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Sommerreifen wider die Vernunft.

Der ÖAMTC gibt die aktuelle Empfehlung aus, nicht zu früh von Winter- auf Sommerreifen zu wechseln, denn »[die] Wetterlage ist wichtiger als das Datum«. Man solle

immer ein Auge auf den Wetterbericht haben, denn nur, wenn es konstant warm ist und Schnee und Eis sich endgültig zurückgezogen haben, sollte man wirklich wechseln. Sommerreifen haben auf winterlichen Fahrbahnen, unabhängig vom Datum, nichts verloren.

— ÖAMTC-Mitteilung

Speziell wer einen Ausflug in die Berge plant, solle nicht voreilig wechseln.

Klingt einleuchtend und logisch.

Anders jedoch in Südtirol, denn hier gilt die — mit Verlaub — bescheuerte italienische Sommerreifenpflicht. Seit dem gestrigen 15. April haben Autofahrerinnen genau einen Monat Zeit, um den Reifenwechsel zu vollziehen, woran auch das Land in einer Aussendung erinnert.

Obwohl wir hierzulande gar keinen »Ausflug in die Berge« planen müssen, um quasi immer wieder in gebirgigen Lagen unterwegs zu sein, gilt die Maxime, dass nur das Datum zählt und nicht die Wetterlage. Ob sich »Schnee und Eis endgültig zurückgezogen haben«, ist dem römischen Gesetzgeber wurscht. Und wenn »Sommerreifen auf winterlichen Fahrbahnen, unabhängig vom Datum, nichts verloren« haben, können wir frei entscheiden, ob wir lieber unsere Sicherheit gefährden oder den Geldbeutel: bei angedrohten 422,– bis 1.682,- € Strafe und möglichem Entzug des Fahrzeugscheins will dieser Schritt wohlüberlegt sein.

Welchen Sinn und welche Berechtigung haben Gesetze, die ihrem eigentlichen Zweck — der Verkehrssicherheit — so krass zuwiderlaufen?

Hinweis: Mir ist bekannt, dass die Regelung de iure keine Sommerreifenpflicht ist. Es ist aber de facto eine, da Winterreifen i. d. R. nicht den Eigenschaften entsprechen, die sie ab dem 15. Mai in Italien erfüllen müssten.

Siehe auch: 1/ 2/

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15 replies on “Sommerreifen wider die Vernunft.”

Ziemlich einseitig gehaltener Artikel mit unzureichender Recherche. Der italienische Gesetzgeber hat viele Mängel, aber ihm hier einen Strick zu drehen, ist falsch.
Es gibt keine Sommerreifenpflicht. Der Fahrzeughalter kann auch Ganzjahresreifen benutzen (M+S), die einen Geschwindigkeitsindex => (größer gleich) haben, als er im Fahrzeugbuch angemerkt ist.
Eine profunde Recherche der ital. StVo sollte der Verfassung eines Artikels mit eindeutigem Italien-Bashing (eigentlich) vorausgehen.

Hast du den Hinweis unter dem Artikel gelesen? Der mögliche Ausweg über Ganzjahresreifen ist doch eh Schwachsinn. Außerdem: Wozu der gleiche Geschwindigkeitsindex wie im Fahrzeugschein vermerkt, wenn man in Italien eh nur 130km/h fahren darf, was selbst mit dem normalsten Winterreifen kein Probem ist?

Die Regel ist eigentlich klar und wird sei es von mir als auch von Berufskollegen in den Abruzzen, Aosta usw. geschätzt. Wer im Sommer Passstraßen befahren muss, akzeptiert die Ganzjahresreifen gerne, da deren Qualität für die dortigen Straßenverhältnisse ausreicht. Das Gesetz ist somit, sofern es unter objektiven und nicht unter emotionalen Gesichtspunkten betrachtet wird, mehr als in Ordnung.
Es ist jedoch belustigend aus dem Munde eines Italienbashers und Kritikers der Gesetze des Stiefelstaates zu lesen, dass er die 130 km/h-Regel für absurd hält (“…eh nur(!) 130…”), war es doch ein (leider) geschichtsträchtiger Exponent der Halbinsel, der diese eliminieren ließ und mit dem “criterio prudenziale soggettivo” ersetzte. Was danach passierte, war Polizeistaat aus dem Bilderbuch, man sollte dies stets berücksichtigen, wenn man Gesetze kritisiert und abgeschafft haben möchte.
Geschichtliches beiseite, jeder, der viel mit dem Fahrzeug unterwegs ist, weiß, dass reine Winterreifen bei sommerlichen Temperaturen ihre Funktionstüchtigkeit verlieren und somit für den Straßenverkehr untauglich sind. Aber offensichtlich ist das jenen, die Italien generell verachten, nicht bewusst oder wird hier offensichtlich ausgeblendet.
Es handelt sich um ein wichtiges Thema, schade, dass diese Diskussion mehr und mehr an Sachlichkeit verliert.

