Landesgericht verhöhnt Deutschsprachige.

Bereits vor geraumer Zeit hatte ich angeprangert, dass sich in Südtirol die Justiz — welche eigentlich der Missachtung von Gesetzen Einhalt gebieten müsste — über Pflichten wie jener zur Zweisprachigkeit hinwegsetzt. Dass sich seitdem nichts geändert hat, beweist die Webpräsenz des Landesgerichts eindrücklich: Die katastrophale deutschsprachige Version der Seite ist faktisch unbrauchbar. Zu allem Überfluss ist im Disclaimer von »größter Sorgfalt und Aufmerksamkeit« die Rede, was in diesem Kontext nach Bürgerverhöhnung klingt.

Einige Schnappschüsse der deutschen Version (!?) der Homepage:

Hauptseite (oben links); Suchmaske Immobilienversteigerungen (o.r.); Versteigerungskalender (u.l.); gefundenes Versteigerungsobjekt (u.r.).

Im Grunde beschränkt sich die »deutsche« Seite im großen und ganzen auf die Immobilienversteigerungen, also auf den Bereich, wo mit den Bürgern Geld gemacht wird. Wichtige Bürgerdienste wie Öffnungszeiten des Gerichts, Formulare, Ausländernotariat, gemeinnützige Arbeiten und selbst sprachlich relevante und sensible Dienstleistungen wie die Einsichtnahme und die Bestätigung der erfolgten Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung sind ausschließlich über die italienische Version der Seite erreichbar. Letztere ist von der deutschen Seite nur über den Verweis www.provincia.bz.it (vgl. Abb. oben links) verlinkt, aber da muss man schon selber draufkommen.

13 Replies to “Landesgericht verhöhnt Deutschsprachige.”

  1. … das passt ja alles zusammen: ich kann mich immer noch an den Ausspruch eines leitenden Richters (meines Wissens “Hochetscher” deutscher Muttersprache) erinnern, welcher meinte, “der Blick aus meinen Amtsräumen auf das MussoliniRelief stört mich überhaupt nicht!”

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  2. Das klingt weniger nach einer schlechten Übersetzung als nach erstklassigem Südtiroler-Deitsch. Wer sich für solche und ähnliche sprachliche Manifeste unserer “kulturellen” Eigenständigkeit bedanken will, der sollte seinen Dank gen Rom richten und auch den Politikern in Bozen eine Karte schicken. Dass einige Seiten nicht in deutscher Sprache verfügbar sind, ist wieder ein ganz anderes Kapitel.

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    1. Gefüllt mit Aussparungen und fragwürdigen Übersetzungen, oftmals semantisch zwei bis mehrdeutig und syntaktisch zum fremdschämen, so scheint mir die Juristen- und Beamtensprache in unserem Land. Vielleicht liegt es nur an einer statistischen Schwankung und der relativ geringen Anzahl an Behördengängen die ich bis jetzt “erleben” durfte, aber ich habe immer wieder sie Erfahrung gemacht, dass man in öffentlichen Stellen ein Wörterbuch braucht, um den Inhalt eines Formulars oder einer Mail rekursiv zu analysieren. Das Hochdeutsch das viele gebrauchen ist eben oft inkorrekt und von eingedeutschten Wörtern gesäumt – empirisch gesehen und ohne statistischer Relevanz, möchte ich dazu aber anmerken.

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    2. Diese Einschätzung teile ich zwar, sie trifft aber m. E. keinesfalls auf den vorliegenden Fall vor. Hier liegt nicht einmal der ernsthafte Versuch vor, eine wie auch immer geartete Form von Zweisprachigkeit anzubieten.

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  3. ich danke für dieses posting

    ich habe mich auch schon öfters über die miserable deutsche version geärgert- im übrigen ist sie grundsätzlich völlig unzureichend strukturiert, aber das ist eine andere geschichte…

    ärgern tu ich mich aber vor allem über mich selbst, weil mir erst durch dieses posting wirklich auffällt, wie sehr eine deutschsprachige darstellung verweigert wird – ich glaube ich bin ein stück weit assimiliert, habe mich damit abgefunden, dass nicht immer die muttersprachliche version zur verfügung steht – und das gefällt mir nicht!

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