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Kleinstaaten-BIP.

Es dürfte bekannt sein, dass wirtschaftliche Gründe laut kein hinreichendes Argument für die Loslösung Südtirols von Italien sind. Nur wenn uns die Unabhängigkeit soziale Verbesserungen, insbesondere gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Überwindung des ethnoszentrischen Modells verspricht, ist sie gemäß Manifest dieser Plattform erstrebenswert.

In letzter Zeit feiert aber das dümmliche wirtschaftliche Gegenargument fröhliche Urständ, wonach Südtirol allein — ohne Geld aus Rom — nicht überlebensfähig wäre. Zuletzt habe ich es aus dem Munde eines SVP-Politikers bei der Podiumsdiskussion Werbeveranstaltung im Ahrntal gehört, in der Folge wurde es in einigen Leserbriefen aufgegriffen. Nur in diesem Zusammenhang (als Gegenargument zum Gegenargument) ist die folgende Aufstellung zu verstehen, welche Südtirols Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und jenes existierender (und somit nachweislich überlebensfähiger) Kleinstaaten gegenüberstellt.

*) Südtirols BIP wurde nach aktuellem Kurs von Euro in US-$ umgerechnet. Quellen: Wikipedia, ISTAT.

Selbst Staaten, die noch kleiner sind als Südtirol und ein geringeres BIP/Kopf aufweisen (Montenegro, Malta, Andorra, San Marino) existieren und funktionieren. Noch nie hat eines dieser Länder den Anschluss an einen größeren Nachbarn beantragt.

Weitere Informationen zu einigen dieser Länder gibt es in der -Kategorie Kleinstaaten, speziell in diesen Artikeln: .
Comparatio Kleinstaaten Kohäsion+Inklusion Wirtschaft+Finanzen | | | | Andorra Färöer Lëtzebuerg Malta | SVP | Deutsch

30 replies on “Kleinstaaten-BIP.”

Dann darf ich aber darauf hinweisen, dass in den zitierten Ländern Montenegro, Malta, Andorra, San Marino Leute leben, die unzufrieden mit ihrem Status sind! Sie sagen nicht: „Wie schön, wir sind allein, ein einziger Staat“, nein, die meisten würden lieber im großen Nachbarstaat leben!
Klar funktionieren diese Staaten, aber gerade in Andorra herrscht z. B. bittere Armut. Die Personen dort sind unzufrieden! Ich kenne sie, ich war dort, ich habe mit ihnen gesprochen.

Das ist natürlich Unfug. Wenn die meisten (!) lieber im großen Nachbarstaat leben würden, würden sie umziehen oder Parteien wählen, die einen Anschluss befürworten (die es aber meines Wissens nicht einmal gibt, was wohl davon zeugt, dass die allermeisten Bewohner keinen Anschluss wollen). Ein Umzug in’s große Nachbarland wäre im Falle Andorras und San Marinos kein großer Aufwand, da die Grenze ja nur wenige Kilometer entfernt ist und dank Verträgen mit der EU keine bürokratischen Schranken mehr für eine Niederlassung in einem EU-Land bestehen.

Die bittere Armut in Andorra ist ebenfalls frei erfunden. Laut CIA-Factbook leben im Pyrenäen-Kleinstaat 8% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, in Deutschland sind es zum Vergleich 15,5%, in Spanien 19,8%, in Großbritannien 14%. De facto hat Andorra eher das umgekehrte Problem: Aus den Nachbarländern Spanien und Frankreich wandern so viele Menschen zu, dass das einzige größere soziale Problem die Wohnraumnot ist.

Stell dir vor, die meisten Italiener wuerden gerne in San Marino leben…da koennte sogar ein Stueckchen Wahrheit dran sein :-)

Die italienische Verfasung drückt sich bezüglich der Grenzen des italienischen Staates sehr klar aus: eine jede Veränderung gilt als verfassungswidrig.
Diese Hürde, welche bisher meines Erachtens nach, in keiner Diskussion aufgegriffen wurde, könnte eine Loslösung sehr schwierig gestalten.