Die Regel ist eigentlich klar und wird sei es von mir als auch von Berufskollegen in den Abruzzen, Aosta usw. geschätzt.

Dann erklär mir bitte warum. Ich habe nämlich noch immer nicht verstanden, was man daran gut finden könnte, insbesondere wenn nach dem 15. Mai winterliche Verhältnisse herrschen sollten.

Wer im Sommer Passstraßen befahren muss, akzeptiert die Ganzjahresreifen gerne, da deren Qualität für die dortigen Straßenverhältnisse ausreicht.

Das glaube ich gerne. Im Sommer. Im Winter sind Ganzjahresreifen jedoch suboptimal.

Das Gesetz ist somit, sofern es unter objektiven und nicht unter emotionalen Gesichtspunkten betrachtet wird, mehr als in Ordnung.

Finde ich aus den genannten Gründen ganz und gar nicht.

Es ist jedoch belustigend aus dem Munde eines Italienbashers und Kritikers der Gesetze des Stiefelstaates zu lesen, dass er die 130 km/h-Regel für absurd hält (“…eh nur(!) 130…”)

Ich halte die 130 km/h-Begrenzung für alles andere als absurd. Absurd finde ich es, einen höheren Geschwindigkeitsindex als für 130-140 km/h einzufordern, wenn man eh nicht schneller fahren soll/darf.

Geschichtliches beiseite, jeder, der viel mit dem Fahrzeug unterwegs ist, weiß, dass reine Winterreifen bei sommerlichen Temperaturen ihre Funktionstüchtigkeit verlieren und somit für den Straßenverkehr untauglich sind.

Das Problem ist halt nur, dass ab dem 15. Mai nicht automatisch sommerliche Temperaturen herrschen.

Aber offensichtlich ist das jenen, die Italien generell verachten, nicht bewusst oder wird hier offensichtlich ausgeblendet.

Dass ich Italien generell verachten würde, hast du dir ausgedacht.

Es handelt sich um ein wichtiges Thema, schade, dass diese Diskussion mehr und mehr an Sachlichkeit verliert.

Gebe ich gerne zurück.

Es gibt gewisse Themen, bei welchen man mit Argumenten allein auf weiter Flur steht, da der Gegenüber in seinem Denkmuster verfangen ist. Dies geschieht oft, wenn man die Diskussion bereits mit Kritik beginnt. In diesem Fall war dies aber nötig, da der Artikel reißerisch ist und die Thematik somit fehlgeleitet wird.
Italien hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von rund 1000 km oder mehr; dass ein Gesetzgeber in so einem Fall eine Pflicht für Sommerreifen einführen muss, sollte eigentlich nicht zu Debatte stehen. Wer viel Auto fährt wie ich, weiß was es heißt einen (guten) Reifen bei Hitze, Regen, heißem Asphalt usw. unter voller Belastung unter sich zu wissen. Andererseits befahre ich beruflich bedingt auch Bergregionen und dass sich hier die Vorzeichen ändern, ist ebenso klar. Der Gesetzgeber hat somit – mit Sommer- und Ganzjahresreifen – eine gute Wahl getroffen.
Wer jedoch a priori Entscheidungen kritisiert, nur weil sie einer italienischen Gesetzesfeder entstammen, hat entweder keine Erfahrung als Fahrzeuglenker oder ist aufgrund emotionaler Einflüsse verblendet und somit unbelehrbar. Da im konkreten Fall offensichtlich Letzteres zutrifft, ist die Diskussion für mich hiermit auch beendet.
Italienische Gesetze sind, wie alle anderen, nicht perfekt. In Südtirol hätte man jedoch genügend Argumente hauseigene Gesetze mehr und besser unter die Lupe zu nehmen, anstatt sich di per se auf das Feindbild Italien zu versteifen. In den Bereichen Urbanistik, Schulgesetzgebung, Corona, Energieversorgung und etliche andere mehr weist der Südtiroler Gesetzgeber weit eklatantere Schwächen auf als der nationale.

