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Ach, die österreichische Notarztausbildung!

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Für die Primarin der Bozner Notaufnahme kommen Südtiroler Medizinstudenten nicht in Frage

Primarin Elena Carion beklagte auf Rai Südtirol den Personalmangel in ihrer Abteilung, in der Notaufnahme des Bozner Krankenhauses. Sechs von 28 Arztstellen sind nicht besetzt.

Mit der seit Anfang des Jahres ausbezahlten Stundenprämie von drei Euro brutto werden wohl kaum Notärzt:innen angelockt werden können. Sie verweist darauf, dass bei einem 12-Stunden-Turnus insgesamt 36 Euro brutto ausbezahlt werden. Klingt nach einem schlechten Witz. Es scheint, Notärzt:innen sind nicht systemrelevant.

Dann wird es einigermaßen schräg. So kanzelt die Primarin die Einbindung von Südtiroler Ärztinnen und Ärzten in österreichischer Ausbildung als nicht machbar ab. Wegen des österreichischen Ausbildungsmodells können sie nicht angestellt werden, zitiert Rai Südtirol Primarin Carion: »Denn eine Notarztausbildung wie wir sie in Italien haben, gibt es in Österreich nicht.«

Echt? Die italienische Notarztausbildung top, die österreichische fragwürdig? Ich habe eine gänzlich andere Erfahrung gemacht. Doch der Reihe nach.

Der Allgemeinmediziner Oliver Hopfgartner staunt über die Aussage von Primarin Carion. Der aus Gais stammende Ärzte-Sohn studierte in Graz Medizin und praktiziert in einer steirischen Gemeinde als Allgemeinmediziner. In Österreich ist die Materie anders geregelt als in Italien, entgegnet Hopfgartner. Ein Allgemeinmediziner absolviert eine von der Ärztekammer zertifizierte mehrjährige berufsbegleitende Ausbildung zum Notarzt, beschreibt Hopfgartner die österreichische Arztausbildung. Diese Art der Ausbildung gilt auch für die Bereiche Sport und Arbeit.

Allgemeinmediziner Hopfgartner betreut aufgrund seiner berufsbegleitenden Ausbildung auch zwei große Autozulieferer. In Italien dürfte Hopfgartner aber nicht als Arbeitsmediziner arbeiten. Ist die österreichische Arbeitsmedizin im Vergleich zur italienischen mangelhaft? Können unterschiedliche Systeme gegeneinander ausgespielt werden? Eben auch die Notfallmedizin?

Hopfgartner beschreibt die Notfallmedizin als eine breite Mischung, die zwischen Unfallchirurgen, Anästhesisten/Intensivmedizinern, Allgemeinchirurgen und Internisten aufgeteilt ist. Aktuell wird in Österreich auch darüber diskutiert, für die Notfallmedizin einen eigenen Facharzt zu schaffen. Hopfgartner ist aber überzeugt, dass auch Allgemeinmediziner in den Notaufnahmen Abhilfe schaffen könnten. Die meisten Patienten der Notaufnahme kommen mit gesundheitlichen Problemen, die von Allgemeinmedizinern leicht behandelt werden können, ist er überzeugt: Blutdruckentgleisungen, Rückenschmerzen, Lungenentzündungen und andere Infekte, zu nähende Verletzungen, all das können Allgemeinmediziner leisten und die Fachärzte, die Notfallmediziner wären entlastet.

Trotz der größeren Flexibilität ist auch in Österreichs Notfallambulanzen die Lage schwierig. Übervoll, lange Wartezeiten, das Gesundheitswesen ist unterversorgt.

Meine Erfahrungen — klar, es sind keine wissenschaftlichen Erhebungen — an der Notaufnahme am Bozner Krankenhaus und am Krankenhaus in Linz könnten aber unterschiedlicher nicht sein.

Vor elf Jahren brachte mich mein Sohn in die Notaufnahme des Bozner Krankenhauses. Mein Hausarzt empfahl dies nach einem kurzen SMS-Verkehr dringend. Ein Herzinfarkt bahne sich an, warnte er mich. Die Notaufnahme war hoffnungslos überfüllt, der Schalterbedienstete überlastet und gestresst. Er hörte mir gar nicht zu, ich sollte warten, bis ich an die Reihe komme.

Nachdem mein Zustand sich rapide verschlechterte, schlug mein Sohn Alarm und ich wurde auf die »Station« gebracht. Der diensthabende Notarzt unterzog mich einem Elektrokardiogramm und stellte fest, es gäbe keinen Herzinfarkt. Ein zweites EKG folgte, nachdem ich — wegen der Schmerzen — heftigst darauf gedrängt hatte. Nix zu sehen, sagte der Notarzt entnervt und wollte mich entlassen. Ich bestand auf ein drittes EKG, auch mit dem Hinweis, mein Hausarzt kenne mich seit drei Jahrzehnten, er wisse, was los ist. Zusatz, ich würde in der Notaufnahme randalieren, kündigte ich Protest an, sollte er die Untersuchung abbrechen.

Beim dritten EKG stellte der Notarzt dann definitiv den Infarkt fest. Die Ausbildung zum Notarzt ist per se keine Gewähr und keine Garantie. Im Reha-Zentrum Salus lernte ich einen Herzpatienten kennen. Er erzählte auch von seiner Erfahrung in der Notaufnahme am Bozner Krankenhaus. Er wurde nach dem ersten ergebnislos EKG nach Hause verschickt. Dort kam dann der Infarkt. Er überlebte, weil seine Frau früher nach Hause kam und die Rettung alarmierte, musste sich aber einer großen, lebensrettenden Operation unterziehen.