Persönlich bin ich gegen die Annektion an Österreich bzw. den Freistaat,
aus vorwiegend 3 Gründen:
1. Die bisher ungelösten ethnischen Konflikte werden dadurch auch nicht gelöst, würden im Falle einer Annektion an den österreichischen Staat übertragen (der seinen Minderheiten in keinster Weise die Rechte einräumt, die Südtirol im Moment in Italien hat) bzw. würde ein Freistaat zur Folge haben, dass das interethnische Zusammenleben stark in Angriff genommen werden muss.
Ich hoffe, dass es auch anderen Lesern klar ist, dass, sollte Südtirol nicht bei Italien sein, es in seinem Inneren immer noch eine starke Minderheit italienischsprachiger Südtiroler geben wird (sowie Ladiner, natürlich).

2. Südtriol definiert seine „Einzigartigkeit“ als deutsprachige Provinz gerade eben weil es zu Italien gehört. Unser gesamtes Standort-, Produkt – und Tourismusmarketing basiert darauf.

3. Fraglich ist die Einstellung der Europäischen Union zu den Veränderungen der Staatsgrenzen von Mitgliedsstaaten und generel die Ziehung neuer Grenzen in einer Epoche, in denen Grenzen jeder Art an Wichtig verlieren, und wirtschaftlichem Wachstum, sowie freiem Denken im Weg stehen

[…] könnte eine Loslösung sehr schwierig gestalten

Wir sind uns alle der Schwierigkeiten bewusst. [1] Hätten wir Südtiroler uns von Schwierigkeiten beeindrucken lassen, gäbe es keine Autonomie und uns selbst wahrscheinlich auch nicht mehr.

[…] dass das interethnische Zusammenleben stark in Angriff genommen werden muss.

Das ist uns nicht nur klar, sondern gerade der Antrieb für unser Engagement: Die Schaffung einer ungeteilten Gesellschaft. [2]

Südtriol definiert seine ”Einzigartigkeit” als deutsprachige Provinz gerade eben weil es zu Italien gehört.

Südtirol wäre als dreisprachiges Land nicht weniger einzigartig als eine Provinz Italiens.

Fraglich ist die Einstellung der Europäischen Union zu den Veränderungen der Staatsgrenzen von Mitgliedsstaaten

Im Falle Schottlands macht die EU bislang keine Anstalten, dies verhindern zu wollen.

@pérvasion:
Nicht zu vergessen, die Perversion der Ziehung neuer Grenzen in einer Epoche, in denen Grenzen jeder Art an Wichtig verlieren, und wirtschaftlichem Wachstum, sowie freiem Denken im Weg stehen.

@Lorena

Dieser Einwand wird von den Unabhängigkeitsgegnern oder den sogenannten Völkerrechtlern doch gebetsmühlenartig vorgebracht.
Die Diskussion soll sich nicht in erster Linie rechtlichen Einwänden widmen sondern gesellschaftlichen Aspekten.
Wenn es für Südtirol von gesellschaftlichem Vorteil ist die Unabhängigkeit anzustreben und sich eine klare Mehrheit auch hierfür artikuliert, wird dieser Wunsch über kurz oder lang von keiner Verfassung verhindert werden können.

Sollte Südtirol ein Freistaat sein, kann im Falle der hier lebenden italienischsprachigen Südtiroler nicht von einer Minderheit gesprochen werden. Glaubst du wirklich, dass ich mich in Italien als Minderheit fühlen würde, wenn die deutschsprachigen Südtiroler 25% der gesamten Staatsbevölkerung ausmachen würden. In diesem Falle müßte sich Italien zwangsläufig aufgrund der Fakten als mehrsprachiges Land deklarieren und dies ist ein feiner Unterschied zum derzeitigen italienischen Nationalstaats-Konzeptes.
Die französischsprachigen Schweizer, die ca 21% der Schweizer Bevölkerung ausmachen, fühlen sich auch nicht als Minderheit sondern als Teil des Schweizer Staatsvolkes.
Selbst die Ladiner würden mit knapp 5% Bevölkerungsanteil an Bedeutung gewinnen – dies müßte natürlich auch entsprechend verbrieft werden.
Also bitte nicht unterschiedliche Dinge vermischen. Hier Nationalstaat (Italien), dort mehrsprachiges Gesellschaftsmodell (Schweiz, unabhängiges Südtirol)

Liebe Lorena, nun musst du dich aber entscheiden. Entweder die Grenzen verlieren an Wichtigkeit oder sie stehen dem wirtschaftlichen Wachstum und dem freien Denken im Weg.