Italien hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von rund 1000 km oder mehr; dass ein Gesetzgeber in so einem Fall eine Pflicht für Sommerreifen einführen muss, sollte eigentlich nicht zu Debatte stehen.

Einführen muss? Ist dir ein anderes Land bekannt, das eine derartige Regelung eingeführt hat (einführen »musste«)? Mir nicht. Italien ist wahrscheinlich das einzige Land in Europa (oder eines von ganz wenigen) mit einer »Pflicht für Sommerreifen«, wie nun auch du sie nennst. Und ich habe nicht den Eindruck, dass es deswegen in Deutschland, Frankreich oder sonstwo massive Probleme mit der Verkehrssicherheit gibt.

In Südtirol hätte man jedoch genügend Argumente hauseigene Gesetze mehr und besser unter die Lupe zu nehmen, anstatt sich di per se auf das Feindbild Italien zu versteifen.

Wir nehmen sowohl Südtiroler als auch italienische Gesetze unter die Lupe und kritisieren beide, wo es unserer Meinung nach angebracht ist.

In den Bereichen Urbanistik, Schulgesetzgebung, Corona, Energieversorgung und etliche andere mehr weist der Südtiroler Gesetzgeber weit eklatantere Schwächen auf als der nationale.

Diesen Eindruck teile ich zwar nicht, aber du kannst gerne konkrete Beispiele nennen, um mich davon zu überzeugen.

@Simon, die Liste wäre zu lang, aber einige Beispiele:
Urbanistik, Thema Vertragsurbanistik, erscheint dir dieses Gesetz gut geschrieben?
Schulgesetzgebung, Thema Rekurs bei Nichtversetzung, erscheint dir dieses Gesetz logisch bzw. verständlich geschrieben?
Corona, Verlassen der Gemeinde unter sportlicher Betätigung, erschien dir diese Verordnung klar und deutlich geschrieben? Von den Übersetzungsfehlern mal abgesehen…
Energieversorgung, Thema Wasserbonus, warum erhalten Südtiroler keinen Wasserbonus, obwohl vom italienischen Gesetzgeber vorgeschrieben?
Man kann in einem Blog nur schwer Gesetze zitieren, da man diese reproduzieren und weiter ausholen müsste um darzulegen warum das Gesetz schlecht ist, nicht verwirklicht werden kann, teilweise verfassungswidrig ist usw.
Aber zu behaupten, dass Südtiroler Gesetze keine eklatanten Schwächen besitzen, ist Hochmut par excellence – du kannst dich in einer Schiene mit der Marketingabteilung des Landes einreihen, wonach wir ja in allem (quasi weltweit) die Besten sind. Sorry, aber die Diskussion tendiert lächerlich zu werden…

Aber zu behaupten, dass Südtiroler Gesetze keine eklatanten Schwächen besitzen, ist Hochmut par excellence […]

Kannst du mir zeigen, wo ich das deiner Meinung nach behauptet hätte? Ich habe geschrieben, dass ich deine Aussage nicht teile, dass »der Südtiroler Gesetzgeber« in den von dir genannten Bereichen »weit eklatantere Schwächen auf[weist]« als der staatliche.

Einen überzeugenden Gegenbeweis hast du dafür auch nicht gebracht.

