Katalonien hat einen neuen Präsidenten.

Nachdem die spanische Regierung und die spanische Justiz die Wahl von Carles Puigdemont, Jordi Sànchez und Jordi Turull unterbunden haben, konnte gestern mit Quim Torra (alle vier: Junts per Catalunya) endlich ein neuer Präsident der Generalitat ernannt werden. Er war von Puigdemont, der sich nach wie vor in Berlin aufhält, vorgeschlagen worden und bekam im Parlament die Stimmen von Junts per Catalunya und ERC. Die linksradikale CUP, die weiterhin an der Bestätigung von Puigdemont festhalten wollte, hatte in einer Mitgliederversammlung entschieden, mit einer Enthaltung die Wahl von Quim Torra zu ermöglichen.

Torra, der sich nach der Wahl bereits nach Berlin begeben hat, um sich mit Puigdemont abzustimmen, ist kein Vollblutpolitiker, sondern ein Quereinsteiger, der bei den Neuwahlen im Dezember zum ersten Mal ins Parlament gewählt wurde.

Das war nicht sein erster Umstieg: Schon vor Jahren hatte er einen tiefen Lebenswandel vom ranghohen Mitarbeiter der schweizerischen Winterthur-Versicherung zum Schriftsteller vollzogen. Von 2012 bis 2015 hatte er dann auch die Leitung des bekannten Born Centre Cultural in Barcelona inne.

Kurz vor seiner Wahl wurden in den sozialen Medien Tweets in Umlauf gebracht, mit denen sich Torra 2012 explizit spanier- bzw. spanienfeindlich geäußert hatte. Spekulationen, dass es sich dabei um Fakes handeln könnte, beendete Torra umgehend — er betonte aber, dass die Äußerungen längst gelöscht und zudem aus dem damaligen Kontext gerissen worden seien. Dennoch entschuldigte er sich, falls sich jemand vom Wortlaut verletzt fühle.

In einer normalen politischen Situation könnte die Sache damit gegessen sein. Katalonien befindet sich jedoch wie wir wissen schon seit Jahren im Ausnahmezustand, weshalb es besonders wichtig ist, alle »mitzunehmen«, selbst wenn die konkreten politischen Entscheidungen naturgemäß nicht alle gleichermaßen zufriedenstellen können. Bislang waren die maßgeblichen Vertreterinnen des katalanischen Separatismus (anders als etwa die spanische Regierung oder der König) stets auf Inklusion bedacht — doch das neue Kabinett von Quim Torra ist nun mit einem schweren Makel geboren.

Umso mehr wird es von äußerster Wichtigkeit sein, die diesbezüglichen — völlig berechtigten! — Zweifel mit Wort und Tat auszuräumen.

Siehe auch: [1] [2]