Verlieren sie an Wichtigkeit, kann eine Veränderung der administrativen Grenzen keine Katastrophe sein. Innerstaatliche Grenzänderungen — zum Beispiel zwischen Regionen — sind gang und gäbe und verursachen kein großes Aufsehen.

Stehen uns die Grenzen hingegen nach wie vor im Weg, kommt dir (und allen Unabhängigkeitsgegnern) ein Hauptargument abhanden — nämlich, dass die Grenze am Brenner nicht mehr existiert und deshalb eine Loslösung von Italien keinen Sinn mehr hätte.

Wie du siehst, spricht in beiden Fällen nicht wirklich etwas gegen die Unabhängigkeit.

Übrigens, Lorena, hast du hiermit das Problem genau erkannt:

Südtriol definiert seine ”Einzigartigkeit” als deutsprachige Provinz gerade eben weil es zu Italien gehört.

Weil Südtirol zu Italien gehört, kann es seine Autonomie umso besser rechtfertigen, je »deutscher« es sich gibt, also je mehr es sich vom übrigen Nationalstaat unterscheidet. Wenn wir aber unser »Deutschtum« ständig unterstreichen müssen, damit unser Status nicht in Frage gestellt wird, können wir nicht gleichzeitig die Mehrsprachigkeit forcieren — weil das eben unseren Interessen widerspricht. Dies würde sich in einem unabhängigen Staat erübrigen.

@pérvasion
So eine geniale und zugleich entlarvende Erklärung des Autonomieproblems habe ich noch nie gelesen! Gratuliere dazu.
Hoffentlich machen sich mal ein paar Politiker die Mühe, dazu was zu sagen. Besonders auf eine grünes und SVP Kommentar dazu wäre ich gespannt!
Gleichzeitig gilt zu bedenken, daß gerade der nationalistische PDL immer vom friedlichen Zusammenleben spricht, das anscheinend nur unter Italien möglich ist.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen beeinflussen alle Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens, deshalb muss auch diesem Thema genügend Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Leute die damit argumentieren, dass Südtirol ohne Rom nicht überlebensfähig ist, sollen Zahlen vorlegen, keine Behauptungen oder Mythen in die Welt setzen. Eine Untersuchung der Handelskammer ist sehr wohl zum Resultat gelangt, dass wir unseren Landeshaushalt selbst finanzieren.
Selbst diese Untersuchungen greifen aber viel zu kurz und lassen viele Bereiche unberücksichtigt. Zwei Aspekte:
1) Wirtschaftsordnung
Jeder souveräne Staat kann über die Familienpolitik, Arbeitsgesetzgebung, Frauenpolitik, Sozialpolitik, Gesundheitspolitik, Schulpolitik, Wirtschaftspolitik usw. in wesentlichen gesellschaftlichen Bereichen eine bestimmte Richtung vorgeben. Diese Bereiche sind in Südtirol trotz Autonomie im wesentlichen fremdbestimmt, sprich von Rom vorgegeben. Eine freie Gestaltung dieser Bereiche, ist unabhängig von den Geldmitteln (mehr Geld bedeutet nicht zwingend immer das beste Resultat), ein Mehrgewinn für alle in Südtirol lebenden Menschen. Erst dann könnten wir uns an den in Europa führenden Regionen und Ländern orientieren.
2) Außendarstellung:
In diesem Bereich würde Südtirol als unabhängiger, souveräner Staat ohne größeren Aufwand einen enormen Marketingwert erzielen. Schon alleine die Existenz als souveräner Staat auf den internationalen Landkarten generiert einen ungeheuren Bekanntheitsgrad und somit Mehrwert, von einer eigenständigen sportlichen Präsenz sprechen wir da noch gar nicht.
Schon dieser Bereich ließe sich möglicherweise mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag beziffern. Die Färöerinseln, eine 50.000 Einwohner-Insel im Nordatlantik, ist unter anderem deshalb in Europa bekannt, da sie als eigenständige Fußballmannschaft, immer wieder bei allen großen Qualifikationswettbewerben mitspielen. In den Zeitungen gibt es dann immer seitenlange Artikel und Dokumentationen über dieses Land – ein Mehrwert, der sich durch klassische Werbung nicht erzielen läßt.