Sein Fall, mein Fall, hoffentlich nur Einzelfälle. Jetzt das Gegenstück dazu — auch nur Beispiele persönlicher Erfahrung, aber immerhin.

Vor zwei Jahren im September suchte ich in Linz die Notaufnahme des Ordensklinikums auf. Die Notaufnahme war hoffnungslos überfüllt, die dort Arbeitenden — Pflegende wie Ärzt:innen — holten aus der Menge die »notmedizinischen« Fälle heraus. Mich auch. Von der Aufnahme, der Registrierung, bis zu den ersten Untersuchungen, Blutproben, Röntgen usw. vergingen höchstens zwei Stunden. Dann stand das Ergebnis fest. Eine lebensrettende Operation war notwendig.

So miserabel wird die Ausbildung der österreichischen Notfallmediziner:innen dann wohl nicht sein.

Ich machte noch eine zweite Erfahrung mit der Notfallambulanz des Ordensklinikums. Am 8. Dezember 2025 suchte ich die Notaufnahme auf, wegen tagelangen heftigen Fiebers, unerträglichen Rücken- und Magenschmerzen. Aufnahme, Behandlung und erste Ergebnisse der Blutproben, innerhalb einer Stunde, wohl ein Beleg dafür, dass die Notaufnahme bestens funktioniert.

Warum sollen Südtiroler Jungärzt:innen, die an Österreichs Med-Universitäten ausgebildet wurden und eine Notarzt-Spezialisierung durchlaufen, nicht an Südtirols Krankenhäusern arbeiten dürfen? Wegen des italienischen Reglements? Funktionieren die Notaufnahmen an den Krankenhäusern in Italien deutlich besser als jene an Österreichs Krankenhäusern?

Liegt Primarin Carion mit ihrer Kritik auf der Linie der Ärztegewerkschaft ANAAO? Diese autonomiefeindliche Gewerkschaft versuchte mit einem Rekurs, die grenzüberschreitende Facharztausbildung zu blockieren. Sechs Jahre lang dauerte der Rechtsstreit, das angerufene Gericht bestätigte das Ausbildungsmodell.

Das italienische System setzt auf die universitäre Ausbildung mit wenig klinischer Praxis. In Österreich dürfen auch periphere Krankenhäuser ausbilden. Die Teilnehmenden an dieser Ausbildungsform finden, dass sie patientennäher und flexibler ist. Warum soll das nicht auch für die Notfallmedizin gelten?

Cëla enghe:


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Comentârs

10 responses to “Ach, die österreichische Notarztausbildung!”

  1. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Wenn italienische Spitzenpolitiker ein schwerwiegendes gesundheitliches Problem haben, dann lassen sie sich schnellstens in die Schweiz, nach Österreich oder Deutschland fliegen.

    1. Harald Knoflach avatar
      Harald Knoflach

      Hast du Belege und Beispiele für diese Behauptung. Würde mich interessieren.

      1. Hartmuth Staffler avatar
        Hartmuth Staffler

        Ich weiß, dass meine Beiträge hier, aus welchem Grund auch immer, nie ernst genommen und immer angezweifelt werden, was mich aber nicht abschreckt. Dass z.B. Silvio Berlusconi sich nur in der Schweiz hat behandeln lassen, dürfte wohl allgemein bekannt sein. Ein Beispiel von vielen.

      2. Harald Knoflach avatar
        Harald Knoflach

        Nö. Mich interessiert ernsthaft, welche italienischen Spitzenpolitiker sich in der DACH-Region anstatt in Italien behandeln lassen. Besonders Österreich würde mich interessieren. Wer lässt/ließ sich in Österreich behandeln?

      3. Harald Knoflach avatar
        Harald Knoflach

        Berlusconis Stammkrankenhaus war doch immer San Raffaele in Mailand, oder nicht? Dafür, dass er sich nur (!) in der Schweiz behandeln ließ, finde ich keinen Beleg. Lediglich, dass er sich nach dem Attentat in eine Tessiner Spezialklinik für plastische Chirurgie begab. Andere schwere Erkrankungen (Leukämie usw.) wurden in Italien therapiert.

  2. Wolfgang Mayr avatar
    Wolfgang Mayr

    Ich habe nichts behauptet, sondern meine Erfahrungen beschrieben. Möglicherweise sind meine Erfahrungen, wie auch schon angedeutet, nur Einzelfälle und deshalb kein “Gesamtbild”.

  3. Lukas Raffl avatar
    Lukas Raffl

    Die Primarin behauptet nicht, dass die österreichische Ausbildung schlechter ist, sondern weist nur auf bestehende Regelungen hin.

    1. Simon avatar

      Ja, so hätte ich es auch verstanden. Was aber wiederum zeigt, wie sehr uns die Zugehörigkeit zu Italien und die mangelhafte Autonomie auch in solchen Detailfragen immer wieder schaden, weil wir sinnvolle, auf der Hand liegende Lösungen nicht umsetzen können und dürfen.

    2. G.P. avatar
      G.P.

      Gut möglich. Aber Regelungen lassen sich ändern, wenn man nur will. Sie sind nicht gottgegeben, obwohl das bei uns sehr oft den Anschein erweckt.

  4. tokville avatar
    tokville

    Ein echter Fortschritt für die deutsche Sprachgruppe wäre eine direkte automatische Anerkennung deutscher, österreichischer und Schweizer Studien- und Berufstitel für Medizin, Psychologie und Ingenieurwesen.

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