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Schlechte Erfahrung mit der neuen Kinderärztin.
Bericht

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Gastbeitrag1Die Namen der Betroffenen sind uns bekannt

Am 29. April erreichte uns ein auf den 14. April datierter Brief des »Amtes für Verwaltungsaufgaben« des Gesundheitssprengels Brixen. Darin wurde uns mitgeteilt, dass die Ärztin unseres Kleinkindes ihre Tätigkeit mit 30. April beenden werde.

Wir waren zufällig bereits darauf vorbereitet, weil wir einige Wochen zuvor eine Impfauffrischung im Mai vereinbaren wollten. Dabei hatte uns die Ärztin eröffnet, dass sie dann schon nicht mehr im Dienst sein werde. Wir würden jedoch noch rechtzeitig offiziell informiert und könnten anschließend eine andere Kinderärztin bzw. einen anderen Kinderarzt wählen.

Im Brief des Sprengels, der — dank der »Effizienz« von Sprengel und Post — mit einem Tag Vorlauf eingetroffen war, hieß es, die notwendige Neuwahl könne ab dem 4. Mai »über myCivis, direkt beim Schalter des Sprengels Brixen oder über E-Mail erfolgen«. Es war also offenbar vorgesehen, dass die vermutlich mehreren hundert Patient:innen unserer Kinderärztin, mit der wir übrigens sehr zufrieden gewesen waren, mehrere Tage ohne ärztliche Ansprechperson bleiben würden.

Leider war es weder am 4. Mai noch an den darauffolgenden Tagen möglich, die Wahl online über myCivis vorzunehmen. In der Elektronischen Gesundheitsakte (EGA) hatten wir die Vertretung für unser gut einjähriges Kind zwar korrekt eingerichtet, doch unter dem Punkt »Online-Wahl des Arztes für Allgemeinmedizin oder Kinderarztes freier Wahl« (weibliche Ärztinnen sind anscheinend nicht vorgesehen) erschien neben dem Namen unseres Kindes bei »Vertretungen« lediglich der Hinweis »für diesen Dienst nicht verfügbar«.

Da uns unklar war, wie die Wahl »über E-Mail« funktionieren sollte, ohne dass eine Liste der verfügbaren Ärzt:innen bereitgestellt worden wäre, begaben wir uns einige Tage später persönlich zum Sprengel. Wenigstens bot uns das die Möglichkeit, nachzufragen, ob die neue Kinderärztin (wie die bisherige) auch Deutsch spreche. Das ist in unserem Fall besonders wichtig, weil nicht beide Elternteile Italienisch beherrschen. Die Antwort lautete beruhigend: »Selbstverständlich«.

Wie es bei Kleinkindern vorkommt, waren wir schon wenige Tage später unerwartet auf die neue Ärztin angewiesen, weil unser Kind sehr hohes Fieber bekam. Wir versuchten mehrfach, sie während der Ordinationszeiten telefonisch zu erreichen, um einen Termin zu vereinbaren — ohne Erfolg. Einen zwischenzeitlichen Rückruf verpassten wir leider. Als wir die Ärztin am folgenden Tag erneut nicht erreichen konnten und das Fieber nicht sank, beschlossen wir kurzerhand, die Praxis direkt aufzusuchen. Wir trafen kurz nach Öffnung ein.

Obwohl wir läuteten und die Klingel gut hörbar funktionierte, öffnete uns niemand. Erst als wir beinahe wieder gehen wollten, öffnete sich die Türe doch noch von selbst. Offenbar war sie mit einem Bewegungssensor versehen, der sehr schlecht eingestellt war und nur öffnete, wenn man sich auf eine bestimmte Weise und sehr nah an die Tür stellte.

Im Warteraum saß vor uns lediglich ein Paar mit einem sehr kleinen Baby. Mehrmals läuteten weitere Personen an der Tür, doch niemand öffnete. Schließlich beschlossen wir, selbst nachzusehen und Wartende hereinzulassen, weil sich offensichtlich niemand zuständig fühlte und mehrere Menschen dieselben Schwierigkeiten mit dem Zugang hatten wie wir.

Die gesamte Ordinationszeit an diesem Tag umfasste nur zwei Nachmittagsstunden. Trotzdem schien kaum etwas voranzugehen. Erst nach rund einer Dreiviertelstunde öffnete sich zum ersten Mal die Tür zum Behandlungsraum, die ausschließlich mit »Ambulatorio« beschriftet war. Eine Mutter mit ihrem Kind kam heraus, die Tür wurde wieder verschlossen und die Ärztin verschwand erneut.

Weitere zehn lange Minuten später wurde schließlich das Paar vor uns aufgerufen.

Wir wollten uns nicht vordrängen, um uns anzumelden, sondern zumindest unsere chronologische Reihenfolge abwarten. Die Hoffnung, dass es diesmal schneller gehen würde, erwies sich jedoch als Illusion. Das Pärchen und das Baby waren sogar nahezu eine Stunde bei der Ärztin. Andere Eltern, teils mit sehr kleinen und vermutlich kranken Babys, warteten bereits weit über ihre eigentlichen Termine hinaus. Unser Kind war glücklicherweise ruhig. Bei unserer früheren Kinderärztin hatten wir nie länger als zehn bis fünfzehn Minuten warten müssen. So große Verzögerungen trotz Terminvereinbarung sind hingegen gerade mit kleinen Kindern eine große Belastung.