Neben den ganzen Gründen müsste noch hinzugefügt werden, dass weder in Schottland, noch in Katalonien oder sonstwo in Umfragen so viele Menschen für eine Abspaltung ihres Landes von ihrem derzeitigen Staat, wie in Südtirol sind.
Worauf wartet Südtirol noch?
Hoffentlich nicht bis unsere Kinder keine Möglichkeit mehr haben, orddentlich deutsch zu lernen. Wenn man sich die Landflucht in Südtirol anschaut und in Südtirols Städten selbst in deutschsprachigen Kindergärten bald mehrheitlich italienisch gesprochen wird, braucht man kein Mathematiker zu sein, um sich die Zukunft auszumalen, die unsere Kinder in Italien erwartet. Ich will das für mein Kind jedenfalls nicht. In einer Demokratie wird normalerweise entschieden, was die Mehrheit der Bevölkerung will. Die Mehrheit der Bevölkerung Südtirols will scheinbar weg von Italien, das haben Europa, die EU, Italien und die SVP (und der Athesia-Konzern) wohl noch zu akzeptieren wenn man demokratisch sein will und nicht (in bestimmten Bereichen) undemokratische Staaten wie es die DDR war nachahmen will. Wenn man sich nur die Berichterstattung in Südtirols Medien so anschaut, bekommt man diesen Eindruck leider nicht ganz selten.

Ich denke insgesamt will man das wirtschaftliche Argument kleinreden oder mit falschen Fakten verdrehen, weil die Gegner einer Selbstbestimmung ganz genau wissen, dass dieses Argument bei einer Entscheidung sehr schwer in der Waagschaale liegen würde.
So wundern mich die Falschinformationen ganz und gar nicht.

@Dr. Parnassus
Ich kenne Leute aus San Marino und kann das nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil sogar, sie sind froh nicht beim Italienischen Staat zu sein und haben einen gesunden Stolz und Selbstbewusstsein als Bürger San Marinos. Armut gibt es auch in Südtirol, die Frage ist doch immer wieviel Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind. Und da stehen Südtirol und San Marino u.a. sehr gut da.

@Lorena
Ich möchte gerne sehen wie ein demokratischer Staat uns die Selbstbestimmung verweigert, wenn die Mehrheit der Menschen hier sie verlangen würde – Verfassung hin oder her.

Und Grenzen entstehen doch immer wieder. Selten sind in Friedenszeiten soviele Grenzen entstanden wie in den letzten 30 Jahren in Europa. Und welche negativen Folgen hatte dies? Abgesehen vom Balkankrieg (der massgeblich vom Nationalstaat gegen die sich abspaltenden Teile geführt wurde) würde ich sagen keine, im Gegenteil, die Völker verstehen sich besser denn je. Die Grenzen sind heute Grenzen von Verwaltungs- und Rechtsbereichen und keine stacheldrahtgespickten Verteidigungslinien mehr. Wo also wäre das Problem bei uns? Ausser sie wollen suggerieren, wir Südtiroler würden in Salurn die Berliner Mauer wiederauferstehen lassen.
Grenzen können für die wirtschaftliche Entwicklung hinderlichen sein, aber das gilt wohl vielmehr für die derzeitige Grenze am Brenner, denn derzeit hängen wir auf Gedeih und Verderb an diesem maroden Staat. Wären wir ein eigener Staat, könnte man mit angepassten Steuersätzen sogar bewirken, dass sich Unternehmen bevorzugt bei uns ansiedeln. Es kommt wohl auf den Standpunkt an, ob Grenzen gut oder hinderlich sind.

Ich weiß nicht woher du deine Daten nimmst, Steffl, doch ein reiner Mehrheitsentscheid über die Köpfe der Italiener und Ladiner hinweg ist wohl ohnehin das schlimmste, was uns passieren könnte.

