).

Heute war ein Leserbrief in den “Dolomiten” von Frau Foppa. Dort hieß es dass der Name “Amba Alagi Strasse” fälschlicherweise als faschistisch angesehen wird da er erst im Jahre 1953 im Bozner Gemeinderat mit Hilfe der SVP-Mandatare eingeführt wurde.
Erstens einmal, weiß Frau Foppa denn nicht dass man in den damaligen schweren Zeiten wahrscheinlich dauernd Kuhhandel mit den italienischen Altfaschisten eingehen “musste”, damit man für die eigene Seite etwas herausholen konnte (im Kleinen ist es sicher heute noch ähnlich)?
Und zweitens, und das ist in meinen Augen der Knackpunkt. Der Name Amba-Alagi-Strasse geht auf die versuchte Kolonialherrschaft Italiens in Äthiopien und die Schlacht um den Amba-Alagi zurück. Im Krieg mit Äthiopien hat man dort zum ersten Mal massiv Giftgas eingesetzt. Um die Gräueltaten in einen angemessenen Kontext zu setzen hier ein Link dazu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Kriegsverbrechen_in_Afrika

Außerdem verstehe ich es nicht, warum ein Name nicht faschistisch sein soll, wenn er erst 1953 als Straßenname eingeführt wurde. Der Mussolini am Finanzgebäude wurde meines Wissens auch erst nach dem offiziellen Ende des Faschismus gemeißelt, trotzdem ist es ohne Zweifel faschistische Kunst. Dabei muss es völlig egal sein, von wem so ein Name oder ein Kunstwerk “erfunden” wurde, es gehört einfach nicht in die heutige Zeit. Dass aber in der Südtiroler Geschichte alles verworren ist (auch diese Episoden) und sicher nicht so einfach zu verstehen, da kann man Frau Foppa sicher zu 100% recht geben.

@ steffl

ich hab den leserbrief auch gelesen und ich gebe dir recht. es ist völlig irrelevant, wann die benennung gemacht wurde und von wem. wie du richtig sagst – auch das mussolini-relief wurde nach ende des faschismus fertiggestellt und es stammt überdies von einem deutschsprachigen bozner (hans piffrader).

ich kann nur noch einmal wiederholen, was ich in diesem forum schon hundert mal gepostet habe. die frage einer amba-alagi-straße oder eines mussolini-reliefs ist nicht eine frage von deutsch vs. italienisch. dieses andauernde “aber vor eurer haustüre gibt’s auch noch was zum aufräumen” nervt mich ungemein – egal von welcher seite es kommt. wie von einem meiner vorposter gesagt wurde – es gibt nur eine haustüre. die bruchlinie ist keine ethnische sondern eine ideologische. es ist nicht von bedeutung, wer was wann wo gemacht hat (denn weder die italienischsprachige noch die deutschsprachige seite von heute kann für verbrechen ihrer vorväter verantwortlich gemacht werden.) sondern dass wir als demokraten (ob deutsch, italienisch, ladinisch oder papua-neuguineisch ist scheißegal) gegen verherrlichung von kriegsverbrechen und faschismus aufbegehren. schluss, aus, basta. da gibt’s keine kompromisse.

@hunter

Dem ist nichts hinzuzufügen. Wie viele andere auch (eigentlich fast alle die man so kennt, man sieht was mediale Manipulation alles “leistet”) macht auch Frau Foppa den Fehler, alles “ethnisch” und nicht “ethisch” zu betrachten.
Falls Frau Foppa meinen Link in Wikipedia durchgelesen hat (Massenerschießungen, Giftgas, Konzentrationslager, ganze christliche Klöster mitsamt äthiopischen Mönchen die vom faschistischen Italien ausgelöscht wurden) muss sie uns auch erklären, wie ein Straßenname “Amba-Alagi” oder ein “Kapuzinerwastl” in unserem Land für Demokraten (besonders für friedliebende Grüne) tragbar sein kann?

Merkwürdig. Schließlich hat Frau Foppa in ihrem Artikel für den Skolast 2/2009 (»Nur net rogeln! Zum Umgang mit Option und Widerstand in Südtirol«) über Nazibezeichnungen (Wenter, von Aufschnaiter, Klebelsberg) ja auch nicht rechtfertigend (!) geschrieben, dass die Benennungen erst nach dem Ende des Nationalsozialismus vorgenommen wurden.

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