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Vom Schweigen der Lämmer.
Darfur

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ai


Wo bleibt die Aufregung wegen des Abschlachtens in Darfur?

Fast täglich demonstrieren die Freunde der Hamas gegen Israel, gegen die angeblichen Kindermörder, gegen den angeblichen Genozid in Gaza.

Die Hamas-Sympathisanten im Westen mischen inzwischen überall mit, in der Umweltbewegung, auf queeren Veranstaltungen, stören Diskussionen an Universitäten, pöbeln auf Straßen und Plätzen Nicht-Demonstranten an.

Keine Frage, der israelische Krieg gegen die Bevölkerung von Gaza ist kriegsverbrecherisch. Die Freunde der Hamas blenden die Massaker vom 7. Oktober 2023 gar nicht beschämt aus. Die Opfer, Mädchen, Frauen, Kinder, junge und alte Männer, die meisten Anhänger der israelischen Friedensbewegung, wurden von den islamo-faschistischen Killern bestialisch ermordet.

Darüber wird geschwiegen. Manche sehen in diesem 7. Oktober gar eine Befreiungsaktion gegen die israelischen Besatzer. Gaza war aber nicht israelisch besetzt. Wie verblendet muss man sein, drastischer, wie krank muss man sein!

Die Pro-Hamas-Sympathisanten, hysterisch und mit antisemitischem Schaum vor dem Mund, forderten 2024 auf einer Kundgebung in Hamburg gar die Errichtung eines Kalifats. Der Islamische Staat IS praktizierte einige Monate lang das Kalifat zwischen Syrien und dem Irak.

Tausende Tote waren die Folge dieses Experiments. Tausende Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt und in die Emirate als Sklavinnen verkauft. Die IS-»Kämpfer«, gar viele aus Westeuropa, fielen im August 2014 über die Jesiden her. Eine Befreiung der besonderen Art.

Von der Hamas zu den RSF

Die geistigen Brüder der Hamas, die sudanesischen Rapid Support Forces, schlachten derzeit im westsudanesischen Darfur wahllos Menschen ab. Als großzügige Sponsoren gelten die Vereinigten Arabischen Emirate, auch Russland »engagiert« sich mit seinen Söldnern an der Seite der RSF-Massenmörder. Laut der deutschen Tageszeitung taz geht es im Kampf in Darfur um Gold, Vieh und Boden.

Ins Visier der RSF gerieten die nicht-arabischen Bevölkerungen des Sudans, besonders Darfur. Die RSF hantieren mit Massenerschießungen und Massenvergewaltigungen, »Instrumente« der »ethnischen Säuberung«. Die RSF sind beeindruckend effizient und erfolgreich: Mehr als 150.000 Menschen sollen von diesen islamistischen Milizionären bereits ermordet worden sein, zwölf Millionen Menschen flüchteten vor den Killern mit dem Koran in der Hand, 25 Millionen Menschen hungern.

In Darfur findet wieder ein Genozid statt, ja, ein GENOZID! Wie schon 2003. Damals hießen die massenmordenden »Akteure« abenteuerlich Dschandschawid, »berittene Teufel«. Der sudanesischen Zentralstaat rüstete diese »Reiter« in den 1980er Jahren im Kampf gegen die schwarzafrikanische südsudanesische Volksbefreiungsbewegung kräftig auf.

Die Dschandschawid, sie ziehen wie einst die SS in Osteuropa plündernd und marodierend durch Darfur, schlachteten damals mehr als 300.000 Darfuris ab. Tausende Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt, mehr als 2,5 Millionen flüchteten aus ihrer Heimat. Ein Genozid, wie Genocide Alert versucht aufzuklären.

Die Proteste dagegen waren verhalten, überschaubar, nur wenige Demonstranten protestierten gegen den Völkermord in Darfur. Der Internationale Strafgerichtshof kam gar nicht auf die Idee, gegen die Milizionäre Anklage wegen Völkermords zu erheben.

Zweimal Genozid in Darfur

Und jetzt wiederholt sich diese Geschichte. Ein Höchstmaß an entgrenzter Gewalt fegt durch das Land, eine Gewalt, die auch von der EU alimentiert wurde. Die RSF-Truppen erhielten als »Grenzschützer« Brüsseler Euros. Sie sollten die »Weiterreise« von Migranten und Flüchtlingen aus der Sahelzone unterbinden. Ein fragwürdiger Pakt, analysierte Spiegel Online 2018 diese Kooperation zwischen der EU und den Gewalttätern von der RSF.

Zurecht die Kritik, wo bleibt der Protest im Westen? Wo sind die Aufgebrachten, die sich gegen dieses Massenmorden wenden?

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) dokumentiert seit Jahren die Kriegsverbrechen der RSF-Milizen, 2024 belegte HRW die »ethnischen Säuberungen«. Die New York Times schlug publizistisch Alarm, die Welt scheint nicht in der Lage oder nicht willens zu sein, den Genozid zu stoppen.

Ein Versuch einer Erklärung: Hier massakrieren nicht Israels — also Juden — ihre arabischen Nachbarn, sondern muslimische Araber ihre nicht-arabischen Nachbarn. Klartext, der Antisemitismus heizt den Protest gegen den israelischen Krieg in Gaza an, der Antisemitismus ist der Brandbeschleuniger für die weltweiten antiisraelischen und antijüdischen Demonstrationen. Diese schweigen zu Darfur, wie eben Schafe und Lämmer.

Während Hamas-Kundgebungen von vielen tausenden Demonstranten unterstützt werden, bleiben und blieben Solidaritätskundgebungen für Darfur überschaubar. Wie letzthin in Berlin vor dem deutschen Außenministerium. Mit einer Mahnwache versuchte die Salam Sudan Campaign, ein Bündnis sudanesischer Initiativen, auf die Gräueltaten der RSF aufmerksam zu machen. Nur die Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker unterstützte die Aktion.

