Was erlauben Mussner?

Der tätliche Angriff eines Journalisten auf seinen Kollegen Mauro Keller (Video 33) bei einer Veranstaltung der Journalistenkammer in Bozen ist derzeit in aller Munde. Der Vorfall ist mittlerweile Angelegenheit der Justiz, die den Angreifer hoffentlich zur Rechenschaft ziehen wird.

Die Geschichte birgt aber auch noch einen zweiten erschreckenden Aspekt. Der Anlass für die Diskussion zwischen Mauro Keller und dem ehemaligen RAI-Südtirol-Boss Markus Perwanger, im Zuge derer der Angriff stattgefunden hat — welcher jedoch nicht notwendigerweise mit dem unmittelbaren Anlass und Inhalt der Diskussion in Zusammenhang stehen muss — war folgender:

Der Südtiroler Leiter der Flugbehörde ENAC, Manfred Mussner, hat laut Augen- und Ohrenzeugen bei der Fortbildungsveranstaltung, bei der es um den Einsatz von Drohnen zu journalistischen Zwecken ging und die zur Gänze auf Italienisch abgehalten wurde, zwei (!) Einleitungssätze auf Deutsch gesagt, ehe er seinen Vortrag auf Italienisch fortsetzte. Diese Sätze seien für einige italienischsprachige Teilnehmer Grund genug gewesen, lautstark zu protestieren. Perwanger habe sich dann am Ende der Veranstaltung an die Anwesenden gewandt und erklärt, dass es unwürdig sei, wegen zweier deutscher Sätze so einen Aufstand zu machen und dass er sich deshalb persönlich betroffen fühle. In der Folge diskutierte Perwanger die Angelegenheit privat mit einigen Journalisten (unter anderem auch Mauro Keller) weiter.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: In der Landeshauptstadt Bozen sorgen zwei deutsche Sätze bei einer Veranstaltung der offiziell zweisprachigen Journalistenkammer Trentino/Südtirol, die über eine einsprachig italienische Webseite verfügt, die ihre wenigen deutschsprachigen Fortbildungskurse ausschließlich auf Italienisch ankündigt und bei der man auf Anfragen auf Deutsch italienischsprachige Antworten erhält, unter einigen der italienischsprachigen Journalisten für Aufruhr.

Diese Leute, die offenbar zutiefst einem an die 1920er-Jahre erinnernden nationalistischen Chauvinismus verhaftet und noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind, sind dann auch jene, die vor allem für die italienischsprachigen Mitbürgerinnen und Mitbürger in unserer Region meinungsbildend wirken und durch deren Filter viele Informationen laufen. Prost Mahlzeit!

Siehe auch: [1] [2]

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One Pingback/Trackback

  • Waldgänger

    Bitte übersetzen, damit die Adressaten dieses Textes ihn auch verstehen.

  • Helli

    Warum kann man die ganze Geschichte mit allen traurigen Hintergrundinformaionen in den offiziellen Südtiroler Nachrichtenportalen nicht nachlesen? Wäre das für unsere Geselschaft nicht zumutbar?

    • Hartmuth Staffler

      Sind mit den “offiziellen” Nachrichtenportalen etwa jene der Athesia gemeint? Die wird sich doch nicht selber ins Fleisch schneiden.

      • G.P.

        Gibt es andere, außer jene der Athesia, eigentlich auch? 😉
        Und außerdem: Solange es vom Land keine offizielle Pressemitteilung dazu gibt, “kann” auch nix veröffentlicht werden. So funktioniert der Südtiroler Journalismus.

    • G.P.

      DAS habe ich mich auch schon gefragt. Aber nachdem es praktisch keinen unabhängigen und vor allem kritischen Journalismus mehr gibt in unserem Land, wundert mich das nicht.

    • mf
      • Weiß man, ob/dass der Gewaltausbruch etwas mit dem Thema der Auseinandersetzung zu tun hat?

      • hunter

        @mf
        der Artikel suggeriert einen zusammenhang zwischen der “schlägerei” und dem inhalt der diskussion. ist das gesichert?

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