Dice Steffl: „Ich will das für mein Kind jedenfalls nicht“. Caspita. Ecco uno che non mi pare si rallegri molto del futuro Sudtirolo post-etnico. :roll:

@ lorena

Persönlich bin ich gegen die Annektion an Österreich bzw. den Freistaat

bitte nicht „freistaat“ sagen. bayern ist ein freistaat und dennoch kein gebilde, wie jene es sich vorstellen, die in südtirol einen „freistaat“ fordern.

Die bisher ungelösten ethnischen Konflikte werden dadurch auch nicht gelöst, würden im Falle einer Annektion an den österreichischen Staat übertragen (der seinen Minderheiten in keinster Weise die Rechte einräumt, die Südtirol im Moment in Italien hat)

bbd steht nicht für eine angliederung an österreich. würde nicht nur allein aus minderheitenrechtlichen gründen nicht sinnvoll sein.

sollte Südtirol nicht bei Italien sein, es in seinem Inneren immer noch eine starke Minderheit italienischsprachiger Südtiroler geben wird (sowie Ladiner, natürlich).

dem wäre nur so, wenn das „neue südtirol“ sich als (deutsch)-national definiert. wer sagt, dass das so sein muss? im sinne des bbd-manifests bbd-manif gäbe es diese minderheiten nicht. wie niwo richtig schreibt gibt es in der schweiz ja auch keine französische minderheit sondern französischsprachige schweizer. „inclusive nationalism“ heißt ein das ziemlich unpassende wort, das diese idee aber dennoch noch am besten umschreibt.

Südtriol definiert seine ”Einzigartigkeit” als deutsprachige Provinz gerade eben weil es zu Italien gehört. Unser gesamtes Standort-, Produkt – und Tourismusmarketing basiert darauf.

also wenn ich mir <a href="http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=8130&quot; so ansehe und die da von speck alto adige und speck flavoured canederli schreiben, finde ich nicht, dass das marketing auf der „einzigartigkeit weil deutschsprachig“ basiert.

Ziehung neuer Grenzen in einer Epoche, in denen Grenzen jeder Art an Wichtig verlieren, und wirtschaftlichem Wachstum, sowie freiem Denken im Weg stehen

wenn es nur so wäre und die grenzen tatsächlich immer weniger wichtig werden würden. leider ist dem nicht so. das mit dem „grenzenlosen europa“ ist eine mär. waren- und personenverkehr (und der auch nur, wenn nicht zufällig mal ein paar tausend afrikaner übers mittelmeer schippern und in wien kein wirtschaftsgipfel stattfindet zu dem evtl. globalisierungsgegner von versammlungs- und demonstrationsfreiheit gebrauch machen könnten) mögen zwar „frei“ sein, aber die grenzen sind in punkto verwaltung spürbar wie eh und je (als ösi in südtirol weiß ich wovon ich spreche). ist dir eigentlich schon aufgefallen, dass je weiter die europäische integration voranschreitet, die einzelnen mitgliedsländer umso nationalistischer werden und wählen. bei jeder europäischen wahl gewinnen die nationalisten dazu. die größten kritiker einer institution sollen also dafür sorgen, dass eben diese institution funktioniert, mit der sie sich so gar nicht identifizieren können. das wäre ungefähr so als wie wenn die palästinenser netanjahu zum hamas-chef ernennen würden. das kann nicht funktionieren.

zudem wäre die verschiebung einer administrativen grenze – wie pervasion richtig schreibt – auch in einem „grenzenlosen“ europa kein anachronismus.

Ecco il bravo Gadilu che legge attentamente… ed appena trova qualcuno che pensa, come il nostro buon Steffl, in maniera decisamente etnica, se ne rallegra e scrive qualcosa per sottolineare il nostro (di BBD) presunto insuccesso…

Die oft zitierte „Mehrheit“ der Südtiroler (die Pseudo-Umfrage im Ahrntal kann es ja wohl nicht sein auf die man sich als rationaler Mensch berufen kann), welche sich für eine Loslösung von Italien aussprechen wird, möchte ich mir anschauen. Wenn ich darauf hingewiesen werde, dass es in diesem Forum um die Bildung eines Staates geht, und nicht um den Beitritt zu Österreich, so war mir das nicht klar, und so ist es wahrscheinlich auch den meisten nicht klar, die für eine „Los von Italien“ plädieren… Ihr müsst zugeben, dass es bisher immer wieder widersprüchliche Äußerungen seitens der Unabhängikeitsler (Irredentisti) gab.