Die Darfuris bleiben sich selbst überlassen, werden im Stich gelassen. Obwohl die Gräuel in Darfur die Gräuel in Gaza bei weitem übertreffen, obwohl in Darfur tatsächlich ein Genozid stattfindet.

Das Bündnis der Schweigenden reicht vom demokratischen Westen, über die UNO, dem Internationalen Strafgerichtshof bis hin zu den antiisraelischen Hassern, die seit Monaten den angeblichen Völkermord in Gaza anprangern. Auch in Bozen. Pharisäer unter sich.

Cëla enghe:


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Comentârs

3 responses to “Vom Schweigen der Lämmer.
Darfur

  1. Steffl avatar
    Steffl

    Mir fehlt im öffentlichen Diskurs seit Jahren (das war gefühlt vor 10 Jahren noch anders) die goldene Mitte. Es wird , wie gesagt gefühlt, nur mehr in Gut und Böse unterteilt. Dort Israel-Fans, hier Palästina-Applaudierer. In der Pandamie, beim Ukraine-Krieg, immer ähnliche Muster. Wo bleibt die vernünftige Mitte, die mit sich reden lässt und alles ein wenig aus der Vogelperspektive betrachtet oder mehrere Seiten zu Wort kommen lässt? Weder die Hamas noch die radikalen Siedler im Westjordanland (wo gibt es eigentlich Artikel diesbezüglich?) oder die Kriegstreiber und Extremisten auf der einen wie auf der anderen Seite haben wahrscheinlich dauerhaft friedliche Lösungen im Sinne…oder täusche ich mich?

    1. Harald Knoflach avatar
      Harald Knoflach

      wo gibt es eigentlich Artikel diesbezüglich?

      Hier zum Beispiel https://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=84545

      Untrennbar verbunden mit der Netanjahuisierung Israels sind religiöse Fanatiker, bekennende Rassisten und radikale Zionisten- und Siedlerbewegungen. […] Für eine stabile Mehrheit hat sich Netanjahu und sein national-konservativer Likud zu einer Koalition mit ultraorthodoxen und rechtsextremen Parteien entschieden, die enge Verbindungen zu radikalen Siedlerbewegungen pflegen. Der israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir beispielsweise lebt selbst in einer israelischen Siedlung bei Hebron. 2007 war er wegen rassistischer Aufhetzung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt worden. Und auch als Minister der Partei Otzma Jehudit (“Stärke für Israel”) schlägt er rassistische Töne an und arbeitet an der Entrechtung bis hin zur Aussiedlung arabischer Israelis und der Palästinenser. Ziel von Ben-Gvir ist auch eine massive Bewaffnung der rund 500.000 Siedler im Westjordanland.

      Unterstützt durch den Terroranschlag vom 7. Oktober haben derartige Figuren den radikalen, rassistischen Siedlern im Pulverfass Westbank weiter Auftrieb verliehen und die ohnehin schon angespannte Situation zwischen Siedlern und Palästinensern weiter verschärft. Erstere haben bereits in den vergangenen Jahren immer wieder palästinensische Dörfer angegriffen, Häuser in Brand gesetzt und landwirtschaftliche Flächen zerstört sowie Bewohner und Bauern gewaltsam vertrieben. Das israelische Militär schaut bei diesen Aktionen nicht selten tatenlos zu. Die israelische Menschenrechtsorganisation Yesh Din hat 1.664 Fälle von Siedlergewalt gegenüber Palästinensern zwischen 2005 und 2023 untersucht. In nur 3 % der Fälle kam es zu einer Verurteilung. Seit dem Terroranschlag am 7. Oktober hat die Lawlessness noch einmal zugenommen. Seither haben Siedler laut einem Bericht von zwölf europäischen Staaten sowie Australien und Kanada mehr als 340 Angriffe begangen, acht palästinensische Zivilisten getötet, mehr als 80 verletzt und rund 1.000 Palästinenser aus ihrem Zuhause vertrieben. Im selben Zeitraum wurden auch sechs Israelis getötet. […]
      Mitunter die radikalsten zivilgesellschaftlichen Akteure – zumindest auf israelischer Seite – finden sich im Siedlermilieu. Seit dem 7. Oktober gibt es aber nicht nur dort die Tendenz, dass vermehrt private, bewaffnete Milizen gegründet werden. Mehr als 900 solcher „Kitat Konenut“ sollen es im ganzen Land seit dem Terroranschlag sein. Gleichzeitig explodiert die Zahl der Waffen in privater – vornehmlich jüdischer – Hand. Vor allem die arabischen Israelis fürchten, dass sich die gesteigerte Aggression auch gegen sie richten könnte. […]
      Ob sich jedoch die Situation der Palästinenser schlagartig bessern würde, wenn sie dem gewaltsamen Widerstand abschwören, darf angesichts rechtsextremer Kräfte und religiöser Fanatiker in der israelischen Regierung, radikaler jüdischer Siedler und einer – milde ausgedrückt – nicht gerade wohlwollenden Haltung der israelischen Bevölkerung gegenüber den Palästinensern bezweifelt werden.

      1. Steffl avatar
        Steffl

        Vielen Dank für das Weiterleiten des Artikels. In Zeiten eines immer rauher werden Umgangstons und multiplen Krisen ist es wichtig, möglichst verschiedene Sichtweisen aufzuzeigen (und v.a. auch anzuhören, das Bekannte “audiatur et altera pars” nimmt meist schon die Hälfte aller aufgestauter Emotionen aus dem Spiel), um die extremen Polarisierungen in verschiedenen Gesellschaften weltweit und lokal zu bremsen.

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