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Wenn die Alpini den Geschichtsunterricht übernehmen.

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Wie der A. Adige am 29. Oktober völlig unkritisch — beziehungsweise positiv — berichtet hat, mussten Schülerinnen zweier italienischsprachiger Grundschulklassen aus Bozen-Oberau kürzlich ihren Unterricht am Sitz der Militärvereinigung ANA verbringen. Anlass war die Vorbereitung auf den heutigen 4. November, an dem  die »nationale Einheit« und die italienischen Streitkräfte gefeiert werden. Das Datum bezieht sich auf den »Sieg« Italiens über Österreich-Ungarn im Jahr 1918, mit dem auch die Teilung Tirols einher ging.

Dem Bericht ist zu entnehmen, dass die Lehrerin der beiden vierten Klassen, Franca Monaco, aktiv auf die Alpini zugegangen sei und sie gebeten habe, »etwas« zum 4. November zu organisieren. Daraus sei die Idee für eine Unterrichtsstunde entstanden. Darin sei es unter anderem um die Annexion Südtirols, das Risorgimento, Garibaldi und den Zug der Tausend gegangen. Man kann nur erahnen, in welch nationalistischem Duktus diese Themen behandelt wurden.

Den Erfolg der Veranstaltung bemisst der Autor des Artikels, Stefano Segatto, vielsagenderweise daran, dass die Kinder sehr aufgeregt gewesen seien und im Vorfeld das Militärlied La Trentatrè einstudiert hätten, das sich sogar auf dem Pausenhof verbreitet habe. Andere würden in dieser Identifikation mit militärischen Symbolen wohl eher eine missbräuchliche Vereinnahmung von Kindern erkennen.

Die Alpini sprechen ausdrücklich davon, dass sie sich den Schülerinnen bekannt machen wollten. Anders gesagt: Es ging auch direkt oder indirekt um Werbung für das italienische Militär im schulischen Umfeld — dort wo Kinder im Grundschulalter besonders empfänglich und auf ein geschütztes Umfeld angewiesen sind.

Die Alpini können sich in einem solchen Setting als sympathische, volksnahe und hilfsbereite Gemeinschaft präsentieren, während die politischen und historischen Voraussetzungen für ihre Rolle in diesem Land nicht zur Sprache kommen.

Lehrerin Monaco wird abschließend mit den Worten zitiert, dass sie hoffe, noch viele weitere ähnliche Initiativen durchführen zu können.

Speziell in einem Land wie Südtirol, wo die Alpini keine neutrale Rolle einnehmen, sondern als Streitkraft der Kolonialmacht regelmäßig durch nationalistische Positionen auffallen, ist es keine unbedenkliche Angelegenheit, wenn uniformierte Soldatinnen den Unterricht übernehmen. Noch dazu ungefiltert und am Sitz ihrer Vereinigung, also in einem symbolisch stark aufgeladenen, entsprechend suggestiven Umfeld.

Eine Frage liegt auch in diesem Fall nahe: Könnte sich eine mehrsprachige Schule, die auch von deutsch- und ladinischsprachigen Kindern besucht würde, derartiger Vereinnahmung — und Werbung — entziehen?

Hinzu kommt eine weitere Dimension: Hier werden auch Kinder mit Migrationsgeschichte mit einer vom italienischen Heer geprägten Sicht auf die Geschichte — und somit auch auf die Gegenwart — Südtirols konfrontiert. Sie haben aber möglicherweise besonders wenig familiäre oder gesellschaftliche Anknüpfungspunkte zur Geschichte dieses Landes und sind der Indoktrination folglich besonders schutzlos ausgesetzt.

Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



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