Ach so, un natürlich gibt es ja dann auch keine Minderheiten, wir werden alle friedlich zusammenleben wie die Schweizer (wohl merklich – der Verband der Schweizer Kantonen hat sich mehr oder weniger freiwillig als Staat zusammengeschlossen) und in erster Linie Südtiroler Nationalität sein, bevor wir uns über unsere Sprache definieren.
So ungefähr bliebe dann ja alles gleich, oder nicht?
Ein Staat, also eine neue äußere Form, wird an dieser gegenseitigen Anfeindung, wie sie bisher betrieben wurde und wird, gar nichts ändern.

@Lorena + Steffl
Ich wünsche mir ein eigenständiges Südtirol, aber nur unter bestimmten Umständen. Die im BBD Manifest beschriebene Lösung kommt da meinen Vorstellungen sehr nahe, denn nur gemeinsam kann man so einen Weg gehen, ohne Angst Wichtiges(Identität, Sprache, Kultur,) zu verlieren, und mit der Überzeugung etwas dazu zu bekommen.
Ich tanze bei der Volkstanzgruppe, obwohl ich zweisprachig aufgewachsen bin, und es liegt an uns, unseren Kindern die Kultur unseres Landes, unsere Kultur, nahe zu bringen. Und wenn man behauptet, durch eine zweisprachige Schule würde uns etwas genommen, dann doch nur aus Angst! Genau der Gegenteil ist der Fall, unser Kinder lernen mehr und besser als wir.
Denn die Zukunft für unser Land ist die Mehrsprachigkeit, weg mit dem Proporz, weg mit der Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung, wer die zwei oder drei Sprachen gut beherrscht hat nur Vorteile!

Ach, und Steffl, keine Angst um dien Kinder, solange du mit ihnen zu Hause deutsch sprichst, werden sie immer wissen, was ihre Muttersprache ist, wer sie sind und woher sie kommen! Da können ein paar italienische Wörter im Kindergarten sicher keinen „Schaden“ anrichten.

Dice Steffl: ”Ich will das für mein Kind jedenfalls nicht”. Caspita. Ecco uno che non mi pare si rallegri molto del futuro Sudtirolo post-etnico. :roll:

Den Begriff Post-Ethnisch müsste man genauer definieren. Die Schweiz ist als Nicht-Nationalstaat sicher ein Super-Beispiel für Südtirol, jedenfalls in diesem Punkt. Aber wer glaubt in der Schweiz leben die Sprachgruppen miteinander und nicht nebeneinander, täuscht sich. Man kommt friedlich miteinander aus und jeder kann seine Kultur frei ausleben, die deutsch-und welschschweizer leben aber meines Wissens vorwiegend getrennt, korrigiert mich bitte wenn ich mich irre. Wenn man aber in einem Nationalstaat wie Italien lebt, ist die eigene Sprache immer wieder zweitrangig und man muss sich ständig neu „verteidigen“, wie dies unzählige Beispiele hier im Blog belegen.
Für mich die beste Variante wäre zuerst einmal ein Kondominium Italien-Österreich, weil ich der Meinung bin dass die Italiener in Südtirol (v.a. sicher auch durch best. Medien) wohl sehr schwer für eine Unabhängigkeit von Italien (sie definieren sich meist vor allem genau durch den Nationalstaat) zu begeistern sind – jedenfalls eine Mehrheit wie dies BBD wünscht. Bis es dann soweit wäre, wären wohl wir deutschen Südtiroler dann in der Minderheit. Ich denke ein Staat nach Vorbild von BBD wäre erst nach einer längeren „Kondominiumszeit“ möglich, da man sich dadurch auch auf Augenhöhe kennenlernt und keiner um seine Identität bangen müsste.
Überhaupt wird es wohl das schwerste sich an die Italiener zu wenden und ihnen zu erklären, welche Vorteile sie in einem neuen Staat zu erwarten hätten. BBD macht dies natürlich super, nur weiß ich nicht wie das bei den Italienern ankommt.
@pérvasion
Woher ich meine Daten hernehme? In den letzten Jahren wurden mehrere Umfragen veröffentlicht, die alle zum Schluss kamen, dass eine Mehrheit der Südtiroler (deutsch-und ladinischsprachig) sich für die Unabhängigkeit von Italien ausgesprochen haben. Immer davon ausgehend, dass diese Institute, die diese Umfragen veröffentlichen seriös arbeiten und repräsentative Studien durchführen, muss man sich dann die Frage stellen wie es weitergehen soll. Wenn die deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler von Italien weg wollen und die Italiener nicht, was passiert dann? Wäre ein Kondominium Österreich-Italien keine Möglichkeit bis es dann schlussendlich zu einer Lösung nach BBD-Modell kommt?