Ein Beispiel und dann soll es wirklich gut sein, Wasserbonus (bonus idrico). Warum erhalten bedürftige Südtiroler Familien keinen Wasserbonus, obwohl vom nationalen Gesetzgeber vorgeschrieben? Das Landes”Gesetz”, dass dieser Bonus in Südtirol keine Anwendung finde, gibt es quasi nicht bzw. ist in irgendwelchen schwammigen Akten, teilweise ohne Gesetzeskraft, geschrieben. Das ist der Beweis, informiere Dich über den Skandal (kleiner Hinweis https://www.salto.bz/de/article/27122019/wasserbonus), der dieser Ungerechtigkeit zugrunde liegt, dann wirst du meine Aussage bestätigt wissen.
Ich habe immer gesagt, dass die soziale Frage in Südtirol DAS Kernthema schlechthin ist und dass darüber diskutiert werden sollte – nicht über Katalonien, irgendwelche mangelhaften Zweisprachigkeitsanwendungen oder ob man im Sommer mit Winterreifen fahren darf.
Die soziale Frage trifft den Südtiroler ins Mark und ist deshalb von entscheidender Bedeutung.

Einen Link, der zum Zeitpunkt deines Postings schon hinter einer Paywall verschwunden ist, finde ich als Beleg suboptimal.

Zur Sache: Ja, es ist schade, dass der Wasserbonus — der Bedürftigen einen Freibetrag in Höhe von rund 30,- Euro jährlich sichert — bislang in Südtirol nicht zur Anwendung kommt. Soviel ich nachverfolgen konnte, wird gerade an einer Lösung gearbeitet.

Wenn dieser »Missstand im Detail« aber dein Leuchtturmbeispiel dafür sein soll, dass »der Südtiroler Gesetzgeber weit eklatantere [!] Schwächen« aufweist als der staatliche, muss ich ehrlich gesagt etwas schmunzeln. Ist jetzt eher meins Italien- oder deins Südtirolbashing?

Insbesondere wenn man erstens die Gesamtheit der Sozialleistungen unter die Lupe nimmt (die in Südtirol wesentlich großzügiger sind und wo 30,- Euro eher untergehen) und zweitens berücksichtigt, dass Wasser in Südtirol ohnehin deutlich günstiger ist als im staatlichen Durchschnitt.

Ich akzeptiere aus Prinzip die Meinung anderer. Aber jetzt wissen wir zumindest woran wir bei dir sind, das soziale Wohl deiner Mitbürger geht dir am A…wertesten vorbei.

Das soziale Wohl meiner Mitbürgerinnen bewerte ich nicht anhand einer Einzelmaßnahme, die mit 30,- Euro/Jahr beziffert werden kann. Das ist etwas komplexer.

Außerdem ging es hier darum, ob dieser Wasserbonus ein Beweis dafür sein kann, dass zwischen dem staatlichen und dem Südtiroler Gesetzgeber letzterer weit eklatantere Mängel aufweist. Kann er meiner Meinung nach nicht.

Dann kann man davon ausgehen, dass – immer aufgrund des minderwertigen Erlöses – auch der Strombonus für ansässige Südtiroler, welcher mit für dich läppischen 50€/Jahr zu Buche schlagen würde, keine Bewertung deinerseits findet, da du das soziale Wohl deiner Mitbürger nicht an “Kleinbeträgen” wie diesen bezifferst.
Auch hier, im Vergleich zum nationalen Gesetzgeber, der Bonuszahlungen in den Bereichen Strom, Wasser und Gas problemlos seit Jahren umsetzt, bekleckert sich der Südtiroler Gesetzgeber mit allem anderen als Ruhm, da dieser seit 3 Jahren zwar versprochen (und im Übrigen auch gesetzlich festgemacht) wurde, aber Stand heute immer noch nicht da ist und – letzte Information vom Magnago-Platz – nunmehr nicht mal rückwirkend ausbezahlt wird.
Ich habe nunmehr etliche Beispiele geliefert und wer sehen will (!), der sehe. Im Übrigen halte ich es mit der alten Weisheit, dass nur wer das Kleine ehrt, des Großen wert sei – aber offensichtlich ist diese Maxime nicht auf jedermann anwendbar.

Kein normal Sterblicher blickt bei diesen “Reifengesetz” wirklich durch. Genau so, wie bei sehr vielen, um nicht zu sagen, den meisten ital. Gesetzes. Deshalb ist es halt am einfachsten, sich an die Grundregel “15. April – 15. Mai” zu halten.

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