Zwischendurch wollten wir unser Kind wickeln — doch ausgerechnet in der Toilette einer Kinderarztpraxis mussten wir feststellen, dass es keinen Wickeltisch (und auch sonst nirgends ausreichend Platz) gab. Da es noch nicht dringend war, verzichteten wir zunächst darauf.

Als das Pärchen vor uns endlich herauskam, waren die offiziellen Öffnungszeiten der Praxis schon fast um. Mehrere Personen warteten weiterhin, andere hatten inzwischen aufgegeben und waren gegangen. Wieder blieb die Tür des Behandlungsraums länger geschlossen.

Als schließlich die nächsten Personen — die nach uns gekommen waren, aber einen bereits überfälligen Termin hatten — aufgerufen wurden, sprachen wir die Ärztin kurz an und fragten, ob sie unser Kind angesichts der aus unserer Sicht ernsten Symptome noch vor Dienschluss ansehen könne.

Doch mit Verweis auf ihren Rückstand mit den geplanten Terminen lehnte sie dies einfach ab. Sie warf nicht einmal einen kurzen Blick auf das Kind, um sich zumindest ein oberflächliches Bild vom Zustand zu machen. Zunächst meinte sie, wir könnten eventuell die Notaufnahme des Krankenhauses aufsuchen, da sie auch am Folgetag keine freien Termine mehr habe. Kurz darauf ging sie allerdings doch zu ihrem Kalender und fand überraschend noch einen Termin für den nächsten Tag.

Auf unsere Frage, ob sie Deutsch spreche, antwortete sie kategorisch mit Nein. Wenn nur jener Elternteil zum Termin kommen könne, der nicht Italienisch spricht, müsse eben der andere Elternteil telefonisch erreichbar sein, um mit der Ärztin zu kommunizieren bzw. um zu dolmetschen.

Eine sehr freundliche Mutter, die die Situation mitverfolgt hatte, bot uns sogar an, uns vorzulassen, damit unser Kind doch noch am selben Tag untersucht würde. Doch das hätte die Ärztin mit Verweis auf ihren Rückstand sicher abgelehnt. Zudem waren wir inzwischen so erschüttert darüber, dass eine Kinderärztin ein offensichtlich krankes Kleinkind noch nicht einmal kurz ansehen wollte, dass wir beschlossen, direkt in die Notaufnahme zu fahren.

Dort trafen wir auf das Paar, das vor uns im Warteraum gesessen hatte. Wie sie uns erzählten, hatte die Kinderärztin sie (nach fast einer Stunde im Behandlungsraum) ebenfalls an die Notaufnahme verwiesen.

Bei uns ging nach der Triage alles sehr schnell: Aufgrund seines Zustandes wurde unser Kind vorgezogen. Die Diagnose lautete beidseitige Mittelohrentzündung. Die diensthabende Kinderärztin zeigte sich verwundert, dass unser Kind nach gut zwei Tagen mit so hohem Fieber noch keiner Ärztin bzw. keinem Arzt vorgeführt worden war. Als wir kurz unsere Erfahrung schilderten, antwortete sie mit einem lapidaren: »Wir kennen das«.

Uns wurde ausdrücklich empfohlen, das verschriebene Antibiotikum noch am selben Abend über den Nachtdienst der Turnusapotheke zu besorgen, da ein späterer Behandlungsbeginn ein unnötiges Risiko dargestellt hätte.

Einige Tage später wandten wir uns zur Kontrolle an eine privat bezahlte Kinderärztin. Als wir erklärten, dass wir wegen schlechter Erfahrungen mit der neuen Kinderärztin zu ihr gekommen seien, wusste sie — ohne dass wir den Namen überhaupt genannt hatten — sofort, um wen es sich handelte. Sie sagte uns zudem, dass sie gar keine Facharztausbildung habe, eine Information, die wir nicht überprüfen können. Das ärgere sie doppelt: Einerseits fachlich, andererseits auch, weil Personen, die einen ausländischen Facharzttitel haben, oft längere Zeit nicht praktizieren dürften. »Und jetzt stellen sie Leute ganz ohne Facharztausbildung ein.«

Unser Entschluss steht inzwischen fest: Entweder wir versuchen erneut, die Kinderärztin bzw. den Kinderarzt zu wechseln, oder wir werden nur noch privat zur Kinderärztin gehen und selbst bezahlen.

Wir können uns das zum Glück leisten, auch wenn es eine zusätzliche Belastung darstellt. Viele andere Familien können es wahrscheinlich nicht. Wer nicht privat ausweichen kann, muss aber unter Umständen eine Versorgung akzeptieren, die womöglich selbst zum Gesundheitsrisiko wird.

Willkommen in der Zweiklassenmedizin.

Hinweis an den Gesundheitsbetrieb: Dieser Bericht ist ausdrücklich nicht eine Genehmigung, die Identität oder die Krankengeschichte der Betroffenen publik zu machen.

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    Die Namen der Betroffenen sind uns bekannt

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Comentârs

One response to “Schlechte Erfahrung mit der neuen Kinderärztin.
Bericht

  1. G.P. avatar
    G.P.

    Business as usual … in Südtirol. Man könnte auch sagen: Läuft!

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