http://www.stol.it/Artikel/Politik-im-Ueberblick/Lokal/Umfrage-Binnen-zehn-Jahren-Selbstbestimmung-sonst-ist-es-zu-spaet

Hier steht noch drin dass sich 100 Prozent der italienischsprachigen gegen die Selbstbestimmung ausgesprochen hätten und 65% der deutsch-und ladinischsprachigen für die Selbstbestimmung…

Steffl riesce a dire le stesse cose di Sabino Acquaviva senza neppure conoscerlo (o lo conosce?). Divertente che si chieda come fare a portare agli italiani il messaggio di BBD. Ma a lui, questo messaggio, chi glielo porta?

Per una volta son d’accordo con te: a lui chi glielo porta il messagio BBD?

Non si è accorto che il 56% dei sudtirolesi tedeschi e ladini fa il 38,6% del totale… quindi a meno di non riuscire a limitare il diritto di voto a questa fetta di popolazione con qualche democraticissimo stratagemma, il risultato è matematicamente negativo… buttiamogliela giù in maniera familiare, così forse ci si raccapezza:

Caro Steffl : 38,6% IST NICHT 50%+1!!!

Nebeneinander? non c’è nulla di meglio dell’autonomia per vivere separati! Nemmeno l’annessione all’Austria sarebbe così efficace: molti italiani probabilmente o si integrerebbero o se ne andrebbero. Il Sudtirolo indipendente, specie quello di BBD, invece lo devi combattere con tutti i mezzi: è un pericolo!!! Separazione, dici, come?
Ecco un’idea: magari gli italiani in futuro li si trasferisce tutti nel ghett… aaaaahem… nella zona di Bolzano, così si fanno le loro scuole, i tuoi figli saranno finalmente al sicuro da contaminazioni; se poi si costruisce un muro e la notte si chiudono pure le porte è anche meglio! Poi magari facciamo un ghetto separato per gli immigrati per far si che non si facciano infuenzare, sai mai con certa gente…

@Lorena:

mi spiace dovertelo dire anch’io, ma dai tuoi interventi si nota che probabilmente non hai letto attentamente il Manifesto di BBD. Spero che le discussioni ti incuriosiscano e ti spingano a farlo: non si tratta di un qualunque Blog sull’indipendenza, ma di un progetto di ampio respiro… ;-)

Io nell’autonomia coltivo un ottimo miteinander. Dunque è possibile (non ho doti speciali). L’autonomia fornisce già  le basi per miglioramenti sensibili. Basta volerlo.

>Io nell’autonomia coltivo un ottimo miteinander.

Un mio carissimo amico sostiene che a Laatsch (clima secco a ca. 1000 metri di altitudine ) ci sia un’ottimo vigneto di Vernatsch… coltivare si può tutto, come vedi…

Eh, buono a sapersi per il futuro: a pensarci bene il mio amico mi deve ancora una merenda nella stube del campanile della Pfarrkirche di Mals… son cose da organisti, come si dice: trinkfest und arbeitsscheu, doch der Mutter Kirche treu

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